Blues der Straße, die Route National 1

Guelmim hinter mir und schier endlose Weite voraus. Die erste Etappe führt auf der N1 nach Tantan, doch warte mal, was ist das?

Rechts im Bild erkennt man die alte, holprige Route in den Süden, aktuell fährt man auf einer echt guten, breiten und neuen Asphaltstraße die sogar Markierungen besitzt. Man könnte meinen sich in Europa zu befinden, lange nicht so guten Fahrbahnbelag unter den Rädern gehabt. Ein Stück später traue ich meinen Augen nicht mehr und muss direkt mal anhalten. Ne Gruppe Radreisender hier auf dem Weg in die Westsahara? Bis zur nächsten Ortschaft sind es 100km und bis zur Küste 300, da strampelt man ne Weile.

Ja, wirklich eine Vierergruppe junger Franzosen will das Abenteuer wagen und bis Dakhla gelangen. Dies ist auch mein Ziel und wir tauschen ein paar Informationen aus. Sonst brauchen sie nix, sind ja quasi auch erst aus der Großstadt gestartet. Viel Erfolg, vielleicht sieht man sich dort.

Ich lasse es gemütlich angehen, hab keine Eile und keinen Plan. Hunger lässt mich bei nächster Gelegenheit stoppen. Anscheinend ein lange nicht genutzter Soukplatz bei Rass Oumlil. Die umliegenden Gebäude verfallen und alles zugemüllt, was auch sonst wenn eine Ortschaft in der Nähe ist.

Es ist das ersten kleine Dorf unterwegs. Ohne Tankstelle, dafür mit Moschee und Restaurant für Reisende. Ich warte knapp ne Stunde aber hab doch schon zu viel Vorsprung vor den Radlern. Für mich also frisch gestärkt weiter in den Sattel hinterm Lenkrad.

Hier sieht man die paar Häuser die die Ortschaft bilden voraus. Wichtiger noch ist der linke Bildrand. Die Arbeiten der N1 sind hier noch in vollem Gange ohne den Verkehr zu stören. Es wird einfach direkt neben die alte Route mit viel Aufwand eine Neue gesetzt. Besitzverhältnisse in diesem Wüstenstreifen machen da keine Probleme. Es wechselt nun ab und an immer wieder auf ein frisches Stück Asphalt.

Bald führt es über die ersten Berge und hier wird gleich eine komplett neue Route gesetzt. Die alte hat es echt nötig, aber die Aussicht war schön von dieser Perspektive.

Für die Einen mag mein Beitrag heute etwas langweilig sein, aber wer sich das mal auf der Karte ansieht… hier ist echt ne Weile nix los und ich bin noch nicht mal mitten drin. Da kommen solche Bautätigkeiten schon als Abwechslung sehr gelegen. Außerdem bin ich ja nun auch schon 2Monate unterwegs und hab lange keine guten Straßen mehr benutzt. Der nächste Abschnitt verschlägt mir da etwas die Sprache.

Ich wusste gar nicht dass es Leitplanken im Land gibt und den Begriff Seitenstreifen mussten viele Bauarbeiter wohl auch neu lernen. Kann mir gut vorstellen, dass diese Autobahn viele zum Rasen verleiten wird. 100er Tempo Schilder sind überall aufgestellt. ich gehe es mit 60 und mechanischem Tempomat gelassen locker an.

Das Oued Draa, also der große Fluss der einst durch Zagora bis in die Wüste bei M’Hamid floß und ab und an den Lac Iriki speiste endet hier unten im Atlantik. Da zwischendurch furztrocken ist das bissel Wasser hier also wieder unterwegs entstanden. Ein Witz im Vergleich zur breite des Tals das das Oued markiert. Immerhin hier anscheinend permanent was die Begrünung anzeigt. Die Brücke herüber auch gigantisch. Die Hoffnung auf Wasser stirbt zuletzt.

Zurück zur Baustelle. Faszinierend wie viele Kilometer und auch in welcher Breite hier durch einst unwegsames Gelände neue Pisten geschoben werden. Die Vorbereitungen des Untergrundes für eine Straße schauen nach gewaltig Arbeit aus.

