Roadtrip Mauretanien – Blues der Straße

Wie befürchtet ist abseits der Straßen des Landes also direkt mit Wüste zu rechnen. Dass ich beim letzten Besuch hier im mb407 noch Gelände untauglicher war stand fest. Aber auch mit der kurzen, agilen WALKÜRE bleibt Wüste nun mal Sand und darin bleibt man schnell stecken, wie sich am Abend zuvor schnell gezeigt hat. Vielleicht habe ich diese Erinnerung benötigt um mein Vorhaben entlang des Erzzuges zu fahren komplett zu verwerfen. Es hieß in Bou Lanouar zwar noch es gibt eine Seitenpiste 40km weiter südlich die sich später vereint, aber alles vage Vermutungen und ich finde nichts passables in der Gegend.
Es bleibt mir also nix übrig als erst einmal in Richtung NKC der RN4 zu folgen, der Autobahn durch die Sahara. Mit all den üblichen Erscheinungen am Straßenrand. Alle paar hundert Meter kaputte Reifen und alle paar Kilometer Autowracks.

Muss aber erwähnen oder behaupte, dass es weniger als beim letzten Besuch waren, vielleicht hat jemand aufgeräumt? Im Zuge der Bauarbeiten unweit der Strecke wäre das sinnvoll, bei all dem Stahl der dort in die Wüste gesetzt wird.

Ja, Hochspannungsmasten die wahrscheinlich den ganzen Weg bis zur Hauptstadt folgen werden., Start der gestern im blog erwähnte Windpark zwischen Nouadhibou und Bou Lanouar. Das muss man sich mal vergegenwärtigen. 500km Stromtrasse mit Masten alle paar hundert Meter, unglaubliches Projekt. Zu zählen hab ich aber gar nicht angefangen… obwohl ich die Zeit dazu hätte.

Aber die Straßenverhältnisse erfordern doch Aufmerksamkeit. Es gibt viele unterschiedliche Stücke und auch immer mal wieder restaurierte Abschnitte. Noch keine 10Jahre alt und mit europäischen Mitteln gebaut aber afrikanische Ausführung hält nun einmal nicht lange…

Der Sonne entgegen müsst ihr meine Leser also heute mal da durch. Der blog ist nunmal ungeschönt und real. Es ist laaangweilig, vor allem bei meiner nun eingeschlagenen Reisegeschwindigkeit von 50-55km/h. Zustand der Straße ist ein Kriterium, aber die 10km/h Verringerung hat erneute 1-1,5L Kraftstoffersparnis gebracht und die Walküre bewege ich mit aktuell 8,5Litern durch die Sahara. Wenn auch der Umweg doppelt so lang ist hätte ich offroad mehr Diesel verbraucht. Hier mal wieder ein frisches Wrack am Straßenrand. Discovery zum PickUp mutiert. Keine Ahnung wie der solch immensen Heckschaden erleiden konnte.

OK, die Auflösung des Rätsels dann etwas später. Auf dem nicht existenten Seitenstreifen ein Liegenbleiber… und fast gleichzeitig wenn auch mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit ein entgegenkommendes Fahrzeug. Bei mir hats geklappt, Nur wenn ein LKW nicht ganz aufpasst…

Es ist überschaubarer Verkehr hier, die üblichen Toyota HiAce als Personentransporter mit Dachgarten, LKW mit Waren für die Hauptstadt die je nach Möglichkeit Vollgas geben. Schlimmer noch sind die wenigen China-Reisebusse die die Verbindung routinemäßig fahren… eher fliegen. Eine schon optisch laute Erscheinung mit gigantischem Bullenfänger vorne dran. locker 100km/h und deshalb nicht auf Foto zu bannen, auch fahre ich da lieber schon aus dem Weg um nicht aufgespießt zu werden. Hier übrigens mal neuer Asphalt wie im Bild zuvor. Der Alte bleibt dann am Straßenrand bis sich der Harmattan drum kümmert.

Harmattan ist kein Aufräumkommando, sondern der heiße sandige Wind bis Sturm der hier herrscht und die Vegetation so vielseitig sprießen lässt. Aprospos Leben neben der Strecke… wenig.

