Atlantik zwischen Sidi Ifni und Mirleft

Sidi Ifni dann am nächsten Tage doch bei strahlendem Sonnenschein. Viele mögen es hier ja besonders, gibt auch zwei Campingplätze direkt am Strand, aber mich reizen Städte nicht, wenn auch hier echt abwechslungsreich und bunt.

Ein Großteil der Stadt oben auf der Klippe gelegen gibt es einige steile Gassen und Wege. Gezeigte Randbegrünung ziert die Hauptstraße vom Oued kommend und im Bild nicht ganz zu erkennen. Auf jeden Fall mal schön anzusehen.

n, dass sich auch jemand um Natur in Städten kümmert. Eine handvoll Surfer und diverse Unterkünfte findet man ebenfalls. In der Summe ein recht hoher Anteil an Touristen hier. Ich oder besser mich entdecken eine Gruppe junge Amerikaner die unbedingt ein Foto vom bärtigen Hippie wollen. Immerhin machen die 7Personen zusammen einen 3monatigen Individualurlaub mit „grand Taxi“ und Bussen und haben schon ne Menge gesehen. Besser als zwei Wochen Pauschalurlaub mit kleinen Ausflügen ab Marrakesch. Man trifft sich auf dem kleinen Markt wo es hauptsächlich um Fisch geht.

Hummer, Plattfische, Garnelen, Doraden und nicht mehr aufs Bild gepasst haben die Rochen. Fangfrisch und bei solchem Angebot hoffe ich immer dass noch was im Meer übrig bleibt und vor allem keiner davon wie bei uns in Europa häufig im Müll landen weil doch nicht verkauft werden konnte. Gleiches gilt beim Fleischer nebenan, aber da ich oft auch vergeblich nach Resten für Atlas frage klappt das anscheinend.

Der erste Fleischer übrigens, der neben seinem Angebot noch mit Dekoration des Verkaufsstandes punkten möchte. Zum Glück ist noch kein Blut in den See getropft… Für mich heißt es mit einigen Beuteln Obst und Gemüse weiter… nach Norden.
Was? zurück? Nur für nen kleinen Abstecher, es sollen zwei Regentage kommen und das Wochenende steht vor der Tür. Hat zwar nix miteinander zu tun aber ich will mich in Tiznit noch mit einer Bekannten treffen und dann erst die Fahrt nach Dakhla aufnehmen. Für heute aber ist 8Kilometer nördlich Sidi Ifni Schluß, denn unverhofft gerate ich an einen tollen Platz.

Das ist noch nicht der letzte Bogen von Legzira, der weitere 10-15km entfernt liegt, aber mit ähnlicher Formation. Die Küste hier überall schroff und hoch und direkt an der Landzunge neben gezeigtem Bogen steht mein Truck ganz am Ende mit bester Aussicht umgeben von Kakteen.

In kleinen runden Gruppen stehen die unterschiedlich schwer bewaffneten Stachelköpfe und teilweise mit knorrig kahlen Nachbarn in Gesellschaft. Muss aber echt suchen eine Ecke ohne windverfangenen Müll zu entdecken, hier oben anscheinend wieder ein „Ausflugsplatz“ und auch Angler gibt es täglich. Der Nachmittag im Gange, Zeit für nen anständiges Abendmahl. Vorher aber muss ich auch da runter, es gibt einen steinigen, breiten Wanderweg, den man aber nicht mit dem KFZ angehen sollte, unten keine Wendemöglichkeit.

Steine dominieren dann auch hier den Strand und meterhohe aufgeschichtete Hügel sind zu erklimmen. Tolles Gefühl unter den Sohlen, keine Ahnung was Atlas davon so hält. Aber etwas Sand an sehr flach abfallendem Ufer lassen dann auch ihn den Ausflug lieben. Die Steine sind dann die Überreste aus den umspülten Bögen, wenn der Sand dazwischen ausgewaschen ist. Die komplette Küste hier der Erosion ausgesetzt. Nicht ohne Grund hat Legzira schon eine Attraktion eingebüßt. Dieser Bogen hier hat mittig auch schon eine gefährlich dünne Stelle und es ist nur eine Frage der Zeit. Wettern können jetzt abgegeben werden. Ich traue mich im Jahre 2019 jedoch noch unten drunter durch und werde mit einem tollen Motiv belohnt.

Auf der Klippe dahinter (ohne Bogen) steht also mein Heim und Von da hat man später noch eine bessere Aussicht auf den Klassiker am östlichen Ufer des Atlantik… den Sonnenuntergang.