Erst Recht wenn das ganze noch über einen Meter aufgeschüttet wird. Man stelle sich die LKW Ladungen Abraum vor der hier angekarrt werden musste. Wäre doch die ideale Möglichkeit den Bauschutt des Landes unter zu bringen…

Dieses letzte Teilstück befindet sich für etliche Kilometer gefühlt in einer flachen Breiten Ebene, anscheinend aber doch mit der Gefahr von Überflutung weil alle 2-300m ein noch größerer Aufwand betrieben wird um Unterführungen also Kanäle aus Beton zu erstellen. So richtig mit Fundament, Stahlarmierung und gegossenen Wänden und Deckeln.

Das nächste Bild zeigt etwas mehr die Umgebung… der edlosen Weite. Ich hab Null Idee wofür man die Dinger hier unter den kommenden Straßenbelag einplant. Es sind hunderte in der Summe, unglaublich. Vielleicht eher um Einsandungen der Fahrbahn zu vermeiden, der Wind bläst die Sahara die auf dem Vormarsch ist dann einfach unten drunter durch in Richtung Meer?

Ein paar Maschinen hab ich ab und an im Einsatz gesehen, hier mal gut zu erkennen die Massen die bewegt werden müssen, obwohl dieser Abschnitt nur halb so hoch wie die letzten Kilometer ist und man wieder was erkennen kann.

Es ist also ein großes Projekt zur Erschließung des Südens durch die Nationalstraße 1. Layoune als Hauptstadt der Region mitten drin, Dakhla als touristisches Zentrum ganz weit weg und Tantan direkt vor mir. Die berühmten Kamele am Kreisel heute mit durch Wind ungerechter Verteilung des Futters.

Tantan… der Name lässt mich fast immer TanTan tippen wollen, ist dann eines dieser Ortschaften, die fast schon Stadt sind und trotzdem keine Häuser über drei Etagen besitzen. Außerdem alles sehr prunkvoll zwischendurch mit Sitz von einigen regionalen Behörden. Schlimmer aber noch diese ungenutzten endlosen Flaniermeilen vor und nach der Stadt. Verschwendung von Arbeit, Geld und Ressourcen was anderswo echt gebraucht wäre. So kann man hier beidseitig über 60 vielleicht sogar 100 dieser Bänke mit Betonschattenspendern, die keine Funktion haben, erkennen. Ich habe nicht eine Person auf all diesen Bänken gesehen. Sinnlose Verschwendung.

Und bei den Hunderten neuen Palmen hoffe ich immer darauf dass doch bitte eingeplant werden soll die Dinger auch regelmäßig mal zu gießen. Erlebt man oft genug, wenn nicht sogar meistens, dass in irgendeinem Wahn von Geldausgeben beschlossen wird da eine Alle mit Palmen hinzusetzen und ein paar Monate oder Jahre später sieht man nur noch vertrocknete Stümpfe, was mein grünes Herz echt weinen lässt. Also bitte, BITTE etwas in die Zukunft planen und auch wässern. Bin gespannt was die nächsten Jahre so in der Stadt passieren wird, ob vielleicht doch bald Tausende mehr Leute für die ganzen Bänke da sind? Im Vergleich zu vor zwei Jahren hat sich meiner Meinung nach nicht viel getan. Ich hab aber auch nicht vor meine Zeit in Tantan zu verbringen. Brauche nix außer Sprit. Der Diesel kostete hier mehr als 10dH und damit so teuer wie nur in Tafraoute. Für den günstigen Diesel der Westsahara muss ich also noch etwas weiter, da meine Berechnungen aber nur bis her reichten brauch ich doch etwas Nachschlag. Meine Route ändert sich nun etwas und führt weg von der schon mehrfach benutzten Küstenroute. Dies aber eine andere Geschichte. Wer hier quasi weiter fährt hat dann dies vor sich.

