Der Nationalpark Banc D’Arguin

Im letzten blog berichtete ich von der recht langweiligen Fahrt die RN4 hinunter. Hier mal ein kurzer bewegter Einblick mit sandigem Seitenwind.

Bevor diese Straße gebaut wurde war die Querung der Sahara noch ein Abenteuer und ohne Wagemut und Allradfahrzeug nicht zu bewältigen. Es gibt eine historische Passage, die ich letztes Mal schon sehen wollte, Die Ebbstrandpiste oder old sandpit genannt. Wie der deutsche Name schon beschreibt wird bei Ebbe am festen Strand gefahren, man musste aber die Gezeiten gut kennen denn frühzeitig in die Flut zu gelangen hieß Fahrzeug im Meer zu versenken. Das alles fand in der Gegend des heutigen Nationalparks Banc D’Arguin statt und dieser ist auch heute mein Thema. Ein Abstecher weg von der Hauptroute. Ungefähr auf Höhe des Caps am südlichen Ende des Parks biegt die einzige Asphaltstraße ins 60km entfernte El Mamghar ab. Schnur gerade aus.

Das einzig Interessante was die drei Bilder zuvor zeigen ist der fließende Übergang vom recht dunklen Saharasand zum weißen und bei Sonnenlicht gleißend hellen Sand der Küstenregion. Ich habe aber heute nicht vor mich in ein voraussichtlich dreckiges Fischerdorf zu begeben, sondern biege mit Erreichen der Küste nach rechts also Norden ab um der festen Piste etwas zu folgen.

Endlose Weite tausende Muscheln vor dem Fahrzeug. Da muss ich mal anhalten und mir nen Überblick mit dem Fernglas verschaffen.

Vom Winde verweht könnte man behaupten, denn der ganze Berg besteht zum größten Teil aus Muschelkalk. Barfuß hier hoch zu kraxeln tat schon etwas weh. Aber wenn schon ein natürlicher Ausguck vorhanden ist…

Von oben dann in beide Richtungen die selbe Aussicht. Schwemmland und das Ufer noch weit weg. Hier habe ich einen Teil der legendären Route vor mir. Zwar etwas abgemildert durch fehlende Ebbe und Flut weil eine große Landzunge vorgelagert ist und das Ufer hier in eine Lagune verwandelt. Diese wiederum ist das Herz des Nationalparks, da im seichten Wasser die Vögel stehen.

Meine Suche hat sich aber gelohnt, denn der dünne Strich quer durch die dunkle Ebene ist nun meine Route.

Verlassen sollte man den festgefahrenen Pfad aber nicht wie die Spuren daneben zeigen. Ab und an bei Springflut oder viel Wind wahrscheinlich doch alles überflutet hier. Der Boden zur Zeit aber vollkommen trocken wie ich mich vergewissere. Außerdem liegt noch was stabilisierendes oben drauf. Salz, als Kruste, manchmal sogar in fetten Kristallen zum Kosten geeignet.

Ich finde einen passenden Platz für die Nacht da es hier sowieso kein Ziel gibt. Er liegt etwas Höher, von fester Piste umgeben und mit einigen Pflanzen in der Gegend. Also selbst wenn heute Nacht das Wasser kommen sollte bleiben meinem Heim trockene Füße. Das Meer erreiche ich mit einem 300m Marsch über stacheligen Untergrund, da anscheinend die komplette Ebene mit Muscheln und Schneckenhäusern gespickt ist.

Ich behaupte jetzt mal, dass der dunkle Bereich von der Flut eingeschlossen wird und wir grad Ebbe haben. Das Ufer also ausgefranst und der Untergrund nur sehr leicht abfallend, schätze, hier könnte man Kilometer weit reinlaufen, ist aber ne schlammige Angelegenheit. Lädt auch heute mit Wind nicht zum Baden ein. Ich erkunde also das Ufer.

Etwas Seegras, grober Sand und Kiesel und Muschelschalen. Dazwischen immer wieder und überall tote Fische.

Auf dem Abschnitt von 300m den ich besuchte mehrere Hunderte, auf die etlichen Kilometer gerechnet also Unmengen von vertrocknetem Fisch. Einige davon von Möwen angeknabbert, sonst meist noch komplett.