Der nördliche Bereich also die Ebene fast ohne Sand, der regelmäßig weiter geblasen wird. Lustiges Bild wenn man genauer hinschaut. Die Kaserne mit ihrer Mauer hat dann erst den Sand zum verweilen eingeladen. Wozu baut man ne Mauer, die dann später mit Düne so zu überschreiten ist? Am nächsten Wachturm sieht man sogar die Fußspuren, da sich ein Großteil wahrscheinlich den Umweg durchs Tor erspart.

Ich muss mich für die Fotoqualität… rechtfertigen. Auf dem Weg nach Süden hat man, wenn auch hier recht hoch, die Sonne vor sich. Besser geht es nicht und ohne Bilder wäre doof. Es sind knapp 25-30grad, und auf der Terrasse im Windschatten unerträglich warm. Der Wind lässt es aber kühler erscheinen sobald man dem direkt ausgesetzt ist. Ein Kontrollposten hatte sogar Handschuhe und Jacke an, ihm war kalt. Die Jungs setzen übrigens heutzutage voraus, dass man ein Fiche vorbereitet hat. Nicht mehr wie früher wo das nur half den Vorgang zu beschleunigen. Ich bin und bleibe ja Rebell, wenn die meine Daten wollen muss dafür auch gearbeitet werden. Ich habe nur eine „bedauerlicherweise“ letzte Kopie meines Pass mit Führerschein. Soll er sich notieren oder fotografieren, mir egal, ich hab die Zeit. Und meine Originale gibt es in Afrika aus Erfahrung nur noch an den Grenzen zu sehen.

Dann war es soweit, der erste Streckenabschnitt geschafft. Chami vor mir, nicht größer als ein Dorf aber mit Ambitionen wie man sehen kann. Die Tausende Solarlaternen sind mir vor zwei Jahren schon als utopisch vorgekommen. Weit vor und nach dem Zentrum in alle Richtungen ist das so. Aber ne ordentliche Tankstelle oder ein Geschäft was nicht in eine Garage improvisiert wurde bietet die Ansiedlung nicht. Ich fasse etwas Wasser und hole mir ne SIM Karte, das ist schwieriger als erwartet, denn der Verkäufer hat keine Ahnung was er da verkauft. Ist es zuviel verlangt zu erfahren was man für den aufgedruckten Preis bekommt? Ich will einen Monat Verbindung nur Internet, kaufe nach ner halben Stunde mit mehreren Telefonaten seinerseits eine Karte Maurital für 100UM und lade mit weiteren 300UM auf, was in der Summe 10,-€ macht mir aber final 6GB für 30-Tage anzeigt. 3GB normal, 3Bonaus warum auch immer. Wieder online! Wenn auch erst nur per Telefon da sich der hotspot nicht verbinden wollte. Aber dank Hilfe von Freunden geht das nun auch.

Ab Chami gibt es eine Piste in Richtung Meer. knapp 40km aber ich hab die Straße satt und nehme gerne den Umweg für ein Abenteuer in Kauf. Ruhiger Platz für die Nacht auch nicht verkehrt. Aus dem Ort heraus anders als die Hauptstraße wird aber schwerer als gedacht. Wo meine Route mich hinführt ist wie überall Müll zu finden. Nicht zu wenig. Und alles auf der Seite hinterm Wind, damit das Zeug auch schön in den angrenzenden Nationalpark verteilt wird. Ich erspare euch die Bilder, denn die Ausbreitung hat mehrere Quadratkilometer erreicht, in Fußballfelder nicht mehr zu bemessen. Immerhin hab ich eine einzige Stelle gefunden, wo mit Feuer anscheinend eine Endlösung gesucht wurde. Reifenreste als Brandbeschleuniger darunter… lecker.

Spuren finde ich dann grob in eine Richtung und nach einigen Kilometern wird es auch endlich sauber und einsam.

Ab und an Wellblech oder auch Waschbrettpiste genannt und kleine Sandfurten nimmt die WALKÜRE ohne Probleme. Hier mal wieder etwas Zeit zum Mitfahren:

Der Baum zum Schluss, eine Akazie war dann in der Nähe meines Übernachtungsplatzes. Ich hab es nicht bis zum Meer geschafft, Sand mal wieder Hindernis Nummer eins in Mauretanien.

Eventuell machbar aber ohne Notlösung und Begleitung dabei keine Lust auf Risiko, außerdem noch 15km weg von der Küste und wer weiß was noch dazwischen kommt. Ich bleibe also in der Nähe und hab auch nen interessanten Abend. Mein Fernglas lässt mich von der Terrasse die Gegend überblicken. Ein einsames Dromedar mit Nachwuchs und am Horizont ne Ziegenherde, sonst nix.

