Die letzten Details an der WALKÜRE: Sonnenschutz

Es gab nochmal was an der WALKÜRE zu tun. Der Plan stand von Anfang an es hier im Land zu fertigen, da ich aber recht rastlos bis in den Süden wollte spielte ich früh schon mit dem Gedanken bis Dakhla zu warten, nun war es soweit.

Es dauert wie gesagt etwas den richtigen Kandidaten für die Arbeit zu finden, mein Konzept steht und muss zur Umsetzbarkeit noch mit dem Handwerker abgeglichen werden. Alles soweit ohne Einwände, doch er bringt mich erneut auf den Gedanken eine Kederschiene zu installieren und das Zelt dort einzufädeln. Beißt sich eigentlich mit meinem Vorhaben es weitestgehend in einem Stück herzustellen und es kann kompliziert werden die Distanz von 12m alleine einzufädeln. Dagegen spricht definitiv, dass es hier keine Kederschiene aufzutreiben gibt, selbst mit einer ordinären Vorhangstange sind die Geschäfte überfordert. Und auch dafür renne und fahre ich zwei Stunden kreuz und quer durch die Stadt von einer Empfehlung zur Nächsten… ohne Erfolg.

Also wie konzipiert und es geht los. Ich hatte ja im Vorfeld schon Metallösen und Reißverschlüsse sowie den Airtex Stoff besorgt. Der erste Tag war für die groben Maße vom Zelt vorgesehen. Vorausschauendes Arbeiten und deutsche Gründlichkeit war meine erste Lektion an den Lehrling und seinen Patron. Also eine Skizzierung der Materialien und Berechnung der optimalen Nutzung aller geplanten Stücke. Somit wurde quasi auch die Höhe meines variablen Daches mit 50cm als Zeltposition festgelegt. Beide Seiten und das Vorderteil ergeben zusammen ein Stück, das sich mit den Metallösen oben am umlaufenden Holzbalken einfädeln lässt. schwierig daran die hervorstehenden Dachholme auszusparen. Ergebnis:

Die Ösen zu installieren war dann nicht ganz so einfach ohne passendes Gerät, welches ich kurzerhand selbst baute. Ein Dorn mit abgesetztem Stumpf war vorhanden, als Gegenstück bohrte ich ein 11mm Loch in eine stabile Metallkappe, die Kanten der Ösen deshalb zwar nicht optimal aber fest. Schnell stellt sich heraus, dass ich in der Werkstatt nicht nur Gast bin sondern herzlich Willkommen und die Arbeiten anleite. Meine Ideen sind so einfacher umzusetzen. Wenn dann Näharbeiten anstehen springt der Chef ein und fertigt nach meinem Wunsch. Hier das Ergebnis von Tag 1. Umlaufendes Zelt mit Verstärkung oben und umgelegter Materialkante unten. Die Ösen schneiden und Pressen hat am Meisten Zeit in Anspruch genommen.

Vorne und hinten mit Bogen, das hintere Teil auf Wunsch zu installieren mit Klettband später an den Seiten zu fixieren. So kann ich wie die letzten Tage schon nach dem Wind stehen und hab hinten Möglichkeit zur Aussicht direkt über der sowieso meist offenen Tür.

Die Haken an den Stellen für die Ösen setzen war ebenfalls zeitraubend. 4mm Bohrer im Akkuschrauber und dann mit Muskelkraft rein ins Holz.

Die Werkstatt wie hier üblich äußerlich kaum von allem anderen zu unterscheiden. Wenn Tor zu dann geschlossen. Die meisten marokkanischen Häuser werden im Erdgeschoss mit „Garage“ gebaut., Was dann später dort einzieht ist egal. Der Nachbar ein Mechaniker, daneben ein Bäcker und etwas weiter jemand der Netze flickt, alle mit der gleichen Raumaufteilung, nur dass der Bäcker gleich mehrere Einheiten benutzt.

