Portugals Hippiemarkt

Huelva ist das nächste Zwischenziel und so ziemlich die westlichste größere Stadt in Spaniens Süden. Meine letzten Frittenölreserven sind aufgebraucht und auch Diesel muss ich noch besorgen, da in Portugal 20ct teurer. Mich interessieren Häfen aber in Huelva sieht der nach nix besonderem aus, ne Menge Industrie schließt im Süden daran an. Die Stadt sonst auch nicht direkt am Meer sondern an nem breiten Flusslauf kurz davor gelegen. Das Zentrum der Maritimen Anlagen bildet aber ein hübsch restauriertes altes Hafenamt mit Blick auf die quadratischen Betonblöcke die den Rest der Stadt ausmachen. Es gibt sicherlich auch ne schöne Altstadt, aber anscheinend gut versteckt. Hab bei meiner kurzen Durchfahrt nicht das Bedürfnis verspürt hier länger zu verweilen.

Nur noch wenige Kilometer zur Grenze und ich brauche immer noch Sprit. Ich nehme ein paar kleinere Orte westlich mit um auch der Autobahn zu entgehen. Werde fündig und von hier aus geht es nun schnellen Schrittes nach Portugal.

Der Grenzverlauf dann durch den Fluss Rio Guadiana beschrieben. Eine Brücke die gerade durch ein Gerüst verhüllt ist ermöglicht den Übertritt und führt direkt auf der portugiesischen Autobahn weiter. Das ging ziemlich schnell und ich fühle mich irgendwie fremd. Mein Navi, Telefon und diverse Verkehrsschilder wollen mich auf die geänderten Rahmenbedingungen hinweisen, ging mir alles zu schnell auch bei 60km/h. War ja die letzten Jahre auf meinen Reisen nie bis hier gekommen und meist vorher schon nach Afrika abgebogen. Auf der Autobahn sollen sich Ausländer der Maut wegen auf die rechte Spur abschieben lassen und dort an den Automaten abrechnen. Ich habe nicht vor die Bahn länger zu nutzen und nehme die nächste Ausfahrt… immerhin keine Zahlstellen dort.

Was mir als erstes auffällt und positiv stimmt, Portugal ist unglaublich grün im Vergleich zu Südspanien. Die Häuser wirken gepflegter und zumindest die östliche Algarve hier ist ordentlich zugebaut. Ich passiere auf einer guten Landstraße einige Ortschaften und habe auch an den angesteuerten Containern der mir unbekannten Supermärkte Glück. Die Summe meiner Funde seit beginn meines Roadtrips vor zwei Tagen abzüglich meiner verzehrten Speisen auf dieser Tour kann sich sehen lassen.

Ich halte nochmal Rücksprache mit meinem Kumpel am Ziel, wo in wenigen Tagen der Weihnachtsmarkt stattfinden soll. Es wird höchste Eisenbahn wenn ich noch auf den zentralen Flächen parken möchte und solle mich sputen. Er meint auch ich kann getrost und ohne Skrupel die Autobahn nehmen, machen hier alle und es gibt nur elektronische Überwachung die wohl keine ausländischen Nummernschilder identifizieren kann. Den Rest der Strecke vorbei an Faro, Portimao und Lagos dann mit 75km/h dem kleinen Dorf Barao de Sao Joao entgegen. Den Markt finde ich etwas außerhalb und auch einen passablen Platz, abseits genug um seitlich keinen Passantenstrom zu haben und meinen Scheiß trotzdem vom Anhänger aus unters Volk bringen kann.

Meine Nachbarn alle wie eine sich schon lange kennende Gemeinde. Ne Menge Briten und Deutsche Reisende oder hier hängen gebliebene vor Ort. Mein direkter Nachbar mit dem Düdo ist mir vor Jahren in Marokko begegnet, weitere bekannte Gesichter von früher oder vorherigen Stops auf der Tour. Ich fühle mich sofort zuhause und wohl. Die nächsten Tage ist noch Zeit vertreiben angesagt, was bei den Meisten hier zum Basteln genutzt wird. Viele bieten selbstgemachtes und noch mehr wollen kulinarische Angebote zaubern. Ich erkunde erst einmal die Umgebung und schaue auch in der Werkstatt von Flo vorbei, gefällt mir ebenfalls und die gemeinsamen Pläne klingen gut, sieht so aus als werde ich wohl mal länger an einem Ort bleiben. Abends gibt es irgendwo immer Lagerfeuer und Musik und das Wetter ist besser als erwartet, wenn auch nachts etwas kühl.

Morgens zum aufwärmen gibt es ne Runde Jogging, dann kann auch der Ofen aus bleiben, da ab 9 die Sonne T-Shirt Wetter zaubert. Die Gegend mit Eukalyptuswäldern bewachsen und vom Hügel aus auch ne tolle Sicht.

Ansonsten gebe es genügend Brennholz, wenn ich den Weg aus dem Pinienwäldchen auf mich nehmen wollte. Die Rest von Paletten und Ästen reichen aber auch getrost noch ne Weile.

