Dakhla – zurück vom Roadtrip, back home

Es klingt komisch, aber ich fühle mich angekommen, zurück vom Trip. Wir sind in Dakhla, der südlichsten Stadt der Westsahara (gehörend zu Marokko) und damit im Einflussbereich unserer Zivilisation. Ich verbrachte die letzten drei Winter in diesem Land und kenne die Kultur, mag die Möglichkeiten und Gegebenheiten die in den letzten Monaten Mangelware waren. Man bekommt viel mehr Gemüse auf den Märkten, kann sich Snacks am Straßenrand leisten und es läuft alles etwas geregelter ab. Es fällt aber auch auf, dass kaum Schwarze zum Straßenbild gehören, noch weniger Frauen und wenn dann meist verschleiert. Das wiederum wird mir an Westafrika fehlen, diese farbenfrohe Leichtigkeit des Lebens. Immerhin sind die Menschen hier Touristen gewohnt, man wird nicht mehr wie im Zoo begafft, muss sich aber vermehrt Bettelanfragen gerade von Kindern gefallen lassen. Es gibt immer zwei Seiten, definitiv ist es mir hier schon zu kalt. Aber zurück zur letzten Etappe, dem Grenzübergang.

Wir hatten am Vortag knapp hinter Bou Lanouar übernachtet. Das liegt kurz vor der Kreuzung wo es nach Nouadhibou, dem dreckigen Loch auf der Halbinsel, abgehen würde. Viele andere Möglichkeiten hat man hier nicht. Wir erreichen die Grenze gegen Mittag und checken unproblematisch in Mauretanien aus. Es gibt Stempel von Polizei und Militär, danach müsste man den Zollzettel abgeben. Dort warteten wir aber ne Weile vergebens (Mittagspause) und fuhren dann einfach weiter, niemand hielt uns auf, wir behalten den Zettel einfach. In den Bus schaut niemand und man winkt uns an der letzten Schranke mit erneutem Blick in den Pass und allen korrekten Stempeln raus aus dem Land hinein ins Niemandsland.

Dort erwarten uns wieder Autowracks und die fehlende Straße bis zur marokkanischen Grenze. Die Hälfte der Strecke von 4km ist weder geteert, noch mit einer richtigen Piste geschoben, man sucht sich seine Spur, hofft keinen Sand zu erwischen und rumpelt und poltert sich so über das felsige unebene Gelände. Erneut frage ich mich, wie Reisebusse und LKW dies in Angriff nehmen. Der Wohnwagen im oberen Bild wäre doch nen tolles Heim in „keinem Land“. Anscheinend war der fahrende Untersatz interessanter als der massive Aufbau und hier noch zu Wohnzwecken nutzbar und das fehlende Stück vorne verblendet. Ich überlege schon auf einer Tour in ferner Zukunft mal bis hierher einen Wohnwagen mitzuschleppen und den dann zu verkaufen, könnte Interessenten geben.

Die Einreise in Marokko dann relativ wirr wie sich zeigt. Der große Terminal wird noch gebaut, man muss viele Weg zu Fuß gehen, während der Bus auf dem Parkplatz wartet. Ich fasse mir nur an den Kopf… Zusammenfassung: Passkontrolle – Eintragung im Buch, Parkplatz – grünen Zettel holen, ausfüllen und mit Zöllner am Parkplatz KFZ Begehung, zurück Zettel stempeln lassen (dort war dann auch Mittagspause) Danach in Schlange zum scannen anstehen, ja hier auch bei der Einreise ins Land. (Foto oben) Nach dem Gepiepse erneute Kontrolle von Papieren und Zetteln, Auto erneut parken. Zu Fuß zurück zum Oberaufseher der erneut Fahrzeugschein, Pass und grünen Zettel sehen will. Nach nur drei bis vier Stunden bist du dann in Marokko…

Gargarat ist der kleine Ort bestehend aus einer Kaserne, zwei Tankstellen und drei Restaurants der aber noch weit weg anderer Zivilisation liegt. Der Weg bis Dakhla knapp 300km und der Tag zu weit fortgeschritten. Ich hab sowieso noch einen Punkt auf der Agenda. Dazu verlassen wir die Nationalstraße bei den großen Dünen knapp 50km nördlich der Grenze.

