Die Straße von Gibraltar per Fähre

Mein letzter Tag in Europa startete in Tarifa am Strand bei Regen, na super. Der Plan Jogging zum Sonnenaufgang also von der Witterung vereitelt, Atlas kroch nochmal zu mir ins Bett und Augen wieder zu, es war echt ruhig hier heute Nacht umgeben von einigen dutzend Campern.
Dann hält mich beim zweiten erwachen auch nix weiter hier, Himmel noch bedeckt aber es trocknet ab, nur auf nassen Strand hab ich kein Bock, ab in die Ortschaft. Der Himmel klart auf und Tarifa wie zuletzt in Erinnerung eine hübsche Ortschaft mit viel zu vielen Kite-Surfern. Meine Rundfahrt führt mich zur Festung am Ende Europas und der letzte Abstecher für einen Spaziergang am Morgen. Windig ist es aber die Temperaturen werden angenehm. Hier am Scheitelpunkt zwischen Mittelmeer und Atlantik ist es aber immer windig und der Grund für die ganzen Drachensportler.

Die kleinen Kunstwerke aus Stahl hier an der Promenade zur Festung hinter sind neu und sehenswert. Die Sonne noch hinter den Wolken im Osten.

Und die größeren Wellen wie gewohnt von Westen kommend.

Das kleine Schloss oberhalb des Felsens am Strand immer noch ungenutzt und am zerfallen, schade eigentlich, weiß jemand was darüber?

Mein Plan heute: Ticket nach Marokko suchen. Ich bin noch nie von Tarifa aus nach Tanger Ville, also Stadtzentrum am alten Hafen gefahren. Mit der Gesamthöhe von 2,70m wäre das nun auch mal möglich. Meine Nachfrage bei zwei Fährgesellschaften ergab aber einen wie ich finde ungeheuren Preis von 170,- für die einmalige Überfahrt. Normalerweise zahlt man 180,- für ein Retour Ticket von Algeciras nach Tanger.

Aber es hilft nix, kein Verhandeln und eigentlich schon etwas Beschiss dabei, da mir ein Ticket für ein Automobil berechnet wurde, Camper kostet sonst 200,- Euro.

Also nehme ich die 20km über den Berg nach Algeciras auf mich und bekomme wenigstens auch das noch zum Abschied zu sehen. Den Berg hab ich noch mit voll beladenem 407(alter, kleiner Motor) und Anhänger in Erinnerung, ein Graus. Doch die Walküre dampft locker drüber. Pfeift sich sogar ein Liedchen bei der schnellen Abfahrt.

Die Walküre ruft…

Ich kann mir dieses Pfeifen oberhalb der Windschutzscheibe nur durch meinen Aufbau erklären. Entweder der Spalt zum Hochdach, oder die Verschlüsse, die nun sogar doppelt und etwas versetzt ganz ran ziehen, oder die LED Leiste… auf jeden Fall kommt das ab und an mal vor und nur über 70-80 km/h.

Ich hab noch nicht gefrühstückt und wie so oft bei Landeswechsel mit anderen Zahlungsmitteln schaut man, was noch in diesem Falle an Kleingeld-Euros da ist… 4,20… und ich bin mal gewillt die bei McDonalds zu lassen. Wer meine Konsumeigenschaften kennt, weiß wie schwer das für mich ist, die Neugier siegt aber. Ich fühle mich wie in einem Raumschiff und finde mich nicht zurecht, am Terminal ist niemand und man muss sich heutzutage wohl auf nem Bildschirm zum Kauf animieren lassen. Hübsch aussehen tut das Zeug ja, aber Preise erkennt man auch nicht auf Anhieb.

Aber es soll nicht sein, es gibt anscheinend keine Hamburger mehr für nen Euro und die anderen Burger gehen ab 4,- überhaupt erst los. Enttäuscht wäre man dann sicherlich vom Original im Vergleich zum aufgeplusterten Bild… So viel Bock auf den Scheiß hab ich dann auch nicht. Ich ziehe hungrig aber glücklich weiter und bekomme meine Münzen schon anderswo besser los. (hab ich letztlich an der Tanke gelassen um nicht komplett leer in Marokko zu landen…)

Die Recherche der Fährtarife am Hafen ergab mit 135,- meiner Meinung immer noch zu viel. Es ist aber Sonntag Vormittag und es hat nicht viel offen, es fehlen also Vergleichsmöglichkeiten aller vier Anbieter. Ich bin genervt und mache mich auf die letzten Meter nach Palomas zu Carlos, da weiß man was man bekommt.

