La Azohia und ein toller Ausflug

Vom letzten Stopp an der heißen Quelle aus war es nicht weit zum nächsten Ziel. Dank der ClimbAway App hab ich ein Klettergebiet an der Küste etwas östlich von Mazarron entdeckt. Ein Parkplatz in der Nähe und trotzdem nah am Wasser ist Garant für andere Kletterer die ich zur Sicherung fragen kann. Zu containern gab es nix, hab aber noch genügend Vorräte. Der Weg führt vorbei an Isla Plana nach La Azohia in eine Sackgasse. Dahinter nur noch Felsen und Klippen bis Cartagena. Die Ortschaft ruhig und gepflegt, logisch treffe ich auf andere Camper, hatte ich ja erwartet. Aber der riesige Schotter Parkplatz schräg am Hang mit rund 50 Wohnmobilen war dann doch ein Schock. Ich parke mittig ab, wird nicht für länger sein und scheue mich mit Hund mal in der Gegend um. Der Sonnenuntergang auf jeden Fall das schönste heute am Abend.

Am nächsten Morgen dann nach kleiner Runde Jogging zum Aufwärmen auch wie gehofft jemanden zum Sichern an der Kletterwand getroffen. Werde auch nix kompliziertes probieren, bin schon seit ein paar Monaten nicht mehr regelmäßig dabei. Die Routen nicht hoch und in mittlerer Schwierigkeit, alles ganz ideal für das Einläuten der Wintersaison.

Macht wieder Spaß und Aussicht gibt es auch von oben. Besser gesagt Überblick über den Camperplatz mit hauptsächlich Deutschen, ein paar Franzosen und Holländern und darunter einem Gespann, dass in der blogger Szene seit Jahren berühmt ist. Johnson Globetrotter trifft man hier auch an.

Ich habe von einem Kumpel erfahren, dass hinter dem Hügel eine sehenswerte alte Befestigungsanlage hoch oben über der Bucht thront. Aufs Rad und los. Campillo de Adentro heißt der Ausgangspunkt und war schon ein gutes Stück Fahrt. Irgendwie war ich aber nicht mehr ganz so motiviert und kehrte dort um . Ich schmiedete lieber neue Pläne für Morgen. Der Abend also mal mit Zeit für kulinarisches. Ein Haufen Tomaten gab es noch zu verarbeiten und die Lasagneplatten fahre ich auch schon ein Jahr spazieren. Warum also nicht mal wieder den Backofen anschmeißen.

Es hat schon den Hauch von Luxus im sonst recht simpel gehaltenen Bus etwas überbacken zu können. Das Ergebnis entlohnt alle Mühen, ich kann nur schwärmen und zeige stolz mein mehrstöckiges Pasta-Gericht

Durch die Kalorien vom Vorabend angespornt musste am Morgen mal die gesamte Länge der Strandpromenade unter die Sohlen genommen werden. Mangels Wildnis um den Platz herum war ich auch über ein Strand-Klo glücklich und sah über die rostige Schüssel und deren Zustand hinweg. Manche sind Heimscheißer, ich buddel mir am liebsten ein Loch in der Natur.
Für den Exkurs von heute auf die Festung hinauf soll also der Bobber klar gemacht werden. Er lief zuletzt vor zwei Monaten in Berlin und hat zum Schluss noch eine Tankentrostung mit Zitronensäure bekommen, sehr zu empfehlen. Der dabei entstehende Schutzfilm hat auch jetzt noch keine neue Anrostung obwohl schon ne Weile kein Sprit mehr drin war. Meinen Kanister hab ich in Berlin vergessen, muss also mit ner Wasserflasche im Rucksack zur Tanke radeln. Super 98 ist hier Tiefblau und kostet aktuell 1,30.
Auf dem Rückweg noch an der Cueva del agua halt gemacht. Eine Höhle die einige Meter entfernt von der Küste klar und still mit Wasser gefüllt ist. Komme leider etwas zu spät, da zwei Taucher davor gerade wieder ihre Ausrüstung zusammen packen. Muss also interessanter sein und unterirdisch weiter führen.

Das Motorrad klar machen hieß dann erstmal den Benzinhahn wieder abdichten. Beim rumfragen auf dem Platz komme ich zu nem deutschen Pärchen in den 50ern die ihren Hausstand aufgelöst haben und im Wohnmobil rumreisen wollen. Der 1500kg Anhänger als 2Meter hoher Kasten ist bis oben hin voll mit Kisten. Da geht reduzieren noch die nächsten Jahre von Statten. Auch mit dem mobil und frei sein hapert es noch etwas, sie sind hier Platzälteste und stehen seit August… Mir fehlen die Worte. Nette Leute und der erste Schritt ist getan, aber allein Spanien ist groß und die Gegend alleine hat so viele schöne Plätze… Immerhin erfahre ich was zur Geschichte dieses Platzes hier. Privatbesitz, wie man an den zu verkaufen Schildern unten sehen kann. Gehört den beiden Brüdern die links und rechts davon eine Bar und Restaurant betreiben, züchten sich quasi ihre eigenen Kunden. Es soll wohl mal Streit geherrscht haben und der Platz wurde geräumt. Darauf hin hat der Betreiber des einzigen kleinen Supermarktes hier und damit im Umkreis von 8Kilometern mit seiner Aufgabe gedroht und den Platz wieder “öffentlich” bekommen. Ohne die Camper kann er schließen und alle Einwohner müssten bis nach Mazarron fahren für jede Besorgung. Besagter Spar-Markt hat auch eine Tonne und ich fand zwar nur Croissants und Donuts, aber immerhin.

