Fridolin der kleine Düdo

Nein dies ist keine Kindergeschichte, aber trotzdem eine Meldung wert. Wer oder was ist Fridolin? Die kleine Version eines Düdo mit fast 50 Jahren Historie. Mal wieder ein Bus, der durch Zufall und panische Umstände zu mir gelangte. Seinen Namen hatte er schon, sowas soll respektiert sein, hier das erlebte:

Es war Herbst, der vergangene und exakt zum Zeitpunkt als mein Motorumbau mich von meiner Reise in den Süden abhielt. Das erste implantierte Aggregat hatte einen Kurbelwellenlagerschaden und guter Ersatz war weit und breit nicht in Aussicht. Ein Freund schickte mir daraufhin eine interessante Annonce eines Düdos mit Motorschaden (gerissener Zylinderkopf) und er Rest sollte brauchbar sein. Die Idee aus Zweien (Motoren) einen zu machen war geboren und obendrein bezahlbar. Problematisch war nur die Entfernung, da der Lila Bus in Thüringen strandete.
Es war eine aufregende und grenzwertig legale Operation um nicht zu sagen völlig Banane was ich zusammen mit meinem Kumpel Lucas, der mich schon nach Marokko begleitete, ausheckte. Wir schleppen das Ding einfach mit seinem Düdo ab. Klingt simpel, die Distanz von 300km durch bergiges Terrain über Land- und Nebenstraßen jedoch war eine Herausforderung. Zwei Tage dauerte diese Aktion aber es war ja für genügend Schlafplätze gesorgt. Der Fridolin war reisefertig und ist unterwegs abgeraucht, deren Besitzer mit dem Rucksack weiter gezogen weil die Reparatur unbezahlbar gewesen wäre.

Ein 406 mit 407-Herz schleppt einen anderen 406 mit OM617 Herzfehler durch Mitteldeutschland. 65 PS ziehen teils im ersten Gang nicht nur eigene 3500Kilo sondern weitere 3000kg am Hanfseil durch die Lande. Das Seil war eine blöde Wahl, aber das einzige zur Hand, die Dauerbelastung ließ es später sogar mehrfach reißen woraufhin es gegen eine Schlupf von einer Baustelle ausgetauscht wurde. Ansonsten gab es keine Komplikationen und auch die Bremse ohne Unterdruckunterstützung war dank Handbremse ausreichend. Ich schätze die Arbeit des hinteren Fahrzeugführers als intensiver ein, da das Seil immer auf Spannung gehalten musste ohne vorne den Schwung vor Bergen zu versauen. Von der schönen Landschaft sah ich also wenig.

Außerdem wurde es ziemlich kalt gegen Abend. Kein Motor, keine Heizung und auch die Batterien machten nicht lange mit. Dauer Warnblink und leuchtende Bremslichter… ihr könnt es euch vorstellen. Die Belohnung war der Schlafsack auf gemütlichem Bett und ein ordentlich angefeuerter Ofen zum Herbst in Deutschland.

Halbzeit und es gab kein Zurück. Plan B war immerhin der ADAC, der aber von Anfang an nicht gerufen werden konnte. Immerhin hat dieser den in diese Werkstatt dort geschleppt. Ihm kann man ja schlecht den Besitzerwechsel mit Wunsch einer anderen Werkstatt erklären. Aber alles wurde gut, wir kamen an und der Erfahrungsschatz hat weitere Geschichten die man eigentlich nicht wiederholen möchte.
Es kam dann aber doch alles anders, zum Glück… Wir bauten die Reste des Motors aus und der Block wanderte im Kofferraum mit nach Berlin. Mangels Alternativen mit Hubwagen und dank ausgebohrter Traverse vorne. Die Neigung per Spanngurt veränderbar. Riskant.

Halt, stop… wie kann mein Wüstenschiff denn aber daneben stehen…und überhaupt… Ja, es wurde komplizierter, denn was im Fridolin übrig war sah motortechnisch doch nicht sehr vielversprechend aus und so gönnte ich mir einen W123 als Spender mit aufregender Probefahrt des in Holland gekauften Benz um mein Projekt wieder auf die Straße zu bringen.

