Piste Tagounite ab Oase zurück nach Zagora

Die Tagounite Piste ist also heute mein Thema. Ich verlasse die Wüste um Lac Iriki, Erg Chegaga und Oase Sacree nach Norden um nicht erneut in M’Hamid zu landen. Der Weg wie auch in die andere Richtung nach Foum Zguid sehr steinig und darum holprig.

Sandverwehungen, trockene Oueds und Akazienbäume wie schon im letzten Beitrag beschrieben die einzigen Hingucker auf der Route. Ich weiß gar nicht wo ich letztes Mal mit dem Gespann die Probleme hatte. Doch Entfernungen täuschen aufgrund der sehr langsamen materialschonenden Reisegeschwindigkeit. Und schließlich gelange ich doch an die Stelle, wo meine Karte etwas von der Realität abweicht.

Ich schaue mir das zu Fuß vorab an und beschließe nicht dem für mehrere Hundert Meter sandigem Oued zu folgen wie die Piste eingezeichnet ist, sondern dieses einfach zu queren und mir dann oben auf der anderen Seite wieder einen Weg zu suchen um auf die Piste zu kommen. Dort habe ich anscheinend beim letzten Mal den Faden verloren und mich ein paar Tage lang verfranst. Nun also etwas Anlauf und drüber ohne Probleme. Wer das Video letztens nicht gesehen hat, dies war das Teilstück wo mir die Nomad Family aus der Patsche half… Aber die WALKÜRE packt das und zieht auch keinen Anker hinter sich her.

Danach geht es wieder für einige Stunden relativ geradeaus den Bergrücken nach Osten folgend. Irgendwann schleicht sich sogar ein leichter Schimmer von grün ins Bild.

Eigentlich ist es egal wo man Pause macht, alles ähnlich und Verkehr ist hier kaum bis gar keiner. Motor aus, rollen lassen und Spot für nen Snack gefunden.

Mein Reifen mit dem kleinen Loch hält noch gut durch und mehr als die Hälfte ist schon geschafft, der Rest wird auch einfacher, wenn man erst mal durch diese einzige Furt hier den Bergrücken überwunden hat und auf der anderen Seite auf eine bessere Piste gelangt.

Was mir jetzt nur noch etwas Sorge macht ist meine fast still stehende Tanknadel. Aber ich bin noch in der Erprobungsphase und hab zur Not nen Kanister dabei. Die Nadel bewegt sich ab und an beim Wanken des Fahrzeuges noch ein bisschen, heißt nen Schluck ist noch drin. Und selbst bei totalem Stillstand ist quasi der Boden des Tanks noch mit ein paar Litern bedeckt und ich komme wirklich auf den letzten Tropfen an die Tanke in Tagounite.

Anmerkung, Temperatur und Öldruck sonst optimaler, hier einfach durch Fahren im Standgas reduziert. Dafür gibt es auch den Service im Ort, Reifen flicken auf marokkanisch. Abgedrückt wird mit selbstgebautem Hebel an der Laterne fixiert. Runtergezogen per Hand mit Montiereisen und die Schadstelle in Augenschein genommen. War doch noch eine Schraube drin und nach Beseitigung wurde die Oberfläche mit Sandpapier angeraut. Flicken drauf und alles wieder zusammen. Nebenbei einige Tee getrunken und über Mechanik philosophiert. Hab eine Werkstatt mit nem alten Mann aufgesucht der mir stolz seine Simson SR oder wie der Schwalbe Vorgänger heißt unter einer Plane zeigte. Stolz… naja hat schon bessere Zeiten gesehen und taugt bei uns höchstens noch zum Restaurationsobjekt. Ebenso der 70er Jahre Käfer in der Werkstatt, nix besonderes aber relativ rostfrei wie ich erkenne. Mache ihm Mut, dass die Dinger langsam gutes Geld in Deutschland bringen und er den wieder fahrbereit basteln solle.
Zum Abschied bekam ich noch ne Tüte Datteln für die Fahrt und ich hab mit 25% Trinkgeld umgerechnet 4,- Euro gelassen. Im Ort gab es dann nichts neues zu entdecken und ich fuhr in Richtung Zagora über den nächsten Hügelkamm wieder ins Draa Tal hinunter.

Diese überall sinnlosen Gebäude ohne Funktion sind hier sowas wie Markierungen für Landesgrenzen. Gibt es in allen Möglichen Ausführungen und Größen. Unten im Tal geht es dann zügig voran auf neuem Asphalt vorbei an Tinfou und der Sternenguckkasbah.

Echt unglaublich, aber hier ist extra ein Radweg durch die Wüste gezogen um auch Mofas vom schnelleren Verkehr fernzuhalten. Zagora hat seine Expansion auch auf die Umgebung ausgeweitet.
Ich hab in der Stadt eigentlich nur vor mein Werkzeug zu verkaufen und ein paar Besorgungen zu machen. Bei den meisten Sachen bin ich aber vergeblich am Suchen, da Freitag Nachmittag und oder um den Nationalfeiertag nicht viel los ist. Nur am Markt das übliche und auch Reste vom Schlachten für Atlas.

Die Kuh wurde anscheinend auf dem Klotz in der Mitte zerteilt und an die umliegenden Fleischer verteilt. Kopf und Beine liegen noch, ein paar Brocken und Knochensplitter vom Boden wandern in die Tüte für den Hund. Das Foto durfte ich wie überall nach nettem fragen schießen, nachdem der Metzger aus dem Weg gegangen ist.

Es ist also Nachmittag und ich hab keine Lust hier im Ort zu bleiben. Die ersten Werkstätten direkt am Stadteingang hinter der Brücke hatten kein Interesse am Steckschlüsselsatz und weiteren übrigen oder doppeltem Equipment. Bai Ali Nassir aber, einem der bekanntesten Mechaniker hier fand mein neuwertiger Kasten sowie ein Druckluftschrauber begeisterten Käufer und ich hab wieder einige Tankfüllungen gegen unnützes Gewicht im Truck mit Zwischenwährung Geld getauscht.

Die Jungs hier echte Spezies und auch für Rally Veranstaltungen als Mechaniker zu buchen. Für hiesige Verhältnisse eine sehr saubere und aufgeräumte Werkstatt, alleine das schon professionell und eine Seltenheit.

Ich ziehe also weiter dem Draa nach Norden folgend mit toller Aussicht auf die Palmen von Zagora. Foto gegen die Sonne aber doof. Irgendwo zwischen hier und Agdz will ich mir einen ruhigen Schlafplatz „im Grünen“ suchen. Das Tal ist berühmt für seine Kasbahs also Lehmburgen und die kleinen Ortschaften auch alle in einheitlichen erdigen Farbtönen. Hübsch anzusehen und hier von früher mal in Szene gesetzt.

Video Draa aus dem mb407 Archiv

Ein Gedanke zu “Piste Tagounite ab Oase zurück nach Zagora

  1. Flood schreibt:

    bei ali nasser hab ich schon zweimal reparieren lassen 😉 … einmal 90er defender softtop (erste marokko-tour, m. bodenzelt), einmal unimog. den aufkleber haben beide seither auf dem poppo kleben…

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