Taouz Piste um Sidi Ali / Lac Maider

Immer noch auf der Piste von Taouz nach Zagora neigt sich auch der zweite Tag dem Ende und eigentlich ist an Distanz noch nicht viel geschafft. Das Oued Rheris aber hinter Ramlia war anscheinend der härteste Versuch die WALKÜRE zu stoppen. Es ging zwar ab und an noch etwas durch den Sand, aber solange der eben ist habe ich keine Bedenken mehr. Schöne Fotos gibt es diesmal in der Vorbeifahrt, sehr spektakulär wie die Vorderräder auch unangetrieben eine Fontäne erzeugen.

Luftdruck der Reifen von straßentauglichen 5bar auf wüstentaugliche 2bar abgesenkt und damit die Auflagefläche drastisch erhöht und trotzdem noch ein paar Reserven im Federungskompfort behalten. Vielleicht werde ich demnächst mal Sand ohne vorherige Spuren mit nur einem bar Druck in den Gummis probieren. Zweiter Gang Halbgas mit Reserve Drehzahl und Kraft noch etwas nach oben hin auszuweiten. Im Dritten mit weniger Drehzahl geht dann nur nicht ganz so weicher und tiefer Sand. Wer jetzt immer noch Fragen hat, warum ich auf Einzelbereifung umgebaut habe, sollte sich folgendes vorstellen. Jede Spur die neu gezogen werden muss ist ein Widerstand gegen das Vorwärtskommen. Wenn hinten und vorne in einer Flucht liegen können die Vorderen Räder aufschwimmen und eine ebene Furche ziehen in der die dicken Pellen hinten kaum was verdrängen müssen aber ordentlich Auflage haben um Gewicht zu verteilen und Kraft des Motors auch wirklich in Vortrieb zu verwandeln und die recht schwere Karre nicht einfach einbuddeln wie es mit dem Profil echt schnell gehen kann. Zwillinge auf der Hinterachse hätten neben diesem Nachteil auch noch das Risiko bei steinigen Pisten spitze Elemente zwischen sich zu beherbergen die dann die Flanken aufreiben können. Und der Effekt beim Luftablassen breiter zu werden wird auch durch den Nachbarn begrenzt… verstanden? Meine Hankook Dyna Pro M/T also selbst mit nur noch 50% Profil echt super Gummis und hoffentlich noch ne Weile bei mir. Von hinten dann die Komplettierung der Ansicht meines Expeditionsmobils in vollem Einsatz. Mercedes 608 kann auch ordentlich Staub aufwirbeln.

Kurz nach diesem Abschnitt erreicht man wieder steinige Ebene die bis Sidi Ali führt. Im Ort suche ich vergebens eine Werkstatt die mit nem anständigen Kompressor meinen Luftdruck wieder normalisieren kann. Es fährt sich ab 40km doch etwas schwammig so. Leider kann niemand helfen, Werkstattausrüstung hier mehr als dürftig. Einen Kompressor hab ich zwar gefunden, aber die Anschlüsse und Schläuche sind undicht, der Reifenfüller defekt und mein Equipment passt nicht ran. Also nach dem Ort meine eigene Anlage aufbauen, kostet halt etwas mehr Zeit, läuft aber. 300W 220V Kompressor mit 33l/min bis 6,3 bar und ohne Probleme von meinem 1000W Konverter betrieben, die 100aH Batterie macht das auch ne halbe Stunde mit, das Solarpaneel nebendran kann aber nicht schaden und spendet gleichzeitig Schatten für das warm laufende Aggregat… bei ü30 grad Temperatur im Schatten!

Der kleine Helfer war am letzten Tag in Spanien noch aus dem Baumarkt organisiert, da mein System mit dem vorgefüllten Drucktank unterm Truck noch nicht ganz funktioniert hat. Für 70,-€ tragbar und handlich kann man echt nicht klagen und weit besser als jedes 12V Spielzeug aus der Automobilabteilung. hiermit kann ich auch wie gewünscht Druckluft speichern um z.B. Staub auszupusten oder Werkzeuge zu betreiben.
In Sidi Ali aber hat sich der Stop trotzdem gelohnt. Zwei Schweizer Motorradfahrer mit alten XT600 wie ich sie auch mal dabei hatte haben aufgeschlossen und freuen sich über Gesellschaft. Der Tag erst am Nachmittag angelangt und wir wollen zusammen weiter. Der Lac Maider als große ebene Fläche kurz hinter der Ortschaft sogar mit Internetempfang wird am einzigen Baum weit und breit als Nachtlagerplatz auserkoren. Genug Zeit Zelte aufzubauen, was anständiges zu kochen und sogar das Dach hochzufahren. Nächte wieder mild und die Aussicht lohnt sich echt.

