Gegen Wind und Wasser

Ich starte meine heutige Etappe also bei Gewitter und Regen in der Dunkelheit gegen 6Uhr. Musste aber sein da ich nicht im Schlamm versinken wollte. Ich hab eher die Angewohnheit überall positives auch in ärgerlichen Situationen zu sehen, heute also Zeitgewinn und neue Erfahrung unterwegs. Zurück auf die Hauptstraße und dann nach Süden in Richtung Lleida. Ich umfahre die Großstadt soweit möglich und glaube aus der Ferne zu erkennen, dass hier nix verpasst wird. Der Regen ist Wind gewichen, dieser wiederum hat die Wolken vertrieben. Da meine Fahrtrichtung nun aber Westen ist fegt er mir direkt entgegen… mit ordentlichen Böen und nicht nur ein laues Lüftchen.

Die Landschaft ringsum, nun ja eintönig, langweilig, eben, öde, sandig oder einfach ausgedrückt doof. Der Sturm macht es nicht grad angenehmer und meine rollenden 3,30m Höhe auf 2m Breite geben einiges an Angriffsfläche… ich bin also auch auf der Ebene langsam. Der vierte Gang schafft es manchmal nicht und ab und an gibt es auch nen Hügel, die Pyrenäenausläufer sind noch nah. Ein schleppender Tag und mein Vorsprung aufgebraucht oder schon so einberechnet gewesen. Mich hält nur ein gutes Hörbuch am Leben. Qualityland von … sehr zu empfehlen. Sollte man sich mal antun, ne Art gesellschaftskritische, überwitzige politisch-soziale Satire. Doch mitten im Satz bricht es ab und liegt nicht am leeren Akku.

Verdammter Scheiß, Kackendreck und verfluchter Mist. Ist das Fäkalsprache?… aber angebracht, mein Laptop ist von seinem Podest gerutscht und mit einer Ecke in Atlas Wasserschüssel gelandet. Aaaarghhh. Ja warum hört der Junge denn nicht vom USB-Stick oder Mp3Player? Oder hätte das Ding besser sichern sollen. Hilft jetzt alles nix, ist passiert. Immerhin ist er zu und nun aus. Ich kann grad nicht anhalten und konnte ihn zumindest mit einer Hand retten. Der Rest muss warten.

Die Ecke die im Wasser lag ist natürlich das Netzteil mit den Öffnungen zur thermischen Regulierung… dazwischen läuft etwas Wasser raus und ich helfe nach mit pusten. Meine Aufregung etwas gesteigert, panisch würde ich aber nicht behaupten. Ist schon doof aber die meisten Daten hab ich auf Platte gesichert und nen Ersatz Laptop auch dabei. (Weiser günstiger Gebrauchtkauf des gleichen Modells für unvorhergesehene Ereignisse wie diese) Kann man in zwei Jahren ja schonmal mit rechnen und Ersatz unterwegs schwer zu bekommen, aber noch in der ersten Woche auf Tour… shit.

Eine noch blödere Idee war es anscheinend zu gucken ob das Gerät überhaupt noch funktioniert aber noch länger auf die Folter gespannt zu werden…Zwickmühle. Ich klappe ihn auf und drücke den Knopf, er läuft. Mein Hörspiel geht weiter, aber nur um 30 Sekunden später abrupt abzubrechen und dann gar nix mehr zu machen.
Ich kann euch nur raten, lasst es zu/aus, die Gefühle danach wurden nicht besser nur eher vergleichbar mit “Kopf an die Wand”.
Ok, nun habe ich wirklich ein Problem. Auf halber Strecke zwischen Lleida und Zaragoza muss ich also erneut 90Minuten fahren um zum nächsten PC-shop zu gelangen, vielleicht kann man was retten.

Es ist ärgerlich und Gefühlen soll man seinen freien Lauf lassen. Ablenkung nötig, zum Glück hab ich einiges an neuer Musik auf Sticks von Freunden zur Abschiedsparty bekommen. Darunter etwas härterer Metal als ich sonst gewohnt bin, genau richtig dafür. Rooooooaaaaaaar…. Düdüdüdüdüooooo

Frage man sich was der frustrierte LKW Fahrer beim überholen denkt der schon einige Kilometer auf der einspurigen Straße mit Überholverbot hinter mir hängt und endlich seine Chance nutzt vorbei zu kommen. Die Karre am schlingern und der haarige bärtige Typ am Kopf schütteln und aufs Lenkrad schlagend brüllt sich und den Hund auf dem Beifahrersitz an… Ist mir egal was andere denken, wie üblich kennen meinen blog auch viele dieser “Fernfahrer” und begrüßen mich mit langen Hupkonzerten, ich winke freundlich meinen Fans zurück.

