Kuriositätenkabinett

Portugal ist auch für Schrauber eine Herausforderung. Die Abwesenheit von der Gefahr durch die heimischer Ordnungsmacht auf überfälligen ausländische Inspektionen hingewiesen zu werden in Kombination mit der eher noch lapidareren Gattung der Besitzer aus der Hippieszene sind eine grausame Paarung fürs Material.

Ich habe ja nun schon einige Busse in meinen Händen gehabt und nicht wenige davon als es dann wirklich zu spät war und nix mehr ging. Und dabei rede ich nicht von „höchste Eisenbahn“, sondern der Zug ist schon ne Weile abgefahren. Als Beispiel hab ich wirklich schon drei Bremsanlagen überarbeitet wo zuvor täglich Hydraulikflüssigkeit nachgefüllt wurde aber erst ich gerufen wurde als es auch wirklich unten wieder raus lief. Bremsanlagen sind ja irgendwie der Dauerbrenner bei den Düdos. Mir unverständlich, da das schwere langsame Gefährt doch wenigstens beim Verzögern sicher sein sollte. Ein jährlicher Wechsel von Dot4 kann nicht Schaden und man kann sich alles mal ansehen. Am Besten auch ein Blick nach innen und einmal Leitungen abschmieren… das hält dann auch länger!

Was ich aber in solch einer Trommel schon gesehen habe sprengt alle Vorstellungen. Hier mal einen „Reparatur“ mit Kabelbinder an der Staubkappe des Bremszylinders. Soll wohl Flüssigkeit zurückhalten die durch den defekten Simmerring den Bremsdruck verliert, quasi zweite Instanz für die Sicherheit? Die Besitzerin wusste davon nix und hat den noch nicht so lange… auch deshalb mal reingucken lassen auch wenn er irgendwie ja noch bremst.

Eine weitere unglaubliche Entdeckung war eine Trommel mit sechs Baumarktbolzen und selbstsichernden Radmuttern ohne Zentrierringe dafür aber mit Federringen unter der Felge. Damit die Bolzen auch halten wurden sie von Innen an die Trommel gepunktet… auf Gusseisen schweißt es sich beschissen. Ich hab leider kein Foto, aber dem Besitzer gezeigt wie nur durch einen fallenden Hammer diese Verschweißung gebrochen ist und der Bolzen im Inneren der Trommel durchdrehen würde beim Versuch die Radmuttern zu öffnen. Ich hatte Glück sie waren eh alle lose.
Selbst wenn nicht wäre der 8.8 Härtegrad der einfachen Schrauben auch irgendwie zu überwinden gewesen. Das Schlimme an der Geschichte… die hat ein portugiesischer Mechaniker verbrochen der wirklich eine offizielle Werkstatt hier hat. Statt 6 Bolzen die bei Mercedes je 2,50€ kosten zu tauschen wurde dem Kunden eine lebensgefährliche Reparatur für 300,- untergejubelt. Unfassbar und nun irgendwie verständlich warum so viele Leute von meiner Arbeit begeistert sind.

Beim Thema Bremse hab ich noch eine erschreckende Entdeckung gemacht. Bei einem Bremer war einseitig ein neuer Sattel verbaut… macht man eh schon nur beidseitig wegen der Synchronität. Dieser Sattel jedoch für die Modelle mit doppelter Bremsleitung das Fahrzeug aber hatte nur eine je Seite. Also hat man das andere Loch mit einem Entlüftungsnippel zu gemacht. Spätestens beim Entlüften aber mitbekommen müssen, dass aus zwei der drei regulären Nippel keine Flüssigkeit rauskommt. Pfusch der nicht unüberlegt sondern absichtlich fabriziert wurde. Aus den Augen aus dem Sinn? Nicht bei einem Stammkunden der alle Arbeiten immer bei einer Werkstatt machen ließ.
Kein Wunder also dass die neuen Beläge auf der einen Seite schräg mit nur halber Kraft angedrückt wurden.

Immerhin hat das die andere Seite mit total runter geschrubbten Belägen teils aufs Metall ausgeglichen und die Karre bremste eh Scheiße… dadurch öfter an der Handbremse gezogen und die hinteren Beläge verglast. Einmal alles neu somit und das geht ins Geld. Scheiben, Beläge vorne und hinten, einen Bremssattel neu abdichten und den anderen mit T-Stück für Zweikammer Betrieb verwenden. Und trotzdem fühle ich mich als Pfuscher da eigentlich ein anderer Sattel her müsste.

