Ausflug nach Granada

Der neblig beginnende Tag am Kletterfelsen war eigentlich ein sonniger und es hing wirklich nur die Wolke im Berg fest. Als ich mich also auf den Weg machte war wieder alles gut. Es ging hinab auf die autovia die mich heute aber an Granada vorbei nach Santa Fe führen soll. Erstmal Lager beziehen und ein warmes Bad in den natürlichen Quellen genießen. Die Umgebung wie üblich von etlichen Aussteigern, Reisenden, vanpeople und Hippies besetzt. Jedoch ist es etwas sauberer als die Jahre zuvor und auch nicht ganz so voll. Zu aller Überraschung ist sogar mein Stammplatz ganz oben auf dem Hügel frei, wenn auch gerade dort der meiste Müll aufzusammeln ist.

Ich hab also wieder mal ein gewünschtes Zwischenziel erreicht und fühle mich hier wohl. Unterwegs zuhause und immer wieder erstaunlich wie gewohnt man sich an häufig besuchten Gegenden fühlt. Ich genieße die Quelle mit ihren 39/40grad und lerne die Nachbarschaft kennen. Natürlich wieder einige Franzosen sowie sehr abgespacete Kandidaten.

Ich hab mein Fahrrad ausgepackt und bin mal wieder sportlich ambitioniert. Am Lidl in Atarfe wurde ich meist fündig und habe mir die Fahrt dorthin zum Ziel gesetzt. Runter vom Olivenhügel, quer durch Santa Fe über die Verbindungsstraße nach Artafe und der Rucksack ist voll Obst obwohl grad auch nen Opi an der Tonne war. Dies jedoch wollte er nicht. Mein sportlicher Trieb jedoch hat mich noch nicht befriedigt und eine Sehenswürdigkeit nur 5km von hier hat schon einige Male mein e Aufmerksamkeit geweckt. Es gibt einen Hügel in der Ebene an dessen Spitze eine kleine Kirche thront. Wenn das mal keine Aufforderung ist. Dank Navi auf dem Telefon finde ich meinen Weg durch einige Gassen auf die andere Seite der Autobahn und dann geht es für ne ganze Weile nur noch im kleinsten Gang bergauf. Die Beine werden schwer, was wohl das Zusatzgewicht im Rucksack zu verantworten hat… wenn das mal kein Training ist. Belohnt werde ich aber mit einer tollen Aussicht.

Exakt aus dieser Richtung kam ich und passierte etwas unterhalb am Berg einen recht ordentlichen Steinbruch. Sieht schon recht alt aus und ich frage mich automatisch welche Gebäude in Granada und Umgebung wohl schon mit Steinen von hier gebaut wurden.

Ganz oben dann auch ein recht sehenswertes Areal um die Kirche, die eigentlich ein Museum für Mineralien ist. Der Garten mit einem halb geöffneten Tor und einem Tickethäuschen versehen, aber niemand da, also schau ich mir das mal an. Der große Parkplatz zuvor schließt auch auf regen Touriverkehr. Einige Pfauen sind hier angesiedelt und weitere kleine Käfige und Volieren zeugen von haufenweise Federvieh wie in einem Zoo.

Von hier oben aus mit Blick vorbei am Ausflugslokal kann man auch meinen Stellplatz an der Kletterwand erkennen. Auf jeden Fall ist mir von dort schon mit dem Fernglas die Kirche hier aufgefallen. Was anderes interessantes lässt sich auch auf dem Bild erkennen… Zufälle gibt es manchmal und das muss ich mir mal genauer ansehen… er hat „es“ entdeckt?

Richtig…, dort unten neben den kleinen Steinbruch hat sich ein getarnter Düdo eingenistet. Ich schau mal rum und sage Hallo. Netter Brite mit nem kleinen 508er Ex-Krankenwagen. Er braucht grad Pause von Granada und Santa Fe und will mit einigen Freunden und Fahrzeugen nach Bissau weil dort ein Festival auf die Beine gestellt werden soll. Wir tauschen uns mit so einigen Erfahrungen aus und bleiben in Kontakt. Ich habe nen guten Tipp zum Stellplatz in Granada bekommen und mache mich auf meine sportliche Rückfahrt zur Quelle. Das Wochenende steht vor der Tür und ich will einen Abstecher in die für mich interessanteste Stadt Spaniens machen.

Außerdem fallen hier zum Wochenende ne Menge Zigeuner ein und nutzen die Quellen als Dusch-und Waschplatz. (Ich ja auch aber mit mehr Respekt für die Umgebung und anderen Besucher) Zusätzlich gibt es abends meist Partys und Musik die ganze Nacht… nein Danke. Ein schnelles Bad habe ich aber noch nötig, meine Beine brannten und die letzten Meter den Olivenhügel hinauf musste ich echt resignieren… bin halt nicht mehr der Radsportler wie früher.