Ansonsten recht übersichtlich mit zwei gut organisierten Arbeitsplätzen an alten deutschen Nähmaschinen. Warenlager überall ringsum und ein kleiner Tisch für Materialvorbereitungen der also mein Platz wurde. Im hinteren Bereich mit Vorhängen abgetrennt ein Klo und die Waschgelegenheit vor dem Gang in die Moschee einen Block weiter. Der Meister Said wohnt seit 20Jahren in der Stadt und hat schon vorher in Casa und Rabat dieses Handwerk ausgeübt. Der Lehrling ist wie so oft ein Familienmitglied, Neffe also, 13-14 Jahre alt und wie gewohnt die Jugend aufmüpfig wenn der Chef mal nicht da ist. Französisch spricht der so gut wie nicht, Kommunikation schwierig.

gearbeitet wird ab 9, was auch mal 10 werden kann. Fest steht nur die Pause zum Mittagsgebet, danach holt der Patron Essen von Zuhause was seine Frau täglich reichlich zubereitet. Mit 14-15 Uhr recht spät für mich und ich hab vorher schon immer nen Snack vom Fischstand um die Ecke. Dafür Essen die Jungs gerne zwischendurch frisches Brot vom Bäcker nebenan. Zum Mittag sind dann die Nachbarn aus der Werkstatt mit eingeladen. Es gibt jeden tag anderes, von Couscous über Risotto bis Kartoffelbrei und Fisch. Immer wie üblich alles auf eine große Schale und alle sitzen drumrum. Am Nachmittag wird nochmal bis gegen 18uhr gewerkelt, dann Feierabend. Freitags etwas früher, und wenn frei dann nur am Sonntag.

Er hat sonst viele Kunden nebenbei die ihre Polstersitze neu oder einfach überziehen lassen, Türverkleidungen bekleben oder Bodenbeläge aus Gummi nähen um den Dreck besser entfernen zu können. Auch sind komplette Fahrzeugabdeckungen aus Kunstleder hier hoch geschätzt und der Neuwagen damit individuell vor der Feuchtigkeit der Nacht geschützt. Ne Menge Material und die Haube dann untenrum komplett mit eingenähtem Gummizug.
So kann ich mich also in ruhe meiner Arbeit widmen und muss nicht befürchten dass die Werkstatt nix zu tun hat. Ich bleibe eine Woche, wobei es genau vier Tage sind. Es wird in das Zelt dann noch im Schlafbereich des Alkoven Fensterschlitze eingenäht. Der Reißverschluss nicht arg flexibel, die einfachste Variante dann meist die beste. Seitlich zum runterklappen, vorne zum Hochrollen.

Final kamen alle 50cm noch kleine Metallhaken mit festem Band an die Unterkante genäht die abwechselnd wie bei einer LKW Plane das Zelt mit der Bordwand verbinden sollen. Ein Foto davon gibt es noch nicht, das erneute anheben des Daches hab ich mir aufgrund aufziehendem Sturm in Dakhla verkniffen. Es gibt aber noch weitere Elemente für das Gesamtkonzept. So zum Beispiel ein Sonnenschutz für die Fahrerkabine.

Die Alukaschierte Dämmmatte war ein Reststück das optisch clever in eine umlaufende Brille integriert wurde. Die kompliziert wirkende mathematische Winkelberechnung war dann doch eher spontan mit Kreide vorgezeichnet. Nach Festlegen der Dimensionen am Frontstück wurde markiert wo die Seitenteile enden sollen und dann mit etwas Überstand zum Rand umnähen angefertigt. An den Nähten mit einer Schicht Plane beim Einnähen verstärkt. Fixierung per Magnete, fertig.

Es ist mehr Sonnenschutz nötig. Bei geöffnetem Dach ohne Zelt an den Seiten bekommt man drinnen auch mehr ab als manchmal gewünscht. Dafür wird nun Idee Nummer drei umgesetzt. Diese war schon in der Planung des Daches mitbedacht und deshalb die gebogenen Holme außen offen gelassen.

Ein simples Stück Gewebe mit Taschen an den richtigen Stellen versehen und ein paar Stöcken zum befestigen. Mangels gebrauchtem Holz musste ich neue Besenstiele kaufen, 70ct das Stück, aber es hat ne Weile gedauert welche zu finden die den Holzkern nicht noch mit Plastik ummantelt haben auf dem Holzmuster gedruckt war, echt wahr, wie blöd kann der Mensch sein. Eine Tackerklemme und fertig ist das Rollpaket Sonnenschutz seitlich.

