Nijar

Die spontane Abfahrt aus Cabo de Gata lässt mich auch den Versuche streichen mit dem Bus zur Cala Enmedio zu gelangen. Der Andrangs hier am Wochenende echt gewaltig trotz Mitte Dezember. Das ganze Cap bietet noch weitere tolle Strände und alte Goldminen bei Rodalquiar. Vieles kenne ich schon, ich komme wieder. Die Spanier der Gruppe müssen nach dem WE wieder in die Heimatregion und auch die Franzosen haben Pläne, so besprachen wir einen abschließenden Abend in Nijar um gemeinsamen der Tapas Kultur zu frönen. Eigentlich nicht mein Ding aber es könnte lustig werden.

Wir verabredeten uns auf dem aparcamento municipal mitten im Ort und meine Geschichte beginnt bei der Müllbeseitigung aus dem letzten blog. Wie ebenfalls schon angemerkt beginnen direkt an der Grenze zum Nationalpark (und auch schon davor) die ausladenden Gebiete mit den Gewächshäusern. Eigentlich ist der Begriff zu romantisiert und biologisch für die Folienkonstruktionen umgeben von etlichen Ruinen selbiger und Müllbergen sowie Restehaufen von Plastik. Echt ein erschaudernder Anblick obwohl zur Übersicht die Perspektive fehlt. Schlimmer wird es noch westlich von Almeria wo die komplette Halbinsel zugebaut ist.

Ich kann nicht oft genug erwähnen, was hier in Monokulturen passiert, wo das wenige Wasser herkommt und wer hier illegal für einen Hungerlohn arbeitet und nicht besser haust als in Zelten auf der anderen Seite des Mittelmeeres. Würden die dort wissen was auf sie wartet, wofür das Leben riskiert und der komplette Familienbesitz geopfert wird…. aber ich wiederhole mich und schweife ab.
Ich hätte über die Autovia nach Nijar gelangen können, habe mit meinen Verfolgern aber beschlossen den Weg durch den Park zu nehmen um in Campohermoso Besorgungen zu erledigen. Eine der hässlichsten Ortschaften Spaniens und eingefügt in die Folienlandschaft der Umgebung echt zum Vergessen. Das Industriegebiet bestehend aus Werkstätten und vielen Geschäften mit Chinawaren und „Agrarzubehör“ meist Dünger, Plastikleitungen und Folien. Die Hauptstraße immerhin mit Palmen flankiert und jeder zweite mit dem Fahrrad unterwegs. Klingt ökologisch, sind aber die Klapperkisten der Farbigen die sonst wohl nix haben. Es gibt hier einen Lidl und Dia, eine Ecke mit einigen Fruchthändlern und wir versuchen unser Glück. Entgegen allen Erwartungen ist die Beute mehr als reich was noch mehr Unverständnis hervorruft. Hier wäre eine Art Tafel sicherlich angebracht.

Es gab ne Menge Grünzeug und haufenweise verpackter Schinken sogar Thunfisch, Kaffee, Gebäck und Milchprodukte sowie 11von12 Bier aus nem Pack. Auf dem verabredeten Parkplatz wurde geteilt und da die TapasBars noch ne Stunde bis zur Öffnung haben gab es den ersten Snack mit Bier schon auf dem Parkplatz. Der Platz echt groß und eben, beleuchtet und nun mit 7Bussen und LKW und einem Zelt für den Mopedfahrer besetzt. Parkplatzparty… wer konnte ahnen dass die Bars hier erst 20Uhr öffnen.
Doch dann war es soweit, Manolo kennt sich hier etwas aus und wir parken echt zentral und haben es nicht weit. Die erste Bar dann mit einem Wahnsinns Gedeck. Bier plus zwei Tapas 4,50.

Der erste Teller schon lecker, aber die kompletten frittierten Calamari hier mit Tentakeln in knuspriger Panade… ein Traum.

Es ging dann noch in eine weitere Bar und noch eine… betrunken wird man von den kleinen Bier eher nicht, aber beschwingt war der Abend trotzdem. Wir trafen einen lustigen hageren Spanier der einen Sitzen hatte und mit Mundharmonika und Gitarre die Nachbarschaft beschallte. Wir konnten draußen sitzen, war ein milder Abend und gegen 23Uhr aber auch schon zu Ende, die Bars schließen dann schon. Für mich war das genug, einige Andere haben dann auf dem Parkplatz weiter gemacht.

Dafür war ich morgens wieder fit und nötigte Atlas zum Gassi-joggen. Die weißen Häuser der Altstadt an den Hügel geschmiegt in verwinkelten Gassen recht steil zu bewältigen. Nach oben wollte ich aber

Zwischendurch tanzte auch mal eines aus der Reihe und ein zartes blau bot auch nen hübschen Anblick.

Ganz oben dann das Wahrzeichen von Nijar, ein Turm der früher für Leuchtfeuer zur Nachrichtenübertragung zwischen der Küste am Cabo und Almeria diente. Das Wetter wieder herrlich und nur noch ein paar Stufen.

Toller Ausblick dann über den Ort. Dahinter im Dunstschleier die Gewächshäuser und die dunkleren Berge im Hintergrund der Nationalpark. Auf dem Foto sogar hinter der braunen Kirche die Busse auf dem Parkplatz zu erkennen.

Auf dem Rückweg noch der sinnloseste Kreisverkehr der mir bisher untergekommen ist. Entweder durch die Bänke schlängeln, oder um Baum und Mülleimer herum ins parkende Auto… den Weg hoch in die Altstadt sollte man nur zu Fuß oder mit nem Roller wagen.

Den Rest von Nijar kann man sich sparen, wie jede andere spanische Stadt auch. Vielleicht etwas gepflegter und durch den Berg und einige Flüsse anders aufgeteilt, ansonsten hat man sich hier mal mit Kunst versucht.

aber immer noch besser dort zu investieren als diese überall in Spanien in Mode kommenden „outdoor gym“ mit chinesischen Fitnessgeräten. Der wahre Scheiß, anatomisch völlig sinnlos und ohne Kugellager oder sonstiges ausgestattet und sofort dem Rost ausgeliefert. Ich war ja aus der Fitness-Branche und kann über diese Resourcenverschwendung nur den Kopf schütteln.

Der Parkplatz ist zum Leben erwacht und damit meine ich meine Nachbarn. Wir verabschieden uns allesamt und fahren getrennte Wege. Ich hab mir mal was auf die Agenda geschrieben was so in den letzten Besuchen hier wetterbedingt auch nicht möglich war. Die Sonne lacht und ich will hinein in die Sierra Nevada, hoch auf die Berge. Vielleicht etwas optimistisch der diesjährigen Mehrleistung im Wüstenschiff aber mal sehen. Die Franzosen nach Norden, die Mädels nach Süden, die Spanier nach Osten und meine Richtung … go west.

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