Ödland zwischen Lac Iriki und Oase Sacree

Der Weg wieder vom See hinunter (oder heißt es dann vom Seegrund herauf ans Ufer) war dann mangels Punkten zur Orientierung doch nicht so einfach. Ich folgte zwar einigen Spuren aber davon gibt es Tausende und immer kreuz und quer. Außerdem hatte ich nen Pfeil auf der maps.me Karte, der jedoch aber nur ne Richtung anzeigte und nicht was dazwischen lag. So kam es also, dass ich mich zwischen ein paar Dünen manövrierte und zum Glück nicht völlig kopflos gerade aus fuhr. Als Ziel hab ich grob das erste Restaurant am Nordrand angesteuert und mich erinnert, dass wir vorher noch ne ganze Weile gerade weiter sind bevor man ohne Dünen nach Süden abbiegen kann. Also umdrehen und lieber ne bessere Stelle suchen, bevor ich außer Sicht von allen und ohne Empfang Probleme bekomme.

Die Piste, die heute mein Ziel war und auf der ich alleine weiter wollte ist noch ein Stück nördlicher und folgt der Gebirgskette mit dementsprechend vielen Steinen. Das kenne ich noch aus Erfahrung und will diese ungemütliche Strecke so lange wie möglich hinauszögern. Ich passiere dann irgendwann das Cafe und mache mich auf zur letzten gesetzten Markierung, die den Einstieg in die Sandpiste zeigt. Dort will ich dann auch nicht mehr vorbei und hoffe eine Abzweigung zuvor zu entdecken. Doch leider bin ich dann fast plötzlich Mitten drin und fahre mich fest. Na toll und eigentlich logisch, ich hab den Luftdruck in den Reifen wieder erhöht und damit den direkten Beweis, dass es do nicht geht. Gestern kam ich ja exakt hier aus der anderen Richtung. Mit etwas buddeln, also die Haufen vor den Rädern wegschieben um nicht gegen kleine Rampen anzukämpfen schaffe ich beim zweiten Versuch auch nur ein paar Meter. Ich hatte schon längst beschlossen umzukehren und die feste Stelle dazu in vielleicht 10Metern ausgemacht. Wollte nur nicht wieder mein Setup mit dem Kompressor aufbauen müssen und hab den Druck so gelassen. Mühsam kämpfe ich mich voran und sehe nun, dass eigentlich die untere Hälfte der Hinterachse schon im Sand steckt und dementsprechend bremst. noch größere Räder wären jetzt ein Traum. Aber als ich anfange auch diesen Sand zu entfernen hält neben mir eine Truppe deutscher mit eigenen 4×4 und bietet Hilfe an. Gerne angenommen, da ein kleiner Ruck mir sicherlich ne halbe Stunde buddeln erspart. Frühsport also abgelehnt.

Alle sind wie gewohnt begeistert von meiner WALKÜRE und können es kaum glauben, dass ich gestern aus der Richtung gekommen bin. Schon etwas Stolz und entgegen der Peinlichkeit hier zu stecken musste ich dieses Detail natürlich betonen. Für heute aber hab ich echt genug von Sand und will mein Glück nicht weiter herausfordern.
Wie ich später durch einen facebook Kontakt herausfand gab es technische Probleme bei der Truppe da ein Kühlsystem versagte, daraufhin schleppte man sich gegenseitig komplett aus dem Schlamassel und zurück in die Zivilisation. Nette Gemeinschaft und immer richtig nicht alleine ins Nichts zu fahren. Viel Erfolg und Spaß also weiterhin.

Mein erstes hübsches Foto für heute dann von der von vielen gehassten steinigen Nordroute Lac-Iriki zur Oase Sacree. Auch der Weg in die andere Richtung nach Foum Zguid den die Motorradfahrer nehmen wollen ist nicht besser.

Die Landschaft karg und in der ebene öde, nur Brunnen sieht man ab und an, da doch noch Nomaden in der Gegend wohnen. Auch die haben aufgerüstet und schöpfen nicht mehr per Hand.

Andererseits sieht die Solaranlage nicht (mehr) einsatzbereit aus und die Leitung ist auch nicht verbunden, der gute alte Eimer am Seil hängt immer noch… warum auch nicht. Ich hab noch einige Kilometer vor mir und lasse mich nur von den beiden Kameraden hier zum weiteren Stop ablenken.

