Targalte Festival in der Wüste M’Hamid

Dieser blog Beitrag befasst sich mit meinem quasi ersten Etappenziel auf der großen Tour. Das Taragalte Festival in M’Hamid in der Wüste. Ich hab es zeitnah erreicht, wenn auch die Experten wissen, dass es Anfang November statt fand und ich dementsprechend fast 10Tage mit meinen Berichten hinterher hänge. Aber ich hab es pünktlich dorthin geschafft und die WALKÜRE damit die Testphase absolviert. Jetzt hab ich genügend Zeit mich auch um die Kleinigkeiten wie Licht im Inneren zu kümmern. Zuletzt gab es Kopflampe oder Kerzenschein zum Abend.

Die Anreise ab Tamegroute war ein Spießrutenlauf mit Hitch-Hikern die per Daumen anreisen wollen. Halb Marokko scheint auf dem Weg hier runter zu sein. Leider muss ich überall abwinken und habe keinen freien Platz. Der Fußraum komplett vollgepackt und Atlas mit einer großen Liegefläche bis zum Armaturenbrett gesegnet um auch der Sonne zu entkommen. Für heimische Verhältnisse hätten sich da auch noch zwei Personen im Schneidersitz über die Fahrt gefreut, aber meine kläffende Alarmanlage würde sowas nicht zulassen.

Ich bin einen Tag früher dort und treffe mich mit Edith Kohlbach, der Autorin von Marokko mobil unterwegs. Ihr Reisehandbuch hab ich mal als Bibel bezeichnet und im letzten Jahr an völlig unvorbereitete Erstlinge verschenkt. Den Großteil davon hab ich schon besucht und im Kopf, und nach Koordinaten fahre ich sowieso nicht. Wir machen zusammen eine Rundfahrt durch die Palmeraie und die umliegenden Ksars. Dort etwas abseits der Ortschaft liegt auch das Festivalgelände und wir besuchen den Chef und sehen wie es mit dem Aufbau voran geht.

Zum Zehnten Mal jährt sich diese Veranstaltung und das malerische Gelände ist ideal für diese nomadisch angehauchte Zusammenkunft. Zwischen kleinen Dünen gelegen mit weichem Sand zwischen den Füßen und Blick auf Palmen am Horizont. Ein Gebäudekomplex als Zentrum des Ganzen, ringsum Zelte und natürlich die Bühne.

Man kann hier als Tagesbesucher kommen oder hat im Voraus ein Paket mit Kameltrack und Unterkunft gebucht. Im großen Zelt wird wohl fein gespeist, wie ein Blick hinein verrät.

Die Herbergen liegen dann hinter der nächsten Düne mit Campcharakter und Außenklo.

Diesen Komfort genießen aber nur die europäischen Besucher. Das Festival mit Internetauftritt clever im Marketing und der Veranstalter einheimisch mit einer Holländerin verheiratet. Die richtigen Nomaden die vielleicht sogar auch als „Angestellte“ fungieren haben noch ne Düne weiter ihre typischen Nomadenzelte aufgestellt. Stützen, Zeltbahn und Teppiche. Außenliegende Feuerstelle und geordnetes Chaos nach dem Wind ausgerichtet.

Es gibt einiges zu bestaunen. Eine Art open air Museum mit wohl traditionellen Mitteln und Materialien solcher Zelte, hier aus Lederresten zusammengenäht, wahrscheinlich Ziege oder Dromedar.

Die weiteren Elemente die das Gelände umfassen erläutere ich später. Am nächsten Tag ziehe ich mit meinem Truck auf den Camperparkplatz. Eine gigantische Freifläche ohne Sand etwas abseits vom Haupteingang und dessen staubiger Zufahrt. Die letzten Meter Piste durch die Dünen wurden frisch geschoben und sogar gewässert um heimischen Vehikeln ohne Allrad auch die Anreise zu ermöglichen. Der Baustil meines nomadischen Heims dann nicht all zu sehr unterschiedlich von den traditionellen luftigen Zelten.

Die Terrasse dem Schatten nach ausgerichtet, das Mopped für Besorgungen und Erkundungen abgeschnallt und das Dach für genügend Freiraum und Ausblick um 50cm angehoben. Solar drauf und für ein paar Tage so eingenistet. Ich glaub ich werde den Plan der festen Zeltbahnen obenrum doch in eine mobile Version umwandeln um diese Freiheit des 360grad Fensters nicht zu verlieren. Einfach zu gut so und auch nachts bei herrschenden Temperaturen angenehm.