Stimmt, Boujdour die Kleinstadt zwischendrin hab ich vergessen, nur 500km entfernt. Die Grenze zu Mauretanien dann knapp 1000km. Dessen Hauptstadt weitere 250km (was ich für ziemlich knapp halte aus meiner Erinnerung und mal nachrechne…) auch meine Karte mit Routenberechnung sagt TanTan- NKC 1700km. Dann wäre man laut der Anweisung schon in Dakar… vielleicht Luftlinie berechnet denn hier sind es bei mir auch 2200km und zum Glück will man das sowieso nicht mit einer Tankfüllung oder schnell erreichen. Aber sind ja nur 33% Abweichung, dass kann bei Straßenschildern schon mal passieren, wenn man Millionen für Flaniermeilen, aufgeschüttete Autobahnen durch die Wüste oder andere überzogene Bauprojekte investiert… Gibt es den Bund der Steuerzahler auch hier im Land… obwohl wenn ich es mir Recht überlege versagt der ja auch schon im regulierten Deutschland an allen Ecken und Enden.

Also weiter blindlings in die Zukunft, die Welt kann sowas gebrauchen. Denn wenn aus 1650km plötzlich doch 2200 werden kann man unterwegs schon mal auf der Strecke verdursten.

7 thoughts on “Blues der Straße, die Route National 1

  1. bern-alive says:

    Hallo Philipp,
    Das ist sehr interessant, was du dort beobachtest und keineswegs langweilig!
    Hinter all den Straßenbauaktivitäten steht das Bestreben Marokkos, den politischen Prozess und schwelenden Konflikt um die Westsahara durch wirtschaftliche Investitionen abzukürzen, vermute ich. Der geplante Bau eines neuen Hafens in Dakhla ist ja auch Teil der marokkanischen Strategie, durch Bau von mehreren Hafenanlagen entlang der Westküste bis 2030 die bisher wirtschaftlich abgeschnittenen Regionen miteinander zu verbinden.
    Diese neuen Häfen müssen also schnell miteinander verbunden werden.
    Ganz im Stil der chinesischen OBOR-Initiative. Mich würde es nicht wundern, wenn es da auch die eine oder andere chinesische Straßenbaumaschine gäbe, oder gar chinesische Fachleute an der Straße.
    Lies mal hier:
    https://www.wsrw.org/ma105x4537
    Wenn deine Kommentarfunktion keine embedded links erlaubt, google mal nach „WSRW, Western Sahara Ressource Watch“.

    Beste Grüße aus dem Bett, auf dem Weg nach Tunesien!
    Bernhard

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  2. Wolfgang says:

    Servus Philipp,
    Danke für deine schönen Berichte. Ich freue mich immer wenn es einen Neuen gibt. Ich habe mal irgendwo zwischen Tantan und der mauretanischen Grenze bei dem üblichen starken Wind 2 weibliche Radfahrerinnen getroffen. Habe dann auch gefragt ob sie irgendwas bräuchten oder mitfahren wollten: “nein, nein – es ist alles in Ordnung”. Du weißt ja auch, wieviele LKWs mit sicherlich unverminderter Geschwindigkeit an denen vorbei rauschen… Und in Atar war mal ein Schweizer mit dem Rad; naja, die Schweizer halt…. Den Gegenwind in Richtung Atar kennst du ja sicher auch. 400 km und dazwischen nicht viel

    freu mich schon auf deine Fortsetzung
    viele Grüße Wolfgang

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  3. walterwatz says:

    das wird dort komplett als autobahn ausgebaut, allerdings ausnahmemsweise ohne chinesische interessen. die strecke ist teil der westafrikanischen ECOWAS handelszonen straßenverbindung, und geht weiter bis nigeria. 2020 folgt das Teilstück dakhla – grenze mauretanien.
    in mauretanien ist die strecke nouakchott – rosso auch schon nahezu neu.

    die Sache mit dem subventionierten sprit ab sidi akfennihr ist auch geschichte, allenfalls hinter dem komma leicht günstiger.
    wobei, 10 dh wie du schreibst in tantan, das ist der ” premium diesel”.
    standart ( völlig ausreichend für alte motoren) kostet 8,.. dh

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    • mb407 says:

      Naja, ich hab in ganz Tantan gesucht und an den tanken nix unter 10! Erst ein Stück weiter wie gesagt 8,34 und in laayoune 8,14. wird also auch immer teurer…

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  4. muetze says:

    Das mit den Radfahrern gibt’s da anscheinend immer wieder Mal, auch als Wettbewerb, Bennet sich Dessert Dash und ist in Namibiahttps://m.dw.com/de/themen/s-9077

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