Saint Louis – Senegal

Unsere Abfahrt aus Dakar war eine zähe Angelegenheit. Stau auf allen Straßen und der Weg zur Autobahn schon ein Alptraum. Wir dachten uns wir probieren mal die mautpflichtige Schnellstraße um dem Getümmel der Vororte zu umgehen. Doch auch hier steht man immer mal wieder, wenn auch kürzer, an den Mautterminals um Streckenabschnitte zu bezahlen. Die Verkehrsführung ohne viele Alternativen sollte einfach sein, jedoch zeigen Straßenschilder schon noch im Bau befindliche Strecken an und damit fahren wir einen überflüssigen Umweg, der doppelt in der Brieftasche schmerzt. knapp 10,-€ werden wir los um auf die Landstraße Richtung Saint Louis zu gelangen. Die Autobahn immerhin gepflegt und sogar einen Parkplatz mit Toilette haben wir mal ansteuern müssen. Klingt jetzt nicht spektakulär, für uns jedoch nach wochenlangen Pisten und schlechten Dorfstraßen eine andere Welt.

Theoretisch ist die Strecke nach Saint Louis im Norden kurz vor der Grenze zu Mauretanien mit 250km in einer Etappe machbar. Wir jedoch ohne Eile und erst am Nachmittag gestartet wollen nicht in der Nacht im ungewissen ankommen. Ein Zwischenstopp in der immer spärlicher bewachsenen Landschaft der Sahelzone tut also Not. Unser Platz unter einem Baobab dann auch der gleichzeitige Abschied dieser fleischigen Giganten, die sich als Sinnbild für den Senegal und Mali in meine Erinnerungen eingebrannt haben.

Die Fahrt auf der N2 sonst entlang einiger Dörfer und kleinerer Städte uninteressant. Saint Louis lockt schon geografisch mit der Besonderheit der Lage und verspricht auch historisch interessant zu sein. Einst als Hauptstadt auserkoren und strategisch günstig am Ende des Senegal-Flusses gelegen. Durch diesen gelangten viele Sedimente ins Meer und es entstanden vorgelagerte Inseln. Das Zentrum der Stadt ist quasi die UNESCO – Brücke welche auf die erste Insel führt.

Naja, nix außergewöhnliches wie das in Dresden aber immerhin ne richtige Brücke in gepflegtem Zustand. Vor der Brücke ein chaotischer Kreisverkehr und nebenan ein genauso quirliger Markt wie gewohnt bunt mit überschaubarem Angebot. Immerhin gibt es hier haufenweise Melonen aus regionalem Anbau.

Wir haben keinen Plan und können wenn es passt uns eine Übernachtung in Saint Louis vorstellen. Laut Karte ist der Süden der letzten Insel unbewohnt und abgelegen genug. Wenn nicht haben wir mit der Fahrt dorthin alles gesehen und ziehen gleich weiter. Auf der Insel ist alles zugebaut. Wohnhäuser und Hotels, die Uferbereiche mit Fischerbooten vollgestellt, spannender Anblick. Hier mal aus dem Netz geklaut.

Die Insel viel länger als breit und die Querstraßen sind schmal, wir bleiben also auf Kurs zur Küste und nehmen die nächste Brücke welche nur noch mehr Fischerboote auf beiden Seiten und Ufern hervorbringt. Dann wie geplant nach Süden durch sehr belebte Wohnviertel. Überall Pferdefuhrwerke und Fischer die die Straße queren und Richtung Strand verschwinden. An selbigem findet man keinen Flecken unbenutzten Sandes, alles steht voll mit bunten Fischerbooten, das müssen Zehntausende sein.

Das Bild ändert sich mehrere Kilometer nach Norden und Süden nicht und ist damit die größte Ansammlung von Pirogen die ich je gesehen habe. Westlich von hier gibt es nur noch den Atlantik und irgendwann wohl erschöpfte Fanggründe. Wir haben bald das Ende der Wohnviertel erreicht und es wird nur noch geschäftiger. Ein Fischmarkt schließt logischer Weise an und hier treffen die Boote von beiden Ufern auf Land. Die Straße von Fischgedärm und Schmelzwasser nass und der Geruch wegweisend.

