Lac Iriki – Ein Tag am See

Der Tag hat also entspannt mit einem Spaziergang im Sand gestartet. Ich befinde mich noch auf der großen Düne des Erg Chegaga und genieße die schier endlose Aussicht auf noch mehr Sand. Meine Abenteuertruppe ist nicht so körperlich aktiv und wartet lieber unten. Immerhin ist es noch Vormittag und die sind schon wach und abfahrbereit. Der Rückweg hinunter macht am meisten Spaß, große Sprünge weich gefedert, Dünenjogging ein Erlebnis. Viel später hätte das um diese Jahreszeit auch nicht sein dürfen, der Sand auf der südlichen Sonnenseite schon wieder fast schon zu heiß für barfuß. Wir erwarten mal wieder 30grad heute… natürlich ohne Wolken und gemessen im Schatten.
Das angekündigte Abenteuer sieht dann wie folgt aus. Ich werfe meine sicheren Pläne über den Haufen und versuche etwas völlig verrücktes. Alleine wäre ich niemals auf den Gedanken gekommen, aber mit dem Defender und einem Allrad-LKW im Schlepp kann gar nix passieren. Mein Plan als Einzelkämpfer hätte die Route zur Oase Sacree und dann die holprige Piste über den Lac Iriki nach Foum Zguid vorgesehen, das trau ich mir alleine zu. Nun aber heißt es quer durch die Dünen die direkte Verbindung zum See die auch durch ein Oued/Wadi führt und unter Garantie mit viel Sand ausgefüllt ist.
Die WALKÜRE scharrt mit den Hufen, 2bar Luftdruck und genug Kraftstoff im Tank, warmgelaufen und einsatzbereit… Schaufel griffbereit und gut gefrühstückt, kann ein anstrengender Tag mit viel buddeln werden.

Ich muss verrückt sein und kann es auf die ersten Meter gar nicht glauben. Es läuft… Ich folge meist den Spuren des LandRovers der ungefähr die gleiche Spurbreite hat, beim Kurzhauber passt das nicht und das dicke Ding zerfurcht mir sonst alles, der folgt also. Die Mopeds kämpfen sich dann am Schluss hinterher. Die Jungs haben heute echt die meiste Arbeit denn mein MB608 schippert gemütlich durch den Sand. Wie schon aus den letzten Erfahrungen gelernt ist der egal wie fein und tief gar kein Problem, solange ich etwas Schwung behalte und es keine Anstiege gibt. Dünen bis 2Meter können also mit Anlauf gemeistert werden. Ich hab den dritten Gang eingelegt und muss nur sehr am Lenkrad kurbeln um das extreme Untersteuern auszugleichen. Mehr dazu mal wieder in bewegten Bildern.

ab durch die Mitte, Dünenfahrt der WALKÜRE

Das Knarzen übrigens ist mein Fußbodendach… hab ja die Dachhaut entfernt und einen flachen Dielenboden mit Nut und Feder verlegt um Höhe zum Alkoven zu sparen. Wie auch alles andere Holz ist das nun trocken und hat etwas Spiel. gewöhnt man sich dran, wie im Altbau. Und das Klappern sind meine Souvenirs auf dem Armaturenbrett. Immerhin eine Sammlung aus allen sechs Jahren und einige Stücke noch von der Marinezeit zuvor. Aber das gehört dazu. Das Video wie üblich vom Handy, da meine GoPro den Akku platt hat und ich hier keinen Ersatz bekomme. Qualität also etwas unschaft aber reicht… und einhändig am Lenkrad kurbeln.
Das Ganze war dann so für 30km ja, KILOMETER und ich bin nicht einmal stecken geblieben. Echt erstaunlich und ich hab meinen Untersatz danach auch anständig gestreichelt. Nun gibt es keine Bedenken mehr, das ideale Weltreisefahrzeug und selbst die Sahara schockt mich nicht mehr. Eine tolle Erfahrung. Zum Schluss wurde alles breiter und sanfter und ich hatte mal Zeit die Kamera zur Außenansicht zu führen.

Video der Fahrt durch den Sand

Wie gesagt, die Motorradfahrer hatten echt Arbeit und brauchten danach erstmal eine Pause. Die Titanic ist hier gestrandet und am nördlichen Ufer des Sees damit eine Anlaufstelle für Verpflegung.

Wie man sieht auch wieder eine ganze Horde Enduristen die sich wie Rallyefahrer fühlen und ohne Gepäck von A nach B heizen wo der Servicewagen schon wartet oder wie hier das Mittagessen im Schatten aufgefahren wird. Aber ein Wirtschaftszweig der viele hier gut verdienen lässt. Die Versorgung mitten in der Wüste dann auch logistisch eine Herausforderung. M’Hamid als nächst gelegene Ortschaft wenn nicht die extrem steinige Piste nach Foum Zguid genommen werden soll. Direkt über den Berg aus dem Tal raus müsste auch was sein, aber keine Wege. Der alte klapprige Landy und die Solarpaneele müssen es also richten.

Woher das Wasser kommt erfahre ich Morgen. Für heute heißt es erst mal ab zum See. Am Ufer sind wir schon, wir steuern aber aufs Zentrum zu.

Doch aus der Abkühlung wird nix. Kein Wasser weit und breit. Es soll wohl vor Wochen nach den harten Regenfällen etwas weich und schlammig gewesen sein… aber nix mehr davon zu spüren. Und das für mehrere Kilometer in jede Richtung. Geografisch sind wir mitten drin. Mit Wassersport wird das heute also nix.

Dann mal das Moped abgeschnallt und Kreise gefahren. Doch ohne irgendwas in der Nähe ist das echt langweilig, geradeaus in quasi jede Richtung. Ich bin mal soweit gefahren, dass ich das Camp nicht mehr sehen konnte. Man erkennt noch die Berge am Horizont, kann sich aber echt schnell auf dem See verirren. Die Rückfahrt Vollgas bei 100km/h hat zwei Minuten gedauert um aus einer Fatamorgana doch wieder ein Camp zu erkennen. Den Spaß haben sich einige schon gegönnt und Spuren führen kreuz und quer, ab und an gab es mal kleine Verwehungen auf die ich aber auch nicht im Spitzentempo prallen wollte. Also lassen wir den Blödsinn ohne Helm und Möglichkeit für nen Krankenwagen. Genießen lieber den Sonnenuntergang an einem sehr abgeschiedenen Ort.

Es zog etwas Wind auf wie jeden Abend und bei Dunkelheit ist es dann vorbei. Wir hatten Feuerholz gesammelt unter weiser Voraussicht dass es hier nix geben würde. Nach nem anständigen Essen also mal wieder Zeit für Markus Passion. Alle in Position und lächeln.

Es war dann auch eine sehr ruhige Nacht und kein Licht zu sehen, nicht einmal der Militärposten auf den Bergen der da sicherlich irgendwo sein muss. Algerien ist südlich vom See und es hat mich echt gewundert dass niemand vorbei kam. Die Pläne nun wie gesagt etwas geändert. Ich hab den schweren Teil geschafft und kenne den Rest der Strecke schon von früher. Will nochmal zur Oase und dann den Abschnitt erneut probieren, wo ich vor Jahren stecken geblieben bin. Es wird wieder windig und der Rest der Truppe noch nicht abfahrbereit. Mir ist hier langweilig, Atlas pinkelt schon wie ein Mädchen mangels Alternativen und hat auch keinen Bock mehr. Es geht weiter. Ein letztes Foto vom Camp im nirgendwo. Wollte ich aber mal gemacht haben.

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