Spanien im Schnelldurchlauf

Man könnte meinen ich versauer noch in Marokko. Hatte aber eine recht freizeitarme Rückfahrt und bin nun schon in der Heimat wo es nicht geruhsamer abläuft. Schreiben fiel also etwas flach. Die Geschichte meiner Europadurchquerung bin ich dem Blog aber noch schuldig und hier kommt Teil 1 – Spanien.:

Ich startete an der Strandpromenade der marokkanischen Cote d’Azur um in Fnideq meine letzten Mitbringsel zu besorgen und letztmalig ein Hamamm zu besuchen. Die Stadt sehr nahe an Europa, da Ceuta, die spanische Enklave direkt anschließt. Hier muss ich wieder auf die Fähre checken. Hätten sich mehrere Jugendliche auch gewünscht die doch ehrlich mehrfach versuchten auf meinem Anhänger Platz zu finden (als wenn das kein Grenzer merken würde)

In der Schlange vor der Grenze dann auch etliche Bettelkids und Fußgänger die gen Spanien wandern. Die Taxis auf der anderen Seite warten wohl auf die scheiternden Rückkehrenden. Es folgt nach einer halben Stunde Stop&Go hinterm Kreisverkehr der erste Check, wer überhaupt rüber will.

Danach folgt die Zoll- und Polizeiabfertigung. In der Summe eine Lachnummer gegenüber Tanger Med. Es kam weder ein Röntgengerät zum Einsatz, noch haben Suchhunde mein Auto durchsucht, oder überhaupt jemand reingeschaut oder den Kofferraum sehen wollen. Nur der Anhänger war sehr interessant und die die Zettel wurden akribisch beäugt.

Und dann fuhr ich auf direktem Wege zum Hafen und war trotzdem zu spät. Die Fähre meiner Gesellschaft ist vor 5 Minuten abgefahren, heißt also 3Stunden warten. Naja, wurde Zeit fürs kombinierte Mittag-Abendessen, also Küche anschmeißen als erster in der Schlange vorm Fährterminal. Der Tag bis dahin auch schon recht vollgepackt. Zum Essen kam ich dann aber nicht, der Eincheckprozess startete natürlich weit vor der Abfahrt. Das Wetter immer noch wolkig und zugezogen, ich spürte also kein Verlangen auf sinnlos im Schiff rumspazieren, verzog mich in meinen Bus und schloss die Vorhänge. Ich war dann irgendwann alleine auf dem Fahrzeugdeck was ja eigentlich nicht erlaubt ist, hab aber in Ruhe meine Mahlzeit bei nem Film einnehmen können. In Ruhe bis auf die derbe Schaukelei, die diesmal echt heftig war, der Kahn hat auch gut Gas
gegeben, amüsant.

Hier meine Aussicht in PolePosition mit Blick auf die Gischt hinter der Fähre. Das Auschecken aus dem Hafen in Algeciras dann ebenso unproblematisch, in Anbetracht der Schmuggelproblematik und illegaler Einwanderer echt haarsträubend, dass ich ohne irgend einen Check in Europa einreisen konnte. Immerhin musste ich meinen Pass mehrfach zeigen und auch den von Atlas… wo ich zum Glück noch kurz vorher handschriftlich die Daten der Impfungen auf aktuell gepimpt habe. Ab auf die Bahn, nächster Stop das Gewerbegebiet Palomas.

In Spanien kein Internet mehr und zumindest Bescheid geben, dass ich nur noch sporadisch beim BurgerBrater erreichbar bin. Als ich wieder raus komme dann knistern am Himmel, stille Gewitter quer in den Wolken, interessantes Schauspiel und sogar mit dem Handy eingefangen. Im Bild oben also kein Ufo oder WLAN Scheinwerfer… Nein ein schlecht fotografierter Blitz der trotzdem ein cooles Bild ausmacht.
Wetterbedingt geht es auch mit schlechten Bildern weiter. Gibraltar als nächster Stop… kenn ich zwar auswendig, aber muss ja auftanken. Speiseölrecycling und damit gratis auffüllen meiner Treibstoffvorräte. knapp 100l hab ich der Insel mal wieder abgerungen.

Danach lachte auch etwas die Sonne und kämpfte nur mit Restfeuchte in der Luft. Meine Mission jetzt heißt Kilometer machen, ohne Rücksicht auf Verluste touristischer Art. ByeBye „The Rock“ auf bald.

Ich machte in einer weiteren Stadt halt, wo ich von gut zugänglichen Ölcontainern wusste und war von der europäischen Aufteilung der Straßen beeindruckt. Seit Monaten mal wieder Bordsteine und Fußgängerfurten… Welten Unterschied zu Westafrika.