Die Geschichte geht also mit dem Bobber weiter, der abgeladen schon einiges Aufsehen auf dem Platz erregt. Alte Haudegen kommen zum quatschen und ein zwei Experten sind auch dabei und wissen noch was ne Güllepumpe ist. Ich hab grad noch ne Undichtigkeit am frisch restaurierten Vergaser entdeckt, die beiden neuen O-Ringe am Spritrohr waren dann wohl nicht Benzinfest… Das Teflonband frisch dazwischen hält hoffentlich schon ne Weile. Die Batterie hat es auch nicht überlebt wusste ich aber schon in Berlin. Also per Starthilfe anschmeißen und zur Siesta den Platz zum beben bringen. Rotzt und prustet, spuckt und knallt… läuft nur auf einem Zylinder. Kerzen tauschen macht es auch nicht besser. Ich will aber heute unbedingt fahren und nicht nochmal den Zerstäuber, dann diesmal komplett zerlegen. Also Risiko und Hoffnung. Jacke, Hose, Stiefel Helm…fertig ist der Bösewicht und die Grüppchen auf dem Platz wettern schon… das Ding hat niemals Tüv…viel zu laut… blabla…

Starthilfekabel im Rucksack darf sie trotzdem nicht unbedingt ausgehen. Der Zweite Zylinder kam auch die ganze Fahrt über nicht mehr dazu… muss also doch nochmal an den Vergaser. Fotos an der Strandpromenade müssen aber sein. Herrliches Gefühl mal wieder im Sattel zu sitzen. Im Nachhinein erfahre ich es war Sonntag und somit der erste Advent. Kein Wunder warum nur ein Töpfchen brennt. Die kurvig enge und steile Strecke hoch zu den “Batterias” echt ein highlight in dieser Ecke, sehr zu empfehlen. Wer es etwas zugiger mag und das Meer nicht unbedingt anfassen will kann hier oben auch super stehen, vor dem Wochenende einen Platz suchen wäre zu empfehlen, tolle Aussicht gewiss.

Es gibt einige Wanderwege um die Festungen und Kanonen, sicherlich sehr interessant, doch das basteln hat länger gedauert und der Tag neigt sich dem Ende. Die Schatten sind lang und falls ich doch noch liegen bleibe muss das nicht in der Dunkelheit sein, vernünftig ist er ja trotz aller Flausen im Kopf. Also Abfahrt und den Punkt für später speichern… irgendwann ist dafür immer noch Zeit.

Noch ne Nacht auf dem Platz halte ich sicher auch aus. Der Abend wurde gemütlich bei nem Lagerfeuer und Globetrotter-Geschichten, da sich auch noch die “groovehummel” auf dem Platz einfand, Zufälle gibt’s… und allen eine schöne Zeit gewünscht. Kurze joggingrunde am nächsten Morgen. Die andere Richtung der Promenade folgen, endet in Sichtweite am Turm oberhalb der letzten Häuser von La Azohia. Das Ding immerhin 500Jahre alt und hübsch intakt. Frei zugänglich und mit Infotafeln bestückt.

Die kleine, schmale, steinerne Wendeltreppe hat wer weiß wie viele Umdrehungen aber Licht ist am Ende jedes Tunnels und die Aussicht vom Dach… naja, etwas weiter als von unten. Das nächste Ziel jedoch noch nicht in Sicht.

Ich packe alles und bin vor der Mittagszeit abfahrbereit. Alles erledigt und gesehen was hier interessant scheint. Der nächste Phoenix-Camper rollt auch schon auf den Platz und schaut wie er seine Rampen und Keile am effektivsten einsetzt um die Reisevilla auszutarieren. Abfahrt und über den Frittenölgeruch aus meinem Auspuff wird wohl auch noch ne Weile gesprochen. Vorbei an den Gewächshäusern und Plantagen, halte ich auf die nächsten Berge zu. Ich hab ne grobe Idee, mal sehen was sich heute noch verwirklichen lässt.

Advertisements

3 thoughts on “La Azohia und ein toller Ausflug

  1. Hans aus Köln says:

    Meinen täglichen Reisebericht gib mir… Immer wieder amüsant zu lesen und schürt mein glimmendes Reisefieber. Ende Januar gehts bei mir wieder los gen Süden…
    Hei hei, Hans aus Kölle

    Like

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Google photo

You are commenting using your Google account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s