Höhlenhäuser von Alcudia de Guadix

Auf meinem Weg runter aus den Bergen sah ich schon meinen nächsten kurzen Zwischenstopp. Die Burg La Calahorra thront über dem kleinen Örtchen wie aus einer anderen Welt. Ich war zwar schonmal hier, da war es aber so verdammt kalt und windig, dass ich es nicht genießen konnte. Nun bei bestem Wetter erklimme ich den kleinen Hügel erneut.

Gegen die Sonne zwar nicht optimal getroffen, aber in diese Richtung mit den schneebedeckten Bergen im Hintergrund und ohne moderne Gebäude im Blick irgendwie besonders. Deshalb auch Kulisse so einiger Westernfilme vergangener Zeiten.
Das Ding ist wirklich ne Festung und rundherum mit gefährlichen Schießscharten und vergitterten Fenstern gespickt.

Die Reste einer Wehrmauer kann man auch noch bestaunen, die Lage dann auf dem Hügel extrem sicher. Zusätzlich fällt auf, dass es nur einen einzigen Eingang ins Innere gibt.

Leider ist die mit Metallplatten verstärkte Tür abgesperrt und nur mittwochs für Besucher geöffnet. Auf einem Foto habe ich aber einen völlig unerwarteten Blick in den Renaissance Innenhof mit Palisaden und Rundbögen in weiß entdecken können… andermal vielleicht in echt.

Ein paar Kilometer will ich heute aber noch schaffen. Immerhin bin ich jetzt schon mehr als Tausend Höhenmeter tiefer als am Pass und damit in bedeutend wärmeren Gefilden. Alcudia de Guadix erreicht man als nächstes, wenn man die Schnellstraße Richtung Granada vermeiden will.
Hier ist eine regionale Besonderheit in der Bauweise sehr offensichtlich. Höhlenwohnungen.

Die kleine Stadt von etlichen solcher Sandhaufen durchzogen und damit idealer Baustoff für klimaneutrale Behausungen. So kann es schnell mal passieren, dass man bei jemandem auf dem Dach umherwandert ohne es zu wissen. Spätestens wenn man sich bei den Belüftungsschornsteinen aufhält fällt dann der Groschen. Es goibt nur eine Fassade, der Rest dahinter ist in den Berg gehauen.

Da ist man schon interessiert, wie es wohl drinnen aussehen mag. Kann ja schlecht einfach irgendwo an einer Tür klopfen. Da trifft es sich gut, grad ne Baustelle vor der Nase zu haben.

Wie ich es mir gedacht habe gleichen die Räume eher Gewölben und die grob gehauenen Strukturen bringen mit den unterschiedlichen Schattierungen der Materialien echt urige Atmosphäre. Wahrscheinlich ist später aber alles verputzt oder gestrichen, denn es wirkt schon recht dunkel so… und ohne Fenster muss die Umstellung im Sommer auf das gleißende Licht draußen enorm sein. Der Gestaltung sind keine Grenzen gesetzt, Regale in die Wände integrieren und wenn es ein Zimmer mehr benötigt muss man halt weiter buddeln und den Abraum durch die Hütte raus schaffen.

In einer verlassenen Ruine hab ich dann gekalkte Wände entdeckt und eine Feuerstelle zentral gelegen mit Schornstein durch den Berg. Aber dunkel war es weiter hinten drin immer noch. Naja, hat halt andere Vorzüge so zu wohnen.

Wer es mal probieren mag, diese Höhle hier ist zu verkaufen. Die Beschreibung eines Immobilienmaklers würde ich gerne mal lesen. Vor allem bezüglich des eingestürzten hangseitigen Zimmers. “von Bauschutt zu befreiendes Atrium oder Terrasse mit Altlasten”

Hätten die Bewohner mal eine Kunstwandverstärkung aufgebracht wie im nächsten Bild. Auch einzigartig aber wirkt irgendwie trotzdem nur semi-natürlich. Dafür aber mit einem der interessantesten Vorgärten. So wird mein Stadtrundgang abwechslungsreich und interessant.

Ich beschließe einfach ne Nacht hier zu bleiben, habe einen super entspannten Parkplatz gefunden und werde morgen nochmal bei anderem Sonnenstand weitere Fotos machen. Am östlichen Rand der Stadt, mit immer noch toller Aussicht auf die Berge, liegt ein Fußballplatz dessen Besucher wie auch die der Arena auf der anderen Seite den großen Parkplatz nutzen können. Heute alles für mich. Der Bus neben dem zugeklappten XXL-Sonnenschirm zu finden.

Selbst die Abstellkammer der Sportvereine und die Info- und Kunstverkaufsstände auf der anderen Seite der Zufahrt sind in Höhlen gehauen. Wenn schon, dann konsequent. Alcudia de Guadix hat sich CUEVAS ganz groß auf die Fahnen geschrieben. Kann man sich mal angucken und auch die Hügel in der Umgebung laden ein zu Wanderungen. Der kleine waldige, steile Park neben dem Parkplatz hingegen hat schon weit bessere Tage gesehen. Meine Joggingrunde am Morgen musste auf halber Strecke umdisponiert werden, aber irgendetwas ist ja immer. Ebenso kommt die Sonne erst spät am Hügel vorbei, was mein Zeitgefühl verfälscht. Das übliche Spiel mit umpacken und Reisefertig machen, heutiges Ziel Granada… oder so.

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