Tarnschlucht nach Millau

Die Tarnschlucht war den Abstecher von der A 75 echt wert. Ich habe zwischen den hohen Felswänden mit bewaldeten Hängen bei totaler Dunkelheit bei ständig rauschendem Wassers gut geschlafen. Dazu gab es ein unaufhörliches Tröpfeln auf meine Solarpaneele, die direkt überm Bett installiert sind und somit diese Geräusche abmildern. Die Entscheidung den Uferparkplatz nochmal zu wechseln stellte sich am Morgen als gut heraus. Der gestern noch klare Fluss hat sich über Nacht in schlammige Brühe mit vielen mitgewirbelten Blättern und Ästen verwandelt. Außerdem ist er weit über sein übliches Bett hinausgetreten. Der Parkplatz in Saint Enimie wahrscheinlich abgesoffen.

Pünktlich zum Morgen stoppt der Regen und lässt meine Tagespläne nicht ganz ins Wasser fallen.
Ich hab gestern ja auf der anderen Seite eine kleine Ortschaft entdeckt zu der es keine Straße oder Brücke gibt. Aber einen Wanderweg von La Malene aus, der nun also von mir und Atlas unter die Füße genommen wird. Etwas sportlicher um ehrlich zu sein in voller Jogging Montur, falls es doch wieder zu regnen anfängt. Klingt nicht clever, ist es aber, bin dann eh schon von innen durchgeschwitzt, da schadet Regen obendrauf auch nicht mehr. Rüber über die Brücke und rein in den Pfad.

Der Weg war schon eine ganze Weile, wahrscheinlich seit dem Sommer nicht mehr benutzt, kann also nicht der Einzige in den Ort sein. So gut wie zugewachsen und durch die vom Regen triefnassen hängenden Pflanzen werden wir beide schon von allen Seiten durchtränkt. Ein Spaß ist es trotzdem und mein kleiner Begleiter rennt voraus und tobt um mich herum. Es wird unwegsam und ab und an gibt es umgestürzte Bäume die überwunden werden müssen. Ein Spaß und Abenteuer.

Eine Sektion am Ufer ist wegen dem Hochwasser nicht passierbar. Das muss aber häufiger vorkommen, es gibt hier ne Alternative über den Berg, großartig auch noch ne Bergwanderung dazu. Ohne die Straße am anderen Ufer würde ich mich vollkommen von der “Außenwelt” abgeschieden fühlen. Vor mir scheucht unsere Anwesenheit ein Pärchen Steinböcke auf, er mit gewaltigem gedrehten Geweih und massigem Hals, sie filigraner und hinterher den Hügel hinauf sodass es vor mir Steine regnet. Langsam mache ich mir Sorgen wer mich hier findet, wenn ich auf den glitschigen Felsen ausrutsche… zumindest voller Telefonempfang.

Entschädigung für die Strapazen wartet aber mit dem zum Greifen nahen Örtchen Hauterives welches von oben betrachtet malerisch vor mir liegt.

Ähnliches habe ich öfter schon in Marokko gesehen und besucht, abgelegene Orte ohne Infrastruktur gibt es in Afrika auch noch mehr als man denkt, aber hier in Frankreich?
Kann man sich echt nicht vorstellen, wie hier alles zum Leben notwendige rangeschafft wird. Die paar Paddelboote auf der anderen Seite des nun stark angeschwollenen Flusses können auch nicht die Lösung sein. Die Seilbahn im Ort jedoch schon, ohne Geländer aber sicher nicht für den Personenverkehr.

Der Ort wirkt verlassen, einige Herbergen die im Sommer Kanuurlauber und Wanderer beherbergen, ansonsten treffe ich keine Menschenseele. Ok, es ist erst gegen 8uhr morgens aber auch sonst ist alles ruhig.

Die Wege alle ziemlich schmal und die Umgebung steil. Bewirtschaftung der umliegenden Flächen ist sicherlich aufwändig. Eine kettenbetriebene motorisierte Schubkarre entdecke ich, ansonsten gibt es hier immerhin Strom. Ein Paradies für Ruhefanatiker.

Was mir besonders ins Auge fällt die naturnahe Bauweise, Steine aus dem Fluss und von den Hängen, selbst die Dächer sind mit groben Platten bedeckt, wie hier im Vordergrund zur Ausbesserung herum liegend zu bestaunen. Auch die Kaminzüge eine originelle und funktionale Alternative.

Ich hab alles gesehen und muss warm und in Bewegung bleiben, also wieder zurück. Genau jetzt setzt auch wieder der Regen ein, kann ja super werden. Halbe Stunde Geländelauf steht mir noch bevor. Das zusätzliche Wasser lässt den Fluß und seine Seitenzuläufe weiter anschwellen. Vorhin konnte ich hier noch über die Steine balancieren, jetzt bin ich nur froh dass meine Füße schon nass sind.

Ein echtes Abenteuer und genau das was man doch irgendwie sucht. Ich komme natürlich heile am Bus an und ziehe mich sofort um. Die nassen Klamotten kann ich auch gleich nochmal ausspühlen, trocknen müssen sie sowieso. Nach dem zweiten Frühstück klart es auch wieder auf und ich mache einen abschließenden kurzen Spaziergang.

Auch ein schönes Örtchen, doch mich zieht es weiter. Dem Tarn folgend der gewundenen Straße hinterher.

Wie gesagt, eine Region in der man nen ganzen Urlaub verbringen könnte. Weitere interessante Dörfer und die Berge zu beiden Seiten laden sehr zum wandern ein. Ich hätte noch unzählige Fotos, doch das hier zeigt des schönsten Herbst.

Auf einen Haufen Touristen ist das hier alles schon eingestellt, weiter Richtung Millau wird die Schlucht breiter und mehr Platz für Campingplätze bietet sich. Die meisten natürlich mit Zugang zum Wasser und aus Erfahrung wohl alle Hütten aus der Gefahrenzone zu bewegen. Ich habe hunderte solcher Rollbungalows gesehen, die alle an die Straße oder den Eingang der CPs geschleppt werden.

In Millau selbst brauche ich nicht lange, Nahrung sammeln und einmal durch die Stadt um im Süden an der Autobahn ein phänomenales Bauwerk zu bewundern. Bissel komisch fand ich nur den zentralen rosa gefärbten Brunnen.

Die Autobahn A75 als schnellster Weg durch das Zentralmassiv ist anders als in Frankreich üblich gratis, aber die Brücke bei Millau kostet Maut. Sie ist eine der höchsten und längsten Schrägseilbrücken der Welt und ich wollte vor Ort im Besucherzentrum etwas mehr erfahren. Dieses jedoch ist seit einem Jahr umgezogen und zwar in Sichtweite auf der anderen Flussseite, jedoch nur mit 25km bergigem Umweg zu erreichen wie mir das Schild die Runde zeigt.

So wichtig ist es dann auch nicht, nur ne Brücke das >Viadukt de Millau< und das Internet weiss alles. Ich war da und suche mir den Weg um zwei Abfahrten weiter südlich wieder der Autobahn zu folgen. Netter Exkurs und von oben sicherlich eindrucksvoll doch irgendwie nicht richtig dabei.

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