Souk in Rissani und Tourinepp Merzouga

Nach dem Exkurs in den Krater ging es also zum Markt nach Rissani. Souk steht an und damit der große Markttag zu dem die komplette Gegend anreist. Anscheinend aber nicht vor 9Uhr wie es meine Zeit heute ist.

clip Tor nach Rissani

Die Straßen noch recht leer und auch um die Marktgebäude ringsum noch genügend Parkplätze. Viele andere Souks finden auf freien Flächen statt und Händler bauen ihre Zelte selber auf, hier jedoch ist eine ganzes Viertel dauerhaft mit Verkaufsräumen angelegt. Hat den Vorteil, dass Fleischer geflieste Räume besitzen und auch das Angebot von haltbaren Waren größer ist. Ich suche u.a. ein 75mm PVC Rohrstück mit 90grad Winkel. Mein Schnorchel hatte in Tanger ja was abbekommen und wurde unterwegs verloren. für 12dH bekam ich hier Ersatz. Gute und günstige Wahl mit Baumarktelementen zu arbeiten. Die WALKÜRE wieder vollständig. Meine Speisekammer ist auch wieder gut gefüllt. Günstiges Obst und Gemüse, in Massen. Zum Beispiel Granatäpfel für 40ct das Kilo und Möhren, Kartoffeln und Auberghinen für 50ct. Eier kosten wie Brot meist 1dH also 10 Cent. Alles andere hab ich noch ausreichend. Es ist grad Dattelernte und auch Oliven gibt es immer und überall.

Draußen vor dem Markt in einem ummauerten Gelände treffen sich die Dattelfarmer mit ihren Ernten. Hier geht es eher um Großabnehmer, aber auch der Opa auf dem Esel hat seine Packtaschen voll und noch ne Kiste oben drauf. Lässig manövriert er sich wie schon Dekaden zuvor von daheim auf den Markt, nur diese ganzen neumodischen stinkenden Autos überall…

Noch ne Ecke weiter ist der Obst und Gemüse Großmarkt. Hier kaufen die kleinen Händler ihre Ware und mich wundert es schon lange nicht mehr, dass die Qualität und Preise meist überall gleich sind. Ich kaufe meist bei
älteren Leuten die mir sympathischer sind und es meist eher nötig haben…

Gegenüber kann man auch die Kehrseite der Zusammenkunft aufgrund des Konsums erkennen. Müll überall denn es gibt keine geregelte Abfuhr, nicht einmal Tonnen weit und breit zu entdecken. Der Eselparkplatz zum Glück immer weniger benötigt. Die armen Viecher haben meist kein artgerechtes Leben und der Respekt vor Tieren ist sehr gering.

Ich verkneife mir mal Bilder von den Geflügelhändlern… Am Tresen gibt es Eier oder Küken, auch lebende Hühner wechseln den Besitzer. Meist aber frisch geschlachtet und gerupft, das macht eine Maschine mit ganz eigener Geräuschkulisse. Eine Methode neuerdings die sonst auch bei den Amis und ihrem Reinheitswahn herrscht… die fertige Ware wird in einen Eimer Chlorwasser getunkt und damit „haltbar“ gemacht. Stinkt wie Schwimmbad und kann nicht gesund sein. Selbst Atlas verweigert dieses Fleisch. Die letzte Gabe musste ich mehrmals Waschen bevor er sie vertilgen mochte. Huhn also bei mir erstmal nicht auf der Speisekarte.

Alles in allem ist so ein Souk schon eine Erfahrung wenn man nicht schon Hunderte besucht hat. Es gibt meist noch Ecken mit Trödel und natürlich auch Chinakram, meist Klamotten, Decken oder Küchenutensilien. hier in Rissani hab ich noch etwas Handwerk sehen dürfen. Ein richtiger Schmied mit seiner Esse als zentrale Stelle im Geschäft.

