Sevilla & Donana

Granada im Rücken und Portugal voraus, so würde ich den groben Plan beschreiben. Mein Kumpel dort hält mich auf dem aktuellen Stand und meint der Hippiemarkt zu Weihnachten in Barao füllt sich schon zusehends, ich solle mich sputen um noch nen Platz zu bekommen. 500km entfernt heißt auf jeden Fall zwei Tage Fahrtzeit einplanen. Der Abstecher zum Klettern nach El Chorro fällt also aus, ebenfalls zeigt sich bewölktes Wetter zum Zeitpunkt meiner Abreise aus Santa Fe. Alles richtig gemacht mal wieder. Die Verbindung quer durch Andalusien vorbei an Loja und Antequera nach Sevilla ist eintönig aber effektiv, es rollt gut. Trotzdem mache ich südlich von Estepa einen Abstecher durch die Pampa, was immerhin ne kürzere Strecke bedeutet und gegen Langeweile hilft.
Alles Oliven ringsum… immer noch. Ebenfalls nehme ich die Ausfahrten Osuna, Arahal und Alcala de Guadaira um meine Vorräte aufzustocken, ordentliche Funde, Foto folgt später.

Der Tag neigt sich dem Ende und ich bin kurz vor Sevilla, entscheide mich für einen kurzen Abendspaziergang im Zentrum und finde einen günstig gelegenen Parkplatz direkt neben dem Park westlich der Festung Alcazar. Dort entstand auch dieses farbenfrohe Bild des schwindenden Tages.

Meinen letzten Sevilla Besuch habe ich anscheinend gut verdrängt. Damals durfte ich ohne Seitenscheibe auf der Fahrerseite und um eine Sporttasche mit dreckigen Klamotten erleichtert wieder aus der Stadt raus. Andere Erinnerungen sind rar und somit erkenne ich erst die Gänge um die Alcazar herum als ich sie betrete.

Die Kathedrale mit der hübschen Seite leider gegenüber des erstaunlichen Abendrotes… trotzdem herzeigbar. Erst die Palmen auf dem Vorplatz machen solch ein Motiv wirklich außergewöhnlich und urlaubshaft finde ich.

Vor dem Eingang der Festung Alcazar, die schon in so einigen Filmen als Kulisse diente und von einmaliger Schönheit sein soll, kommt erneut eine Erinnerung hoch. Diesmal wieder eher der Mangel an etwas, ich war da noch nie drin, weil der Eintrittspreis utopisch erscheint. Knapp 12,-€ für die Grundebene, jede weitere besuchte Etage oder Besonderheit kostet extra. Es gibt aber eine Ausnahme pro Woche oder Monat und dafür 750 begrenzte Plätze, sowas würde sich anbieten, wenn ich nicht etwas unter Zeitdruck stehen würde. Also andermal anstellen und hoffen.

Auf dem Platz an der Längsseite der Kathedrale dann der übliche Weihnachtskram, durchgestylte Buden mit Deko und Naschereien. Weit weg von meinen letzten Erinnerungen an romantische Weihnachtsmärkte in der Heimat. Jeder wie er mag…

Auch am Ende der Fußgängermeile mal wieder eine Comicversion des Christbaumes. Spitz in die Höhe strebende Kiefern sucht man hier im Süden vergebens, Pinien können das halt auch nicht ersetzen. Also bin ich ganz froh und der Strom beleuchtet Millionen LEDs.

Die Deko um den Springbrunnen interessiert mich da schon eher. Weihnachtssterne gibt es ja überall, hier frisch und farbenfroh eingebuddelt. Und daneben… Salat? Auch mal ne Interessante Begrünung, wirkt sehr schrill bunt, ist aber alles echt. Einen Geschmackstest habe ich trotzdem nicht vollzogen.