Link Motorumbau 2

Da nun aber eine antrieblose Limousine beim Bekannten in der Werkstatt stand wurde der Versuch aus den zwei halben Motoren einen zu machen im Benz ausprobiert.

Gute Entscheidung mit leider schlechtem Ausgang, das Teil hat nicht lange funktioniert und wurde dann später als Schlachter mit Motorschaden weiter verkauft. Der Fridolin hingegen bekam einen weiteren OM617 den eigentlich mein Kumpel Lucas in seinen Bus implantieren wollte, meine Dokumentation des Umbaus von Om616 jedoch hat ihn endgültig abgeschreckt da ich ihm nun auch nicht mehr helfen kann und bald den Zugvogel spiele, sein Motor war also wieder frei.

Das Aggregat wurde also in Fridolin implantiert, zweimal um genau zu sein, da man wieder schlauer nun weiß, dass eine neuere Kupplungsschwungmasse nicht ganz auf die alten Getriebe passt, zum verzweifeln. Wegen diverser anderer kleiner Fehlteile wurde er auch nicht zum Laufen gebracht bevor ich mich nach Portugal abgesetzt habe. Den Winter über hat er also in Dresden neben dem Tanzsaal auf mich gewartet und ab Juni sitze ich nun immer mal wieder dran und kümmerte mich um Anlasser, Ansaugung, Krümmerdichtung und Bolzen erneuern, Wasserpumpe, Unterdruckpumpe und Spritzufuhr wie Kabelverlegung. Zum Glück war der 5Ender hier schonmal drin und deshalb grundlegendes wie Halterungen und Kühler schon angepasst.

Jeoch liegt der Teufel im Detail und das Lüfterrad schleifte (hätte mich auch gewundert, meines flog ja ganz raus), Das Thermostatgehäuse passt nicht an den dicken Schlauch, die Riemenscheibe hat mehr Rillen als nötig und das Gasgestänge muss auch wieder anders. Wie immer gibt es etliche Variationen der bekannten Bauteile und z.B. die Lima passt nicht an den Halter… der andere nicht mit dem Schwungrad zusammen und es muss improvisiert werden.

Aber alles in allem ein gut gepflegter Bus, vor einiger Zeit mal komplett beim Klempner gewesen, nur leider wie so oft nach dem schweißen nicht richtig versiegelt und der Rost kämpft sich zurück. Meist zuerst in der Regenrinne, also einmal weg mit der Dichtmasse, die sich zum Glück locker vom Rost löst.

Stundenlang schlkeifen, Rostumwandler als Epoxidgrundierung drauf und nach Lackierung haltbar für die nächsten Jahre. Da ich mit dem Ding ja nach Portugal will und eine Weile drin wohne braucht er sowieso ne andere Farbe, ich fahre nicht lila durch die Lande. Mal gucken was Mein Resteregal so hergibt, wieder mischen mit Überraschung oder zweifarbiges Konzept, keinen Plan…

Nun also auch verständlich warum ich den Großteil meines Heimatbesuches in Dresden verbringe, der Tanzsaal muss auf die Räder und da Fridolin nun endlich läuft auch der heimelig gemacht werden.

Parallel hab ich das Wüstenschiff inseriert und erfreut sich reger Begeisterung und Nachfrage. Bewerber zu meinem Heim kann ich mir auch schon ganz in Ruhe nach Dresden einladen und wenn mich die Arbeit nervt geht es mit Atlas an die Elbe. Ich mag das Elbflorenz und auch eine Runde durch die Altstadt ist entspannend.

Ich bin also auch jetzt wieder voll beschäftigt und immer unterwegs. Mein Garten wurde in gute Händen übergeben, ich hab jemanden für die nächsten Jahre gefunden – alle glücklich. hier in Dresden hab ich neben der Werkstatt eines Kumpels nen ruhigen Platz mit Strom und Wasser, nicht weit zum Sport samt Dusche und Nahrungsmittel gibt es auch an jeder Ecke. Jetzt nur noch ranklotzen um meine Träume und Pläne zu verwirklichen… Halbzeit nicht nur auf der Liste sondern auch im Kalender…

9 Gedanken zu “Fridolin der kleine Düdo

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