Durch die Pyrenäen nach Andorra

Die heißen Quelle in den Pyrenäen an der ich mich befinde, wurde ja in der letzten Geschichte bereits beschrieben.

hier noch ein kurzer Clip zur medialen Vorstellung:

Heiße Quelle

Ich wollte aber auch etwas mehr die Umgebung sehen, wenn ich mich schon mit dem Gespann den Berg herauf gequält habe. Mein Parkplatz irgendwie idyllisch, direkt vorm Bus ein kleiner Bach mit klarem Wasser, dahinter gehen einige Wege durch den Wald bis auf eine Lichtung mit Brombeeren. Unterwegs traf ich auf diese gemütlichen Kraftprotze die sich durchs Unterholz fraßen.

Erlebniswanderung im Dickicht und Atlas hatte echt überlegt Streit anzufangen. Die Aussicht von den höher gelegenen ebenen Flächen auf das Tal mit der Hauptstraße zeigte mir nur was bei der Abfahrt auf mich zu kommt. Ich will anschließend ja nicht wieder zurück nach Perpignan sondern den Aufstieg bis Andorra wagen. Kann im Schneckentempo LKW erkenne die eine Perlenschnur an PKW hinter sich herziehen… und wer hat die LKW noch hinter sich? Aber erstmal diese Sackgasse hier erkunden. Für solche Zwecke ist ja das Motorrad mitgekommen. Ausfahrt!

Die Bergstraße an der Quelle vorbei führt noch zu einem kleinen Dorf hinterm Hügel in einer Senke gelegen. Gemütlich hier wie es scheint. Und im Winter, wenn alles eingeschneit ist, sicherlich romantisch… wie man es nimmt. Der Blick weiter hinauf zeigt nur noch hohe Berge und eine kleine Schotterpiste führt mitten hinein. Jawoll, sowas hab ich gesucht. Mein Geländemotorrad ist eine 125er 2Takt Maschine und hört auf den Namen Aprilia. Echt spritzig der Zwerg, leicht und handlich dazu, gute Wahl und es funktioniert alles inklusive Beleuchtung. Sie rollt souverän über Geröll und springt über größere Wellen und Löcher, genug Leistung den Berg hinauf ist auch gegeben. Tolles bike.

Oben angekommen dann doch eine Überraschung, ich bin nicht alleine. An einem Wasserbassin, zur Versorgung der Menschen die unten wohnen, beginnen die Wanderwege in die umliegenden 2500er. Meine Maps.me Karte zeigt einige der schwarzen Linien und ich kann diverse Gruppen in den Bergen ausmachen die den Aufstieg wagen. Hier immerhin auch schon 1500m Höhe und die Natur völlig ungestört.

Mir reicht es, bin nicht zum wandern hier und nehme den Rückweg unter die Räder. Ganz nach unten vorbei am Bus in die einzige Abzweigung auf dem Weg. Dort befindet sich das offizielle Bad Saint Thomas mit Parkplätzen und Wellnessangeboten.

Ich schau mal was geboten wird und entdecke zumindest einen großen Außenpool und Thermalwasserduschen aus diversen Leitungen. Trotzdem irgendwie steril und zu zivilisiert. Da mag ich doch lieber im Wald liegen und spare mir obendrein noch 7,- Eintritt und einen Haufen Rentner.

Es wird wieder warm tagsüber. Die Vorhersage gibt aber Wolken und Gewitter für Andorra in den nächsten Tagen vor. Das will ich dann schon hinter mir wissen und mache es mir nach dem Mittagessen wieder hinterm Lenkrad gemütlich, Hörbuch an und los geht es. Vorbei am touristisch sehr interessanten Ort Mont-Louis für den ich aber keine Zeit habe geht es mit Schwung den Berg hinauf. Nun ja, größtenteils wieder zweiter Gang, Lüfter an und so weit rechts wie möglich um andere passieren zu lassen. Auch 88PS machen aus nem Düdo keine Rakete.

Ich wähle deshalb die entspannteste Route hinauf vorbei an Saillagouse und Ur entlang der spanischen Grenze. Die Vegetation wird karger und Schneepfosten sind überall schonmal aufgestellt. Skigebiete zu jeder Seite wie man erkennen kann.

Mein Navi hat keine Macke, eigentlich unnütz da es eh keine Abzweigung gibt, aber ne tolle Übersicht der Höhenmeter und Entfernung zum Ziel als countdown… Bild von halber Höhe zum Pass de la casa mit der Grenze zu Andorra.

