Selbstversorgung zwischen Palmen

Der Draa, einst mächtiger Fluss der sogar den Atlantik bei Tantan erreichte ist ja seit der Fertigstellung des Stausees bei Ouarzazate nur noch ein Rinnsal das gerade mal bis Zagora gelangt. Was dieses Wasser aber auf dem Wege bewirken kann gibt es heute zu verfolgen. Wer sich auf google maps oder bing mal einen Überblick über Millionen von Dattelpalmen verschaffen mag sucht sich den Abschnitt zwischen Agdz und Zagora heraus. Genau dort, quasi mittendrin stehe ich nachdem ich abseits der Nationalstraße auf der anderen Uferseite über eine hübsche kleine Straße ein passendes Fleckchen Land entdeckt habe.

Das Camp ist schnell aufgebaut. Terrasse runter, Sitzgelegenheit raus und das Solarpaneel zur Sonne ausgerichtet. Dach bleibt zu mir fehlt heute der Elan und ich muss wegen extern induzierter Darmreinigung mal einen Tag aussetzen und fasten. Ja, passiert und irgendwas ist mir nicht bekommen. Atlas genießt hier aber seine Freiheit und ich hab meine Ruhe und ein paar Dinge am Laptop aufzuarbeiten.

Ich stehe etwas oberhalb der Felder und Palmen und kann das Treiben unten beobachten. Viel sieht man nicht, alles eher wie ne Permakultur sich selbst überlassen, aber ab und an hört man doch Menschen und sogar den monotonen Takt einer Maschine. Ein langsam laufender Dieselmotor der nur eine Pumpe betrieben kann. Das Relikt entdecke ich auch am nächsten Tag als ich wieder fit bin.

Kaum zu glauben, aber das ist ein voll einsatzbereiter Brunnen der die umliegenden Felder bewässert. Ordentlich unter Blech und Teppichen abgedeckt ein mindestens 60Jahre alter Verbrennungsmotor.

Bunt gemischt könnte man behaupten es kümmert niemanden was hier wächst. Doch die Palme hat eine abgeerntete Feige als Nachbarn und beide Bäume nutzt eine Weinrebe zum rankeln. Ebenfalls abgeerntet, nix verkommt.

Doch mit Pflanzen stutzen haben es die Marokkaner nicht so, wenn es auch einfacher wäre an den Ertrag zu gelangen. Sieht man unter anderem auch an den Olivenbäumen, die hier komplett als wilde Büsche wachsen. Ich Vergleich dazu ist es eine Kunst in Italien die Dinger mit mächtigem Stamm klein zu halten oder die dreistämmigen V-förmigen Gruppen in Spanien die dann besser per Maschine beerntet werden können. Überall anders.
Die Dreietagen Feldwirtschaft hab ich ja schon einmal beschrieben. Palmen spenden Schatten für Obstbäume, hier mal ein Granatapfel dahinter, unten drunter dann das übersichtliche Feld eher ein Beet. im Hintergrund sieht man aber auch etwas mehr Mais. Auf den kleinen Arealen wachsen Bohnen, Rüben, Möhren, Salat und dazwischen ein paar Kräuter. Ansonsten ist grad Saison für Kartoffeln, Kürbis, Zucchini und Gurken, Auberghinen und Tomaten. Obst ist regional, Äpfel und Birnen aus dem Mittleren Atlas, Granatäpfel und Melonen eher im Norden, Bananen von der Küste um Tamri und Orangen etc. aus dem Sous-Massa bei Agadir. Weintrauben vereinzelt, Avocados und Kaki bekommt man auch aber teuer und größtenteils importiert.

Dazwischen überall kleine Wälle auf denen man gehen kann. Dient gleichzeitig der Kanalisierung von Wasser und einer Flutungsbewässerung die keine Schläuche oder anderes Plastik benötigt. Damm auf, Wasser Marsch und alles schon einweichen. Das Ergebnis dann wie hier ein Haufen mit Lehm überspülter Möhrenpflanzen in frühem Stadium.

Schon klar dass so auch ne Menge Wasser allein auf dem Weg zum Feld versickert. Palmen benötigen aber auch ne Menge und stehen meist direkt an den Kanälen. Hier zum Beispiel wurde an einem frisch gepflügten Feld eine neue Reihe Dattelsetzlinge ausgebracht.

Da kann man meinen es dauert ein paar Jahre bis die groß genug sind. Stimmt schon, aber Datteln ernten kann man auch vorher schon, jetzt sogar ohne viel klettern zu müssen.

Wasser gibt es hier wie gesagt noch genug, der Draa selbst führt welches und ist noch ein richtiger kleiner Fluss wenn auch kaum Bewegung sichtbar.

Und von den Pumpen die es überall auch aus dem Untergrund abzapfen gibt es in solchen Ufernahen Feldanlagen mehr als genug. Manchmal noch fest in kleine Hütten installiert.

Die Funktion des Zwischenspeichers hier erinnert an eine Regenwassertonne im Norden Europas, andere Länder, andere Sitten. Das System funktioniert so seit Jahrtausenden und auch die Pflege solcher Felder macht etwas Arbeit wenn man bedenkt, dass nur eine Überschwemmung nötig ist alles platt zu machen.

Als Überblick mal folgendes Bild. Das Draatal ist hier 300-500m breit und auf der kompletten Länge sieht es so aus. Ne Menge kleiner Felder von je einer Familie bewirtschaftet. So hat jeder sein Auskommen und es bleibt auch was zum verkaufen übrig. Für mich als grüner Daumen mit eigenem Garten und Wunsch nach Selbstversorgung ein interessanter Einblick.

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