Zagora und Tinfou mit Sternenhimmel

Nach jeder Piste gibt es auch irgendwann wieder eine Straße. Unser Abenteuer endet an der N12 welche die letzten Kilometer recht eintönig nach Zagora führt. Ich mache mich alleine auf den Weg in die Zivilisation. Wenig Leben jenseits der Strecke, nur in den letzten Zügen vor der Stadt breiten sich neue Plantagen aus. Ansonsten ruhige, fast schon einsame Fahrt, ohne all zu sehr auf den Untergrund achten zu müssen. 50km/h und das auch nur mit hoch gedrehtem Standgas im letzten Gang, manueller Tempomat und warum schneller, ich bin nicht auf der Flucht.

Wenn man sich in die Zeit zurückversetzt wo es keine gut ausgebauten Nationalstraßen in Marokko gab und alle Wege irgendwie mehr oder weniger über Pisten absolviert wurden war es ein echt hartes Reiseland. Heute kann man sich dem Luxus und Fortschritt des Asphalt kaum noch entziehen, es ist schwer noch schöne Pisten zu erfahren. Für Besucher des Landes jedoch die von den Hauptstraßen nicht abbiegen geht meiner Meinung nach auch ein Stück Authentizität verloren.

In Zagora war ich auch ein paar Jahre nicht. Hat sich einiges getan wie ich so gehört habe und erst Recht auf dem Sektor Mechanik und KFZ durch die immer häufiger auftretenden privaten Rallye Veranstaltungen in der Umgebung. So kommt es auch, dass schon Kilometer vor der Stadt mir „Schlepper“ entgegen kommen und in ihren Landrovern wild winken und gestikulieren als wenn man sich kennt oder sie Hilfe brauchen. Doch alle wollen dich nur in eine Werkstatt führen, selbst wenn nur zum Service wie abschmieren. Die erste Häuser am Straßenrand dann echt erstaunliche luxuriöse Hotelanlagen die beim letzten Besuch hier noch nicht standen.

Allein beim Stop für dieses Foto hält ein Geländewagen und ein Roller an um mich jeweils zu Fragen ob ich Hilfe brauche also eine Werkstatt suche. Kann ja übel werden und ich frage mich ob die Nachfrage das herrschende Angebot rechtfertigt oder Quantität und Qualität hier verwechselt werden. Oftmals höre ich von den „berühmten“ Garagen hier unten, wo Leute gezielt für Arbeiten am Fahrzeug anreisen. Ich passiere weitere Kasbah-Hotels und halte mich Richtung Zentrum.

Die Hauptstraße wie in Erinnerung, gepflegt und geschäftig. Es gibt alles was man gebrauchen kann, Zagora ist echt groß geworden, nur noch kein Supermarkt hat sich hier angesiedelt. Die Stadt ist das Tor zur Wüste und gleichzeitig das Ende des Vallee du Draa und damit der letzte Ort der Wasser aus dem Stausee bei Ouarzazate bekommt. Datteln sind hier ne große Nummer und halt der Tourismus.

Ich hab meine Besorgungen und dabei erfahren dass heute Souk ist, besser geht’s nicht (Mittwoch und Sonntag) Der Markt etwas außerhalb und davor genug Platz um in Ruhe Mittagspause zu machen. Hungrig einkaufen endet nie gut. Wie gewohnt geht es im ummauerten Souk rund. Händler haben ihre Zeltplanen mit Holzbalken abgestützt und die Ware wird meist auf Teppichen am Boden dargeboten. Neben den Gemüsemarkt gibt es ein ganzes Areal für Datteln und deren Kartonverpackungen, auch ein Viehmarkt ist ansässig, der Bauer kommt mit Ladungssicherung.

Meine Ausbeute an gesundem soll für eine Woche reichen. Es geht hiernach wieder in die Wüste und preise sowie Qualität werden dort nicht besser. Ein Rucksack voll Kartoffeln und Süßkartoffeln, Rüben und Möhren, Zucchini, Zwiebeln und rote Beete. Paprika, Tomaten und zum auffrischen meines Obstvorrates Melonen und Bananen. Im Durchschnitt alles um die 5dH / Kilo und mein Einkauf keine 10,-€ umgerechnet, wobei noch der Beutel Granatäpfel auf dem Bild fehlt. Ansonsten ist grad Saison für Blumenkohl und Bohnen, Salate und Äpfel sowie erste Orangen. Riesige Kürbisse damit schon mehr als genug Auswahl für anständige Gerichte.