Dann verschlug es mich auf die Autovia del mediterraneo, und damit nicht die kurvige Küstenstraße sondern abseits in den Bergen durch selbige hindurch. Luxus und gratis…

Das Wetter wurde südlich der Sierra Nevada wieder schlechter. Um nicht zu sagen extreme Gegenwinde und staubiger Regen. Ja, echt wahr, kaum Wasser aber die Karre sah dreckig aus danach. Es wurde zwischenzeitlich so schlimm und war schon echt spät, dass ich auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums Schutz zum Übernachten suchte. Wenigstens mit gutem Gewissen so schnell wie möglich weiter fahren.

Am nächsten Morgen alles wie vergessen, blauer Himmel, leichter Rückenwind – ab gehts. Almeria und die Gewächshäuser ebenso wie Cabo da Gata rechts liegen gelassen, weiter nach Llorca.

Damit leider auch vorbei an der Busfreaks Ecke und dem Strand mit der Vollmondparty, die erst eine Woche später dran wäre. Ich fliege mit 55km/h Spitze vorbei an Murcia und fahre ZickZack den einfachsten Weg nach Valencia. Nebenbei mein Hörbuch um die Langeweile zu vertreiben, trotzdem ist das kein angenehmes Reisen. Ich belohne mich mit einer Sporteinheit bei McFit und fühle mich damit wie zuhause. Die anschließende Dusche eine Neuheit seit ungewisser Zeit, Wasser aus der Wand von oben. Dank Hamamm in Marokko und Meernutzung am Atlantik und Schüsselbad im Bus hab ich glaub ich in Bamako zuletzt eine europäische Dusche benutzt. Die Stadt will ich aber noch am Abend hinter mir lassen um Morgen ohne Berufsverkehr starten zu können, fahre also noch bis zum Alcampo im Norden, wo nicht nur der Sprit billig ist, sondern auch der Stellplatz gratis. Meine Frittenölreserven fast aufgebraucht muss ich mehr Diesel beimischen.

Der Platz am Strand eine kuriose Erscheinung, ein Einkaufszentrum mit Parkplatz am Stand und in der hintersten Ecke dann noch ein paar Meter weiter fast schon idyllische Aussichten. Und nach kurzer Gassirunde am Morgen weiter auf Asphalt…

Das lusitg illustrierte Schild könnte auch vor mir warnen, wenn ich wenigstens die 40km/h erreichen würde. Teilweise wie üblich zweiter Gang 25 und nicht aus der Ruhe bringen lassen. Hier immerhin zweispurig, ansonsten auf der Nationalstraße hier im Norden Spaniens auch sehr lange einspurig mit Überholverbot, die Schlange hinter mir etwas generct würde ich behaupten. Immerhin winkte mir jeder zum Abschied und trötete mit allem was die Hupe hergab, manche versuchten sogar Körperkontakt und kamen mir beim sehr nahe, als wenn ich vom Windschatten profitieren könnte.

Eine kleine Ecke nördlich vom Ebrodelta wollte ich dann mal nicht den Umweg durch die Berge fahren und probierte die Autobahn für eine Ausfahrt. Unglaubliche 1,50€ musste ich dafür löhnen, traue mich gar nicht das hochzurechnen.

Timing war auch nicht meine Stärke. Nachdem ich die kurvige Küstenstraße bei Sitges kurz vor Barcelona umgehen wollte führten mich die Wegweiser einen gigantischen Umweg. Ich hätte da lieber die Autobahn nehmen sollen. So kam ich genau zur Rushhour in der Hauptstadt Kataloniens an. Es ging teilweise nix mehr als Schrittgeschwindigkeit, die Zeit kann ich auch cleverer nutzen. Mit Nahrungsaufnahme zum Beispiel. Also parke ich mal auf dem Seitenstreifen und kochte Nudeln und machte ne Sauce aus Zwiebeln und Tomaten mit Pesto. Die neidischen Blicke der hinterm Steuer wartenden waren bemitleidenswert. Falls Polizei gekommen wäre hätte ich überhitzten Kühler oder so als Ausrede vorgetragen. Pünktlich zum Dessert ging es dann auch mit dem Verkehr besser und ich umfuhr die Stadt diesmal ganz an der Küste und nicht auf der Gran Via.

In die Dunkelheit hinein nahm ich die Küstenstraße Richtung Llorett und dann noch hoch in die Berge bis Girona. Spanien im Gewaltakt in drei Tagen durchquert… Könnte ein Rekord für nen 407 sein. Hund gelangweilt und der Fahrer nun schon im dritten Buch des „Lied von Eis und Feuer“ was andere als Game of Thrones verfilmt kennen.

Die letzten Meter über die Grenze nach Frankreich heb ich mir für Morgen auf, der Etappenbericht folgt also zeitnah.

2 Gedanken zu “Spanien im Schnelldurchlauf

  1. Kai schreibt:

    Vermisse Deine Berichte…na gut, bist ja wieder im quirligen DE. Aber der Abschlussbericht? Würde mich doch noch interessieren. Und ob und wann es wieder los geht 😉

    VG

    Kai

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