Das Gewerbegebiet immer noch wie gewohnt nur viel weniger Camper hier als im Winter oder nach der Reisesaison. Bei Carlos dann den alten Chef persönlich. Er hat zwar keine Ahnung von PC und kann auch ohne Mitarbeiter nix machen, aber nett sein, quatschen und zum Schluss die Tüte mit Sekt und Keksen rausgeben geht immer. (ja, Sekt oder Cider statt Wein gibt es nun auch)

Leider muss ich auch hier feststellen, das OneWay nicht unbedingt bedeutet halbe Leistung macht halben Preis. 120,-€ für meinen Truck und mich, mehr geht nicht. Aber ich war mal wieder da, schon komisch wenn man bisher auf jeder Reise beim selben die Tickets geholt hat, aus Erfahrung gut, warum auch nicht.
Anm d Red. Ein paar Tage später wurde mir online zugesteckt, dass man bei FRS online doch nur 95,- bezahlt hätte, mit der Gesellschaft ist Carlos aber wohl nicht in Kooperation oder verdient dann selber nix mehr. aber egal.

Ich hatte zwischenzeitlich ja mit Tanger (Stadt) geplant und meine Routenideen umgeworfen. Nun aber gibt es die Option Ceuta oder Tanger MED, am großen Mittelmeerhafen war ich auch schon ne Weile nicht, also mittendrin und kann mich immer noch entscheiden in welche Richtung ich weiter fahre.

Erstmal gab es noch die wichtige Entscheidung zu treffen, Tradition zu brechen oder nicht. In der sonst üblichen Reisegesellschaft hieß es zum Abschied/Einstieg meist beim WOK Restaurant “all you can eat” genießen. Erstens ist es noch zu früh dafür und zweitens ist der ganze Tag dann irgendwie träge beim Verdauen.
Außerdem da Sonntag auch teurer als gewohnt, also weiter mit leerem Magen.

Der Weg zum Hafen dann mit einer tollen Ansicht von Algeciras Wirtschaftsfaktor. Nicht nur die Fähren nach Marokko, sondern auch Containerfrachter werden hier umgeschlagen.

Nach der üblichen Warterei an Punkt eins muss man erneut in einer weiteren Schlange aber immerhin schon mit Blick auf das Schiff vorlieb nehmen. Moped steht noch im Heck.

Wie soll ich es anders beschreiben… geordnetes Chaos. Meiner Meinung nach viel zu viele Einweiser und niemand davon hatte in seiner Jugend Tetris gespielt. Erst ein paar Sattelschlepper, dann einige Autos, mangels Alternativen ein paar Transporter und dann wieder Autos. Dann war ich an der Reihe und hab mal wieder bewegte Bilder dazu. Nix wildes, aber ein Einblick.

Clip zur Fähre

Ja, es ging in die zweite Etage, die Rampe war steil und zum Glück ist die Walküre wendig. Das Ergebnis war dann ein entspannter Parkplatz in der hintersten Ecke… hoffentlich brennt das Ding nicht ab oder kentert, ich komme als letzter von Bord da das hier oben ne Sackgasse ist und ich erst wieder die Rampe runter muss. Auf der übrigens blieb ein vollgepackter Transporter liegen, weil die Kupplung es nicht machte… da half nur Rampe einfahren, also in die Ebene strecken und als er es geschafft hatte wieder runter für den Rest. Zum Glück ist das Problem Steigungen nun keines mehr mit dem MB608.

Dann konnte ich mir das Treiben unten am Dock von Deck aus ansehen. Die Franzosen wieder mit ihren Punkfahrzeugen… Der arme Kerl durfte erst rauf, dann wieder runter und stattdessen kamen weitere Sattelzüge in den Bauch des Schiffes. Wie gesagt, Organisation sagen wir mal südländisch…

Die Fähre war voll, nix ging mehr und das konnten einige wartende nicht akzeptieren. Dieser marokkanisch stämmige mit französischem Kennzeichen besetzte einfach die Rampe und meinte da wäre noch Platz für ihn… Es kam zu Pöbeleien und die Polizei musste anrücken. Echt wahr, und selbst dann hatte der Kerl noch nicht genug und lieferte sich ein lautstarkes Wortgefecht mit den Uniformierten… muss man sich auch erstmal trauen mit den Spaniern die nicht so zimperlich sind…

Doch irgendwann musste er seinen Fugonetta wieder runter fahren und das Schiff konnte ablegen. Algeciras Hafenrundfahrt.

Tja, was soll ich sagen, als alter Seefahrer wurde mir schnell warm ums Herz. Die ersten Erinnerungen kamen sofort hoch als ich den Affenfelsen meerseitig zu sehen bekam. Lang lang ist’s her als ich kurz nach dem Abi mit der Marine hier das erste Mal vorbei kam. Damals noch ein Gefühl unendlich weit weg von zuhause zu sein. Heute ist Marokko mehr Heimat in den letzten Jahren als Deutschland gewesen. Und nun gibt es nur ein oneway ticket und die große Reise beginnt. Wenn man es so betrachtet waren alle Trips zuvor nur Vorbereitung, zum Kennenlernen und Kompfortzone ausbauen. Wie gesagt, ich hab jetzt Zeit, keine oder kaum Pläne und mit der Straße von Gibraltar steht es nun wirklich fest. Ich bin mit der WALKÜRE unterwegs auf Weltreise.

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