Man muss sich das in bewegten Bildern mit Ton ansehen um es zu verstehen.

Video zum Festmahl der Dromedare

Ja, nochmal deutlich, die Dromedare hier fressen eine Akazie und dagegen kann jeder Kaktus einpacken. Ich hab letztens mal ein Foto hochgeladen, hier erneut. Die Stacheln sind echt keine Zierde und das knacken beim Kauen war nicht angenehm zu hören. Was bleibt aber wenn der Hunger ruft. Jetzt erklärt sich auch die Form der Bäume hier in der Umgebung. Entweder es sind kleine verkrüppelte Büsche oder Bäume die erst ab 3m Höhe Äste und Blätter tragen… alles andere in Reichweite für ein Kamelmenu.

Dann speichere ich noch ein vielleicht pietätloses Bild für die Nachwelt ab. Glaube sogar dass ich exakt die gleichen beiden Gräber schon vor Jahren hier fotografiert habe. Aber auch das spiegelt das harte Leben hier wieder, kein guter Boden zum Leben und auch nicht zum Sterben.

Eine kleine Siedlung hab ich diesmal aufs Video gebannt. Baumaterial Steine und der Fußballplatz dann freigeräumt von selbigen. Wer im Archiv stöbert wird noch mehr Bilder und eine Nomadenschule entdecken.

Video Nomaden—dorf?

ARCHIV Link zum MB407 in der Region hier

Hier also mal das ganze frühere Abenteuer mit dem längeren Bus und Anhänger zum belächeln.

Die Piste wird noch steiniger, was die Geschwindigkeit erneut drosselt. Kann man sich wie ein Gang auf Eiern vorstellen, jedes Rad rüttelt jeden Dezimeter über einen neuen mindestens Faustgroßen Stein. Materialschonend ist anders.

Wer aber den See, die Oase oder den Erg ohne Allrad oder WALKÜRE sehen möchte muss hier entlang. Mir kommt eine Fahrradtruppe entgegen. Ja, wirklich, mir begegnen eine handvoll Radsportler auf Mountainbikes die hier zum Spaß vorbeiziehen. Gefolgt von einem LandCruiser als Servicewagen und Stunden später kam mir ein Bremer entgegen mit marokkanischem Nummernschild der mich nach dem Weg fragte. Er sei der Küchenwagen für die Truppe und baut wohl am Abend das Camp auf und verpflegt die Masochisten. Bei 30grad ohne Schatten in einer staubigen Ödnis meist geradeaus… da sagt noch einer ich bin verrückt. Und das aus dem Munde eines früheren Radsportlers wie mir…

Aber es gibt auch etwas Abwechslung mittendrin. Zum Beispiel wenn ein Oued kreuzt. Hier mal ein letzter Zusammenschnitt zum Eintauchen in die Landschaft.

Hey ich hab nen neuen Knopp im Internett entdeckt, einbetten heißt der…

Und dann ist es geschafft, ich erreiche die Oase und mache erstmal Mittagspause. Hab mich grob mit den Jungs hier verabredet und heute kein anderes Ziel auf dem Plan. Keine 30Kilometer Fahrstrecke geschafft und trotzdem keinen Bock mehr. Ob das dem Besitzer hier auch so ging?

Der Defender hier seit Jahren eine Attraktion. Der Motor steckt zum Teil samt Getriebe noch drin, Achsen sind auch drunter, wer also Ersatzteile benötigt. Jeder schreibt hier was drauf oder hinterlässt einen Sticker, Tradition. Also auch der ideale Platz für mein erstes Stencil, das Logo der WALKÜRE prangt nun auf dem Kotflügel der Sonnenabgewendeten Seite, mal schauen für wie lange, wer hier mal rum kommt schießt bitte ein Foto mit Datum.

Wie man hinter dem Defender sehen kann ist an der kleinen Quelle der Oase natürlich wieder ein Touristenhotspot eingerichtet. Zelt mit Bewirtung, auf Plastiktischen aufgereihte Erfrischungsgetränke und gefüllter Parkplatz mit Pauschalreise SUVs. „Erkundungstour ab M’Hamid – Oase Sacree mit Übernachtung am Camp Chegaga“ und alles im Schnelldurchlauf.

Ich schau mir das noch etwas an, döse in der Sonne und genieße mein Leben, mal gucken was heute noch so passiert.

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