Glasfaserverstärktekunstoffdachlaminieraktion

Die letzten Wochen waren aufregend und es ist mehr passiert als ich Zeit hatte dies zu Papier zu bringen. (in digitaler Form natürlich)
Heute also geht es um die Aktion Dachversiegelung.
Ich hatte ja bisher nur eine 5mm Sperrholzschicht auf meinen Bögen der Rahmenkonstruktion die natürlich immer noch ausfahrbar ist und bleibt. Das war nicht sonderlich stabil und hätte auch den Umwelteinflüssen nicht lange Stand gehalten. Schindeln und Dachpappe waren eine bedachte Option, sind aber doch aufgrund der vorwiegend mobilen Funktion meiner Hütte Blödsinn.
Was also liegt näher als eine Schicht GfK also Glasfaserverstärkter Kunststoff aufzubringen. Polyesterharz mit Glasfasermatten also. Eine Dachfläche von über 10qm aber beschichtet man nicht mal schnell alleine mit Materialien aus dem Baumarkt.
In der Nähe von Häfen gibt es immer mal wieder Firmen die sich auf laminieren von Booten etc. spezialisiert haben. Ich fand einen tollen kleinen Betrieb kurz vor Lagos und der Eigentümer hatte Interesse mir zu helfen. Auf zur APM.

Es wurde also die Baustelle fahrtüchtig gemacht und die Fahrt gleich genutzt die Restmaterialien zum Schrott zu bringen. Vorteil hier eine Waage die gleich mal die bittere Wahrheit ans Licht bringen soll. Die Vermutungen und Schätzungen bei meinem Facebook-Aufruf variierten zwischen 2500 und 4200kg (unter Vernachlässigung einiger üblicher unsinniger Kommentare). Meine eigene Durchrechnung der Gegebenheiten und bisher reingesteckten Materialien kam ich zum Ergebnis von knapp 3400kg wenn man ca.2900kg für die leere Pritsche mit OM314 und sehr stabilem Rahmen ausgehen muss. 200kg zusätzlicher Stahl, 200kg Holz für Fußboden und Wände und damit lag ich gar nicht mal so falsch.

Da mir weder zulässiges Gesamtgewicht und daraus resultierende Folgen noch eine annähernde technische Überladung des 608 gefährlich werden können ist es eigentlich egal, nur im Sand und Matsch zählt jedes Kilo. Zur Erinnerung nochmal, dieser Düdo wird ein Expeditionsmobil für Afrika und Asien. Die Probefahrt zeigt schonmal keinerlei Einschränkungen aufgrund des Aufbaus.

Von Vielen wurde ich gefragt was dieser komische Überhang oberhalb der Fahrerkabine soll. Schön, wenn sowas spießiges wie ein Alkoven auch designtechnisch hübsch versteckt werden kann. Geil ist die Pritsche schon geworden, kann ich Stolz behaupten. Und ja, ich weiß dass mein Radhaus nicht mittig sitzt. Wurde noch etwas kaschiert, musste aber so wegen der großen Staukiste die noch zwischen Schutzblech und Keller montiert wird.
Ok, nun zur spannenden Geschichte. Als erste Schicht gab es eine verdünnte Harzschicht, die als Grundierung dienen soll, weil sie gut ins Holz einzieht und eine haltbare Verbindung für alles weitere schafft. 5Kilo gab es davon aufs Dach.

Diesen Arbeitsschritt hat ein Angestellter allein schnell und präzise mit ner großen Rolle absolviert. Ich bin zwar zum helfen hier, gebe aber den Experten gerne den Vorzug, erst Recht bei anrühren der Mischungsverhältnisse. Die Gegebenheiten vor Ort phantastisch bequem, auch ein Gerüst war schnell aufgebaut.

Das Ergebnis der Grundierung optisch eine tolle Unterstreichung des doch recht hübschen Sperrholzes. Kann aber leider nicht so bleiben, dies bringt keine Stabilität.

Während der Trocknungszeiten (zum Mittag) kümmere ich mich um den Zuschnitt der Glasfasermatten. 240 cm in Längsrichtung und davon 4 Bahnen mit 125cm Breite. Weitere 7Kilo kommen davon aufs Dach. Das ist aber noch nicht der Löwenanteil, denn das Laminierharz wird hier in großen Eimern angerührt. Ich überlasse dem Experten die Verteilung der klebrigen Masse und bin Handlanger, rolle bei jedem vollendeten Bereich die Matten fest ins Harz. Hälfte geschafft.

Das Wetter nun wieder sommerlich. Der Start heute früh musste wegen ein paar Tropfen vom Himmel verschoben werden. Wasser und Polyester vertragen sich nicht. Nun aber kommt die sonne raus und die Portugiesen mit ihrer Arbeitsschutzkleidung. An den Füßen trägt der Kerl total bekleckerte Arbeitschutzflipflops… also die zehenbedeckende Variante der Plastiktreter mit dem Aligatorennamen.

Drei volle Eimer also nochmals 25kg kommen auf’s Dach um alle vier Matten gut einzusumpfen. Die Mischung perfekt, denn hinten schon trocken und so kann der Rest noch obendrauf. Fertig ist mein nicht ganz so nachhaltiges Sahnehäubchen. Aber ich bin ja kein Radikaler und wo es keine Alternativen gibt braucht man die Chemie nicht verteufeln.

Den Rest mache ich nun selber, schneiden, schleifen und Topcoat auftragen in der Garage. Auch dies bekomme ich hier zum Mitnehmen. In der Summe also 5kg Grundierung, 7kg Matten, 25kg Harz und 5kg Topcoat… 42Kilo zusätzlich… kann ich kaum glauben. Das Material alleine hätte mich als Endverbraucher ein Vermögen gekostet. Mit allem drum und dran sind es hier 300,- auch nicht geschenkt aber nötig und fair.

Und da ich nicht mit nem grauen Dach rumfahren werde gibt es noch Farbreste in kunterbuntem Muster drauf. Noch nicht ganz fertig und auch nicht so einfach ein ordentliches Tarnmuster zu improvisieren.

Ich hab also trotz der vielen Arbeit immer noch Spaß am gestalten und sehe Licht am Ende des Tunnels… das Finale naht… Es gibt noch so viele schöne Details, die ich bald mal wieder gesammelt mit einem besonderen Beitrag ins Netz stelle. Es wird ein Traum auf Rädern… mein Traum.

4 Gedanken zu “Glasfaserverstärktekunstoffdachlaminieraktion

  1. jan schreibt:

    klasse projekt, übrigens.
    ich hab einen 6m bauwagen auf meiner 613 pritsche. das dach ist aus verzinktem blech. die verbindungen der einzelnen blechtafeln sind gefalzt. an den kanten/traufen sowie am giebel ist es einfach an den seiten der dachdielen umgebogen und hält so ohne weiter befestigung. dadurch hat es auch eine gewisse flexibilität. so wird das seit jahrzehnten an tonnendächern für zirkus und bauwägen gemacht. das kann hier jeder dachdecker. selbst lange autobahn fahrten, in strömendem regen, mit gut 100km/h hält das dach trocken.
    ich bin mal gespant ob gfk auf holz das aushält, ohne rissig zu werden.
    netten gruß,
    jan der böse

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