Doch nur zwei Kilometer weiter finden wir unser erhofftes ruhiges Plätzchen zwischen einigen noch ruhigeren da unbewohnten Hotels. Man hört die Brandung und wir stehen windgeschützt hinterm Dünenwald mit Blick auf Saint Louis Festland. Der Strand jedoch wie man ihn nahe einer Großstadt erwartet vollgemüllt.

Die Gezeiten und der Wind haben immerhin den Großteil Plastik auf einen Bereich zusammengeschoben, dieser Streifen aber 10m breit und hauptsächlich Plastikflaschen und deren Deckel, Kanister und Behälter sowie größtenteils recyclefähiges Material. Ebenfalls mehrere Kilometer Lang, das müssen Tonnen sein. Und macht auch vor dem Naturschutzgebiet im Süden nicht halt.

Atlas hat seine Gassirunde und nun bin ich dran mit Auslauf. Ich schnappe mir das Moped und will die Stadt in jedem Winkel erkunden. Beginnend mit der ersten Insel sieht man kaum Veränderung. Fischerboote und davon lebende Einheimische. Wenn man weit genug nach Norden fährt würde man recht zeitig schon in Mauretanien ankommen. Glaube nicht dass es da ne Grenze gibt und wäre als Motorradreisender am Strand entlang sicherlich interessant. Ich wechsle zur mittleren Insel und bin damit im historischen Herzen angelangt. Einige Kolonialbauten und Monumente sind hier zu bewundern. Ich hab heute Ollis Motorrad unterm hintern und damit ein farbiges Fotoobjekt vor nem Haufen verrosteten Stahl eines alten Dampfbetriebenen Krans.

Das pulsierende Leben der Stadt als Gesamteindruck ist nicht auf Foto zu bannen. Sonst eher wenige Einzelaufnahmen vorzeigbar, also mal wieder ein Filmchen mit dem realen Einblick in die Straßen von Saint Louis.

Die letzte Szene dann ein großer Friedhof nahe unseres Stellplatzes. Am Strand immernoch die typisch schmalen Boote welche den südlichen Abschluß der Perlenkette bilden. Wahnsinn. Vor allem bei untergehender Sonne ein Anblick

Die komplette Breite von Strand bis Straße ausfüllend ist der Friedhof über die Zeit von der Natur gebeutelt echt gruselig. Windschiefe Bäume und versandete Gräber, die sonst auch nur aus aufgehäuftem Sand bestehen. Kann man nur hoffen die Bewohner liegen tief genug und deren Knochen werden nicht frei geweht. Das Foto gegen die Sonne dann etwas dunkler und somit passend zur Atmosphäre. Wahrscheinlich viele Fischer mit Blick auf ihre letzten Einflussbereiche.

Die Nacht sehr ruhig und somit der ideale Platz für einen Besuch in Saint Louis. Hier könnte man auch seine Zollpapiere verlängern, sollte es aufgrund der korrupten Beamten aus Erfahrungen anderer Reisender lieber bis Dakar warten. Für uns heißt es am nächsten Tag raus aus der Stadt und der Grenze entgegen. Erneut durch das Einzige Nadelöhr für alles westlich des Festlandes…

Die Hauptstraße führt zum Grenzübergang Rosso mit Fährverbindung in knapp 100km Entfernung. Aber dort soll es hektisch und korrupt zugehen, zwar bei der Einreise nach Senegal, aber wir wollen es lieber locker angehen und nehmen die Option Diama um per Nationalpark und Damm den Fluß zu passieren. Vorbei an den letzten Ortschaften im Senegal berichte ich dann im nächsten Blog über die Formalitäten zur Wiedereinreise nach Mauretanien und die erneuten Abenteuer in der Wüste.

2 Gedanken zu “Saint Louis – Senegal

  1. Hans Peter Hauschld schreibt:

    allo Martin und Ursula,

    wie versprochen hier die aktuellen Infos zum Grenzübergang Senegal – Mauretanien vom 4. April 2018.

    Abfahrt Zebrabar ca. 8.00 Uhr,

    Ankunft Grenzbereich ca. 9.00 Uhr,

    Parken links vor dem Polizeigebäude, drei Personen warten vor uns, Abgabe der Pässe, Fingerabdrücke und Foto werden gemacht, Kamera und Fingerapparat sind durch das Fenster erreichbar, Ausreisestempel wird problemlos erteilt – keine Kosten.