Für mich war das ausreichend Sevilla erkunden. Ich bin doch noch in Fahrlaune und schaffe heute noch einige Kilometer. Vorher nutze ich aber meinen tollen Parkplatz um ein Abendmenu zu bereiten. Ich habe einige fertige Kartoffelomelette gefunden und werde eines noch schnell anbraten, mit Sauce verzehren. Zu früh gefreut… der Wachhund Atlas hat sich schon seinen Anteil zum Lohn des Leute Verbellens gegönnt. Eine Packung Omelette wie von Zauberhand leer… mit Loch im Plastik in der Größe seiner Schnute… Sollte man nicht in Reichweite liegen lassen.

Ich hatte ein Anderes, gab ja genug und die anschließend ging die Fahrt durch die recht verkehrsarme Stadt hinaus in die Dunkelheit. Richtung Westen liegt Huelva und per Autobahn (Maut) flott zu erreichen. Nicht mein Plan, auch die Landstraßen daneben reizen mich nicht. Das Mittelmeer schon hinter mir liegt die Atlantikküste nicht mehr fern. Übernachtung mit Meeresrauschen wäre doch mal wieder toll.

Dazu kam es aber nicht mehr, ich wurde müde und entdeckte kurz vorher einen Parkplatz am See mit viel Natur umgeben, wollte ich mal sehen. Ein Nationalpark wie sich herausstellt und nachts das Tor an der Hauptstraße geschlossen, ich blieb einfach am Rand stehen. Es war ruhig und erholsam ohne Meeresrauschen. Ab 7Uhr dann vereinzelte Autos an mir vorbei, das Tor war also wieder offen und ich entschied mich für eine Fahrradrunde mit Hund.

Hübsch angelegt und mit Erläuterungstafeln an den Vogelbeobachtungsposten befinde ich mich im Nationalpark Donana. Hatte ich so noch nie auf dem Schirm, weil zum ersten Mal in der Gegend. Ein riesiger Park mit mehreren Besucherzentren, dies hier nahe der Küste gut organisiert und ich bekomme Erläuterungen aus erster Hand.

Ein Paar erstaunliche Eckdaten: 50.000 Hektar groß und UNESCO geschützt. Mit über 30km Küstenlinie und gigantischen nur im Winter existierenden Feuchtwiesen (Marschland) an der Mündung des Guadalquivir. Kein Wunder warum es hier keine Straße am Atlantik gibt und man durch Sevilla muss um weiter westlich zu gelangen. Das ganze könnte man zu Fuß erkunden, darf aber weder campen noch Feuer machen, zur Besichtigung stehen Touren zur Buchung bereit mit echt krassen Gefährten.

Unimog Busse im Safari Stil, man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, 4×4 Deluxe und gigantisch. Der Inbegriff für Offroad und sicherlich eines der geilsten Basisfahrzeuge für nen anständiges Reisemobil. Die Touren erscheinen mir mit 30,-€ für drei Stunden erschwinglich für einen solchen Einblick in ein europaweit einzigartiges Ökosystem. Leider erst (wenn überhaupt) am Nachmittag und nicht mit meinen Plänen kompatibel.
Ich mache weiter meine Rundfahrt und genieße den Sonnenaufgang.

Ein letzter Blick auf meinen Lagerplatz bevor ich mit der Sonne im Rücken, auch mal was Neues, meinen Weg nach Portugal fortsetze.

Die Pinienwälder auf dieser Seite zwar noch Parque Natural aber nicht mehr Nacional… man kommt kaum zur Küste und wenn soll es dort Steilküste sein. Ab und an mal eine Ortschaft oder ein Campingplatz in den Wäldern die alles andere als einladend aussehen.

Die Krönung dann etliche abgestorbene Bäume an einem abgesperrten Parkplatz mit ebenso per rostigem Tor abgesperrtem Zugang zum Meer welches hinter der Düne liegt.

Soll heute wohl nicht so sein und Atlas muss auf den Atlantik warten. Um so besser bezüglich meiner Zeitplanung. Der zu Beginn angesprochene Markt in drei Tagen und die Plätze immer rarer, noch 250km Strecke vor mir. Bestes Wetter und guter Laune mal wieder ein toller Roadtrip… zu verfolgen im nächsten Logbuch.

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