Und dann bin ich nach Passkontrolle und durchwinken beim Zoll mal wieder in einem für mich neuen Land. Damit Nummer 33 auf der Liste und irgendwann schreib ich die mal auf um zu wissen ob ich noch richtig zähle… Heißt aber noch lange nicht oben angekommen, man könnte ab hier aber einen gebührenpflichtigen Tunnel nehmen, war scharf am überlegen, wollte so kurz vorm Ziel aber doch nicht aufgeben. So passiere ich also das Einkaufsmekka der Franzosen die mit einer wahnsinnigen Infrastruktur hier erwartet werden… mitten in den Pyrenäen wo ich Stunden zuvor endlose Weite erblickte.

Auch die Parkmöglichkeiten für ein paar mehr Leute ausgelegt, immerhin kann man an der Perspektive erkennen, dass ich schon vorbei bin.

Darüber scheint die Welt dann schon wieder in Ordnung… oder doch nicht.

Ok, den Witz an dem Bild erkennt man erst auf dem zweiten Blick… oder mit zu viel Zeit hinterm Steuer, hier gab es eine Passage im ersten Gang! Doch irgendwann war es vollbracht. 2408 Höhenmeter und es pfeift ordentlich Wind aus der anderen Richtung. Hier oben ist trotzdem gut voll, man glaubt es kaum auch Tankstellen gibt es einige. Wenn schon denn schon und ich suche mir die wahrscheinlich am höchsten gelegene Tankstelle die ich bisher in meinem Leben angesteuert habe. Andorra mit Steuervergünstigungen 40ct billiger als in Frankreich und immer noch 20 weniger als in Spanien, Andrang… frage mich nur wie oft die hier oben beliefert werden müssen.

Ich hätte schon vorher und auch später weiter unten tanken können, Preise recht identisch. Knapp 150Liter sollten dann ne Weile reichen und ich hoffe es nicht mehr zu oft den Berg hochschleppen zu müssen. Mit Motorbremse geht es immer mal wieder aufs Pedal gelatscht nun 22km abwärts. Echt wahr, hier könnte man Elektromotoren an Autos hängen und Strom für ganze Landstriche produzieren… Andorra ab hier gefühlt in einem Tal bis zur Hauptstadt Andorra la Vella zusammengepfercht. Nicht nur dass alles zugebaut ist, auch pieckfein und herausgeputzt, fast schon zu sauber und gekünzelt. Echt nicht meine Welt und überall Hotels und Boutiquen. Ich bin so erstaunt und geblendet, dass ich nicht ein Foto gemacht habe. Definitiv muss ich hier aber nie mehr zurück kommen! Ein Bekannter fragte nach meiner Passage ob es auch für seinen LKW möglich wäre, da sein letzter Besuch in den 80ern war… ich riet ihm nen anderen Weg zu nehmen und das urige Andorra in Erinnerungen zu behalten.

Passkontrolle und Zollinspektion beim Ausreisen nur eine Stunde später. Nach Alkohol und Zigaretten werde ich gefragt, gibt es hier wohl auch vergünstigt. Danach bin ich endlich (oder mal wieder) in Spanien. Ich will nicht mehr all zu lange fahren und noch etwas mit Atlas raus. Irgendwo abseits der Hauptstraße die durch mehrere Tunnel eine passable Route zumindest bis zur Grenze nach Andorra bietet suche ich mein Lager. Ich finde einen Steinbruch und habe mal etwas Zeit meine bisherige Reise in Worte zu fassen.

Der Abend dann gemütlich und die Nacht ruhig… bis 5uhr. Dann wachte ich durch zuckende Blitze auf, interessantes Schauspiel so ganz ohne Donner. Erklären kann ich mir das nicht aber tosend wurde die Geräuschkulisse erst als es eine Stunde später anfing zu hageln. Nicht nur ein bisschen, ich hatte Angst um meine Plastikfenster und auch Atlas bekam einen gequälten Gesichtsausdruck und Donner gab es nun auch, mag er gar nicht. Ich würde behaupten die Nacht war vorüber, obwohl noch dunkel.
Außerdem machte mir mein Stellplatz-Untergrund sorgen, hatte bei Trockenheit geparkt, der Steinbruch aber sicherlich sonst eine Matschgrube und das will man ja auch nicht beim Start als Überraschung wissen… Also mal wieder hinters Steuer… ich berichte.

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