Aussteigerparadies Cala >San Pedro<

Die Kalksandsteinhügel des Nationalparks Cabo de Gata/Nijar östlich von Almeria bilden an der Küste eine schöne Kulisse da von den Gewalten der Natur zu hübschen Formen abgetragen. Wie im letzten Blog beschrieben stehe ich in Plomo und genieße die Zeit. Wanderpfade gibt es hier einige und so verschlägt es mich in die nächste Bucht Cala Enmedio.

Von hier aus nur noch ein Stück weiter und ich wäre wieder in Agua Amarga mit den Höhlen am Strand die in das selbe Gestein gemeißelt wurden. Wäre doch ne schöne Terrasse hier, wenn man auch bei starkem Wellengang feuchte Füße in der Bude bekommen würde. Also bleibt das so unberührt und ist schön anzusehen.

Das Meer darunter klar wie man es sich wünscht, wenn auch die Farbenpracht des Mittelmeeres durch generelle Verschmutzung nachgelassen hat. Viel zu viele grüne Flechten und Algen bedecken den Meeresgrund. Die nitratverseuchten, überdüngten Felder und Gewächshäuser in Spanien tragen sicherlich ihren Beitrag dazu bei ähnlich wie bei uns die tote Ostsee.

Die Bucht Enmedio mit einem herrlichen Sandstand und am Tage meines Besuches völlig einsam. Ich glaube ich komme nochmal wieder, hab eigentlich nur ne kleine Runde Gassi vorgehabt und weder Wasser noch Verpflegung dabei. Der Weg hat sich aber auf jeden Fall gelohnt.

Auf dem Rückweg macht es mich neugierig, ob man nicht doch mit dem Bus hierher gelangen könnte. Mit nem kleinen 4×4 definitiv, also checke ich mal die Route optisch zu Fuß ab. Zwischendrin eine Bauruine die eigentlich Potential hat. In den Hügeln kurz vor der einsamen Bucht wunderschön gelegen und all die Steine sicherlich nicht zu Fuß hergeschleppt, das stimmt mich für mein Vorhaben optimistisch.

Mal wieder völlig unverständlich, was die halben Mühen bis zu diesem Stadium hier sinnlos gestoppt hat. Das “Anwesen” sogar mit Atrium und einer tollen Aufteilung. Illegal im Naturschutzgebiet erreichtet oder wegen Wassermangel aufgegeben? Schade, oder doch gut so?

Die Zufahrt wäre mit wenigen Handgriffen für jedes Vehikel befahrbar, nicht angenehm und materialschonend aber sicherlich ein Spaß. Mein Gang führt mich über weitere steinige teils steile Pfade, breit genug mit aber so einigen Stolpersteinen und Auswaschungen. Ich freue mich schon auf etwas offroad… Piste kann man das ja kaum noch nennen.

Ziemlich weit zurück Richtung Hauptstraße und parallel zur Zufahrt der Cala del Plomo, wie man mit einem Blick zurück erkennen kann, führt mich der Weg. Die beiden Buchten nur von einem Berg getrennt, der Weg dazwischen aber nicht mal mit dem Motorrad zu machen… hätte ich mein Trialsbike vom letzten Jahr noch wäre das ne Herausforderung. Genug gesehen, ich suche querfeldein den Heimweg.

Aber auch in die andere Richtung kann man super wandern. Direkt hinter den paar Häusern in Plomo steil den Berg hinauf kann man mit mittlerer Ausdauer und ein paar Stunden Zeit San Pedro erreichen. Weltberühmt und als Aussteiger und Hippie Bucht bekannt gibt es dort definitiv keine Zufahrt außer mit dem Boot. Die meisten Besucher kommen von Las Negras aus der anderen Richtung und am Wochenende aus Erfahrung in Massen. Der kleine Pfad von Norden die ruhigere Alternative. Südlich kenne ich von früheren Besuchen schon, bin auf die Tour gespannt.

Den Blick zurück nach Plomo hatte ich im letzten Blog schon, mittendrin aber ist pure Natur zu bewundern, ohne ein Lüftchen fast totenstill. Ab und an mal ein rascheln oder piepsen, dazu wahnsinnige Aussicht. Ca 5km und 90 Minuten später dann der erste Blick auf die Cala San Pedro. Man hört Musik und kann doch nur schwer Zivilisation entdecken. Zur Veranschaulichung hab ich mal alle ersichtlichen Behausungen rot eingerahmt. Der Baustoff Naturstein und Treibholz macht sich gut.

Auf halber Höhe des steilen Abstiegs (der später auch der Rückweg ist) hat man einen tollen Überblick und hört das ausgelassene Leben dort unten nun recht deutlich. Am Strand ist was los, es werden Boote beladen und neben der Musik hört man auch ab und an Hämmer und andere Werkzeuge in Aktion. Weitestgehend autark kann diese Gemeinschaft aber doch nicht existieren, oder? Dazu fehlt es auf den ersten Blick an mehr Beeten und Nutztieren bei der Menge an Einwohnern. Viele kommen hier für ein paar Wochen oder Monate zu Besuch, bringen sich ein und verschwinden dann wieder. Wäre so auch mal ein toller Winter.