Markus zum Sonnenuntergang wieder mit der Kamera unterwegs, während Atlas die Gegend erkundet und ich Benzingespräche führe. Entspannte Zeit und noch ruhigere Nacht dort unter dem einsamen Baum mit heute vier Bewohnern plus Hund. Die Pistenfahrt bisher ein tolles Erlebnis. Für manche sicherlich langweilig, da eine karge Landschaft auf den ersten Blick nicht viel zu bieten hat. Jedoch gibt es auch hier Leben neben Akazien und trockenen Büschen.

Ja, sieht so aus, nein, kann man nicht essen. Bitter wie Sau wie ich aus Erfahrung weiß. Lustig kleine Melonen am Straßenrand. Die Natur kämpft gegen widrigste Umstände.

Der Mensch dagegen hat ab und an auch schon aufgegeben. Dieses verlassene Häuschen wird wohl nur noch sporadisch zum Ziegen unterstellen genutzt. Der ummauerte Vorgarten beherbergt keine einzige Pflanze nur Sand und Ziegenscheiße.

Die Berge an der algerischen Grenze sind etwas in die Ferne gewandert. Und auch in der anderen Richtung ist grad nicht mehr viel Abwechslung fürs Auge. Wenn auch keine Dünen wie in unseren romantischen Vorstellungen befinde ich mich direkt in der Wüste.

Doch irgendwann wieder ein paar Bäume am Horizont und mit Oum Drane eine weitere kleine Ortschaft die sogar eine Verbindung zur Schnellstraße im Norden hat. Da geht das übel auch schnell los. Versorgung mit allem was der Mensch so als Luxus ob nötig oder nicht ansieht. Übrig bleibt das wertlose was schnell in Vergessenheit gerät aber nicht verschwindet.

Dazu mal ein paar live Aufnahmen zum Glück wieder ohne Geruch, denn auch Kadaver befinden sich darunter.

clip Müllberge in Marokko

Aber was soll man machen, im letzten Bild zu erkennen wurde mal ein Loch ausgehoben um den Müll anscheinend zu verscharren. Irgendwie hat aber jemand vergessen den Deckel draufzuschaufeln. Selbst Schuld, und sogar auf dem Friedhof vor der Moschee liegt Plastik zwischen den Grabsteinen.

Es geht nun sogar ein paar Kilometer auf Teer zur nächsten kleineren Ortschaft. Hier sind Häuser noch nicht aus Beton und die Bauweise ist traditionell.

Von außen eine schnöde Mauer mit Stahltür, dahinter kann man aber die Wipfel der Palmen entdecken. An einer Stelle kann ich drüber schauen und hab den Ziegenstall vor mir, die Bewohner etwas schreckhaft.

Das Abenteuer neigt sich dem Ende, der Weg in freier Natur nicht mehr weit. Demnächst würden wir auf die Asphaltstrasse nach Zagora stoßen. Auf große Stadt hat heute keiner mehr Bock, also eine letzte Nacht in der Wildnis. Defender und zwei Mopeds als Nachbarn der WALKÜRE.

Es gibt gemeinsames Essen und viele Geschichten, eine Partie Poker und einen früh untergehenden minimalen Mond am Himmel. Aufgrund fehlender Lichtverschmutzung in der Umgebung der wahnsinnige Sternenhimmel mit deutlich erkennbarer Milchstraße. Vieles mit bloßem Auge zu erkennen, die SternenApp auf dem Telefon erklärt auch etwas. Und lange Belichtung und Weitwinkel können sowas erschaffen. Danke Markus.

die letzten Nächte hab ich also gefühlt in freier natur geschlafen. Mein Dach um 30-50 cm geöffnet und mit etwas Wind um die Nase angenehmen Schlaf im warmen, unteren Bett gehabt. ich glaube ich brauche gar keine Zeltbahn um mich herum, würde ja mein 360grad Fenster verdecken…

Mein Schlafrhythmus wieder voll mit der Natur im Einklang. Wach werde ich bei Sonnenaufgang. und Atlas freut sich über Entdeckungsrunden. Heute mal das kleine Flussbett in Richtung Berge verfolgen.

Der Truck fällt direkt über ihm im Bild gar nicht auf, passt als optisch auch super in diese Gegend. Anpassung ist echt ein Thema, der Überlebenskampf sonst hart. Akazien zum Beispiel verbergen ihre frischen Triebe zwischen gefährlichen Stacheln.

Nicht ohne Grund das Einzige was hier sonst stehen bleibt. Die Landschaft wieder etwas abwechslungsreicher und mal wieder verlässt mich der Akku. Deshalb keine weiteren fest gehaltenen Eindrücke. Ein neuer Tag beginnt, alles wird gut.

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