Vollgetankt und sauber sowie entspannt aus dem Hammam geht es weiter in Richtung Süden. Ich hab den Georg (Schorsch) mit seinem alten Kurzhauber Mercedes getroffen. Wir kennen uns schon aus Portugal und auch beim Globetrotter Treffen war es lustig zusammen. Diesmal geht es zum Taraglate Festival nach M’Hamid und anscheinend will jeder dort hin. Anhalter schon in der Stadt, schlimmer noch im nächsten kleinen Ort. Atlas vereitelt jede Mitnahme von Fremden aber beim LKW ist Platz auf der Bank. Bis zum Ziel geht es heute aber nicht und den Mitfahrern ist das auch egal. Moderne junge Marokkaner die neben Französisch auch Englisch sprechen. Wollen neben uns campen und hatten zuerst auch Interesse am geplanten Abendprogramm dann aber doch einen Haufen weiterer Freunde mit anderen Plänen. Wir halten an der Düne von Tinfou und treffen dort auf die Truppe mit der ich die Piste absolvierte. Sie waren schon früher hier und erstaunt bis abgeschreckt von dem Touristenaufkommen hier an dem kleinen Berg Sand. Die nähe zu Zagora lockt mit einem Hauch Wüste und Kameltreiber und kleine „Restaurants“ überall.

Dies ist aber nicht mein Ziel, ich will viel höher hinaus. Die heutige Nacht ist perfekt dafür und auch der Meister macht nach freundlicher Anfrage eine Ausnahme, er hätte eigentlich heute seinen freien Tag und ohne Voranmeldung und Abendessen geht sonst eigentlich nix. Ich will mit professioneller Unterstützung Sterne gucken und bin an der Kasbah Sahara Sky gelandet, direkt neben der Düne von Tinfou und der Astronom dort eine Koryphäe, ein Unikum himself.

Normalerweise sollte man Gast dort sein und mit Abendessen 250dH/p.P. einplanen. Da wir aber eine Gruppe sind (Organisation davon war nicht einfach) braucht er nur von 10Uhr bis Mitternacht für uns den Erklärbär spielen. Vorher war Zeit für ein anständiges Barbeque, also den Grill an mit echtem Fleisch drauf. Die Jungs haben es organisiert da ich die letzten Tage für alle gekocht habe. Der Mond selbst schon nur eine dünne Sichel geht sehr früh unter und es wird stockdunkel. Schwierig bei den Bedingungen ein normales Abendessen zu vertilgen, zum Sterne gucken aber wie gesagt ideal, besser konnte der Zufall es mal wieder nicht einrichten.
Der Weg zum Observatorium auf dem Dach des nahen Hotels war weiter als gedacht zu Fuß in der Dunkelheit. Dann über die versandete Mauer da das Tor schon zugesperrt war und in die pompöse Lobby der hübschen Anlage. Der verrückte Professor, ein kleiner dürrer Mann in einem weißen indischen Kittel erinnert sehr an diverse Filmgestalten und Karikaturen wie man sich solche Experten vorstellt. Haare wie Albert Einstein und auch der Alte aus Futurama fällt mir spontan zu ihm ein. Dem Alkohol nicht abgeneigt hatte er auch schon einen tollen Abend und ist gut drauf und redselig. Deutsch aber mit lustigem Akzent als gebürtiger Belgier. führt er uns auf das Dach zu seinen Schätzen. Ich bin kein Experte, aber es gibt ein klassisches Teleskop mit diversen Objektiven und ein großes Spiegelteleskop sowie zu Beginn zum Überblick ein Lichtschwert – Laserpointer.

Der Nachthimmel für Reisende die abends gerne mal am Feuer sitzen sicherlich schon etwas bekannter als für Leute aus der Großstadt. Meinen Bezug zum Orion habe ich als winterlichen Reisebegleiter ja auch schon erwähnt, man kennt ein paar Grundlagen aber hier gibt es nochmal einen tollen Überblick mit Anekdoten aus der griechischen Mythologie.
Die ersten Einblicke in andere Galaxien, Nebel und sterbende Sonnen immer auch mit Erklärungen aller Fragen, waren sehr informativ. Wir sind zu fünft da Markus nach einem misslungenen Tag keinen Bock hatte und aufs Camp aufpasst. Die kleine Gruppe also perfekt und echt der ideale Moment für dieses bewegende Erlebnis. Der Lichtschimmer der Stadt Zagora in 20km Entfernung als einzig kleiner Faktor in sonstiger totaler Dunkelheit, die Augen adaptieren aber recht schnell und der Himmel wirkt fast mit bloßem Auge schon wie auf dem Bild von vorgestern.

