Ein Ausflug in die Sierra Nevada

Irgendwie habe ich das Gefühl ein Abenteuer steht bevor. Habe im letzten blog ja erwähnt, dass ich die Sierra Nevada durchqueren will. Ich kenne alle Routen nördlich und südlich herum und habe es bisher vermieden denn selbst hier in Spanien kann es auf 2000m schnell schneien und ungemütlich werden. Die Wetteraussichten aber in alle Richtungen perfekt, was auch der Blick vom Aussichtsturm in Nijar zeigte. Ich besuche also die Region Alpujarra und fahre von Osten her eine schöne kurvige Route dem Rio Andarax entgegen. Die Straße zu Beginn als Ausläufer der Hauptrouten nach Almeria noch breit und bei Anstiegen mit zweiter Spur. Dieses Foto hier zeigt „Terraforming“ auf spanische Art. Einen Hügel wegnehmen weil das für den Straßenbau einfacher ist kennt man ja, den Rest aber halb stehen zu lassen weil sich oben drauf Strommasten befinden wirkt irgendwie ulkig.

Die Tour ist als touristisch sehenswert also grün auf meiner Karte markiert. Zu beginn sanfte Hügel mit wilden Einschnitten durch Erosion. Spärliche Vegetation aber klimatisch perfekt zum Anbau von allem möglichen in den Tälern. Alpujarra für Oliven und Honig berühmt. Trotzdem bleibe ich nicht länger und fahre langsam aber stetig die Berge hinauf.

Mittagspause am Straßenrand… aber was soll mir dieses Schild genau sagen? Kann keine störrischen Kühe entdecken und links wie rechts neben der Straße wäre auch kein Platz zum Grasen… „vereda Ohanes“ ich sollte doch spanisch lernen.

Es gibt neben der Strecke einige hübsche Ortschaften, ich entscheide mich für eine Rundfahrt durch Fondon und Laujar de Andarax wo der Fluß in den Bergen darüber entspringt. Hübsche Städtchen mit zentraler Meile wo alles am Straßenrand stattfindet. Ich passiere Bars und etliche staunende Zuschauer die meinem Gespann hinterher schauen. Hier ist es sogar schon weihnachtlich geschmückt.. ok, schon ist gut, zwei Wochen vor Weihnachten.

Die meisten Orte komplett weiß gekalkt und fallen deshalb gut in den umliegenden Bergen auf. Platz für größere Städte ist allein schon wegen der Bedingungen nicht.

Geradeaus würde mich die Straße nach Orgiva führen. Am südlichen Hang der Sierra gelegen befinden sich zwei-drei weitere Enklaven von Hippies und Aussteigern um den Ort angesiedelt. Doch dort war ich schon und heute nicht mein Ziel. Ich will richtige Berge… hoch hinaus. Die einzige Möglichkeit Zwischen 2-3Tausendern zu passieren ist der Pass Puerto la Ragua. Die Umgebung immer wieder von den skurrilen Auswaschungen in natürliche Muster getaucht.

Bei Laroles mit hübscher Aussicht nach Süden eine weitere Pause, aber diese leider der Sonne entgegen, so kann man hier nix auf Foto bannen. Der Ort auf 1050m und in den nächsten 15km Wegstrecke klettere ich auf 2000m hinauf. Bei solcher Steigung war das früher ne Stunde im ersten Gang… heute größtenteils im zweiten bei ca. 25km/h gefühlt mit Raketenantrieb. Vorher habe ich gezielt meinen Pflanzenöltreibstoff aufgebraucht und normalen Diesel getankt. Wer weiß wie kalt es dort oben wird. Erstaunlicher Weise habe ich trotzdem Verfolger, die eisern die ganze Strecke hinter mir herzuckeln und nicht überholen. Oben am Pass ist eine Bergstation mit Parkplatz und einigen umliegenden Wanderwegen, mein angestrebtes Ziel. Als ich endlich auf diesem Parkplatz angelange und meinen Lüfter nachlaufen lasse bekomme ich Besuch. Ein junges deutsches Pärchen fand mein Gespann sehr interessant und wollte mal gucken, somit gab es eine Heimführung und interessanten Austausch. Die beiden genießen die Gegend um Granada in der perfekten Wetterlage der letzten Woche und sind mit dem Mietwagen auch schon ganz gut rumgekommen. Erstaunt mich immer wieder wie viel Aktivität man in eine kompakte Urlaubswoche bringen kann und muss. Wäre wenn nötig auch mein Anliegen in dieser wundervollen Gegend.