Mein Platz bleibt mir reserviert da ich den Anhänger stehen lasse. Ist hier sicher und angekettet, mein österreichischer Nachbar im kleinen 407 (auch von den busfreaks) bleibt auch hier. Ich bin etwas mobiler ohne den Anker am Heck und mache mich auf ins Getümmel der Stadt. Das Ziel eingeloggt erinnere ich mich an meine letzten Besuche und die kaum verfügbaren Parkmöglichkeiten. Der aktuelle Geheimtipp, der sich optisch auch schon verifiziert ist das Universitätsgelände Cartuja, nur wenige Gehminuten vom Zentrum entfernt am Hügel.

Bingo, tolle Möglichkeiten dort und nicht nur beleuchtet, sondern auch mit patroulierendem Wachschutz. Der nette Herr weist uns zwar darauf hin, dass es hier kein Campingplatz ist, aber für eine Nacht hat er nichts dagegen. Uns heißt meinen Nachbarn im modernen silbernen Van mit dem Lenkrad auf der falschen Seite. Es ist Wochenende und leerer als gedacht. Nur ein paar vereinzelte Besucher haben irgendwas in den Unigebäuden zu schaffen. Ich stehe ganz oben bei den Psychologen… von da aus nicht weit zu Fuß den Berg hinauf mit tollem Blick über den aber langweiligen Norden der Stadt.

Ich schnappe mir mein Fahrrad für die erste Erkundungstour der Umgebung. Granada ist nicht nur die Alhambra. Als erstes steht das komplette Stadtviertel Albaycin auf dem Plan. Enge Gassen mit kleinen Plätzen, geselliges Treiben und vor jeder Bar sind Touristen und Einheimische in Schaaren amüsiert.

Geografisch weiter nach Süden gelange ich zum Mirador de San Nicolas. Nicht nur der guten Aussicht auf Alhambra und Sonnenuntergang wegen beliebt, jetzt zieht Kunst und Kultur magisch an und der Platz könnte so auch locker in Berlin sein.

Wieder etwas nach Norden ist Sacromonte berühmt für Höhlen, Flamenco und Hippies. Ein Stück andere Welt in dieser Großstadt. Muss man gesehen haben ohne dass es etwas spezielles zu sehen gibt. Es stehen ne Menge Gebäude frei und immer mal wieder wird auch was restauriert. Weiter hinten im Tal zeltartige Unterkünfte, ich weiß auch von einer Gemeinschaft, die hier lebt. Mein Abstecher führt mich unten am Fluss entlang raus auf den Plaza Nuevo. Afrikanische Trödler mit China Scheiß und Neppenfänger mit Tapasbarempfehlungen in überteuerten Restaurants dazu segwaytours und Stadtrundfahrten sowie weitere Animationen neben einigen Straßenmusikern.
Hinsetzten und wirken lassen. Gebäude ringsum auch hübsch.

Die Runde fährt dem Ende zu, Ich passiere noch die Kathedrale, die mir irgendwie nicht in Erinnerung war… Beim rein gehen dann die Antwort darauf… 5,-€ Eintritt um ne Kirche von Innen zu sehen, einfach nur lächerlich. Soll sich der Sektenverein selbst so seiner Schäfchen entledigen.

Es geht wieder durch die Gassen der Umgebung. Ich suche etwas aus vagen Erinnerungen. Ich habe hier ja auch eine Mission. Das was Granada für mich in Erinnerungen gehalten hat. Kultur wie sie nur in wenigen Reiseführern zu finden ist. Biertrinken und dazu Teller mit Leckereien bekommen „Tapas“.
Ich kann mich noch an Abende erinnern die viel zu früh zu Ende gingen, ne Art Sperrstunde gibt es hier für solche speziellen Bars mit aufwändiger Küche. Neben der berühmten mit den Tausenden Jesusbildnissen musste beim letzten Mal die >Eine< ausgelassen werden… und die war am vielversprechendsten wenn auch unscheinbar, mehr dazu beim nächsten Mal.

Ab zurück zum Unigelände und meinem Parkplatz für heute. Granada jetzt schon einen Besuch wert gewesen.

3 Gedanken zu “Ausflug nach Granada

  1. agenda2018 schreibt:

    Das ist der Beweis: ein Düdo ist schneller als ein Ducato! Du hast uns längst überholt, wir dümpeln gerade bei Cartagena rum. Aber wir nennen das Tiefentschleunigt, es gibt einfach zu viele Orte in Spanien, an denen wir hängenbleiben. Ich lese immer gerne Deine Berichte, vielleicht holen wir Dich mal ein. In Marokko oder sonstwo… LG Jürgen http://www.agenda2018.blog

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