Hot spring Fask, heiße Quelle nahe Guelmim

Ich hab zwar Guelmim im Visier doch vorher noch was zu “erledigen”. Nach den zwei Aufstiegen zum Agadir wäre ein Hamamm mal wieder angesagt. Das tägliche Bad in der Schüssel ist halt keine Ganzkörperwäsche. Auch Wärme und Entspannung kann ich gebrauchen, aber abgelegen in der Natur bitte. Es lockt mich die Heiße Quelle südlich von Fask. Doch unterwegs muss ich noch etwas Obst und Gemüse einsacken. Zum Glück noch gut ausgerüstet, denn im Ort Fask selbst gibt es gar nix. Nur an der Tanke werden nebenbei Lebensmittel angeboten. Der Rest sonst auch wie ausgestorben und nicht fotogen.

Nur dieser Platz gegenüber der Moschee sehenswert und mit einem Nomadenkompass verziert. Dann also ab in die Wildnis. Die Quelle ist jetzt sogar auf maps.me verzeichnet. Kann mich noch erinnern wie ich die das erste Mal gesucht habe. Die Piste jedoch gut ausgefahren und führt auf die Nordseite des Oueds. Da das Becken aber südlich davon liegt will ich direkt ran und kreuze den kleinen trockenen Fluss etwas weiter westlich an einer Furt. Den Weg hierher findet man ganz einfach wenn man auf die Plantage zuhält, dazwischen gibt es eine sehr enge Piste, die WALKÜRE passte aber durch.

Und dann endlich und zum Glück in aller Ruhe ein warmes Bad bei knapp über Körpertemperatur.

Naja, so schnell dann doch nicht. Vor drei Jahren hab ich hier mal nen Engländer getroffen, der mit nem Haufen Sandsäcke ausgestattet war. Zwei aktive Arbeiter und einen Tag später hatten wir ein Becken erschaffen. Leider ist die Langlebigkeit kein Faktor gewesen. Die Dinger sind nur noch Reste und auch sonst pflegt hier niemand nichts. Alles von einer modrig schwarzen Schlammschicht bedeckt und es stinkt nach Kamel. Es gibt zwar ein neues Becken, sogar tiefer daneben, aber der Boden ist locker 30cm Schlamm und ich möchte nicht wissen was da drin steckt. Auch habe ich Frösche gesehen und will nicht deren Lebensraum zerstören. Es bleibt also nichts anderes übrig als mal wieder das Becken am Rohr auszuschaufeln und Ablaufkanäle frei zu legen.

Glücklicher Weise treffen vier Italiener mit zwei PickUps ein und es wird ein erfolgreicher und später geselliger Abend da ich zur Tajine eingeladen werde. Marokko Neulinge und mit viel Spaß dabei. Sie teilen ihr Essen und ich meine Reiseempfehlungen. Und nächsten Morgen ist es dann endlich soweit.

Pünktlich zum Sonnenaufgang (zeitlich durch die Hügel am Horizont etwas verzögert) liege ich im nun klaren Becken. Die Reste an Schlamm hatten über Nacht Zeit sich abzusetzen. Es dampft und die Außentemperatur wenn überhaupt nur knapp zweistellig. Also echt kalt gewesen heute Nacht für sonst übliche Verhältnisse. Aber es wird auch hier Herbst. Als aber die Sonne raus ist wie gewohnt 25grad. Es ist Wochenende und ich erwarte heute etwas Ansturm hier. Die Italiener ziehen weiter und ich hab Zeit meine Wäsche zu waschen. Wo sonst ohne Energie mit warmem Wasser? Der Schwefelgehalt hier relativ gering, riecht man kaum.

Das Camp ist also aufgebaut. Heißt Dach nach oben und Solar Richtung Sonne. Mal wieder Zeit für nen anständigen Hausputz und die Zeit vergeht wie im Fluge. Was anständiges zum Mittag, den Rest davon abends und erneut ins wärmende Nass zur Dämmerung. Abends zieht Wind auf, Dach runter und ne angenehm ruhige weitere Nacht mit leichtem Plätschern im Hintergrund.

Ich hatte weniger Besuch als erwartet, muss sich wohl erst wieder rumsprechen, dass die Quelle wieder vom Schlamm gefreit ist. nutzen tut die jeder aber nen Finger krumm machen… Auch hab ich jeden Tag eine Herde Ziegen, leider eine sehr große vorbeikommen sehen. Die rennen die letzten Meter zum Saufen und fressen dann alles was in der Umgebung wächst. Der Hirte ist zwar bemüht sie von den “Gästen” und deren Zeug fern zu halten, es sind aber zu viele. Hier mal ein Auszug, da die Herde sich sehr verteilt und ca 30Minuten bis eine Stunde braucht bis alle getrunken haben und wieder weg sind.

Ziegen und Schafe kötteln zwar auch in die Gegend, der Geruch aber kommt von den großen Kollegen die auch täglich vorbei kommen. Was die Viecher stinken, aber irgendwie interessant anzusehen.