Ich habe sonst keine weiteren Bilder die ich teilen kann, nur Eindrücke in meinem Kopf. Final kam auch endlich Orion über den Horizont und beim beschauen durchs Teleskop mal wieder der Zufall ins Spiel. Ich hab was entdeckt und damit dem finalen Akt des Professors vorgegriffen. Einen der jüngsten Sterne am Himmel im Schwert des Orion zu finden, Der Nebel drum herum wird wohl gerade noch einverleibt. Wer sich also mit nix auskennt und mal was da oben sehen will kann dies nicht verfehlen. Andromeda zu finden ist schwieriger.

Es war eine tolle Erfahrung und sein Geld locker wert. Vielen Dank an Patrick den verrückten Professor, im Kasbah Sahara Sky, sehr zu empfehlen.

Bei Tageslicht sah es dann recht unspektakulär aus und die Touricamps in der Umgebung mit ihren Kamelen.

Ich mach mich schnell auf die Socken bevor Atlas nen Kollaps bekommt, weil jeder vorbei kommt und Geschäfte wittert. Das Ziel steht fest, ich sehe die Truppe demnächst dort wieder. An der Hauptstraße steht ein verlassenes Gebäude das wohl auch mal nen Camp war, anscheinend zu weit weg von Zagora und nicht weit genug in der Wüste. Tinfou sonst eine winzig kleine Düne, die man nicht unbedingt sehen muss.

Trotzdem ist ein paar Kilometer weiter eine gut besuchte Schule zu der wohl alle aus der Umgebung ab Tamagroute bis zum Draa herkommen. Hunderte Fahrräder liegen am Straßenrand und nochmal so viele Laufen die Hauptstraße zur Mittagspause oder sehr spätem Schulstart entlang.

Die Hauptstraße entfernt sich dann vom Draa Tal und führt über die Berge nach Tagounite. Hab ich Erinnerungen an diesen Ort, als bei der ersten Marokko Reise die Piste von Foum Zguid kommend zum Schluß fataler Weise nach M’Hamid abgekürzt werden sollte. die ohne Allrad zu bewältigende Route endet hier und war in Begleitung dann auch final unser entkommen aus der Wüste. Immer noch ein verschlafenes Örtchen wo heute die Dattelernte eingepackt wird.

Haufenweise Bauern anscheinend abhängig davon und die recht trockenen süßen Dinger gibt es hier in Unmengen. Wird mit allem möglichen angeschafft und in Kisten verpackt auf LKW verladen. Der Kilopreis liegt bei um 5dH also 50ct für diese Rohware, die meist noch eingelegt wird. 20dH ist sonst für saftige Datteln wie man es kennt normal. Für mich reichen die hier, fangen keinen Staub und kommen in meinen morgendlichen Möhrensalat.

Das war es dann auch schon mit dem blog für heute, ich hab mein erstes großes Etappenzeil gleich erreicht. Wollte ja im Sommer schon geplant zum November in der Wüste sein. In M’Hamid findet ein Festival statt, kann man sich ja mal angucken. Dies dann demnächst zum Thema. Hier nochmal mit Diesel, Nahrung und Wasser eingedeckt.

10 Gedanken zu “Zagora und Tinfou mit Sternenhimmel

  1. Frank schreibt:

    Hallo Philipp,

    kleine Klugscheißeranmerkung: Ich glaube M’Hamid zählt auch zum Draatal. Auch gibt es dorthin eine Wasserpipeline. Sahrahui erzählten mir, dass es seit dem Staudammbau noch trockener geworden sei und daher die letzten „Bäume“ am Absterben seien.
    Obs nun stimmt oder nicht… Ich finde deine Berichte großartig und freue mich, dass du uns an deiner Reise teilhaben läßt!
    Liebe Grüße
    Frank

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      • Frank schreibt:

        Naja es mag nicht jeder Berichtigungen und ich bin noch auf der keinen verärgern Welle. Sollte ich vielleicht mal ablegen.
        Dass der Draa in den Iriki floss war mir gar nicht so bewußt.
        Danke für die Erkenntnisse!

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      • mb407 schreibt:

        Berichtigung und Anmerkungen immer gerne. Hab nochmal gelesen, vielleicht meinst du den Passus als ich beschreibe dass die Straße über den Berg nicht mehr dem Tal folgt. Später erwähne ich nicht dass beides wieder zusammen trifft. Alles gut
        Ps, Draa führt dann bei Tantan in den Atlantik, jedoch mit anderem Wasser.

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      • Frank schreibt:

        Die Stadt (Zagora) ist das Tor zur Wüste und gleichzeitig das Ende des Vallee du Draa und damit der letzte Ort der Wasser aus dem Stausee bei Ouarzazate bekommt……
        meinte ich…..

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