Hier oben steht die Sonne grad noch günstig und es ist wärmer als ich gedacht und erhofft habe. Die erste Wanderung ein Stück Richtung Westen wird aber schnell schattig. Die Sonne steht tief und wird weit vor Untergang von den Bergen abgeschirmt. Das Wasser was hier plätschert ist auch direkt von den Schneebedeckten 3000er Gipfeln nur einige Kilometer weiter, und arschkalt. Mal wieder sind schöne Aufnahmen der Ansicht hier oben gegen das Licht nicht möglich und so bleiben nur die in Gedanken eingefangenen Momente in totaler Stille ohne Menschen, Wege, Behausungen oder sonstige Anzeichen von Zivilisation. Trotzdem muss ich bald zurück um mich nicht zu verirren und noch den Ofen im Bus anschmeißen…. definitiv bleibe ich eine Nacht und habe morgen großes vor.

Mein rollendes Zuhause hat eigentlich nen viel zu kleinen Anteil an meiner Berichterstattung und ist doch der Grund und die Möglichkeit mein Leben so auszu“leben“ wie ich es aktuell genieße. Der Ofen (Küchenhexe) wurde ja hier, mit dem mobilen Abgasrohr durch eine Platte bei runtergekurbelter Fensterscheibe, schon vorgestellt. In einer Minute einsatzbereit.

Küchenhexe im MB407

Er wiegt kaum was und ist mobil auch draußen benutzbar. Wird schnell warm und ist Dank der einzeln herausnehmbaren Ringen obenauf für jede Topfgröße geeignet. Das Multitalent wenn es um heizen, kochen und luftentfeuchten geht. Holz gibt es in Massen und mit etwas Übung kann man auch die Hitze gut zum kochen regulieren.

Heute gibt es ne riesige Suppe wegen der vielen unterschiedlichen Gemüse und dem Rindfleisch vom letzten Fund. Wenn der Eimer mal fertig ist kann ich davon ein-zwei Tage in Portionen essen. Ich liebe den hermetisch abschließbaren Schnellkochtopf der auch bei holprigen Fahrten nix raus lässt.

Ja und auch die Flasche Met (noch aus Wacken) erwärmt sich nebenbei gut. Die Temperatur draußen nahe dem Gefrierpunkt und ich muss trotzdem Fenster und Türe offen haben um unter 25grad zu bleiben. Es ist schon lange dunkel und ich bin alleine auf dem Parkplatz. Nur im Eingangsbereich der Hütte hier hat ein Wanderer sein Zelt aufgeschlagen. Als meine Suppe aber endlich fertig ist, schläft der schon gut eingepackt in seine Schlafsäcke und ich will nicht stören.

Da wären wir wieder beim Thema Freiheit und Lebensweisen, aus dessen Sicht habe ich den vollen Luxus mit Platz für richtige Lebensmittel, es heimelich und warm und sogar mit Strom um die Abendunterhaltung abwechslungsreich zu gestalten. Es ist aber so ruhig in der Umgebung dass ich meine geplante einsame kleine Party im Nirgendwo ihm zuliebe auslasse und statt Musik einen Film und an der Playstation spiele. Nachts lieber noch die Heizdecke auf der Matratze für ein warmes Bett einschalten und am Morgen erneut den ausgekühlten Ofen anfeuern. Tee und Pfannkuchen zum Frühstück. Um mich rum hat es wirklich gefroren und ich bin froh nur Diesel im Tank zu haben. Die Sonne hat es auch noch nicht über die Hügel in meine Frontscheibe geschafft, also kann ich auch schon mit der Aktivität starten.