Entweder die kleinen Krabben in den Löchern am Strand fressen keinen Fisch oder das Angebot übersteig deren Appetit, und das sind auch Millionen…

Kann auch alles normal sein, aber ein beruhigender Anblick ist es nicht, wenn etliche Fische einfach so tot und vertrocknet am Ufer liegen. Das einzig noch nennenswerte war dieser Wirbelknochen.

Ja, ein Knochen und eigentlich ein ganz, ganz Kleiner. Meine Hand im Vergleich hat das Ding mehr als 5 Kilo gewogen und stammt also von einem Wal. Eher unwahrscheinlich dass der in die Lagune geschwommen ist, vor der offenen Küste aber schon typisch hier.
Es ist zwar sonnig wie gewohnt, aber der Wind macht es schon unangenehm und Atlas hat genug vom Exkurs. Zurück nach Hause und was anständiges Kochen. Heute deftig deutsche Küche. Panierter Blumenkohl mit Semmelknödeln. Sehr nachhaltig wenn man die Reste der Panade in die Knödel verarbeitet und das Wasser zum Vorkochen der Röschen sowie der Knödel und dann für Sauce nutzt.

Und wie gewohnt pünktlich zum besten Abendprogramm hungrig auf den Sessel geschwungen der im Windschatten der Terrasse seinen Platz hat.

Für die Detailfetischisten, es war lecker und mal wieder reichlich.

Mich passierte nur ein einziger Fischer im LandCruiser PickUp mit Helfern auf der Ladefläche und die staunten nicht schlecht hier nen Kerl beim Abendessen zu treffen. Sonst war es die ganze Nacht bis auf das Säuseln des Windes ruhig und Dunkel. Das letzte Bild vom Abend dann mit hübschem Wolkenspiel.

Der Mond übrigens am Abnehmen, weiß ich aber auch nur weil Vollmond erst war. Die optische Regel wie bei uns im Norden greift hier nicht mehr und es erklärt sich auch, warum der sichelförmige Halbmond in der Flagge liegt… Der Mond am Himmel tut es ebenfalls. Auch das Sternenbild des Orion ist am frühen Abend beim Aufgehen um 90grad verdreht, steht dann erst wieder mitten in der Nacht wie gewohnt auf den Füßen.

Morgens packe ich meine Sachen und fahre wieder zurück auf den Asphalt, folge diesem noch die letzten 20km bis zum Außenposten Fischerdorf, wenn man schonmal hier ist… Aber wie erwartet ein Drecksloch, wenn auch im Nationalpark. Die einzigen “idyllischen” Bilder dann Fangkörbe vor Fischerhütten

Oder die wenigen letzten und unbenutzten bunten traditionellen Boote.

Muss man schon schauen aus welcher Perspektive weniger Müll im Hintergrund ist, alles voll davon. Außerdem werden modernere Boote, etwas länger und breiter mit Glasfaserverstärkung (also noch mehr Plastik) und langweilig hellem Anstrich benutzt. Die Tradition der Imaghren Fischer oder wie auch immer von der Moderne eingeholt. Der dürftige Fang des morgens mit etlichen Zuschauern geputzt.

Obwohl die anscheinend genug von Fischköpfen haben, davon liegen immer wieder Tausende auf Haufen zusammen… Dass es überhaupt noch Fisch im Meer gibt…

Als Kind lernte ich Dünen an der Ostsee nicht zu betreten, weil damit die Natur zerstört wird… um hier zum Strand zu gelangen muss man durch vom Menschen gebuddelte Kraterlandschaften mit Folie ausgekleidet welche in dem Zustand aber für nix mehr zu gebrauchen… was auch immer mal deren Zweck war. Große Mülleimer sind es nicht, er ist wie gesagt überall. Echt armselig und das ich wiederhole es erneut in einem Nationalpark.

Mit einigen Stunden Bildbearbeitung könnte man hieraus wahrscheinlich eine Illusion von sauberer Energie erzeugen der das Dorf versorgt. Die Windräder drehen sich aber nicht und die wahrscheinlich von irgend einem Hilfsprojekt installierten Solarpaneele bringen es auch nicht mehr.

Fünf Meter weiter dann die nackte Wahrheit und mal wieder flammt Bedauern für die Natur und Hass gegen die Verursacher auf. In einem der Gebäude dröhnt übrigens ein Verbrennungsmotor, der nun Energie nachhaltig liefert.

