Titty Twister

Nach dem Aufenthalt in Peniscola ging es also zurück auf die N-340 um die Sierra d’Irta zu umfahren. Parallel zur Autobahn geht es hier recht zügig nach Süden. Natürlich nicht zügig genug für den nachfolgenden Verkehr. Doch an der einspurigen Strecke mit Überholverbot kann ich nunmal auch nix ändern, sollen sie doch ihre Autobahn nutzen, ich bleibe gemütlich bei 60-70km/h. Doch auch mir wird schnell langweilig und ich suchte eine Abwechslung entlang der Strecke. Orpesa hieß der kleine Ort, der mit einer “Plaza del Toros” und einem Castillo interessant wirkt. Mittagspause und Rundgang in Einem. Und dazu steht neben dem Weg hoch zur Festung noch der erste Karob-Baum auf dieser Tour. Also Johannisbrot und als JB-Kernmehl auch bei uns bekannt. Doch die Hülsenfrüchte kann man ohne die schwarzen Kerne im Inneren auch so super knabbern. Etwas süß, irgendwie schokoladig. Vor allem Bio und gratis…

Das Castillo oben immerhin ein gepflegter Ausguck und mit QR-Code-Audioguide sogar interessant. Ausgrabungsstätte und Touristenmagnet in einem, dazu noch ne fette Sendeantenne auf einem früheren Turm. Der Blick aufs Meer dann mit dem üblichen Betonquaderpanorama.

Die kleinen Gassen der Altstadt beim Abstieg hübsch anzusehen. Doch die Küste von “Orpesa del Mar” natürlich mit Hotels und Appartementkomplexen wie überall am Mittelmeer zugebaut.

Der Blick in die andere Richtung zeigt Nationalstraße und etliche Orangen-, Oliven- und Mandelplantagen in der Ebene bis zu den nahen Bergen. Die Stierkampfarena nicht nur wegen ihrer (hoffentlich früheren) Funktion abstoßend, auch der moderne Bau ist nicht was ich erwartet habe.

Aus dem Audiokommentar aufs Telefon geladen habe ich herausgehört, dass in den 80er Jahren mit dem Bau hiervon die mobilen Versionen abgelöst wurden und heute Veranstaltungen jeglicher Art darin stattfinden können. Trotzdem weit weg vom Charme römischer Arenen oder griechischer Theater.

Doch ich bin ausgeruht für die nächste Etappe, für heute kein Ziel angepeilt, mal schauen was mich noch so erwartet und wo es mich hin verschlägt. Erst einmal geht es in weitem Bogen um Castellon herum. Das Wetter lädt auch nicht zum Verweilen ein. Ebenso passiere ich Villa-real und Nules und hab mal wieder ne Pause nötig. Schnellstraßen haben kaum Rastplätze oder ähnliches. Und so finde ich mich auf dem Parkplatz eines Truckertreffs ein. Irgendwie auf den ersten Blick unheimlich, hier ist nämlich keine Sau. Das Tor war offen und die Anlage auch mehr als nur ne Kneipe.

Vor nicht allzu langer Zeit anscheinend Restaurant/Club/Camping und Rasthof in einem. Türen verrammelt, Fenster vergittert oder zugemauert… ich mache meine Runde auf dem Gelände. Ein ehemals schönes WC-Duschhaus in herrschaftlichen Dimensionen ist komplett vom Vandalismus zerstört. Überall zerschlagene Waschbecken und Spiegel, kaputte Fliesen, Atlas bleibt lieber mal im Bus. Überall kämpft sich die Natur ihr Revier zurück und hinterm Haus sieht es richtig wüst aus. Ich fasse es nicht, aber eine komplette Halle voll Dekoration und Baumaterialien steht verlassen und ist Heimat für freie Hunde die mir aber aus dem Weg gehen. Als Entschuldigung für diese Störung lasse ich der Bande einen Haufen Futter zurück, hab letztens erst mehrere Säcke davon gefunden und für Atlas habe ich mehr als genug, der Rest den Streunern des Landes die da noch zahlreich kommen werden.

Vier Meter hohe Statuen, ein 2m großer Elefant und ein Haufen Amphoren und Fliesen auf mehreren Paletten, Sanitärkeramik und Rohre jeglicher Art. Hätte ich was zu bauen in der Umgebung läge hier genügend Material um es auszuführen. Doch richtig sprachlos werde ich erst auf der Freifläche im Bildhintergrund.

Ein Nissan 300ZX und damit eine Karre die ich früher gerne durch die Gegend gescheucht hätte… teilgeschlachtet und zerkloppt, mit dem Affen auf dem Sitz gruselig. Der Schöne 6Zylinder Biturbomotor noch verbaut… ich könnte ausrasten.
Ich stöbere also überall rum und fröne natürlich meiner Sammelleidenschaft… wenn auch zurückhaltend. Aber ein altes spanisches Nummernschild und nen Hemmschuh kann man immer gebrauchen, Kabel auch. Doch den Jackpot gewinne ich mit dem Reifen. Nagelneu, noch mit Aufkleber und eine Dimension die der auf meiner Hinterachse ähnelt. Ich hoffe ihn nicht brauchen zu müssen, aber nen Ersatz für meine dicken Pellen hatte ich bisher nicht dabei.

Ich schleppe meine Beute zum Bus und will schon fast abhauen… könnte die Geschichte jetzt aber noch aufbauschen. War da ein Geräusch, eine Bewegung? Ich schau mal genauer am ehemaligen Haupteingang nach. Gitter zugesperrt, aber die Glastür offen. Ein Blick hinein nur vage mit den Reflexionen möglich. Ein gruseliger Weihnachtsmann steht im Vorraum, dahinter an der Bar erkenne ich Schnapsflaschen und Gerümpel. Jetzt fehlt die dramatische Musik, aber achtet mal auf den Stuhl an der inneren Tür… Wer zum Teufel sichert das in diese Richtung ab? Soll hier jemand oder etwas nicht raus? Hab ich da hinten was flackern sehen? Schleift da was über den Marmorboden?… Ich muss weg.

Irgendwie schaffe ich es wieder hinters Steuer und lasse meine Reifen auf dem nassen Asphalt durchdrehen… ok, spätestens hier endet die Geschichte und es folgt die Realität. Ich mache mich trotzdem vom Acker und hab passender Weise einen Soundtrack im Radio zu laufen… der wiederum ist auch die Auflösung der Blogüberschrift. >From Dusk till DawnTitty Twister Bar< an einer Straße im Nirgendwo könnte auch locker hier gewesen sein.

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