Atlas etwas ungeduldig und gelangweilt von tagelanger Fahrerei soll mal vorlaufen und nen Platz suchen. Direkt vor dem riesigen Sandkasten für große Kinder ist eine schöne ebene und feste, da steinige Fläche zu finden. Ich habe hier nur eine Mission. Richtige Dünen haben wir auf dieser Tour gesehen aber nicht betreten. Außerdem ist heute Vollmond und den Ausblick will ich mir nachts mal geben. Doch vorher wird das Spielzeug ausgepackt.

Das kleine Kraftpaket ist also auch diesem Element gewachsen und der Spaßfaktor hoch. Es ist echt ungewohnt mit Vollgas auf einen gleichfarbigen Berg mit ungewissem Ende zu fahren, Raum und Zeit verschwimmen und man fühlt die Geschwindigkeit nur durch den Gegenwind. Kein Ende in Sicht und wenn doch ist es fast schon zu spät. Ich drehe einige Runden auf der Spitze, die ist hier nicht genau definiert und hat einige Löcher und Abbrüche, Weichsand dahinter, auch das trotzdem fahrbar.
Der Ausblick von hier oben in alle Richtungen unbewachsene, steinige Ebene und immer mal wieder ne Düne. Kein Wunder dass die nächsten hundert Kilometer niemand wohnt. Nur die Straße nach Mauretanien bringt Leben in das Gebiet südlich von Dakhla und einige Fischerhütten gibt es zwischen den Militärposten im Kilometerabstand. Ich fahre zum Bus, nachtanken und GoPro aufsetzen. Das Erlebnis dann aus weiteren Perspektiven:

Die Nachtwanderung war dann auch ein Erlebnis, aber nicht auf Foto zu bannen. Als Heimbringer des Schriftzug im Bus angemacht, verirren in der Wüste wäre echt blöde. Der Aufstieg auf die Düne erschwerend aber der Ausblick belohnend. Dunkelheit mit tausenden leuchtenden Punkten. Der Mond groß und rund, ohne ihn wahrscheinlich Millionen Sterne sichtbar. Kein Licht weit und breit… nachdem eines vom nördlichen Horizont kommend nach etlichen Minuten endlich vorbeigefahren war. Echt unglaublich, wie lange vorher man auf einer geraden Wüstenstraße Fahrzeuge kommen sieht.

Die Fahrt am nächsten Tag dementsprechend öde. Ich hab Olli ausschlafen lassen und bin vorgefahren. Meine Reisegeschwindigkeit aufgrund des Gegenwindes etwas eingeschränkt. Weiterhin macht mein schon getauschtes Mittellager Probleme und gibt Vibrationen im Bus (dachte ich zu der Zeit noch, Auflösung folgt) und so waren 45km/h die angepeilte Geschwindigkeit. Bei 250km Wegstrecke ist man dann auch ne Weile unterwegs. Ab und an ne Pinkelpause…

Doch irgendwann erreichte ich mein Ziel, wurde von Olli noch überholt und wir trafen uns am altbekannten Platz 10km nördlich Dakhlas am Strand der Atlantikseite. Niemand weiter hier, Ruhe. Und seit einigen Wochen mal wieder (endlich) ein ungetrübter Sonnenuntergang. In Mauretanien sandig windig und wolkig, in Dakar Luftverschmutzung und der letzte richtige Strand in der Casamance… weit weit weg von hier und trotzdem noch weit bis nach Hause.

Doch erstmal spannen wir ein paar Tage aus, genießen den Luxus alles kaufen zu können. Besuchen kleine Restaurants mit den typischen Snacks wie Lubia (Bohneneinopf) oder Bissara / Harira (Suppen), gegrilltem Fleisch und Sandwiches und am liebsten für wenig Geld nen Haufen frittierten Fisch.