Meinen Auspuff gehe ich aber selber an, hab mir das mal angeschaut und einen Plan im Kopf. Werde dafür aber die nächste Tankstelle ansteuern um nicht die Attraktion der Umgebung zu sein. Am Ortsausgang Rissani nach Merzouga gibt es aber keine und so muss ich doch bis fast in den Touriort Merzouga knattern.

Dort immerhin alles etwas moderner und die Allrader geben sich hier die Zapfpistole in die Hand. mein alter Mercedes mit dem selbstgezimmertem Haus ist da zwar was anderes, schreit aber nicht nach dicker Brieftasche und ich werde in Ruhe gelassen. nach dem Auftanken etwas abseits geparkt und die Terrasse runter. Solarpaneel in die Sonne und Stromkonverter angeschmissen, Flex ran und Funken an einer Tankstelle sprühen kann man auch nur in Marokko. Ich kürze meinen gerissenen Krümmer direkt an der Schadstelle und versetze den ganzen Auspuff etwas nach vorne. Der kommt damit auch ein Stück höher, das Endrohr passt am Tank vorbei und ist dem Hinterrad nicht mehr so nahe. Beste Lösung und mit Halter vom Rahmen umschrauben in 30Minuten erledigt. Wenn ich schon beim Service bin gleich noch aufbocken zum Abschmieren und den Schnorchel wieder ansetzen. Fertig für die nächsten Pisten. Doch erst einmal nach Merzouga Zentrum, gucken was sich hier so getan hat. Hab mich auf schlimmeres eingestellt. Dafür dass die Umgebung voll von Unterkünften ist sieht es noch recht still hier aus.

Die überdachte Promenade wie so vieles in Marokko einmal hübsch gebaut und dann ihrem Schicksal ohne Pflege überlassen. Die Schatten spendenen Holzlatten zahlreich gebrochen und alles ohne neuen Anstrich der gnadenlosen Sonne ausgesetzt. Guides stehen an jeder Ecke und gefühlt jeder ist auf Kundenfang. Hey my friend… daran werde ich mich hier nie gewöhnen. Neuankömmlinge werden mehrfach von patroullierenden Schleppern angequatscht, neuerdings bequem und respektlos aus den Geländewagen heraus.
Der nächsten Generation wird es vor gemacht und ich erwarte schlimmes in den kommenden Jahren. Eine Geschichte die mir regelrecht die Wut hochbringt muss ich noch zum Besten geben. Da haben sich seit Jahren endlich wieder die seltenen und arg bedrohten Wüstenfüchse in der Umgebung angesiedelt und die Kinder rennen hin und stehlen denen die Babies um damit vor Touristen für Fotos zu posieren. Mit eigenen Augen gesehen wie diese handtellerkleinen Geschöpfe mit den riesigen Ohren total lethargisch durch die Gegend getragen werden. Ich verurteile das zutiefst und ebenso die Eltern und anderen Einheimischen die nix dagegen machen. Eine Trachtprügel hat die ganze Bande hier verdient… aber hoffentlich rächt sich die Natur bald und macht dem Treiben ein Ende. Wasserknappheit herrscht ja zum Glück schon, müssen nur endlich die ganzen dämlichen Touristen weg bleiben die unbedingt nen Pool in der Wüste brauchen und unverhältnismäßig viel Geld für Kameltouren oder besser noch mit 4×4 und Quad durch die Dünen jagen. Kein Wunder warum immer mehr Marokkaner den „Guide“ spielen wollen denn sie sind ja nicht blind wie ihre cleveren geschäftigen Landsmänner in den neuesten LandCruisern wie Paschas durch die Gegend eiern. Mit ehrlicher Arbeit verdient man halt kein Geld… und das ist in jeder Gesellschaft das Problem.
Wenn die Touristen obendrein den europäischen Konsum vorleben und unbedingt kaltes Bier, giftiges Wasser (Cola und Co) oder Pommes haben wollen ist es klar, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt und sich solche hotspots in Karikaturen der marokkanischen Kultur verwandeln. Jeder Idiot rennt hier in ner blauen Jelaba rum, vergleichbar mit Lederhosen tragenden Preussen, nur dass der historische Hintergrund ein gewalttätiger ist.

