über Guelmim nach Sidi Ifni

Ich komme grad von der heißen Quelle und treffe mitten im Nirgendwo auf dem Weg zur Oase Tigmert einen Deutschen auf nem klapprigen (marokkanischen) Fahrrad. Er mag den Süden und ist in der Oase untergekommen, hat sich ein Fahrrad geliehen um die 8km zur Quelle zu fahren um mal zu gucken. Er hätte auch nicht mit solch einer Begegnung gerechnet. Cooler Typ mit der richtigen Einstellung und wir wünschen uns gegenseitig ne geile Zeit, vielleicht ein weiterer Leser vom blog, hallo!

Die Oase kenne ich schon, kann das eine Kasbah-Nomaden-Museum dort mitten drin empfehlen. Heute aber fahre ich dran vorbei und halte erst kurz vor der Hauptstadt der Region beim Marjane Supermarkt am östlichen Ortseingang. Ja, ich und Supermarkt, kann mich echt nicht dran erinnern wo ich zuletzt mal zahlender Gast war. Aber ich will gucken und mich langsam für den Trip in den Süden ausrüsten. Gibt da so Dinge wie Senf und vielleicht etwas Dosennahrung und vor allem der einzige Ort wo ich weiß Cocosnüsse zu bekommen. Kann es gar nicht mehr abwarten, bis es die wieder an jedem Straßenrand gibt.

Auf dem Parkplatz dann seit langem mal wieder ein paar Gleichgesinnte, wenn auch mit anderem Budget. Gegenüber und nicht das Foto wert ein Raumschiff auf Mercedes Basis mit dem Lenkrad auf der falschen Seite und nem fetten Australia Aufkleber drauf. Naja, ordentliche Strecke gemacht, immerhin.

Mein Einkauf dann echt mit Aha-Effekt. Marokko kann auch teuer sein, alles was bei uns spottbillig weil nahrungstechnisch wertlos ist, lässt hier die Kasse klingeln von denen die es sich leisten können europäisch zu konsumieren. Zum Beispiel Cerialien und Käse, Schokolade und Kekse, sowie Dosenfutter, Butter und Wurst. Brotaufstriche… bleibt also alles beim alten mit meiner Ernährung. Die Kette gehört wohl direkt dem König, also auch vieles heimisches und kein Alkohol im Angebot. Auch suche ich vergeblich nach Roggenmehl und ärgere mich keines mitgebracht zu haben. Auch gibt es hier erstaunlicher Weise keine Eier. Dafür bin ich sehr überrascht dass die Preise für Obst und Gemüse keinen Unterschied zum Souk machen. Und ich will ja nicht mit leerem Korb gehen, also ein 10er Paket Sesambrötchen für 50ct und 300g Hack vom Truthahn für nen Euro. Dazu ne Tube Mayo und ich habe einen Plan.

Hab ich ja im letzten Bericht über meine Küche mal erwähnt. Außerdem gönne ich mir noch was, zwei zum Preis von Einem und immer noch nur halb so teuer wie ein westliches “Magnum”. Das heimische Eis echt ohne Unterschied, viel zu süß aber sonst lecker und mal ne tolle Abwechslung. Ja und Atlas darf auch mal dran knabbern, gibt sonst nix für ihn. Das Hundefutter ist echt teuer und ich hab noch 10Kilo dabei, also keine Abwechslung außer frisches vom Metzger wie gewohnt.

Eis.Eis.

Weiter in die Großstadt muss man ja schon fast behaupten. Ich glaube bisher hab ich außer kurz durch Meknes keine weitere Stadt in dieser Dimension angesteuert. Ich hab ne Mission und suche neben Ösen für Planen auch Druckknöpfe um demnächst mal meine Zeltplanen in Angriff zu nehmen.

Nicht ganz so einfach mit fehlenden Fachbegriffen auf französisch, die dann auch beim Gegenüber fehlen würden, zu erklären was ich suche. Am Besten immer noch Foto auf dem handy… doch viel los ist heute nicht, glaube schon wieder ein Feiertag oder königlicher Geburtstag.

