Das Ebro Delta

Eingeklemmt zwischen Küste und Bergen liegt Barcelona recht dicht bebaut da. Die quadratisch angeordneten Straßen machen zumindest die Richtung finden einfach. Es gibt einige Hauptrouten autobahnähnlich durch den Dschungel und rein finden vor dem Berufsverkehr war einfach. Schnell wieder raus jedoch wird von Baustellen und Pendlern vereitelt. Außerdem finde ich mich mal wieder nicht optimal westlich der Stadt in dem Gewirr von Autobahnen und Schnellstraßen zu recht und fahre sinnlose Umwege. Straßenbeschilderungen verwirrend, die Ferienregion um Sitges soll von Durchreisenden frei gehalten werden, ist aber mein Zwischenziel und ab und an muss ich dem Navi widersprechen. Die kleine gewundene Küstenstraße mit herrlichen Parkbuchten ist mein Pausenziel zum zweiten Frühstück.

Fotos davon gibt es schon genug, ich hatte Spaß an den Kehren durch die hügelige Küstenstrecke und war trotzdem Anführer eines Autokorsos mit vereinzeltem Hupkonzert der Verfolger. Bis Calafell zieht die Route durch einige zugebaute Küstenorte. Danach hört das plötzlich auf und um der Autobahn auszuweichen muss man ein Stück in die Berge… aber dann bald beginnt die N-340 die mich nun eine Weile begleiten wird. Der Küstenstreifen wenig spannend, meist öde Sandstrände mit Hotelburgen und Wohnblocks zugepflastert, ab und an mal ein paar wildere Ecken und Klippen. So zieht es sich auch vorbei an Tarragona zum Ebrodelta. Immer gerne ein Stop von mir und das Wetter passt. Ich hab vor ein paar Tage Pause zu machen und brauche Wasser. Wo am Besten bunkern?, klar am Friedhof.

Bei den Tanken gibt’s hier nix, erst Recht nicht gratis. Selbst Luft muss man kaufen. 5Minuten 1,-€, Frechheit. Das Wasser am Friedhof wie überall zwar gechlort, aber dafür hab ich ja die Wasserfilteranlage. Voll bepackt geht es durch die flache Landschaft von Reisfeldern gesäumt nach Deltebre, dem Knotenpunkt hier. Die einzige Brücke über den Ebro um im Süden an den Strand zu gelangen.

Der Strand Trabucador ist lang und breit. Eine Sandpiste führt fast 10km zur Saline Trinidad am anderen Ende und daneben immer mal kleine Ecken zum gemütlich stehen. Etwas höher ist das Wasser aber auch hier noch und fahren auf feuchtem Sand macht mal wieder Spaß. Ein passender Platz gefunden, hier kann ich bleiben, Flut gibt es nicht (hoffentlich).

In der Gegend ist auch vor Jahren das Titelfoto der Blogseite entstanden. Nur die Carmargue kann noch ähnliches bieten und der sehr ruhige und seichte Bereich der Landseite gegenüber ist manchmal spiegelglatt bei Windstille. Wenn man günstig steht kann man Sonnenauf- und Untergang über Wasser bestaunen. Die Sonne verschwindet am Fuße der Berge des Festlandes hinter der Lagune.

Ich habe nun endlich “Urlaub” und tagsüber knallt sogar die Sonne. Ich genieße die Zeit und Atlas kann den ganzen Tag rumstromern, hier ist man völlig abgeschieden. Ok, nicht ganz, es ist Wochenende und ein paar Angler und Ausflügler lassen sich doch ab und an blicken. Mir steht es nach Sport, Lesen und schreiben. Die Gegend mit dem Fahrrad erkunden. Der feste Sandweg hinter zur Saline eine kleine Trainingseinheit.

In den dahinter liegenden Nationalpark kommt man nur am Strand entlang der weit anstrengender zu bewältigen ist. Vorhaben als Duathlon für Morgen geplant, ich brauche nen Schloss um das Rad hier zu lassen und Wasser. Reicht also für heute. Gegen Abend dann die obligatorische Tageslichtverabschiedung, dank Wochenende mit doch einer Schaar Schaulustiger am Parkplatz eingangs der Sandpiste. Dort stehen auch einige größere Camper und haben sicherlich keine so ruhige Umgebung. Dafür vielleicht aber nicht so riesige Mückenschwärme wie um mich herum. Die stehen in Wolken über den umliegenden Grünflächen. Abends also Fenster dicht und mit der Fliegenklatsche auf die Jagd. Nachts die Ruhe selbst nur mir leichtem Wellenrauschen untermalt. Die Entfernung knapp 100m und alles bei Neumond ziemlich dunkel. Die ersten Strahlen dann wieder von Osten her.