Der Klettverschluß im Bild lässt erkennen, dass das Stück auch mit etwas verbunden werden kann. Natürlich fehlt noch ein Sonnensegel über der Terrasse. Dieses ist knapp 2x3m groß obwohl die Terrasse selbst nur 1,5×2 misst. Die Ende gehen bündig in die Seiten über und hängen sonst halt etwas runter wenn es ohne installiert wird. Mit den letzten Metallösen und entsprechender Verstärkung an den wichtigen Stellen wird das ebenfalls am Heckbrett installiert. Irgendwie hab ich davon auch noch kein Foto. Liegt wohl daran dass die Stützen zur Terrase runter noch fehlen, falls mal keine zwei Bäume in der Nähe sind die das Segel dann ja auch sinnlos werden ließe. Demnächst also bei Windstille werde ich alles mal zusammen aufbauen, hab nun also ne Ikea Tasche voll Zubehör der Walküre dabei.

Es war eine interessante und produktive Zeit und alle Seiten sind zufrieden. Er hat von mir knapp 100,- € für seine ca 10Stunden Näharbeit und gelegentliche Inspiration bekommen. Der Nachbar hat nun Druckluftwerkzeug (Dremel und Miniflex) im Kasten und dafür sogar weniger gezahlt als ich im Einkauf bei Lidl, brauch ich aber echt nicht und gehe davon aus weiter im Süden Afrikas auch niemand. Außerdem gab es ein Galaxy4 als Gastgeschenk, mein damit letztes smartphone und immer für alle interessantestes Objekt aus meiner Tauschbox.

Ich hab auch ne Menge Einblicke in das normale Leben eines Handwerkers in Marokko gehabt, der in seiner Sparte hier immerhin ein seltener Spezialist ist und sehr gut zu tun hat. Sich trotzdem nicht kaputt arbeitet und das Leben langsam angehen lässt. Wir haben viel über unsere unterschiedlichen Lebensweisen gesprochen und auch Religion war jeden Tag Thema. Von gläubigen Menschen ist es schwer zu erwarten an Ungläubige zu denken. Deshalb habe ich die nordische Mythologie mit gleichzeitigem Respekt der Natur als meine Religion zu erklären versucht. Viele kennen die Wikinger aber es kann halt nur einen Gott geben und da sind die Moslems schon intolerant und stur. Am schlimmsten jedoch finde ich wie überall auf der Welt in jeder Religion hat die nächste Generation keine Wahl und muss zwangsweise das Verhalten der Eltern adaptieren. Wenn sie dann selbst entscheiden könnten und sich ein Bild von der Welt machen (dürfen) sind sie alle schon so Gehirngewaschen dass man von keiner Sekte mehr weg kommt. Das ist der große Vorteil wie es in Deutschland meist noch gehandhabt wird. Man kann, muss aber nicht und ist tolerant erzogen mit anderen gemischt, warum also muss es Koranschulen oder christliche Kindergärten geben? Um die Schäfchen früh einzufangen, pervers…

5 Gedanken zu “Die letzten Details an der WALKÜRE: Sonnenschutz

  1. Peter schreibt:

    Hallo Philip,
    was ich nicht so recht nachvollziehen kann (habe allerdings aber nicht alle deine Beiträge mit evtl. Vorüberlegungen im Detail verfolgt), warum hast du deine Kiste nicht gleich und fest auf die notwendige Stehhöhe gebaut und tust dir diesen „Affenzirkus“ mit auf-und-nieder- mit Planen anbringen und wieder abnehmen, verstauen, etc.an? Ein fester Aufbau wäre doch wesentlich einfacher gewesen und immer und auch bei schlechtem Wetter voll nutzbar!?

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      • Matthias schreibt:

        Das hatte ich auch schon überlegt, ob der Grund des Verschiffens die Nachteile wert ist. Macht das preislich so viel aus, wenn der in einen Container passt? Denn ein Wohnmobil auf Lkw-Fahrgestell kann ja auch verschifft werden. Das passt sicher nicht in einen Container.
        Vermutlich hätte ich höher gebaut, den oberen Teil des Holzes aber grundsätzlich abnehmbar gelassen damit das Dach für ein eventuelles Verschiffen im Container doch noch abgesenkt werden kann.
        Ansonsten: Genialer Blog, du unterhältst mich damit jetzt schon den dritten Winter. 🙂

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