Zusätzliche fehlen mir für die nächsten Tage noch Eier, weiteres Obst und etwas Kraftstoff. Ich tanke den ortsüblichen Flaschendiesel der schon aus der Westsahara kommt. Immerhin 9dH und damit 10% Ersparnis zum Rest des Landes. Da aber sonst keine weiteren Nöte und ich den Abend irgendwo hübsch außerhalb verbringen möchte mache ich mich auf die Socken.
Richtung Strand steht fest, im Süden der Plage Blanche ist die nächsten Tage mit erwartetem Wetterwechsel auch nicht die beste Wahl. Dann lieber etwas Stadtbesuch kombinieren und mal nach Sidi Ifni etwas nördlich. Auf dem Weg dorthin wird es aber schon wolkig und kühl, auch ist abseits der Strecke kein interessanter Platz zu entdecken.

Also warum nicht direkt hin, und ich schaffe es pünktlich zum Sonnenuntergang, soweit ich das trotz Wolken beobachten kann. Nördlich der Ortschaft hinterm Oued am alten Friedhof direkt am Wasser gibt es einen Parkplatz der wenig frequentiert ist und wo ich heute Nacht nicht mehr weg zu bekommen bin. Ruhige Abendgestaltung, noch ruhigere Nacht. Es hat glaub ich sogar ein paar Regentropfen gegeben.

Der Blick über den Strand nach Sidi Ifni auf alle Fälle nicht strahlend. Dieser Abschnitt hier durch das trockene Flussbett oder die Nähe zur Stadt ziemlich verdreckt und bevor Atlas irgend was ekeliges findet ziehe ich doch lieber ab.

Ich mache ne Ortskontrollfahrt und erkenne alles noch beim Alten. Souk hab ich um einen Tag verpasst, sieht man dem Platz auch an. Dahinter teilt der Flughafen die Stadt in zwei Hälften. Südlich schließt der Hafen an, dessen Ansicht heute auch nicht farbenfroher ist.

Ich hab keine Idee und Pläne was als nächstes folgt. Also beschließe ich mir einen Platz zu suchen und den Schlechtwettertag mit Arbeit am Laptop zu verbringen. Gute Idee und auch das passende Fleckchen Erde gefunden. Mitten im Ort an der Steilküpste geht eine kleine Piste zum Strand hinunter. Sehr ruhig dort und erstaunlich sauber. Das Wetter klart auch auf und Atlas kann hier beruhigt Freigänger spielen. Solange der Strand interessanter ist wird er sich nicht auf den Weg die Klippe hoch machen.

Wer also mal nen Schlafplatz in Sidi Ifni sucht muss hinterm Provinz Hospital den Hang hinunter, ginge mit jedem Fahrzeug. Blick nach oben zeigt direkt die große Moschee und aus Erfahrung genau auf gleicher Höhe ein nettes Hamamm.

Der Strand also mal wieder eine tolle Abwechslung zu den letzten Etappen in der Wüste. Das Meeresrauschen mal was ganz anderes als die totale Stille dort im Niemandsland. Zuletzt hab ich den Atlantik bei Asilah im Norden gesehen, dazwischen liegen fast 1000km Luftlinie. Trotzdem immer noch wie gewohnt, Wellen, Sand und Muscheln, aber auch etwas Treibholz. Das hier mit das schönste Stück was ich je gesehen habe.

Leider doch etwas groß und sperrig, wenn ich auch überlegt habe es als Geweih vorne anzubringen… was nicht alles der Phantasie entspringt wenn man genügend Freizeit hat. Am Strand sind auch andere auf der Suche nach Holz. Vornehmlich aber Brennholz wie es aussieht, denn die Frauen nehmen jedes Stück mit was tragbar ist.
Andere verdienen sich ihren Lebensunterhalt auf den bei Ebbe freigelegten Steinbänken im Wasser. Heim für Miesmuscheln und die werden dann am Strand ausgekocht und gepult, teils sogar getrocknet wie man auf dem Markt finden kann. Hab ich so noch nicht probiert, halte mich lieber an die frisch selbst gesammelten aber hier ist echt keine Beute zu machen, alle viel zu klein. Muss also noch etwas warten.