Fingerfood für 1,-€ kleine Sardinen im Doppel mit Füllung und leckere Stücken großer Fische im Teigmantel, ein Traum. Das alles in den ganz normalen Vierteln wo das Leben tobt, man kann auch Restaurants besuchen, ich sitze aber lieber am Straßenrand und beobachte das wahre Marokko. So wie der Besuch auf den kleinen Märkten die immer mal an einigen Ecken zu finden sind.

Unscheinbar und dahinter bunt und vielfältig. Obst und Gemüse, Brot, Eier und frisches Geflügel (man sucht sich lebend aus und bekommt frisch gerupfte warme Ware). Immerhin bleibt so der Bezug zu Fleisch essen real und nicht wie bei uns unpersönliche Chickenwings im 10er Pack hinter Plastik. Auch Ziegen und Schafe oder Rinderhälften hängen wie gewohnt blutig beim Metzger rum. Die Preise für Fleisch ab 5,- das Kilo schon hoch im Vergleich zum Gemüse ab 30ct.

Wir haben aber auch sinnvolle Beschäftigungen auf dem Plan. Ollis Auspuff zum Beispiel hat die Endplatte abreißen lassen. Ersatz hier undenkbar, also schweißen und auch das schon ein Abenteuer. Ich fand einen Auspuff Spezi der auch Kühler lötet. Die anderen Werkstätten sonst wie gewohnt Allroundtalente und zu ner Schweißerbude die Zäune zusammen brutzeln wollte er auch nicht. So also sieht Arbeitsequipment von einem Spezialisten aus.

Die Schweißnähte im Ergebnis aber sehr in Ordnung, unglaublich. Auspuff dicht, Olli glücklich. Ich glaub nen 10er gab’s als Bezahlung. Im Umkreis einige Werkstätten die sich meist aud alte LandRover spezialisiert haben… oder es gibt keine andere Kundschaft. Die Dinger sind hier überall und meist von den Fischern genutzt. Das Teil fährt überall hin, auch über den Strand zu den Booten. Als PickUp mit Platz für Fang, Netze und Außenborder.

Gerne würde ich so einen auch als Kasten nehmen. Mit Dachzelt der ideale Reisegefährte für Westafrika… jeder kennt ihn, jeder kann dran basteln. Kein Wunder warum in Europa langsam unbezahlbar… hier sicherlich noch gut auszuhandeln, meist jedoch echt runter gerockt und dann noch das Problem mit dem Zoll und den Papieren. Man darf aber doch mal träumen.

Es ist immer noch windig in Dakhla und das kann man sich auch zu Gute kommen lassen. Kein Staubsauger zur Hand und die ganze Karre seit Guinea stets voll von Sand. Türen auf und mit dem Besen nachhelfen. Steife Briese endlich mal nützlich. Auch der Kofferraum nun endlich wieder einigermaßen staubfrei.

Die Stelle hier an der Quelle hinterm Park schon vor Monaten mein Waschplatz. Nun auch in guter Gesellschaft und das warme Wasser in der Rinne ideal zum Wäsche waschen, für den Abwasch, zum Baden und Auto waschen… ich glaube ich brauche alleine für diese Aufgaben zwei Tage und fühle mich endlich wieder sauber. Hab selbst die Teppiche gewaschen und das Bettzeug wie auh bei den Nachbarn.

Der Sonnenuntergang nicht mehr frei übers Wasser sichtbar, doch irgendwie auch mit tollen Farben zu genießen. Etwas weniger Wind als direkt an der Küste und ohne den Verkehr der Strandbesucher auch eine ruhigere Ecke. Wir stehen nun mit zwei weiteren Overlander LKW in der Nachbarschaft und haben ne nette Zeit.

5 Gedanken zu “Dakhla – zurück vom Roadtrip, back home

  1. Jonathan schreibt:

    Deine Berichte lese Ich zu jeder Mittagspause, klasse geschrieben, und mega spannend/interessant. Weiterhin gute Fahrt und meinen größten Respekt! Grüße vom Niederrhein Jonathan

    Gefällt mir

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