Oued Ziz

Die N13 in den Süden gilt hier als die Autobahn in die Wüste. Der Tourismus boomt und am letzten Aussichtspunkt zwischen Midelt und Er-Rich wo dieses Foto entstand machte ich ne halbe Stunde Pause in welcher zwei Motorradgruppen und 6-8 SUVs mit Führer vorbei kamen.

Da war es schnell vorbei mit der idyllischen Ruhe vom Foto und der Fahrer/Guide mit seinen meist europäisch- und asiatischstämmigen Kunden gönnte auch diesen nur einen kurzen Ausblick mit Fotochance. Jeglicher weiterer Transitverkehr muss natürlich auch über diesen Pass und das ist so einiges. Die Geschäftstüchtigkeit marokkanischer Händler ist ja bekannt, Waren von einem Ort zum anderen ist auch eine Spezialität. Hier mal ein Beispiel statisch korrekter Packkunst.

Rich ist dann ein etwas abseits der Hauptstraße gelegener Ort wo man sich fragt warum gerade hier. Westlich die Berge mit nur wenigen Pisten und Dörfern, östlich die Ebene mit ungemein gleicher Attraktion. Auf meiner Karte des besuchten Marokko ist da eine weite Fläche ohne Markierung. Aber immerhin liegt Rich an einem Fluß.

Nun ja, Oued, also trockenes Flußbett was irgendwann mal wieder Wasser führen könnte. Diese mehrere hundert Meter lange Betonfurt lässt die gewaltigen Massen dann nur erahnen. Auch die Pflanzenreste die an den Pfeilern hängen bleiben zeugen von der Kraft des Wassers.

Eigentlich kommt man hier nicht vorbei, ich hab aber die Hauptstraße satt und nutze jede Gelegenheit die mich in ungefähr gleiche Richtung bringt. Der Fluss führt doch etwas Wasser und auf dieser Seite ist der Boden fruchtbar und ein beachtliches Gebiet damit für den Ackerbau gesegnet. Viele Familien leben anscheinend von landwirtschaftlichen Erzeugnissen. So sehe ich mit Maispflanzen bepackte Esel die von den Feldern kommen. Darf man sich hier nicht europäisch als Monokultur vorstellen. Ein Maisfeld hat vielleicht 20-100qm und ist von anderen Feldarten umgeben. Dazwischen schattenspendende Palmen und Gräben wie Hügel zur Bewässerung. Alles Handarbeit auch die Verarbeitung. Erstmal zum trocknen an die Häuserwände.

In der Summe kommt doch etwas Ertrag dabei raus und die ganze Familie hat damit zu tun. Bei diesem Foto im Vorgarten sitzen mehrere Generationen zusammen und sortieren Maiskolben.

Das Haus im Hintergrund natürlich klassisch aus Lehm. Bei uns teurer Baustoff da natürlich und gesund, hier meist neben Steinen das einzig frei verfügbare Material aus dem traditionell schon mehrgeschossige Burgen gebaut wurden. Nachteil nur, wenn man die nicht mehr pflegt und verlässt holt sich die Natur alles zurück.

Dies hier war mal eine ganze Wohnanlage, hat den Vorteil, dass man sich gegenseitig Schatten spendet und meist im recht kühlen überdachten Gang in der Mitte seine Hauseingänge hat. Es gibt viele solcher Viertel noch aktiv zu bestaunen, man fühlt sich jedes Mal wie in eine andere Zeit zurückversetzt. Bei der hier ist aber alles verloren, wird aktuell noch zum abstellen der Ziegen und Schafe benutzt was die Hinterlassenschaften zeigen. Ich finde es trotzdem immer wieder interessant solche Ruinen zu besichtigen.

Waghalsige Konstruktionen meint man, aber selbst bei dem Zustand des Verfalls stehen die Grundmauern stabil und die Deckenbalken aus Holz auch noch an ihrem Platz. Meist mit Palmenwedeln oder Schilfgras als tragende Schicht gedeckt für den Fußboden welcher wieder aus Lehm ist.

Die Wege sind nicht für Lkw gemacht, auch Stromleitungen hängen tief, immerhin gibt es Elektrizität. Wasser holen sich die Bewohner meist an zentralen Ecken oder Brunnen mit Kanistern.

Eigentlich hatte ich Rich auf der Agenda, weil es hier eine Thermalquelle geben soll. Weiter südlich bevor das Ziz-Tal mit Postkartenmotiven wartet. Es gibt wohl mehrere und ich passiere ein gefliestes Becken mit Parkplatz und Imbissbuden ringsherum. Solchen Trubel brauche ich nicht, eine weitere ist in einer Hotelanlage. Logisch ist man in Marokko nirgends alleine aber etwas naturnäher wollte ich es schon. Im Ort Station Thermal Hamat Ali Cheri dann werde ich fündig. Genauer beschrieben unterhalb am Flussbett, denn der Ort nur aus ein paar Restaurants und Herbergen bestehend.