Ich werde pünktlich mit dem Kochen fertig und habe beim Essen also den besten Sender im Abendprogramm erwischt. Leider nicht ganz für mich alleine, da ein älteres Ehepaar im neuesten Westfalia Sprinter auf Kuschel Camper machen muss und wirklich nur 10-15m weg parkt. Platz gibt es hier ohne Ende und sie waren erst auf den Bogen zugesteuert und kamen dann doch zu mir rüber. Ich will nicht unhöflich sein, aber ignoriere sie nach kurzem Gruß. Kauen ist immer ne gute Ausrede. Ich sollte mir einen Kommunikationscode überlegen oder ein Schild raushängen das Gesprächsbereitschaft anzeigt oder halt nicht. Tür zu geht ja schlecht wenn ich auf meiner Terrasse meine Ruhe genießen will. Atlas hingegen freut sich bei anderen vor der Tür stehen und betteln zu können, so kommt er immerhin nicht auf den Gedanken die Klippe runter zu klettern. Zum finalen Moment jedoch begleitet er mich noch ein Stück den Pfad abwärts den die Fischer nutzen. Hier das Ergebnis:

Die langen reinbrechenden Wellen begleiten dann meine Nacht und sind ein ständiges Rauschen, was ich nun seit zwei Tagen im Ohr habe. Doch wie es sich am nächsten Morgen zeigt mit stärker werdenden Symptomen da die Tide eingesetzt hat und auch das Wetter mehr Wellen macht.

Im Hintergrund schon die dicken angekündigten Wolken zu erkennen, da muss ich jetzt durch. Abfahrt in Richtung Mirleft. Bin aber noch einen Tag zu früh zum Treffpunkt in Tiznit und beschließe mich direkt am Strand von Sidi Wafa beach einzurichten. Vielleicht ne blöde Idee bei Regenwetter eine Piste durch ein Oued zu einem Strand zu nehmen, aber vielleicht hat man so endlich seine Ruhe.

Dazu kein Handyempfang… bin schon etwas verrückt, oder? Aber Zeit zum Lesen, schreiben, Hörbücher, kochen etc. War dann auch ruhig hier und ich hatte den kleinen Parkplatz für mich. Zwei radelnde Angler waren die einzigen Gesichter die ich in 24Stunden gesehen habe. Der kleinen Strand eingerahmt von Steinen und bei Springflut auch gerne mal alles überspült und das Oued schlammig. Die Umrandung vom Parkplatz war beim letzten Besuch noch nicht hier, ideale Höhe damit auch Atlas frei nach Hause über die Terrasse kommen kann. Sonst hab ich für ihn meist die Fahrertür offen damit er auf seinen Platz kann.

Eventuell hat mal jemand eine Ecke Strand „befestigt“ aber ich hab keine Ahnung warum sonst hier Sandsäcke liegen und ein steinfreier Einstieg ins Wasser nötig wäre. Die Flut geht auf jeden Fall bis zum oberen Rand wie man am dunkeln feuchten Sand sehen kann. Hält sich heute, da die trocknende Sonne fehlt.

Die Küste hier besteht aus massig scharfkantigen Felsbrocken und damit ideales Revier für Miesmuscheln. Ich mach mich mal auf die Suche fürs Abendessen. Versteckt liegen einige Fischerhütten und Höhlen um die nächsten Klippen. Keiner da.

Bei einigen auch besser so, keine Ahnung ob das hier Fehlplanung war oder sich was geändert hat, ne nasse Höhle mag aber niemand.

Ich kraxel also bei Ebbe um die nächsten Ecken, Atlas lieber zuhause gelassen. Meine Mission Muscheln. Dank der starken Wellen gestern gibt es zusätzlich zu den mageren kleinen fest angesiedelten auch einige angespülte große Exemplare von sonst unerreichbaren Winkeln die sich in den Becken dazwischen eingefunden haben. Natürlich noch geschlossen und ohne Geruch sonst tot und nicht genießbar. Es wird eine anständige Pfanne, die mit Tomaten und Nudeln echt lecker ist.

Es gibt noch weitere Höhlen und man könnte noch klettern oder sammeln… mich zieht es aber nach Hause.

Kein Sonnenuntergang aber immerhin wartet der Regen bis ich am Abend sowieso in meinem tiny Häuschen verschwinde. Die Tropfen hört man neben dem Wellenrauschen kaum und weggespült werde ich auch nicht. Die Natur braucht es und hoffentlich nur ne kleine Unterbrechung des Restsommers im Paradies.

3 Gedanken zu “Atlantik zwischen Sidi Ifni und Mirleft

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