Die Akazie hier ein schattiger Platz für den späten Nachmittag mit nem Buch, Atlas stromert wie üblich und legt sich hoffentlich nicht mit Skorpion und Co an. Dann knattern zwei china-mopeds an mir vorbei. auf der Piste durch den Sand in Richtung Küste wo noch ein Fischerdorf sein soll. Die Sonne am Untergehen marschiere ich zum einzig markanten Baum der auch im Video zu sehen ist. Von Kamelen unten abgefressen, sodass er wie ein Schirm im Sommer Schatten spendet. Dementsprechend auch viele Spuren in der Umgebung und eine kleine Senke die zum Bleiben einlädt.

Wie beschrieben, ich bin jenseits der Wendekreise und im Sommer steht die Sonne senkrecht, da ist man bei 40grad aufwärts froh über jeden Schattenspender. Aber auch jetzt zum Untergang mit langem Schatten ein tolles Motiv.

Die Sonne ist weg und ich höre das Knattern der Mopeds wieder kommen. Mit dem Fernglas beobachte ich die Jungs und es sieht nach harter Arbeit aus. Mehrfach fallen sie im Sand und die Leistung oder Traktion reicht auch nicht immer, schieben ist angesagt. Gute Entscheidung also hier zu bleiben. Irgendwann erreichen sie die feste Piste in der Nähe und ich will mal fragen was los war. Sie hatten einen Ausflug zum schwimmen gemacht. Anscheinend auch nicht häufig hier, denn sie hatten sich es einfacher vorgestellt. Die beiden Mopeds ortstypisch Verschönert und über die normalen Klamotten ein BouBou Gewandt.

Als es dunkel wird folgen noch Scheinwerfer von zwei Fahrzeugen. Wahrscheinlich Fischer auf dem Rückweg. An selber Stelle wo auch die Mopeds strauchelten buddelt sich wohl einer ein. Gerade so mit dem Fernglas zu erkennen. Irgendwann wieder frei und an mir vorbei waren es zwei LandCruiser Pickups, und die Dinger können echt was.
Mein Abend sonst ruhig und mit Panorama.

Mission Küste und damit Besuch der Banc D’Arguin also im ersten Anlauf gescheitert. Morgens dann zurück nach Chami und in den Ort hinein führen alle Spuren.

Hier mal ein Eindruck von mitten drin abseits der RN4 die die Stadt seitlich streift. Zwar ist auch hinter der Teerstraße besiedelt aber das Zentrum auf nur einer Seite und alle Nebenstraßen sehen so aus.

Wie gesagt, nicht sehenswert aber die einzige Möglichkeit sich zwischen Bou Lanouar und Nouakchott zu versorgen. Zivilisation lässt grüßen.

Für die Bewohner der Umgebung gibt es hier alles samt Baumaterialien. Groß im Kommen, oder halt grad am Gehen der Qualität wegen… Stromerzeuger aus Chinaproduktion.

Die Dinger laufen bei uns als Notstromaggregat weil die meist nur ein paar Stunden z.B. auf Festivals funktionieren. Hier aber ohne Stromnetz, Solar oder Windkraft dauerhaft. Da könnte man doch den Generator entfernen, sich ne Windmühle dranbasteln und den Strom umwandeln und in 12V speichern. Aber selbst an Batterien mangelt es. Willkommen in Afrika.
Auch ist heute sandiger Rückenwind angesagt. Heißt für mich noch weniger Verbrauch und kein Grund auszusteigen…

Südlich von Chami dann die ersten Dünen die sich die Straße erobern wollen.

Manchmal hilft aber einfach nur Zeit das Ding zu zerstören. Ob der nächste LKW im Bild einen ungünstigen Platz zur Pause suchte, nen Reifenplatzer vorne rechts hatte oder einfach zu blöd dem Schlagloch ausweichen wollte… nicht in meiner Macht.

Man sieht also dass nur wenige Zentimeter daneben das Aus bedeuten können. Ähm… ja, sogar mit kapitalem Schaden.

Das Abenteuer RN4 geht also weiter. Mal schauen wie lange ich heute Lust darauf habe, zeitlich drängt mich ja nix. Es liegen noch Tausende Kilometer vor mir.

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