Ich muss hier weg. hab keine Lust weitere Fotos zu schießen, man will sich ja nur gute Erinnerungen bewahren. Ich hab mich wieder mit Markus im Defender getroffen um zusammen die Piste von Taouz nach Zagora unter die Reifen zu nehmen. Steinig, staubig und später mit etwas Sand… zumindest einigermaßen abgeschieden, wenn auch eine der meist befahrenen Pisten in Marokko. Der Einstieg dann holprig und von kuriosen Haufen flankiert.

Als wenn jemand die Wüste aufräumen will und Steine sortiert. wie gesagt, Steine gibt es hier überall, mir kommen aber später einige beladene LKW entgegen gehoppelt… um noch mehr Steine von weiter her anzukarren. Über die Sinnhaftigkeit hat sich hoffentlich mal jemand Gedanken gemacht, auf jeden Fall eine Materialschlacht.

Zum Glück nicht meines, denn das Ersatzrad stammt von einem LKW und ist samt Halterung abgebrochen. Eindeutig von Einheimischen, denn solche Gummis würde freiwillig niemand durch die Gegend schleppen. Druck ist aber noch drauf.

Bei der Gelegenheit mal ein kurzer check unterm Truck. Alles an seinem Platz und auch die Schweißnähte unverändert. Die Konstruktion fürs Motorrad also weltreisetauglich, Dank an Kevin in Portugal, meine dortige spontane Idee schnell und ordentlich umgesetzt.
.

Wenn es nicht die ganze Zeit gen Westen gehen würde (also der Sonne entgegen) wären die Farben nicht so blass und ich nicht so geblendet. Schöne Ansichten gibt es aber schon.

Zumindest abwechslungsreich, denn es gibt steinig mit Bäumen, steinig mit Hügeln oder nur steinig.

Kann mir schon vorstellen, dass nicht jeder Geschmack an dieser Umgebung finden kann, ich mag es und bin immer wieder erstaunt in welch widrigen Bedingungen die Natur doch noch Leben zaubern kann.

Markus ist vor mir etwas von der Piste abgekommen. Der Weg war nix für mich und ich hab umgekehrt auf die Hauptroute. Wie sich später herausstellte auch grenzwertig für seine Allzweckwaffe, sodass umkehren oder anhalten auch ein Risiko war. Augen zu und durch hieß es und wir treffen uns morgen irgendwie, irgendwo wieder. Ich hab eine entspannte Stelle gefunden, da mich der Hunger zu einer Pause zwang und die Zeit dann recht früh zum Etappenende. Ab 19Uhr ist es hier jetzt auch schon dunkel, der Herbst ist da, wenn auch die Temperaturen noch auf Sommer deuten.

Das Foto für Kenner ersichtlich vom nächsten Morgen, also alles ruhig gewesen in der Nacht. Auf geht’s und Begleiter suchen steht auf dem Plan. Damit meine ich nicht Atlas der bei solch abgeschiedenen Plätzen seine Freiheit auskosten kann. Die Fahrertür kann ich vom Bett aus öffnen, damit er morgens rumstromern kann. Sein Schlafplatz ist die bequeme Beifahrerbank (auch näher bei mir) und der Ausstieg einfacher als über die Terrasse die nachts unten bleibt und nur die Hecktüren zu gehen. Ich hab mich gut eingelebt in meinem mobilen Häuschen, wohlfühlen ist das Wichtigste.

2 Gedanken zu “Souk in Rissani und Tourinepp Merzouga

  1. Hof Schwarzes Moor schreibt:

    Viel Wahres bei deiner Beschreibung der Veränderungen im Land, bedingt durch uns Touristen. Ist mit ein Grund für mich, meine schönen Erinnerungen von vor 40 Jahren nicht kaputt zu machen zu wollen und mir daher mir sehr genau überlege, ob ich diese Richtung noch einmal unter die Räder nehme.

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