Wandern heißt es um warm zu bleiben natürlich den Berg hinauf. Das weiß auf dem Dach und der Wiese im Hintergrund ist wirklich Reif und ich hab zwei Pullis ohne Jacke dabei um variabel zu bleiben und nicht zu viel zu schwitzen. Mein Ziel heute der Gipfel des Monte Chullo mit etwas über 2600m. Die Aussicht oberhalb der Baumgrenze auf die Straße hinab und die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada mit ihren bis zu 3500m hohen Giganten.

Die letzten Bäume liegen also schon unter mir, der Wald hier oben aber alles andere als ursprünglich. Parallele monotone Anpflanzungen, kann man auch auf dem Bild erkennen. Ne Menge ungenutztes Feuerholz auf jeden Fall.

Irgendwann dann auch das erste Schneefeld und Atlas wälzt und suhlt sich ne Runde. Die Sonne jedoch erbarmungslos und ich wechsele immer zwischen erstem und zweitem Pulli. Deshalb der Schnee, der sicherlich recht frisch sein muss angetaut und immer wieder hart gefroren. Ansonsten guckt mich der arme kleine Kerl immer öfter an…“wo willst du hin, ich hab keinen Bock mehr“

Doch irgendwann und ehrlich gesagt zum Schluss sogar recht erschöpft der dünnen Luft wegen, erreiche ich den Gipfel. Da frag ich mich nur wer hier oben noch ein Türmchen für das Gipfelkreuz gebaut hat, oder ob das wegen der Schneemassen sonst nötig war. Auf jeden Fall fühle ich mich als Sieger, wenn auch schon sicherlich Tausende von Menschen hier oben der kurzen Strecke von 4-5Kilometern wegen gelandet sind.

Mal wieder Stille in der man sich atmen hört. Der perfekte wolkenlose Tag für enorme Weitsicht und windstill dazu. Hat sich gelohnt das Fernglas mitzuschleppen und ich bleibe fast ne halbe Stunde um jede Himmelrichtung zu erkunden. Temperaturen 10-15grad passt. Das Foto mit den Schneebergen Richtung Westen wird von ganz oben auch nicht anders, östlich gibt es nicht all zu viel interessante Perspektiven außer kleinere Hügel und Felsen. Nach Süden fotografieren fällt wegen der Sonne aus und so bleibt nur der Blick in meine zukünftige Richtung Norden.

Eine gigantische Solaranlage und rechts davon sogar der Beginn einer noch größeren Windkraftanlage haben aus der Perspektive und Höhe trotzdem Spielzeugdimension. Ich kann sogar mit dem Fernglas die Autos auf der Autobahn nach Granada erkennen. Mein nächster Stop Guadix fällt ebenso ins Bild. Am Horizont sehe ich wahrscheinlich die Hügel um Jaen und Ubeda und damit den Norden Andalusiens. Dahinter dann Madrid, Paris, Brüssel Berlin… oder so ähnlich.
Winken

Der Abstieg dann natürlich bedeutend schneller, wenn auch mit Bedacht. Es wurde merklich wärmer und zurück am Bus stand nun auch schon die Sonne günstig. Ich hab trotzdem genug von Tannenwäldern und Eis, will wieder Palmen, Oliven und Kurze-Hose-Wetter. Abfahrt… das Ziel ist nicht weit, erstaunlicher Luxus… ein Tagesausflug in den Winter.
Die Straße runter vom Pass fast noch steiler und kurviger als meine Anfahrt von Süden. Mal wieder so eine Strecke die ich gerne auf dem Zweirad absolviert hätte… man kann nicht alles haben. Ich bin sehr glücklich und zufrieden mit dem erlebten.

2 Gedanken zu “Ein Ausflug in die Sierra Nevada

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