Mercedes 613 Breitmaul – der größte Düdo

Ich hatte es ja beiläufig schonmal erwähnt, ich bin letztes Jahr durch glückliche Umstände zu einer Rarität gelangt die mich immer noch fasziniert. Das dicke Ding war von Anfang an Wohnmobil und keine Handwerkerbude oder Kommunalfahrzeug. Bis vor einigen Jahren auch regelmäßig gepflegt und dann aufgrund einer Jüngeren aufs Abstellgleis geraten. Die Zeit hat zumindest keine großen Schäden bis auf den rostigen Scheibenrahmen verursacht. Kann sich selbst mit dieser Patina noch sehen lassen.

Der Name am Heck triffts beim Dickschiff auf den Punkt, könnte aber auch der Spitzname vom Vorbesitzer gewesen sein. Von Otto in der Jugend geprägt kann ich mich dafür immerhin etwas begeistern, bleibt vorerst.

Und um den Hang zum Gigantismus noch auf die Spitze zu treiben hat es ein Michelinmännchen an den Aussenspiegel geschafft. Kein Wunder, hier mal die Eckdaten des Breitmauls. Sieben Meter lang und 2,40 breit. Über drei Meter hoch und auf keinen Fall unter 5Tonnen. Das alles aber trotzdem eine behende fast schon agile Kutsche dank Servolenkung und 5,7Liter OM352 Sechszylinder Diesel mit 130PS. 8,5Zoll Räder und eine lange Achse ermöglichen 130km/h auf der Autobahn, die Luftdruckunterstützte Bremse mit den dicken Belägen und Trommeln eine angemessene Verzögerung…. und gegen die Handbremse die erst mit einem LKW-typischen Preifen bei 8bar gelöst werden kann kommt nichts und niemand in aktiviertem Zustand an.

Ja, man kann es herauslesen, ich hab meine Passion auch für dieses Extrem in der Mercedes Transporter T2 Baureihe entdeckt. „King of the road“ feeling aus der Kommandozentrale lassen einen sich unbezwingbar fühlen. Power ist genügend da und ein armdickes Auspuffrohr lässt dies dich und die Umwelt mit ordentlich Resonanz hören. Im Vergleich zum Normalen Düdo sind nur die Seitenfenster von den Sitzen aus unerreichbar.

Das Reisemobil ist Baujahr 1981 (guter Jahrgang wie ich finde) innen zeitgenössisch und dementsprechensprechend gelsenkirchener Barock mit besonderem Charme. Über den Sitzen befindet sich wie beim Hymer ein Hubbett. Dahinter ist eine Sitzgruppe flankiert von der Küchenzeile. Im hinteren Bereich Schränke und Doppelstockbetten sowie ein komplettes Bad mit Dusche und WC getrennt.

Ein unglaubliches Raumgefühl selbst in diesem funktionalen Zustand, aber für meine Zwecke völlig unpassend. Brauche ich nicht, auch nicht die nur durch die Hecktüren zugängliche Wohnmobiltechnik. Diese Pforten sollten lieber anderen Dingen Eintritt gewähren.

Neben Gasanlage und Elektroverteilungen gab es hier in der Werkstatt unter anderem einen installierten Generator mit Auspuff überm Dach. Auch die Frischluftansaugung dafür war aufwändig Schallisoliert wie ich beim Ausbau feststellen durfte. Ja ich habe Hand angelegt um meine Pläne zu realisieren.

Wozu braucht der Kerl noch einen Bus werden sich jetzt einige fragen. Kurzfassung: Das Breitmaul sollte ja eigentlich im Frühjahr nach Portugal folgen um dort nach meinen Wünschen umgebaut zu werden. Da kam die Geländepritsche dazwischen, die mit ihren Dimensionen einfach passender für meine kurzfristigen Pläne der AfrikaTour sind. Mittelfristig jedoch suche ich einen Nachfolger für meinen Bus der noch in diesem Sommer einen neuen Eigentümer sucht. Dieser Erlös geht in die Weltreisekasse ein. Nach der Tour mit der Walküre durch Afrika und ungewissem Zielort dank der Option zur Verschiffung könnte ich dann auch diese überall verkaufen und nach D zurückkehren. Selbst wenn dann komplett Pleite hab ich noch ein rollendes Heim was zwischenzeitlich bei einem Kumpel in der Scheine wartet. Dazu brauche ich etwas Platz im Heck um einigen Krempel und ein Motorrad aufzuheben. Deshalb raus mit dem Bad und Licht in die Bude.