Der erste Abend dann mit klassischer Geschlechterteilung vor der Bühne. Der zu große abgesperrte Bereich für die Presse und dahinter neben der Technik dann eine Seite die Männer die andere mit Frauen besetzt. Drumherum ist es bunt gemischt und die Dünen als perfekte Sitzgelegenheit. die Musik nicht mein Geschmack. Arabischer Singsang mit monotoner Untermalung durch E-Gitarren gezupft von Turbanträgern mit Badelatschen…

Gegen Mitternacht war Ruhe und ich auch schon früher zuhause. Die meisten Besucher in der Summe Einheimische aus der Nachbarschaft und die fuhren am Abend alle wieder ab. Also ein gemütlicher Morgen mit Jogging in den Dünen. Sonnenaufgang.

Ich hatte Bändchen von Edith bekommen, Danke nochmal für diese Schonung der Reisekasse, tagsüber konnte man dann das Gelände als Ausstellung erkunden. Ein kleiner Souk, also ein Markt der am Abend dann zur Fressmeile umfunktioniert wurde. Gewohntes Straßenfutter wie man streetfood wohl übersetzen kann. Sandwiches, Grillspieße, Suppen und gekochte Eier, typisch Marokko.

Man hat sich auch über das Thema Mülltrennung Gedanken gemacht und einen Ort zum sammeln aufgebaut. Was danach damit geschieht konnte ich aber nicht feststellen, da es in ganz M’Hamid keine Mülltonnen gibt und frühestens im 100km entfernten Zagora etwas dergleichen steht. Aber immerhin bleibt die Wüste sauber.

Der Rest der Infrastruktur… bedenklich. Die Beleuchtung zum Bespiel zwar energiesparend, aber trotzdem mussten hunderte Meter Kabel zu Dutzenden Lampen an Pflöcken verlegt werden. Diese verknotet und mit Isolierband grob umwickelt sah nicht nur abenteuerlich aus, sondern war auch Ursache für etliche dunkle Momente, da mal wieder jemand irgendwo über Kabel stolperte. Die Pfosten gleichzeitig Mülleimer, nur 20cm im Sand verbuddelt waren auch nicht stabil und später lag der Großteil rum.

Aber mit solchen ortstypischen Ausnahmen die zu ignorieren sind war es eine ganz ordentliche Sache. Man konnte sich alles ansehen und es gab einen Ausstellungsbereich für Kunst. Diese Palisaden hier mit Fotografien sind über 30m Länge aufgebaut und zeigen später noch gemalte Bilder.

Das Zentrum der Kommunikation jedoch ist ein Cafe, Bar kann man es ohne Alkoholausschank ja nicht nennen.

Dahinter im Dauerhaften Zelt mit gemauerten Wänden konnte man wokrshops buchen und weitere Traditionen wie Teppichknüpfen bestaunen. In dem Areal war auch tagsüber etwas Musik die eher afrikanisch international war. Hier mal ein Ausschnitt.

Taragalte Festival in Ton und Bild

Auf dem Parkplatz war ich natürlich auch nicht alleine und hatte neben der Truppe der letzten Tage noch viel weitere Gesellschaft. Darüber berichte ich aber später noch. Die Abende dann wider mit Andrang vor der großen Bühne. Die Trennung war aufgehoben und doppelt soviel Publikum am Samstag dabei.

Die Musik wurde aber für meine Ohren nicht besser, modern arabisch-marokkanisch halt recht eintönig und ohne was zu verstehen macht das quasi keinen Sinn. Westafrikanische bunte Klänge wären hier ne schöne Abwechslung gewesen.

Alles in allem trotzdem eine gelungene Veranstaltung die von der tollen Örtlichkeit lebt. Die Umgebung pure Wüste, nach Süden und Osten gibt es nix weiter bis zur algerischen Grenze, im Westen wartet das nächste Abenteuer auf mich und nur eine Straße führt in den Norden nach Zagora. Die alten Dörfer die früher das Leben in der Region sicherten sind zwar etwas ausgetrocknet aber immer noch bewohnt.

Den Rest holt sich der Sand… was zumindest ein romantisches Bild ergibt.

Das Taragalte Festival aber eines der Highlights auf dem marokkanischen Veranstaltungskalender. Hatte früher schon einmal das Mandelblütenfest in Tafraoute oder ein anderes Nomadenfest besucht, hier wurde doch am meisten geboten und man konnte als Tourist echt was erleben.

Warum die WALKÜRE mal ohne Moped bewegt wird ist dann wie erwähnt Teil der nächsten Geschichte die hier seinen Anfang findet.

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