Am Strand dann ein – zwei Bars und eine weitere Taverne entsteht gerade. Es gibt kleine Verkaufsstände mit selbstgemachtem Schmuck und anderen Souvenirs die durch den ständigen Touristenstrom Devisen einbringen. Auch die hübschen Segelyachten vor Anker sind eher nicht von den Bewohnern. Hat schon bissel was von modernem Zoo. Trotz des Vormittags mitten in der Woche zähle ich rund 20 Besucher, die alle aus dem Bild stechen. Einige Wanderer, andere mit Kajaks hergepaddelt. Das Wetter heute auch herrlich und ich nur mit kurzer Hose und offenen Haaren optisch und gefühlt irgendwie “einheimisch”. Es fühlt sich an wie im Paradies, etwas beschwingte Musik, ein paar Jongleure am Strand, etliche freie Hunde die Atlas begrüßen… traumhaft. Ich halte mich aber mit dem knipsen etwas zurück. Das hier jedoch idyllisch.

Wie gesagt, könnte mir gut vorstellen wenn alle Stricke reißen sollten, hier ne gute Zeit zu verbringen. Man muss schon etwas exhibitionistisch oder extrovertiert veranlagt sein, auch irgendwie handwerklich begabt sein, finde ich und hätte da nix dagegen. Die Kombination des Kindheitstraumes auf ner einsamen Insel zu stranden sich ne Unterkunft zu gestalten und als Selbstversorger sein Gemüse anzubauen wäre eine tolle Vollzeitbeschäftigung. Dafür… nur die Kokosnüsse fehlen.

Wasser gibt es hier aus zwei Quellen definitiv genug, nur leider sehe ich immer noch wie von oben zu wenige Beete zum Anbau. Bleibt den Meisten also doch nur der Weg zum Supermarkt, schade. Noch viel verschwenderischer finde ich einen komplett dick und füllig behangenen Carob (Johannisbrotbaum) wo die meisten Schoten einfach am Boden vergammeln. Gesund und lecker das Zeug… könnte man so viel draus machen oder einfach knabbern.
Man stelle sich vor: mit nem Rucksack voll Reis und Bohnen als Startkapital plus etwas Saatgut und nem Angelhaken… irgendwann … ich träume. Wenn ihr bald nix mehr von mir hört, nicht das schlimmsten annehmen, es geht immer weiter. Auch für mich jetzt lieber wieder auf den Rückweg, bevor ich doch meine mittelfristigen Pläne überdenke und hier bleibe.

Der letzte Blick von der wohl einzigen richtigen Terrasse einer instandgesetzten alten Ruine mit dem zentralen Zugang zum Strand. Sowas dann wohl von der führenden Elite hier bewohnt, oder als Gemeinschaftshaus benutzt. Keine Ahnung, würde mich etwas mehr interessieren wie hier die Organisation läuft. Wenn jemand weiß wie das hier läuft… der junge Spanier unserer Truppe hatte hier zwar mal nen Monat mit dem Zelt gewohnt, aber doch keine weiteren Infos parat.
Aber wie gesagt, andermal. Definitiv einen Ausflug wert, wer hier mal in der Nähe ist. Zurück nach Plomo und irgendwann auch wieder weg von der Küste. Die 7km Piste zur Teerstraße gut befahrbar und mit der Sonne im Rücken auch mal abzulichten. Es geht ins nächste Abenteuer… wer, wie und was erfahrt ihr demnächst.

Doch eine Mission muss ich meinem Gewissen und den Karmapunkten zugute noch erledigen. Den gesammelten Müll der unzähligen spanischen Angler und unserer Truppe plus dem Zeug was sonst so in der Gegend rum lag auf dem Anhänger verschnürt aus dem Nationalpark schaffen. Unglaublich, leider aber überall so. Ich kann nur Generalanklage erheben, Leute, kümmert euch um euren Müll, vermeiden ist der erste Schritt, den Rest nirgends liegen lassen eine Selbstverständlichkeit… eigentlich.

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2 thoughts on “Aussteigerparadies Cala >San Pedro<

  1. Detlef says:

    Das mit dem Müll ist leider schon immer so gewesen. Als wir so vor 34 Jahren da mal nur von P. an der Küste hoch wollten, lag auch schon der Müll überall herum und Nachts haben sie die großen Müllkippen angezündet. Man kann sich nicht vorstellen wie es überall gestunken hat.
    Aus dem Grund, sind wir die anderen Jahre immer nur im Norden durch Spanien gefahren.
    Aber Danke für die Doku. Gerne weiter so.

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