Einblicke in Dakhla

Ich war also über eine Woche in Dakhla, aber hab noch nicht richtig über die Stadt berichtet. Eine Perle in der Westsahara und weit weg von allem Vergleichbaren in jede Richtung. Sie ist gerne Winterquartier für französische Senioren aber heutzutage gibt es noch mehr aktive Kite Surfer in der Lagune der Halbinsel. Hier, am Anfang also direkt hinterm Damm von der RN1 in die Stadt stehen beidseitig etliche Resorts und „beach clubs“ meist bestehend aus kleinen Hütten am Wasser die man mieten kann. Die Westküste und speziell der Strand wo ich meine Abende verbracht habe ist Surfrevier mit ordentlichen Wellen. Und auch hier gibt es moderne und schon luxuriöse Anlagen für Touristen mit Pool und Bar. Natürlich zieht es auch viele gut betuchte Einheimische in diese paradiesische Gegend. Nunja, fürs echte Paradies fehlen mir hier die Palmen. Das Wetter ist im Dezember noch angenehm warm, im Februar aber kann es auch kalt und ungemütlich werden. Schuld daran ist der ständige wind, der die KiteSurfer freut. Die Halbinsel ist rund 40km lang und die Stadt befindet sich am unteren Drittel. Es wird kräftig gebaut, zumindest im Norden und in den Vororten im Westen. Im Süden schließen Fischfabriken an und werden auch zahlreicher. Ortseingang dann irgendwie doch das Tor mit dem Konterfei vom König.

Über die große brache Fläche am Flughafen hatte ich ja berichtet, im Norden davon ist ein Park in Arbeit, quasi direkt gegenüber vom Busbahnhof. Es gibt Verbindungen bis Agadir, ein günstiges Abenteuer. Ansonsten wenig Grün in der Stadt… hier mal was.

Im Süden der Freifläche findet man den Taxiparkplatz und hier erkennt man die moderne aufstrebende Stadt am ehesten. Hier fahren keine klapprigen Mercedes mehr rum, man gönnt sich Qualitätsprodukte wie Dacia, Fiat und SangYoung… und wird in ein paar Jahren sehen das die keine Zeit haben klapprig zu werden.

Etwas östlich ist das eigentliche Zentrum Dakhlas mit dem überdachten Markt. In der Nähe auch eine große Kaserne und Polizeistation, sicher fühlt man sich hier aber auch ohne optische Präsenz. Am Markt dann der geschäftigste Kreisverkehr der Stadt. Klein und unscheinbar aber grün.

Hier ist immer was los, daneben auch noch das Geflügelviertel und die Restaurantmeile, aber zurück zum Markt. Das Gebäude ist unscheinbar. und das meiste Grünzeug wird auf der Seitenstraße angeboten.

Innen dann mit für Marokko erstaunlich sauberen Verhältnissen 10-15 Geflügelhändler und Fleischer. Immerhin sitzt das Amt für Hygiene in der Stadt, ich hab ein Gebäude so beschriftet gesehen.

Aber dass Blut von der Ware tropft kann ja niemand verhindern, obwohl ich auch nur hier Plastiktüten am unteren Ende gesehen habe um dies zu verhindern. Es gibt ne Menge Fleischer und ich wurde jeden Tag irgendwo mit Resten für Atlas fündig. Er bekam hier sogar schon einen ganzen Rinderknochen

Die andere Seite der Markthalle dann für die Fischhändler und ebenso sauber ausgelegt. Alles gefliest und das Gebäude hier mit Kuppel fast schon ein Bilderbuchmarkt. Wie gesagt, ich hab ne Menge besucht und nix war vergleichbar. Wenn man hier frischen Fisch kauft muss man damit nur am Kreisverkehr über die Straße und bekommt den in jedem Restaurant zubereitet.

Zwischen Fleisch und Fisch und vor dem Haupteingang dann auch dauerhaft Gemüsehändler und die üblichen Sackwaren wie Gewürze und Reis. Draußen vor der Tür aber noch lange kein Ende des geschäftigen Treibens.

Cafes, fliegende Händler mit geröstetem und Fruchtshakes und jeder Menge Plunder und Chinawaren von Stoffen bis Mobiltelefone. Ein Stück weiter dann auch größere Haushaltsgeräte, man kommt also zum Markt, egal was man sucht. Die umliegenden Straßen dann ohne sichtliche Organisation mit allem weiteren Handwerk was man sich vorstellen kann. Da ich ja ne Menge rumgesucht habe hier meine grobe Einteilung.

Autowerkstätten etwas nördlich zwischen Markt und Freigelände. die meisten Kunden kommen mit Landrover, soll hier aber nix heißen, bei den Fischern die einzige Wahl. Werkstätten wie bekannt an den schwarzen Straßen oder Wracks davor zu erkennen.

