Stadtbummel im historischen Chinguetti

Chiguetti steht in der UNESCO Weltkulturerbe Liste und ist seit dem 13.Jh ein Zentrum auf den Karawanenstrecken durch die Sahara. Touristisch jedoch zumindest während meinem Besuch eher Wüste als Oase. Neben den französischen Overlandern sehe ich nur eine weitere Gruppe ebenfalls Franzosen, die ich spontan befrage. Sie sind per PickUp also ein 4×4 Ausflug ab Atar gekommen und dorthin per Bus ab Flughafen NKC. Haben hier ne Woche Urlaub und wollen “in der Wüste wandern”. Hier hat man dafür noch seine Ruhe hieß es, da die paar Ergs in Marokko von Motorrädern durchwühlt sind und einem überall Leute begegnen, bringt kein einsames Wüstenfeeling. Stimmt.

Da die Altstadt von Dünen umschlossen ist und es nur den Weg durchs Oued her gibt, sieht man hier auch alle Besucher kommen. Deshalb sind auch die meisten Boutiquen mit ihren Souvenirs hier angesiedelt. Für ein historisches Stadtviertel stehen mir aber zu viele moderne Gebäude dazwischen, Betonruinen im Bau eingeschlossen, schmälert etwas den Gesamteindruck. Hier mal Bilder.

Für hübsche Details muss man schon ne Weile suchen, meist sind es dann antike Türen.

Die Bauweise ein Mix aus Lehmziegeln mit Bruchsteinen. Viele Ruinen und dazwischen immer wieder bewohnte Areale. Wenn man über die Mauern späht der typische maurische Hinterhof.

Einen hab ich sogar entdeckt, da darf man schon fast von einem Garten reden.

Neben den sonst üblichen überdachten Liegeflächen und Kochstellen manchmal Satellitenschüsseln und sonst nix als Sand. Hier mal ein Gerüst ohne die Stoffbahnen oder Palmenwedel die Schatten spenden,

Bei den Meisten aber wird der Hof als Ziegenstall genutzt. Vielleicht nochmal extra abgetrennt, aber Ziegen hat hier irgendwie jeder.

Manchmal aber auch außerhalb der Mauern eingepfercht.

Doch die meisten frei laufend durch die Gassen um essbares zu finden

Die armen Dinger werden gerne mit Abfällen und Abwasser gefüttert. Gibt ja sonst nix.

Wege gibt es nicht ohne Sand

Hecktriebler schaffen das aber, ausschließlich Mercedes wird gefahren.

Ok, ausschließlich war übertrieben, meistens noch traditioneller…

Im historischen Kern gibt es auch einige aktive Moscheen, die hier am sehenswertesten

Ansonsten soll es 5 Bäckereien geben. Hat mir ein freundlicher Bäcker erzählt den ich in seiner Stube besucht habe.

Gefunden hab ich den durch Zufall der Geräuschkulisse folgend. Er und sein Sohn haben stundenlang in der Mittagshitze abwechselnd mit Vorschlaghammer und Keil oder Axt Bäume in ofentaugliche Stücke zerkleinert. Keine Säge, nix.

Das Brot wird morgens gebacken, in kleine Baguette Form mit Tüchern abgetrennt. Immer mal ein kleiner Käfer mit eingebacken, ist halt so. Mittelalterliches Chinguetti. Im Westen gibt es dann viele verlassene “Farmen” mit teils noch Palmen im Garten, die Gebiete sind aber gut versandet und die Wüste auf dem Vormarsch. Der Bäcker dann so ziemlich am Ende davon.

Wieder zurück durchs trockene Flussbett kann das kleine Dromedar von gestern nun endlich stehen. Die Mutter hatte sich direkt neben dem Brunnen zur Niederkunft entschlossen.

Machte schon recht gurgelnde Laute wenn man ihr zu Nahe kam aber mit Geduld hab ich ein Video zusammen gestellt.

Es gibt weiter dem Oued folgend ein paar umzäunte Gärten. Zäune aus Palmenwedeln um die Ziegen abzuhalten. Das frische Grün im sandigen Boden häufig gewässert, sieht nach Getreide aus. Keine Ahnung warum hier nicht kompostiert wird, Ziegenscheiße wäre sicherlich besser als Wüstenboden… und die Köttel liegen überall in den Straßen rum.

Naja, die Frage warum stelle ich mir ja schon lange nur noch oberflächlich… Müll gibt es natürlich auch, gemischt mit eventuellem Dünger, direkt und frisch.

Der moderne Teil der Stadt eigentlich kaum optisch anders. Hinter jeder offenen Tür ein Shop mit Tee und Trockenmilch, meist noch Souvenirs. Die verschlossene Tür wohl der Eingang zum Haus/Hof.

Auch hier gibt es einen Platz der als Zentrum gelten kann.

Alles andere schwer mit KFZ erreichbar. Fahrradfahren war wie gesagt auch eine Qual.

Ich hab zwei Tage und ein Nacht hier verbracht und eigentlich alles gesehen. Abends mal zum Sonnenuntergang auf die nahen Dünen gejoggt. Und mir Gedanken gemacht wo es nun hingehen soll. Ouadane stand eigentlich auf dem Plan, wäre wie Chinguetti ebenfalls historisch nur nochmal 130Kilometer Rüttelpiste entfernt die danach auch wieder zurück gefahren werden muss um von hier dann mit weiteren 80km Wellblech wieder Asphalt zu erreichen. Irgendwie hab ich darauf echt keine Lust mehr. Das Auge der Sahara wäre in der Nähe, aber ist zu groß um es von Land aus zu erkennen, also die Sackgasse Ouadane als sinnlos abgeschrieben. Empfang ist auch bescheiden im Ort, kurioser Weise hab ich bei der Herfahrt bemerkt dass 5km nördlich 3G herrscht und ich recherchieren kann.

Ich packe also meine WALKÜRE zusammen und verabschiede mich vom Hof der Herberge. Chinguetti nix herausragendes wenn man schon einige Wüstenorte gesehen hat, war aber schön hier gewesen zu sein.

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