Unglaublich wie stabil dieser Ausbau konzipiert wurde. Doppelte Wände mit zwischenliegender Isolierung wie im Trockenbau. Sperrholzplatten mit Popnieten an Aluprofilen befestigt und weiteren Zierleisten veklebt. Zu allem Überfluss das komplette Bad noch mit GfK wasserdicht wie einen stehenden Pool laminiert. Man sieht wie die Blümchenbemalung nicht ohne Gewalt mit Flex und Axt zum Auszug überredet werden musste. Wie erwartet darunter Glaswolle, diese jedoch komplett trocken und das Blech darunter in perfektem Zustand noch im Originallack. Unglaublich und das finale Argument den restlichen Innenausbau nicht grundlegend anzugreifen. Dies aber alles zu seiner Zeit, jetzt ginbg es nur um eine schnelle Aktion zur Platzgewinnung. Erfolgreich!

Der Blick nach vorne zeigt, dass auch ein Schrank und das Doppelstockbett raus sind. Das Konzept steht, der Schrank wird Platz für den Ofen und wo jetzt noch eine Matratze liegt zieht eine gemütliche Couch ein. Dahinter steht später das Moped und Platz für eine Werkbank ist auch noch. Die Qualität der Einbauten hat zu seiner Zeit mal einen Haufen Geld gekostet, der Generator im Heck zum Beispiel hatte u.a. die Funktion die Klimaanlage auf dem Dach anzuschmeissen…

Die archaische Schalttafel gab dafür sogar Betriebsstunden an, alles ferngesteuert mit Startknopf, wow.

Und auch der altmodisch wirkende Backofen entspricht meinen Wünschen nach einem dritten Kochfeld im Vergleich zum Mb407 Wüstenschiff. Auch sicher mal teuer gewesen.

Die Krone der 80er setzt dann aber das Armaturenbrett in Szene. Ein D-Netz Telefon und ein Kassettenradio mit Equalizer, damalige Japanische Hi-tech-HiFi.

Darunter dann noch der Blick auf die Technik. Der ruhig und sauber laufende Motor ölt auch nicht, alles da wo es hingehört und wenn es soweit ist bekommt alles auch eine komplette Wartung.

Untenrum sieht der sehr gut aus, kein Rost gefunden und der Boden ist ebenfalls gut isoliert. Die Federn nicht am Ende und mit etwas Schminke das ganze Fahrzeug eigentlich sofort Einsatzbereit. Die Dachrinne nirgends durch und nur die Dachterrasse hat es nicht überlebt. Das Holz muss neu, schätze auch dass in den letzten Jahren der Vorbesitzer dort nicht mehr hin kam…
Das Konzept aber sehr stabil und in der Summe ein Traumfahrzeug für die Zukunft. Zumindest hab ich nen Plan-B falls die nächsten Monate doch irgend etwas schief gehen sollte, nicht zu hoffen denn ich freue mich sehr auf den Trip mit der 508Pritsche. Zählt sowas auch zur Polygamie? Ich liebe drei Düdos…

9 Gedanken zu “Mercedes 613 Breitmaul – der größte Düdo

  1. Marcelo schreibt:

    Hej, ich habe einen Breitmaul auch vor kurzem geschafft (allerdings ein o309) und bin jeden Tag begeistert, wenn ich bei ihn bin und sehe was von einem schönen Fahrzeug es ist. Alle Sitze habe ich raus geholt und habe eine sehr einfache und provisorische Austattung erstmal gebaut. Ich bin portugiesiser (hoffe du mein deutsch gut verstehen kannst 😉 ). Wenn du nach Portugal kommst, kannst gerne mich kontaktieren. Schöne Grüße,
    Marcelo

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  2. Peter schreibt:

    Mal ne Frage: wie sieht das mit Frittenöl aus beim OM352/OM314, geht das? Ich stehe gerade vor der Wahl 406 oder 508. Gerne würde ich die stärkere Variante nehmen, aber ich glaube dann geht das mit dem Salatöl recyclen nicht mehr so einfach, da kein Vorkammerdiesel.

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