    Weiterfahrt vor das Zollgebäude, Abgabe des Passavant und Eintragung der Ausreise in den Pass, schnell, problemlos, keine Kosten.

    Weiterfahrt zur Schranke vor der Brücke, Person aus dem Häuschen kommt und kassiet 4000 Fcfa Brückenzoll, der uns begleitende „Parkwächter“ , er lief nebenher und sagte immer an, wo wir uns aufstellen sollten und welches Gebäude dran sei, verlangte vorher den Fahrzeugschein und wollte uns weismachen, es seien 10 Euro zu zahlen und er würde das erledigen. Hab ihm gesagt, ich mache das selbst und dann zog er sich zurück.

    Überquerung der Brücke und Halt vor dem mauretanischen Polizeihäuschen rechts, Vorlage der Pässe dort, Visum nötig, wir werden in ein kleies Kastenhäuschen links begleitet, dort befindet sich das Equipment zur Visaausstellung, Kamera, Fingerabdruckscanner und Visumdrucker, nach gut 10 Minuten haben wir unsere Visa in den Pässen und bezahlen dort drinnen je 55,- Euro fürs Visum – sehr nette Abwicklung, völlig unproblematisch und ohne jede Hektik mit Quittung.

    Nun mit den Pässen wieder rüber zur Polizei, abstempeln – Polizist verlangt 10 Euro.

    Dann Weiterfahrt durch die nächste Schranke vor den Zoll, Ausstellung des Passavants für Mauretanien, der nette Zöllner fragt, wieviele Tage wir denn gern hätten und gibt uns 15 Tage. Kosten: 400 Neue Ouguiya Mauritaniens – wir haben noch UM von der Hinreise, haben aber auch schon vor dem Zollgebäude die Fcfa in UM getauscht, der Geldwechsler hantiert auf beiden Seiten der Grenze, es ist daher egal, wo man tauscht, Kurs war: 1000 Fcfa == 58 neue UM, auf mehr wollte er sich nicht einlassen, für einen Euro hätte er 40 UM gegeben, wir wollten aber keine Euros tauschen.

    Zöllner fragte noch nach Alkohol, ich verneinte und er war zufrieden, eine Fahrzeugkontrolle fand nicht statt.

    Dann ab durch die Schranke auf den Damm, wieder 400 UM beim Kontrollposten für die Durchfahrt durch den Diawling Nationalpark bezahlt, er hätte auch Fcfa genommen, dann aber 10.000.

    Der Bau des neuen Hafens (Südhafen) bei der Zirédüne ist in vollem Gang und auf dem Damm kommen in kurzen Abständen schwere Lkw mit Felsbrocken entgegen, die dann auf die neue Piste nach Norden zur Baustelle abbiegen. Diese Lkw kommen über Nouakchott und zerstören den letzten Rest der Straße von Nktt nach Rosso, auch die neue Verbindung (32 km)

    von der alten RN 1 nach Keur Massene nimmt in Nord – Süd Richtung schon Schaden.

    Der Zöller warnte uns vor den schlechten Straßen und riet uns, den Lkws auszuweichen, denn sie könnten das nicht, wenn sie von der Straße abkommen, dann kippen sie um. — Recht hatte er, wir sahen bald den ersten umgekippten Lkw in Gegenrichtung.

    Gegen 18 Uhr waren wir in Nouakchott beim Camping Les Sultanes (chez Nicolas) am Strand, ca 15 km hinter der Auberge Sahara.

    Wir umfahren die Stadt über den Hafen: von der RN 1 kommend: 1. Kreisverkehr links Richtung Hafen, dort rechts, der Küste folgen nach Norden, auf die erste große Straße mit Verkehr und Bebauug nach rechts in die Stadt einbiegen und an der Ampelkreuzung, wo man links die Reiseagenturhäuschen sieht, nach links Richtung Norden (Flughafen, Auberge Sahara, Nouadhibou) abbiegen.

    Alles sehr ordentlich, absolut stressfrei und ohne Aufregung — allen anderen Reisenden so weiterzuempfehlen,

    Viele Grüße an euch aus Boujdour in der Westsahara, Wind, Sand und Sonne ….

    Hans Peter und Bärbel

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