Was gab es noch in den folgenden Tagen? Zweiradausflüge mit dem Rad und Bobber. Das brüllende Ungetüm hat von mir erneut ne Vergaserbearbeitung bekommen und läuft nun wieder. Ist natürlich ein Hingucker und Gesprächsthema auf dem Platz und sicherlich auch in den Orten die ich in meiner Runde heimgesucht habe. Batterie ist immer noch im Arsch, also hieß es Starthilfekabel zur Sicherheit mitnehmen, was auch einmal notwendig war. Ansonsten verbringt man hier ne gute Zeit mit den Nachbarn, interessante Gefährte und Pilote auf jeden Fall.

Ein Schweizer zum Beispiel ist mit ner Pferdekutsche aus Holz unterwegs, die beiden Antriebstiere stehen zum auftanken direkt neben ihm auf der Weide. Neben dem Wagenplatz gibt es einen Spielplatz und einen Skatepark, beides gut von Publikum frequentiert.

Und dann ist es endlich soweit. Einige Stände öffneten auch schon am Vorabend um die einfallende Besucherschar für die Party am Rande mit Getränken auszustatten. Ich hab meinen Scheiß gut sortiert und auch etwas gebastelt. Das Konzept steht und ich lasse mich nicht hetzen. Immer gut in Erinnerung die Flohmärkte in Berlin, wo teilweise nachts schon mit Kopflampen aufgebaut wird um die besten Plätze zu ergattern. Irgendwie ist das hier zwar entspannter mit der Anreise drei Tage vor Start aber auch ganz weit vorne. Mein Angebot liegt erst gegen 10Uhr zur Auslage, vorher schaue ich mir die anderen Stände an, zwischendurch wird das ja schwierig. Es gibt allerhand krimskram und Zeug von der Afrikatour, außerdem liegen Ersatzteile bereit um Werbung für die nächsten Monate meiner Beschäftigung hier unten zu machen.

Einige der Anbieter sind auch im Sommer in der Heimat mit Trödel beschäftigt und haben ordentlich Ballast extra für den monatlichen Markt hier mit an Bord. Dinge die von mir gesucht werden finde ich aber nirgends und bin eigentlich ganz froh nicht noch irgendwas anderes gefunden zu haben.

Teilweise echt herzeigbar Stände und findige Ideen zur Präsentation des Allerlei. Wer trödeln mag wird den Hippiemarkt in Barao lieben, letzten Sonntag im Monat und nun wahrscheinlich auch fester Bestandteil meiner Zeitplanung hier. Lustig bunte Kontaktbörse mit Möglichkeit zur Aufstockung der Reisekasse.

Es gibt natürlich auch einige Einheimische die anbieten oder selbst einen Snackstand mit traditionellen Futtereien haben. Eine richtige Organisation oder Marktleitung gibt es aber nicht. Ich werde doch noch fündig und kaufe einem Opa nen fetten Blumenkohl aus Eigenanbau ab… sowas muss unterstützt werden.

Entgegen der Erfahrungen von daheim gibt es hier theoretisch kein Ende des Verkaufstages. Der meiste Andrang ist zwar am Morgen, aber über den ganzen Tag auch gut verteilt. Meine “Kräuter”pfeifen aus dem Rif-Gebirge sind begehrt und ansonsten mache ich auch noch einige Runden über den Platz. Eingepackt wird erst als die Sonne unter geht und die übliche Klammheit über die Wiese zieht. Für die Anbieter von Snack und Trunk geht es jetzt erst richtig los. Es gibt überall handgemachte Musik und sogar eine Bühnen die spontan aus nem LKW aufgebaut wird. Mit turntables und DJ, alles was muss. Geile Party und als es kühl wird sogar überall Feuertonnen und Lagerfeuer zur romantischen Untermalung. Gut dass ich den Tag langsam hab angehen lassen.

Die Art von Flohmarkt findet sicherlich auch bald im hippen Berlin Anklang… after hour mal anders, Prost und irgendwie auch Frohe Weihnachten. (war vergangenen Sonntag)

Advertisements

2 thoughts on “Portugals Hippiemarkt

  1. Detlef says:

    Zitat:
    Ich werde doch noch fündig und kaufe einem Opa nen fetten Blumenkohl aus Eigenanbau ab… sowas muss unterstützt werden. —- ende

    He , das finde ich sehr nett von dir. Das machen wir auch immer, denn besseres bekommt man doch nicht, das andere ist zwar oft billiger aber da die Alten Leute nur eine kleine Rente bekommen doch besser. Wir wurden auch schon sehr oft dann in brökeligem Deutsch angesprochen , weil der Sohn oder Enkel in D. gelernt hat oder hier arbeitet. Wenn man dann auch noch nett auf ein sehr unverständliches Gespräch eingeht, ist es oft vorgekommen, das wir auch noch zum Essen eingeladen wurden. Natürlich beschämend, denn dann geben die alles, obwohl sie selber nichts über haben.
    Aber wir haben dann eingekauft und was mit gebracht, was auch nicht immer gut war,

    aber wenn man schon eingeladen wird, dann bringt jeder was mit. Haben wir jedenfalls gesagt, um sie nicht zu beschämen.
    Wir lieben die Gastfreundschaft da unten.

    Schöne Tage dir noch.

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s