Meine Duathlon-Pläne werden etwas vereitelt. Der angestrebten Leuchtturm am Ende der Halbinsel ist nicht zugänglich. Nicht dass mich unwegsames Gelände erwartet, nein endlos wirkender Strand. Aber Respekt vor der Natur und deren Wunsch nach Abgeschiedenheit…

Die Fahrspuren anscheinend vom einmal täglich passierenden PickUp mit Nationalpark Beschriftung. Leuchtturmwärter oder Ranger, auf jeden Fall offiziell. Meine letzte Möglichkeit ein Aussichtsturm für Vogelbeobachtung. Im Hintergrund sieht man den gigantischen Salzberg der täglich aber unmerklich von einigen LKW abgetragen wird. Die Höhe schätze ich auf 15-20m und die Länge auf knapp 100m. Was da an Salz rumliegt kann man sich nicht vorstellen.

Quer durch als Abkürzung zum Ende der sichelförmigen Halbinsel zu gelangen wäre auch unmöglich. Sumpfland und struppige Vegetation. Vogelschutzgebiet.

Ich gönne mir noch einen weiteren Tag mit dem Vorhaben das Delta per Fahrrad in die andere Richtung zu erkunden. War im letzten Jahr mit der Schwalbe hier unterwegs und die kleinen Wege zwischen den Feldern können auch interessant sein. Wie erwähnt meist Reisanbau. Vereinzelt stehen Bauernhäuser und ab und an mal ein größerer Betrieb mit modernerem Gerät. Umpflügen braucht hier richtig Leistung und Allrad, auch der Anhänger mit angetriebenen Rädern. Toll anzusehen und die Vögel dahinter freuen sich auch.

Altmodisch hab ich sowas auf nem kleineren Feld nur mit Heckantrieb auch gesehen. Der Trecker mit dünnen Scheibenrädern vorne um die Spur zu halten und hinten durch drehende gigantische Trommeln statt Rädern der gleiche Effekt… alles Grütze was übrig bleibt. Hier mal als erkennbares Objekt. Wie man sieht in Aktion so gut wie nicht zu erkennen, da Schlamm in jede Richtung spritzt. Das wäre doch mal nen Job für mudracer und Motoraffine Tüftler…

Ich fuhr erneut bis zum Ebro und rauf auf die Brücke, mein Telefon ließ mich im Stich (mal wieder der Akku) und damit auch meine Navigation. Da ich aber am Wasser stand sollte ich den Bus finden. Folge also dem Fluss und später dem Strand. Dabei entdeckte ich die erste Sammelstelle für “Küchenöl” auf dieser Tour, Beute sichtbar, hole ich auf dem Rückweg.

Nach einigen Tagen Pause mache ich mich also wieder auf. Gestern war hier noch eine Fernsehproduktion im Gange, der ich ab und an durchs Bild fahren musste. LKWs, Aggregate, Cateringzelte und meiner Meinung nach zu viel Aufriss für nur eine Szene…
Irgend eine Tussi, die auf ner Caferacer BMW die wiederum auf nem Anhänger stand durch die Gegend kutschiert wurde. Danach der Stuntmen in Fahrradtempo über den Sand von einer gigantischen Drohne verfolgt… die hätten mir das Ding mal geben sollen, hätte die BMW alleine fliegen lassen. Der Bobber muss aber noch auf seinen Einsatz warten. Will schon mal wieder Motorrad fahren.

Die Sandpiste dann wieder der Weg zurück in die Zivilisation.

Unweit des großen Teiches dahinter dann ein weiteres Vogelschutzgebiet im weitläufigen Flachwasser. Von hier aus sieht man nur haufenweise helle und dunkle Punkte.

Zum Glück mit Fernglas ausgestattet kommt nun der Ornithologe in mir hoch. Haubentaucher und Kormorane, Reiher und weitere Stelzenvögel und dazu die größte Ansammlung von Flamingos die ich je gesehen habe. Hier ein Ausschnitt durchs Fernglas fotografiert. Das abwechselnde Köpfe heben hat schon eine Faszination ausgeübt der ich einige Minuten verfallen war.

Das EbroDelta also ein lohnenswerter Stop mit 50km Umweg auf dem Weg in den Süden. Vor allem habe ich dort noch 15Liter reines Frittenöl eingesammelt, welches mich quasi 100km weiter bringt. Ich lasse es diese Tour echt langsam angehen, mich treibt nix, kaum Termine, mal gucken wo es als nächstes hingeht. Erstmal folge ich dieser gemütlichen Straße und habe plötzlich und verständlich null Bock auf Hauptverkehrsstraßen.

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