Ich hoffe die Schraubergeschichten langweilen nicht, es regnet gerade am frühen Morgen und ich muss auf die Schweißerin warten bevor es an der Pritsche weiter geht. (war schon im Februar geschrieben)

Nicht nur die Ansaugbrücke die von vier auf 5 Zylinder gepfuscht wurde ist zu beachten. Immerhin funktional und kreativ. Die Motorhalterungen hingegen eine Anmaßung. Ich stand vor der Überlegung bei meinem Umbau die Halter am Rahmen zu versetzen oder die Halter umzuschweißen. Hier jedoch wurde der Motor eingepasst und dann einfach mit Stahlwinkeln auf die alten Halter gesetzt… schlimm gemacht, ein Wunder dass nix gebrochen ist. Anmerkung, die lose Schraube war auch schon so…

Wie man es richtig macht kann man auf meiner Seite mit dem OM617 Motorumbau im 407 lesen.

Link Gruppe

Auch wie man die Kühlung mit wenig Platz unter bringen kann ohne wie hier den Schlauch mit knapp zwei Meter Umweg um die Blattfeder herum legt. Wenigstens mehr Kühlwasser im System… und einige Schlauchschellen die Fehlerquellen birgen.

Aber das Teil wird ja zerrupft. Mal schauen was noch so entdeckt wird. Einige Teile hiervon sind ja schon in den Engländer gewandert. Einen Rechtslenker auf Links (normal) Umbau. Da gab es zum Beispiel keine funktionierende Handbremse. Das Teil in Spanien zusammen gebastelt, war es auch die Karre mit der angerissenen Bremstrommel weit außerhalb des maximalen Ausdrehmaßes. Eine Vollbremsung und sie wäre geplatzt. Die Lenkung jedoch ist der Hammer. Der Bügel auf der einen Seite sonst zur Lenkschubstange wurde umgedreht und als Ansatzpunkt für die Spurstange genutzt… kein Wunder dass der sich die Räder runter radiert. Vor allem weil der Konus für den Kugelkopf ja auch auf der gegenüberliegenden Seite lag und die Spurstange schräg verbaut werden musste. Nun alles aus dem Schlachter ersetzt und hier die seltenen Rechtslenkerteile fürs UK-ebay.

Bei den Briten bisher noch eine Entdeckung, die fahren alle, auch die neuen Modelle mit dem alten BKV unterm Fahrzeugboden und stehenden Pedalen. Weiß da einer mehr oder hatte ich bisher nur zusammengewürfelte Zufälle in den Händen?

Rechtslenker mit alten BKV-Versionen? Weiß einer mehr?

Und das war nur die Technik. Unglaublicher noch was Leute an ihren Karossen anstellen um Busse abzudichten oder zu „verschönern“.
Ich musste auch schon Dachrinnen mit Glasfasermatten retten, da durch haufenweise Dämmung dahinter nicht geschweißt werden konnte ohne den Innenausbau auseinander zu nehmen, aber ich habe vorher wenigstens weitgehend den Rost entfernt um sowas hier zu verhindern.

Aus den Augen aus dem Sinn oder was? Immerhin hielt der Kleber am Lach und Spachtel, der jedoch hat sich großflächig vom „Restblech“ gelöst und an zwei von vier Seiten nur noch aufgelegen. Naja, immerhin sind die Besitzer es angegangen. Die nächsten Exemplare sind wohl nur noch zum Abrocken gedacht. Zum Glück keine Mercedes Raritäten, also jeder wie er mag.

Icherspare euch Details…wusste gar nicht dass sich die „Ratten Szene“ von Bikes und Altautos auf Wohnmobile ausgeweitet hat.
Es wird sicherlich noch einige Geschichten geben. Jetzt aber kümmere ich mich erstmal um mein eigenes Projekt. Ist immerhin schon durch meine vielseitigen Tätigkeiten hier bezahlt. Soll auch so bleiben, wenn ich also Material brauche oder mal nicht Arbeitskraft eintauschen kann wie bei Schweißer und Tischler muss ich wohl doch wieder für andere schrauben und bin gespannt was mir dann so unter kommt. Ich berichte.

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