Las Medulas und Os Banos

Den Jakobsweg hatte ich also doch recht schnell schon gegen Mittag hinter mir. Bin nun auch schon über ne Woche unterwegs und muss etwas Weg schaffen. Nächstes festes Ziel eine heiße Quelle südlich Ourense, dazwischen zeigt mir das Internet noch eine weitere Attraktion. Auf geht’s… nach Las Medulas.

Ein Nationalpark mit UNESCO Siegel, da die Landschaft hier ein einzigartiges Andenken an die aufwändigen römischen Goldschürfmethoden ist. Dazu haben die damaligen Besatzer nämlich Tunnel in die sandigen Hügel gegraben, diese über ein gigantisches Kanalsystem geflutet und damit den Berg gesprengt und weggeschwemmt. Übrig blieben diese außergewöhnlichen Strukturen die man nun in einer Wanderung bestaunen kann. Doch erstmal Mittagspause am Parkplatz. Schon recht gut voll hier der Parkplatz. Eine nach Besucherzahlen gerechnet nicht zu unterschätzende Sehenswürdigkeit.

Eintritt ist frei bis auf eine “Galerie” genannte kleine Höhle am anderen Ende des Parks. Ich habe Atlas im Schlepp, ideales Revier für ordentlich Auslauf, will ja später noch einige Kilometer im Bus schaffen. Die Vegetation ringsum Esskastanien, Brombeeren und einiges an Dickicht neben den breiten Schotterwegen. Gute Entscheidung nicht barfuß zu gehen, habe mir die große Runde mit 7km vorgenommen. Erster Stopp, die Höhle La Encantada, naja Höhle ist übertrieben erst Recht wenn man von der Altamira kommt. Eigentlich ist das eher ein großes Stück ausgebrochener Hügel, man kann aber super die Schichten der Gesteine erkennen. Um ans Gold zu kommen haben die Römer hier tausende Tonnen Sand wegschwemmen müssen um an die goldhaltigen Schichten zu gelangen.

Mir kommen irgendwie alle entgegen, was zumindest Ruhe in meine Richtung bedeutet, mal wieder gegen den Strom oder rennen die Besucher nur alle zum Mittagessen in den Restaurants der kleinen gleichnamigen Ortschaft, wohl der einzige Wirtschaftsfaktor neben den Kastanien hier.
Die ganzen übrig gebliebenen Zipfel und Kuppen der Gipfelreste stechen farblich besonders aus dem satten Grün heraus. Schon interessant aber halt nicht natürlich.

Der nächte Halt dann weit oben am unangetasteten benachbarten Hügel. Von da aus hat man die Aussicht auf das ganze Areal und kann in einer Galerie die Einbringung der Wasserkraft nachvollziehen. Das ist die angesprochene kleine Höhle mit Eintrittsgebühr. Leider machen die wie überall ne ziemlich lange Siesta, was meine zeitlichen Pläne mehr stört als die 3,-€ dafür. Es bleibt also nach dem doch recht mühsamen Aufstieg immerhin im schattigen Wäldchen bei ner Verschnaufpause mit dieser Aussicht.

Das alles war also mal ein bewaldeter Hügel wie er im Hintergrund noch zu sehen ist. Historischer Bergbau/Tagebau und seine Überreste. Toll, aber nicht überwältigend, brauche mich hier nicht länger aufhalten und nehme mir den Abstieg vor. Das kleine Wäldchen wirkt komisch. Die Bäume alle in gleichem Alter und jeweils in einer Gruppe aus weit größeren Stammstrukturen herausgewachsen. Wohl einmal komplett kahl geschoren, Pervers, was wir Menschen alles der Natur antun können. Abgeholzt und trotzdem wieder nachgewachsen…

Auf dem Rundweg bin ich nun fast alleine und wie erwartet sind später die Restaurants im Örtchen Las Medulas gut besucht. Die Mittagshitze ist ohne Schatten auch schwer zu ertragen, da hilft nur Fahrtwind, also los.

Es geht auf bequemstem Wege der N120 folgend in Richtung Ourense und damit auch der portugiesischen Grenze entgegen. Den letzten Zipfel der spanischen Nordküste um Galizien spare ich mir also für irgendwann später auf. Gibt schon auch noch Ecken in Europa die ich nicht kenne. Es rollte immerhin gut an Flüssen und gestauten Seen vorbei. Die Gegend aber schon recht hügelig mit viel grüner Vegetation.
Hinterm Lenkrad das übliche auf und ab, gegen die Langeweile Hörbücher, hab ja einen ganzen Haufen neuen Stoff bekommen.

Die Großstadt Ourense als Thermalzentrum angepriesen, wahrscheinlich alles schön mit Wellnessanlagen zugepflastert, mich zieht es lieber in die Natur. Die Stadt muss ich aber trotzdem passieren, geteilt vom Fluss Mino geht es eine Seite abwärts und am anderen Ufer wieder steil herauf… ziemlich steil und lang was so nicht auf der Karte zu ahnen war. Wollte schnell der Autobahn folgen, die geht aber schnurstracks den Berg hinauf, hätte doch auf den geschwungenen Nebenstraßen bleiben sollen um weniger Steigung zu erfahren. Was du an Kraft sparen willst muss an Weg zugelegt werden. Alte Autos gibt es hier nicht mehr viele. Der Düdo mal wieder in seinem Element. So brauche ich für die letzten 50Kilometer nach Bande doch länger als die geplante Stunde und es dämmert langsam.