Nähereinen und Polsterarbeiten findet man zwischen Markt und Wanni-Supermarkt. Letzterer mit keinem herausragenden Angebot sondern nur höheren Preisen um die snobistische Bevölkerung zu locken. Polsterer erkennt man meist hieran.

Schaumstoffblöcke mit Stoff überzogen… naja. Man muss dazu sagen, dass die Stadt viele Viertel hat da auch auf der anderen Seite der Freifläche einiges los ist. Dort hervorzuheben noch der hübsche Platz / Kreisverkehr rundum von Restaurants umgeben. Im Umfeld auch alles mögliche Andere wie Autowäsche bis Zaunfabrikant. Im Süden schließen wie gesagt die Fischfabriken an und Bootszubehör und Angelbedarf an jeder Ecke. Der Geruch je nachdem wie der Wind steht mäßig bis unheimlich.

Bis Lassarga sind es nochmal fast 10km und dazwischen kein Baum, Strauch oder Hügel. Wie beschrieben führt an der Westküste die Straße bis hinter. Auf der anderen Seite an der Lagune sieht man echt noch Natur, kommt aber schwer hin. Einen richtigen Hafen hat Dakhla also nicht, zentral und in Höhe der Militärbereiche gibt es einen lang in die Lagune rein ragenden Pier mit zwei echt großen Marineschiffen in typischem grau. In der Gegend also nördlich vom Markt bis in Höhe Eingang Flughafen dann auch die modernsten Bereiche. Das Kunstgewerbehaus gegenüber der hübschen Flaniermeile am Wasser. umgeben von Restaurants und auch einigen Hotels. Und weiter im Süden wird grad ein recht erstaunliches Gebäude errichtet, das Tribunal.

Ja, in Dakhla steckt ne Menge Geld und man sieht es auch überall. Hier im Bild nicht nur eine top gepflegte Moschee, die ist immer das hübscheste Haus, aber davor der beliebteste Wagen der Einheimischen. LandCruiser Prado… klassisch, schwarz, weiß oder silber… Der Bunte Bus des städtischen Nahverkehrs dazu im Hintergrund.

Gegenüber der Schneiderei wo ich durch mein Dachzelt ne Weile verbracht habe lag eine recht große Privatschule. Kids müssen hier zweimal täglich hin. Grob 9-12 und 15-18 und damit doppelter Verkehr nicht nur in den gewohnt gelben Schulbussen.

Zum hier Leben hat sich die Stadt also trotz ihrer Abgelegenheit gut aufgestellt und alles zu bieten, nen Haufen Banken und alle möglichen Regierungs- und Bezirksgebäude gibt es natürlich auch. nicht ganz so prunkvoll wie in einigen europäischen Städten aber immerhin sehenswert… das Rathaus.

Ansonsten eine Stadt wie jede andere auch. Zweistäckige Gebäude, manchmal drei, Markise vor jedem Geschäft und immerhin eine funktionierende Müllabfuhr, wenn ich auch nicht rausbekommen habe wo die den Müll hinbringen. Warum aber die Umgebung der Tonnen überall so aussieht ist mir ein Rätsel. Kann nicht nur der Wind sein, Barfuß gehen hier also nicht empfehlbar.

Ansonsten aber eine recht ordentliche Stadt und man kann hier in der Umgebung schon ne schöne Zeit verbringen. Leider ist meine geliebte heiße Quelle versiegt, sonst wäre ich wahrscheinlich ncih länger hier. Aber der Wind bringt auch kühlere Temperaturen und Sonnenbaden nur im Windschatten möglich. Mich zieht es also weiter in den Süden…

3 Gedanken zu “Einblicke in Dakhla

  1. bern-alive schreibt:

    Toll, Philipp!
    Danke für diesen sachlichen Bericht. Die Stadt steht somit auf meiner Liste.
    Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Ich habe vor, im nächsten Jahr bis in den Benin zu fahren, meiner alten Arbeitsstelle. Und da passt es mir sehr, dass du schon mal vorfährst.
    😉
    Gruß
    Bernhard

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  2. Irmgard Balser schreibt:

    Hallo Philipp,
    wie schon erwähnt möchte ich im Winter 2020/21 auch wieder bis Dakhla und weiter fahren.
    2015/16 war ich ja mit einem normalen Wohnmobil ohne 4 x 4 bis Gambia unterwegs. Damals bedauerte ich, dass wir nicht weiter in das Landesinnere von Mauretanien vordringen konnten. Inzwischen gibt es auch da mehr befestigte Pisten und geteerte Straßen, sodass ich hoffe dann etwas mehr vom Landesinneren erfahren zu können.
    Ich freue mich jedesmal auf einen weiteren Bericht von Dir.
    Gruß aus dem Chiemgau Irmgard

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