Piste nach Amtoudi

Der südliche Antiatlas ist steinig und karg, nicht viel los hier. Im Gegensatz zum Ait Mansour Valley aus dem letzten Beitrag schon sehr öde. Die Strecke trotzdem sehr gut ausgebaut und bequem befahrbar. Man kann auch in einer trostlosen Gegend tolle Motive finden. Das ist Marokko, in wenigen Kilometern von Palmen zu Steinwüste.

Die Gegend spärlich bis kaum bewachsen, dazu heute noch sehr windig was den Eindruck einer unbewohnbaren Mondlandschaft hinterlässt. Ich habe ein Ziel und unten am Fuß der Berge in Richtung Westen sogar Rückenwind. Klingt nicht verkehrt doch der Wind ist so stark und böig dass er mir sogar während der Fahrt von hinten das Dach anlupft. Da wurde es kurzzeitig hell im Wohnzimmer.

Ja, ich hab eine Möglichkeit das zu versplinten, war jedoch noch nie nötig, da vorne die Excenterverschlüsse ausreichen um den Fahrtwind davon abzuhalten. Mehr als 20cm geht es auch kurzfristig nicht hoch, da der Rahmen meines Daches stabil ist und an vier Ecken in den Rohren hängt, muss aber auf Dauer nicht sein und ich suche mir einen Platz neben einer Mauer um windgeschützt die Terrasse herunter zu lassen um die Splinte einzusetzen. Danach keine Probleme mehr.

Es ist weit nach Mittag und ich hätte Lust auf eine Suppe. Anfeg liegt heute als einzige größere Ortschaft auf meinem Weg. Doch in den drei Cafes im Ort kann mir höchstens ein Brot mit Ei geboten werden, dafür brauch ich nicht in ein Restaurant gehen und ziehe meine Bahn durch Orte die wohl selten von Touristen besucht werden.

Das Verkehrsschild zum Glück nicht nur auf arabisch, außerdem prangt das Berberzeichen für Freiheit in der Mitte. Ich bin also quasi auf dem kürzesten Wege von Tafraoute nach Amtoudi und weiß von einer Piste die bei mir in der Karte als kleine Wanderroute eingezeichnet ist. Die Erwartung auf ein steiniges Abenteuer in einem Oued dem Talverlauf folgend lässt mich also mit etwas Vorfreude die nächste Etappe angehen. Doch spätestens das Schild hätte mich stutzig machen sollen… Marokko wie überall modernisiert. Eine frische, breite Piste wartet auf mich.

Bretthart und weiß wie Schnee ist anscheinend Kalk hier das Geheimnis. Möchte ich nicht bei nassem Wetter erleben, das Zeug muss wie Beton am Fahrzeug haften. Heute überholen mich meine Staubwolken, da der Wind immer noch erbarmungslos bläst. Kein guter Tag zum Wandern. Ich hab noch ein Video wie sich die Fahrt durch die Berge anfühlt.

Der letzte markante Fels auf den Bildern ist dann auch ein weiteres Zwischenziel, was aber irgendwie ohne Zugang zu sein scheint. Die Kreuzung auf meiner Karte wurde mit der neuen Strecke wegrationalisiert und man muss sich einen Platz am Straßenrand suchen. Zum Glück geht meine Wanderung die nächsten 1,5km im Windschatten des Berges von statten.

Anscheinend und spürbar aufwärts kann ich aber noch nichts erkennen. Mir wird eine Burg angezeigt. Zumindest der Trampelpfad führt in die richtige Richtung. Sehr steiniges Gelände und später zeigen mir ein paar uralte, zu Treppen aufgeschichtete Platten, dass ich nicht irre und der Pfad nicht nur von Ziegenhirten genutzt wird. Ich erreiche den Agadir Amharze, oder zumindest die Reste davon. Ich hab aus einigen Gesprächen mit anderen Reisenden rausgehört dass der Begriff Agadir nicht geläufig ist. Hat nix mit der Stadt am Flughafen zu tun. Es bedeutet Speicherburg also eine Art historische Burg zur sicheren Unterbringung von Waren meist Nahrung und Wasser. Hier kann man eines der dem Berg abgerungenen Regale dafür sehen.

Nun wird auch klar, warum man von unten schwer was erkennen kann. Klar schleppte hier niemand Baumaterial den Hügel hinauf und eine Umschichtung der vorhandenen Abbruchplatten hat es damals ermöglicht. Und das geht aus der Ferne fließend ind der Umgebung unter. Die Ausdehnung der ehemaligen Burg mit wahrscheinlich vielen kleinen nun verschütteten Höhlen war schon recht beträchtlich.

Ziel einer Burg ist natürlich immer der Schutz vor Angreifern. Die exponierte Lage macht es da sehr einfach Feinde schon von Weitem zu entdecken. Der Aufstieg hierher dann auch nicht einfach. Zur besseren Übersicht ein Panorama.

Atlas hat sich über die Pause mit Gassirunde gefreut und wir machen uns wieder auf den Weg. Das nächste Dorf dann nicht einmal auf der Karte verzeichnet freut sich über den Anschluss ans Verkehrsnetz, nun macht das Straßenschild auch einen Sinn.

Mal wieder an einem Oued gelegen und damit die Lebensader Wasser in scheinbarer Nähe sieht man hier wieder ein paar bewirtschaftete Felder vor der Ortschaft. Der nächste Supermarkt rund 100km weit bei Guelmim, der nächste Shop zurück nach Anfeg oder ins 20km weiter gelegene Amtoudi, was auch ziemlich klein ist und in einer Art Sackgasse steckt… Selbstversorgung macht also Sinn.

Doch der Fortschritt rollt bald an, die Piste ist hier weiter ausgebaut und der Belag hat auf Kies gewechselt. Keine Ahnung ob das ne Vorstufe zur Asphaltierung ist, fährt sich so auf Jeden Fall wie auf Eiern. Fast schon ein lustiges Fahrverhalten, dass natürlich bei überhöhter Geschwindigkeit (alles ab 40) in Kurven oder beim Bremsen problematisch werden kann. Hier zieht man schnell ne Furche.

Aber ich erreiche gegen späten Nachmittag mein Tagesziel. Amtoudi und lasse mich von den Bauarbeiten an der Hauptstraße dort im Ort nicht irritieren. Der Besitzer vom Campingplatz wartet natürlich schon am Rand auf mögliche Gäste und natürlich gibt es laut seinen Aussagen keinen anderen Weg und auch kein anderes Restaurant im Ort. Er selbst hat aber auch nur Tajine auf Abruf, also in ein bis zwei Stunden fertig und ich keinen Bock darauf. Folge also den ausgefahrenen Spuren hinter der Baustelle durchs Oued und suche mir einen ruhigen Platz mit bester Aussicht für ein mal wieder schmackhaftes, selbst gekochtes Abendmahl.

Vor mir und damit einige Hundert Meter höher thront majestätisch eine bekannte Sehenswürdigkeit des Landes die es bisher noch nicht auf meine Liste geschafft hat. Der Agadir Id Aissa bei Amtoudi und damit eine Speicherburg in weit besserem Zustand. Quasi komplett erhalten und sogar restauriert. Das Beste zum Schluss? Die Geschichte dazu dann Morgen.

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