Gegen Mittag erreiche ich Zaragoza und muss mitten hinein. Beep ist eine IT-Kette und ich suchte was mit Parkmöglichkeit in der Nähe, genug Zeit für google gab es ja im Vorfeld. Englisch ist nicht doll verbreitet in Spanien, nicht mal bei PC Spezialisten. Doch Hoffnung wird mir nicht viel gegeben. Ich hab meine Platte dabei um schnell die neuesten Daten zu sichern (hauptsächlich vorbereitete blogs, sonst nutz ich das Ding kaum) Zwei Stunden her ist der Vorfall, also mal gucken was passiert… und er geht an. Läuft zwar sehr langsam aber augenscheinlich ohne Probleme. Doch irgendwann gibt es lustig bunte Streifen auf dem Bildschirm, verdammt, anscheinend nicht zu retten. Wir probieren es mit Neustart und lassen eine Testsoftware die Hardware checken. Unglaublich, aber als Fehler wird nur der Akku bemängelt, am Stromnetz angesteckt und ohne Lithium im Gehäuse (extern abnehmbar) läuft das Ding komplett und wie gewohnt. Rettung so einfach, oder ich doch ein Glückskind? Hat das Wasser im Netzteil den Akku zerstört? Würde es aber auch mit einem Neuen das gleiche anstellen? Auf jeden Fall ist erstmal Siesta und der Laden schließt. Ich sehe wohl zu abgerissen aus und der Service war gratis. Danke Jungs.

Etwas erleichtert stecke ich alles erneut im Bus zusammen und mach auch erstmal Mittag, mein Hörbuch läuft wieder nebenbei. Strom hab ich immer mehr als genug, könnte so also auch weiter gehen. Aber wenn ich schonmal dabei bin teste ich mal den Anderen. Er ist noch verpackt und wie gesagt das exakt gleiche Modell. Ich schmeiße ihn an und es zeigt nicht viel… anscheinend kein Betriebssystem drauf, auch doof und wohl der Grund warum mir das Schlamassel noch in Europa passiert. Ich informiere mich also und bekomme erklärt, das meine Idee meinen PC zu klonen mit Windows wohl nicht funktioniert. Festplatte tauschen will ich nicht denn einen zweiten funktionierenden zu haben ist nicht verkehrt. Also mache ich auch Siesta und erkunde erstmal die Stadt.

Zu Fuß 2,5km zum Zentrum, Atlas freut sich über ne Runde. Es ist wieder Sommer übrigens, kurze Hose, T-Shirt, Schlappen… nur der Wind, wenn auch warm, nervt. Die Spanier teils schon mit Jacke unterwegs. Und ich kann auch schon keine einstelligen Temperaturen mehr ab, alles Gewöhnung.

Der Ebro teilt die Stadt, und Erinnerungen an das Delta am Mittelmeer kommen auf. Die tolle Sandbank mit der Parkmöglichkeit direkt am Wasser aus meinem HP-Titelbild. Nun also quasi am anderen Ende davon weit entfernt auf Kulturspaziergang.

Basilica de Nuestra Senora del Pilar heißt diese prunkvolle Kirche mit den vier Türmchen. Schon erstaunlich dass neben wenigen römischen Bauwerken und ein paar Brücken meist nur Kirchen Sehenswürdigkeiten sind. Wenn man bedenkt wie reich diese Sekte damals war und noch heute ist, Wasser predigt und Wein säuft… egal. Drinnen das übliche, es reizt mich nicht mehr, hab zu viele von den blendenden Dingern gesehen.

Es soll nicht abwertend über die damalige Baukunst und die Handwerksarbeiten am Detail klingen, aber die historischen Umstände und das Leben der einfachen Bevölkerung damals. Liegt wahrscheinlich auch an den historischen Hörbüchern von Ken Folett.

Vor der Tür dann der übliche Platz für die Schäfchen, steril und “majestätisch” Blendwerk. Und um richtig ketzerisch zu klingen noch folgendes sinnhafte Zitat aus “Qulityland: Gott ist allwissend, allgegenwärtig und allmächtig, also in der heutigen vernetzten Welt wäre -er- eine künstliche Intelligenz”

Ich will später nochmal zum PC-shop, Siesta ist bis 17hundert. Hoffe man kann mir bezüglich des fehlenden Betriebssystems helfen, nach Recherche und Hilfe durch Freunde könnte ich einen Windows stick erstellen und damit den Rechner starten, brauche nur nen Code… oder ich folge mal meiner Linie und entferne mich vom Monopolisten hin zu Ubuntu oder Linux. Zusammen mit LibreOffice gibt es ersteres dann auch als Installations-DVD und freeware und mein Zweitrechner läuft nun auch… happy End. Jetzt muss ich nur überlegen wie ich mich selbst damit organisiere.

Später, erstmal raus aus der Stadt, noch etwas Zeit um Strecke zu machen. Der Wind immer noch heftig. Ganz Spanien wohl betroffen und auch schlimmes Unwetter auf Malle. Aus Marokko höre ich Zerstörungen, hängt auch damit zusammen? Da kann ich ja noch von Glück reden und zuckel mit 50km/h fast Vollgas nach Nordwest in Richtung Küste. Zwei Stunden später hab ich genug, es dämmert und ich bin quasi angekommen. Den Rest heb ich mir für Morgen früh auf… hab da was in Planung.

3 thoughts on “Gegen Wind und Wasser

  1. bern-alive says:

    Hallo, schon mal probiert, das Netzteil in ein gutes Kilo Reis zu legen? Das saugt dir Feuchtigkeit auf und könnte es retten.
    Gruß
    Bernhard

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      • bern-alive says:

        Ich habe auf diese Weise bereits einige Telefone retten können, die mir ins Klo gefallen sind.
        Wenn man die ein paar Tage tief in den Reis buddelt, ist alles wieder gut. Du hast jedoch das Teil wohl zu früh wieder unter Strom gesetzt, kann sein, dass es da gebrutzelt hat. Aber versuchen würde ich es, kostet ja nichts und den Reis kannst du danach auch noch essen.
        Viel Glück!
        Bernhard

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