Am Stausee des Rio Lima gibt es an der Hauptstraße OU-540 nahe Os Banos die “As Lerinas” und damit eine unter Reisenden berühmte Quelle mit besonderem Flair. Ich schaffe es erst in der Dunkelheit und sehe nicht wie steil die Abfahrt von der Straße aus ist, runter will ich sowieso und rauf wird schon irgendwie wieder gehen. Parkplatz gefunden, hier ist Platz für 40-50 Fahrzeuge, 30 sind locker anwesend. Macht die ganze Angelegenheit aktuell nicht sehr ruhig für die Nacht. Viele Portugiesen kommen auch fürs Wochenende her und bei denen gibt es keine Nachtruhe ab 22Uhr.

Ich genieße aber trotzdem mein erstes Bad knapp über Körpertemperatur mit Blick in die dunkle Weite über den Stausee hinaus. Die Thermen hier haben eine Besonderheit, anscheinend schon seit Jahrhunderten genutzt haben die Römer mal eine Infrastruktur drum herum gebaut deren Fundamente und Ruinen noch heute stehen und dieses Erlebnis so einzigartig macht.

Fotos kann ich erst am nächsten Morgen machen, dann auch nur sehr früh, da natürlich alle zum Baden hier sind. Nackt ist außer mir niemand, mal wieder die prüden Südländer… Auch hübsche Mädels gibt es keine, dafür sind zu viele junge Kerle vor Ort um ungestört das warme Wasser zu genießen. Für Alleinreisende Frauen also nur bedingt geeignet wer auf Spanner verzichten mag.
Hier mal meine Übersicht: Zum schattigen Parkplatz hin:

Und der Blick aus dem Schatten der Bäume hinaus.

Eine Skizze zur besseren Orientierung: Sind schon einige Becken hier.

Die Becken wie gesagt Granitblöcke und Reste von Kanalsystemen und sogar Badewannen.

Den Zulauf entdecke ich auch, kommt unterirdisch geblubbert und ist echt heiß, 50grad mindestens.

Der Ablauf dann wild durch die schlammige Landschaft dahinter in den Stausee.

das Ganze auch in etwas bewegten Bildern

römische Hot Springs

Die Gegend ringsum eignet sich zum Zelte aufschlagen, ich entdecke auch einige. Interessant wird es aber erst ein paar Meter weiter dem Ufer gefolgt. Dort ist eine größere Ausgrabungsstätte, die auch archäologisch gerade im Aufbau ist. Römische Ruinen der Aquis Querquennis.

Für den entspannten Morgen also der ideale Punkt, den ganzen Tag will ich hier aber nicht verbringen bereite mich also zur Abfahrt vor. Der Weg hinauf echt steil, muss also den Motor ordentlich warm laufen lassen. Zum Starten läuft der Bus ja grad auf 50% Diesel/Öl Mischung und riecht trotzdem wie ein Foodtruck. Noch mehr Zuschauer bekomme ich aber als der erste Anlauf mit Sack und Pack hinauf nicht klappt und ich mühsam den Anhänger zurück rangiere.

War fast zu erwarten und ich habe schon nach Autos mit Anhängerkupplung ausgeschaut. Den Hänger also abgeparkt und nur im Bus mit Vollgas… auch gescheitert. Es ist so steil, mich legte es richtig in die Rückenlehne hinein und vor mir hatte auch ein Camper mit Frontantrieb Probleme und musste nochmal schalten und neu ansetzen.

Nun hatte ich also ein mittelgroßes Problem. Ich schaffe es nicht aus eigener Kraft hinauf. Schaulustige gab es mittlerweile genug und auch einige mit passenden Sprachkenntnissen. Ein soeben eintreffender alter Portugiese im kleinsten LandRover mit Agrarhaken erklärte sich bereit meinen Anhänger zu übernehmen. Ich fuhr mit und Problem 1 war schonmal gelöst. Bei ihm zwar der Allrad ohne Funktion (zu teuer zu reparieren) aber die Kraft reicht und Traktion auf dem guten Asphalt auch.

Als wir wieder unten waren kam auch der einzig englisch sprechende Spanier mit seinem Sprinter der auch gerade los wollte. So konnte keine Sprachbarriere die Koordination für die Aktion behindern und dank Slackline an der Hinterachse und die gewisse Priese extra Schub waren wir am Tau und beide im ersten Gang bei 10kmH ein unschlagbares Team.

Überglücklich endlich wieder mobil zu sein spannte ich oben meinen Hänger an und machte mich auf den Weg in Richtung Portugal. Und bevor jetzt Fragen aufkommen, Ursache gefunden, Dieselhauptfilter war später komplett zu…

4 Gedanken zu “Las Medulas und Os Banos

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