Das Tor war offen, die Anlage eine Müllhalde und am Zerfallen aber 50m weiter ist die Polizeistation bei der ich meine Daten wie bei allen anderen Posten hinterlegen Muss. Er faselt was von fotografieren verboten… und verlangt einen “Fiche”. Diese von Reisenden vorbereiteten Zettel mit allen Daten entgegen nehmen ist die anscheinend einzige Aufgabe des Tages. Bei mir muss er leider seinen Stift zücken und es selbst zu Papier bringen.

Ich schäme mich nicht für meine Gedanken, denn ich wünsche mir gerade, dass die Natur endlich zurück schlägt und hier ne ordentliche Welle mal alles wegwischt. Leider wäre dann noch mehr Müll im Wasser und dafür gibt es noch immer keine Lösung. Zumindest würde es dann durch stupide Konsumenten hier nicht mehr werden. Denn genügend Menschen leben im Dorf. Ich fahre einmal durch die Gassen und will bloß noch weg hier.

Das Cap am südlichen Ende des Nationalpark Banc D’Arguin kann man sich also sparen. Und irgendwas sagt mir in meinem sonst optimistischen Inneren, dass die anderen Dörfer dazwischen ebenso aussehen. Warum auch dort anders als überall?

4 thoughts on “Der Nationalpark Banc D’Arguin

  1. Hof Schwarzes Moor says:

    Hallo Philipp!
    Wenn ch das so lese, und deine Stimmung dazu aus den Texten herauslese, kann ich nur sagen: Pass auf, dass du keinen Depri bekommst. Denn es tut schon weh, darüber zu lesen. Aber noch schlimmer ist es sicherlich, mitten drin zu sein und es “erleben” zu müssen.
    Viel Glück auf der weiteren Reise. Und ich weiß ja nicht ob es dir was bringt: Frohes Fest und guten Rutsch
    Stephan

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  2. Uli says:

    Es muss einmal eine wunderschöne Natur gewesen sein.
    Grausam, was “Zivilisation” anrichten kann.
    Kopf hoch, es kommen wieder bessere Tage.
    Schönen 24.12.! Gute Reise!
    Uli

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  3. Hans Peter Hauschild says:

    Hallo Philipp,
    es ist schon deprimierend, wie es in den Dörfern aussieht, damals (1993 bis 2005) als wir die Strandpiste gefahren sind, von Nouadhibou erst durch felsige (!) Sandwüste und dann ab Nouamghar (heute: Mamghar) 50 km an den Sanddünen entlang am Strand, letztlich 100 km weiter durch etliche Fischerdörfer bis Nouakchott, war es noch nicht ganz so schlimm, aber Mauretanien sah schon immer sehr heruntergekommen aus. Müll und tote Fische werfen sie einfach fort, der ständige Wind verteilt dann alles. Auch die “Häuser” sind ja nicht wirklich einladend … und die schreienden Kinder auch nicht.

    Der PNBA (Parc National du Banc d’Arguin) ist übrigens mit riesigem Aufwand eingerichtet und betreut worden, Gelder aus Frankreich, Spanien und Deutschland wurden eingesetzt, die GTZ unterhält (…-hielt?) lange Jahre zwei Infostationen im Park und in Nouakchott.

    Im Diawling Park im Überschwemmungsgebiet an der Senegalmündung (Grenzübergang Diama) baut Mauretanien mit Chinas Hilfe gerade einen neuen Großhafen, täglich fahren seit Jahren unzählige LKWs durch den Park und transportieren Felsbrocken zur Küste, um das Land zu befestigen – vorbei an den Infotafeln, die die deutsche Unterstützung für den Park dokumentieren !

    Trotzdem wünschen wir dir ein paar aufmunternde Momente, hier ist grad Weihnachten (:::),
    verlier deinen Optimismus nicht:
    Today is a good day – Auto fährt, Hund ist ok, Philipp ist gesund, Essen und Trinken sind ausreichend, Sonne scheint und so weiter …
    Wir sind jedenfalls in Gedanken und im blog bei dir und wenn was fehlt, dann sags einfach, kriegen wir schon hin.
    Viele Grüße,
    Hans Peter und Bärbel

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