Jetzt fehlt dem Land nur noch eine Idee, wie man Plastik wieder zu etwas Kleingeld machen kann, dann wäre es der sauberste Ort der Welt… Innovation los, wer erfindet etwas dass einfach zu realisieren ist und der Welt weiter hilft?

8 thoughts on “über Guelmim nach Sidi Ifni

  1. Lutz says:

    Solltest vielleicht doch lieber einen Campingplatz aufsuchen. Wenn Du dafür kein Geld hast, dann bleib eben zu Hause. Ist nur meine Meinung…….. Liebe Grüße von Lutz, (der auch Marokko und Zentralafrika kennt) und noch etwas : ohne halbwegs gute Sprachkenntnisse fahr ich in kein Land. Les dicussions avec les habitants du pays sonst absolutement necessaires. Salut, c‘est mon Avis…….

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  2. bern-alive says:

    In Naivasha (Kenia) haben wir vor vielen Jahren mal eine Trog-Presse gebaut, die mit Holzkohle beheizt wurde. Darin konnte man Plastiktüten und andere Kunststoffteile zu Zaunpfählen einschmelzen. Diese Presse haben wir an ein paar Mütter verschenkt, und die haben dann wiederum Kinder organisiert, die in der gesamten Stadt allen Plastikmüll aufgesammelt haben. Die Pfähle waren besser als die herkömmlichen aus Holz, bohr- und nagelfest, und die lokalen Großfarmer haben gutes Geld dafür bezahlt.
    Die Stadt war in kürzester Zeit von Plastikmüll größtenteils befreit. Wegen Rohstoffmangel hat sich das aber dann für die Frauen nicht mehr gelohnt und so war bald alles wieder beim Alten.
    Auf eine Insel der Philippinen habe ich mal gesehen wie ein paar Frauen neben einer Müllkippe aus Tetrapaks kleine Bunte Taschen genäht haben. Die Idee war gut, also haben wir denen ein paar Nähmaschinen besorgt. Diese Teile habe ich vor kurzem sogar im Angebot eines alternativen Vertriebs für Toilettenartikel gesehen.
    Es gibt viele Sachen, die man machen kann, nur muss man sich eben eine Zeit lang drum kümmern und nicht so schnell wieder weiter fahren.
    Jetzt kommt gleich bestimmt wieder einer, der mich für diesen Kommentar maßregelt. Hier schlage ich aber bewusst nicht den Einsatz von Beton vor, obwohl ich Beton für oftmals die beste Lösung halte, weil ganz leicht zu reparieren, auch von ungelernten Hirten (!) und leicht zu beschaffen. Es gibt für Brunnenfassungen nichts Besseres, Stefan. Ich habe in Westafrika damit sehr gute Erfahrungen gemacht und hinterher waren Tiere und Menschen gesünder.
    Beton sieht zwar doof aus, hält aber super. Man muss vorher aber immer alle kennenlernen und sie fragen, was sie wollen und brauchen. Wer wäre so vermessen, es besser zu wissen?

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  3. bern-alive says:

    Hui, diese Erfindung ist toll, und schon sehr weit entwickelt. Unsere war viiiel simpler gebaut. Da wurden der Plastikabfall einfach nur reingeworfen und geschmolzen. Hat sich auch nur zur Herstellung von Zaunpfählen und Ähnlichem geeignet. Die Reinigung der Tröge war auch eine Sauarbeit. Ich habe leider keine Fotos mehr davon. Die digitale Fotografie gab es noch nicht und die Papierfotos sind auf einem Boot Opfer des Seewassers geworden.
    So long
    Bernhard

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