Auch hier wird direkt das warme Wasser gesoffen, vom Becken, aus dem Ablauf und mit den Hufen auch in den Schlamm. Einige etwas fauler, legen sich auch die Vorderbeine.

Natürlich ein Spektakel und ich hab mal ein Filmchen gedreht um auch die Geräusche einzufangen.

Hab zwar keinen beim scheißen erwischt aber der Geruch hängt noch eine Weile in der Luft. Echt unglaublich was so eine Herde für ne Wolke mit sich zieht. Ein Albino dabei mit blauen Augen und einige Jünglinge etwas schreckhafter, sonst alle an Menschen gewöhnt.
Ich hab alles erledigt und brauche nicht noch ne Nacht bleiben. Mich zieht es echt nach Süden und der Temperaturen wegen erstmal zur Küste. Als ich gerade fertig bin kommt die Müllabfuhr und entsorgt meinen Biomüll mit Genuss. Anscheinend haben die echt auch ne Vorliebe für Mandelschalen. Hab ne gute Ladung entkernt und die streiten sich um die harten Snacks…

Danach führt mich die holprige Piste wieder nach Westen zur Furt.

In Richtung Oase Tigmert gibt es noch ein Becken mit Frischwasser in dem Atlas mal baden könnte. Hab ich hier früher auch schon gemacht und echt erfrischend.

Doch irgendwie ist das heute nicht sein Ding. Dass er an der Quelle nicht ins warme Wasser will weiß ich, aber auch nur mit Mühe zu überreden das Stöckchen hier zu holen… Keine Angst, gibt noch keine Krokodile.

Naja, sauber war er dann für 10… Sekunden. Im Gegenteil, vorher nur staubig, jetzt sogar mit Kruste. Mir egal, seine Entscheidung und er hat seinen eigenen Platz. Wenn er sich so wohl fühlt, warum nicht. Wir Menschen sind viel zu gerne und schnell dabei für andere Entscheidungen zu treffen. Er weiß instinktiv was für ihn gut ist, ist ja kein parfümiertes Schoßhündchen sondern ein echter Abenteurer.

Na dann auf auf, zur Suche nach neuen Zielen.

5 thoughts on “Hot spring Fask, heiße Quelle nahe Guelmim

  1. bern-alive says:

    Hallo Philipp,
    Danke auch für diesen Einblick in deine guten Tage! Ich traue mich meist nicht immer zu kommentieren, lese aber täglich mit. Ich bin von deiner Reise überaus begeistert, und über deinen flüssigen und offenen Schreibstil.
    An der warmen Oase hilft sicherlich nur noch eine stabilere Fassung aus Beton für die Menschen, dann daraus einen Überlaufkanal zu einer etwas weiter gelegenen Tränke für die Tiere. Das ist dann schon ein Projekt, das nur durch die Mithilfe durch Einheimische realisiert werden könnte. Ob deren Interesse an besserer Gesundheit für Mensch und Tier besteht und es nur am Geld mangelt, kann ich nur vermuten. Oder aber alle paar Jahre bei wiederholten Besuchen von seltsamen Besuchern ausbuddeln lassen. Geht auch und tut dm Hippie gut.
    Ich grüße aus Sizilien!
    Bernhard

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    • Hof Schwarzes Moor says:

      Hallo Bern!
      Diese Quellen haben ihre eigentliche Existenzberechtigung nicht aus den Bedürfnissen von uns Touristen. Der eigentliche Grund für deren Existenz ist, als Viehtränken zu dienen. Und für diesen Zweck erhalten die einheimischen diese. Und alles was darüber hinaus geht, sollten wir nicht den dortigen Hirten aufdrängen, sondern selbst in Angriff nehmen. Und immer darauf achten, wenn wir schon Veränderungen vornehmen, diese so zu gestalten, dass sie für die, die immer dort leben, weiterhin mit ihren Mitteln händelbar sind. Daher ist Beton an dieser Stelle nicht das Mittel der Wahl.
      Nichts für ungut.

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      • mb407 says:

        Ich kenne die Geschichte nichtdefinitiv, weiß aber dass hier für eine Plantage wie nen Kilometer weiter gebohrt wurde. Wasser nicht nutzbar, also keine Plantage.
        Kenne das Ding vor ein paar Jahren wo kaum Hirten hier waren und das Wasser direkt versickerte und zum Oued floss, das war heuer komplett trocken.

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      • bern-alive says:

        Stimmt, heißer Untergrund hier. Ich breche aber in den kommenden Wochen nach Tunesien auf. Da gibt es auch eine warme Quelle, ebenfalls von uns Menschen gebohrt, dort auf der Suche nach Erdöl, kam aber Wasser stattdessen. Da wollte ich vor 44 Jahren auch schon mal hin, auch von hier aus. Hat aber nicht ganz geklappt, war noch zu blöd.
        So long

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