Natürlich ist hier trotzdem nix. Die Quelle sprudelt aus dem Boden und wenn der Ziz mehr Wasser führt ist alles überschwemmt. So aber eine Steinwüste in der um die Quelle ein paar Haufen aufgeschüttet wurden. Mehr als Sichtschutz, denn die Quelle ist zeitlich getaktet für Männer und Frauen zugänglich. Es gibt einen Wächter der sich auch ums parken kümmert.

Lehmig trübe warme Brühe… nein Danke, außerdem ist sowieso grad der Wechsel angesagt, weshalb ich immerhin dieses Foto machen konnte. Mein Badespaß muss also bis Fask warten. Oder doch noch den Abstecher nach Figuig ins unterirdische Hammam? Auf jeden Fall erst einmal das Ziz-Tal entlang mit Reisebussen und SUVs voll Touristen um Aussichtsplätze ringen. Ich hab aber eine richtige Pause nötig und biege nur wenige Meter hinter solche einem Platz voll Spektakel ab auf die andere Seite. Über etwas Schotter auf die ebenerdige Betonfurt und mit etwas Risiko direkt ins Oued. Ich teste aber vorher den Untergrund und sehe andere Reifenspuren.

Wieder eine zerfallene Lehmburg auf der einen Seite am Ufer. Fast nicht vom Hintergrund zu unterscheiden und nur auf der anderen Seite ist dieser Abschnitt anscheinend noch bewohnt.

Hier gibt es nach dem Zusammenfluss etwas mehr Wasser welches nur wenige Kilometer weiter im Stausee aufgefangen wird. Unspektakulär anzusehen, da ruhiges Wasser in einer Geröllwüstenumgebung keine Fotozauber entwickelt. Für Einheimische trotzdem sehenswert, mal so viel Wasser an einem Ort. Die Wüste ist nun näher als der Ozean oder die Berge hinter mir.

Errachidia als großer Knotenpunkt der N13 Nord-Süd mit der N10 bis Agadir südlich am Atlas entlang direkt vor mir. Großstadt kann man es nennen, wenn auch wenige Häuser mehr als drei Etagen haben. Ich brauche nix und will eigentlich demnächst nur einen ruhigen Stellplatz finden. Also wieder parallel zur Hauptstraße durch die Nachbarschaft nach Chorfa Mdaghra wo ich noch weiter abseits eine kleine Piste zu einer grün bewachsenen Ecke finde. Abgelegen genug um Ruhe zu haben und trotzdem vollen Internetempfang. Ganz schöner Ritt für einen Tag… musste sogar in zwei Blogs geteilt werden. 250Km über die Berge und heute Morgen noch Schnee gehabt. Hatte gehofft an der heißen Quelle zu bleiben, zum Aufwärmen so der Traum nach der letzten kalten Nacht. Doch am nächsten Morgen nach nur zwei Stunden Sonne auch schon solches Wetter hier unten, kann ich akzeptieren und genieße dann mal.

4 thoughts on “Oued Ziz

  1. Christian Ploderer says:

    Nun, ICH hätte empfohlen, von Rich links ab, zu Thomas Friedrichs Olivenfarm, denn genau dort erlebt man(n) noch das ursprüngliche Marokko.
    Wünsche auch weiterhin Gutes Gelingen!

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  2. Hof Schwarzes Moor says:

    Wenn ich so deine ersten “Tagebücher” über deinen diesjährigen Trip lese, wird mir immer klarer, warum ich so’ne Angst habe wieder mal nach Marocco zu kommen. Ich kenne das Land aus Zeiten die 30 bis 40 Jahre her sind. Da gab es noch keine Reisebusse, keine geführten SUV- oder Motorradtouren und fast überall war man mit den Einheimischen unter sich.
    So würde ich, sollte ich mich in das heutige Getümmel dort “stürzen” viele meiner Erinnerugen und damaligen Erlebnisse kaputt machen. Denn scheinbar stimmt es nicht mehr, was mir viele von den “Maroccoüberwinterer” immer wieder erzählen, dass es immer noch Orte gibt, die vom Massentourismus unbeleckt geblieben sind. Schade. Wirklich Schade.
    Trotzdem dir weiterhin eine tolle Reise. Du kommst ja irgendwann dann auch so weit südlich, wo sich diese alle nicht mehr hintrauen. Und da wird es endgültig schön werden.

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