Dakar – Metropole die sich lohnt

Nach dem Reservat, welches sich nur 65km von Dakar befindet ist es also nicht mehr weit zu den Vororten und allem was große Städte so umringt. Wir halten uns von der Hauptstraße fern und gondeln durch kleinere Orte die Küste entlang. Irgendwie aber auch schon hier kein freies Stückchen Land mehr zu entdecken. Wir wollen noch einen Tag Ruhe und finden zwar kein Paradies, aber zwischen zwei Grundstücken einen direkten Zugang zum Wasser. Ringsum niemand, nur Baustellen und das bedeutet hier im Senegal als erstes mal ne Mauer ums Grundstück ziehen.

Wir können zwar nicht von Palmen auf unbenutztem Sandstrand berichten, für die Erholung war es aber ausreichend. Schattig und ohne sonstige Belästigungen. Wir blieben einen vollen Tag und Atlas hatte Freiheit. Die letzten Tage waren doch von viel Fahrerei geprägt und der Aufenthalt in Dakar ist bisher nur grob geplant und im Ablauf ungewiss. Die Abfahrt am Morgen dann der Küste folgend vorbei an zahlenmäßig mehr Baustellen als schon bestehenden Häusern. Meist große Villen oder Hotelanlagen am Wasser, kleinere Mitschwimmer in zweiter Reihe. Straßen fehlen noch und wir holpern durch die Gegend. Spätestens ab Bargny dann dichtes Gewühl auf zweispurigem Asphalt. Afrikansicher Stau von früh bis spät und keine Alternativen bis zum Ziel. Es fährt jeder wie er mag, wenn der „Seitenstreifen“/ Sand neben der Fahrbahn frei ist wird der zum Vorankommen genutzt. Wer abbiegen will zieht schon 50m vor der Kreuzung in den Gegenverkehr und weitere Manöver die die Gesamtsituation nicht verbessern lassen sich überall beobachten. Disziplin und Geduld oder der Sinn für die Allgemeinheit ist dem Afrikaner fremd, In Dakar noch dazu mit sehr viel LKW Verkehr die alle zum Hafen müssen. Unser Ziel ist ein Segelclub knapp 5km vor dem Zentrum.

Es klappt und wir können beim CVD (Club Voile Dakar) auf dem Gelände stehen, Olli will die nächsten Tage hier nen Kurs belegen und das Areal ist zentral gelegen, hübsch angelegt und für unser beider Zwecke mal wieder ideal. Das Boot im Bild wurde zum Herrichten an Land also auf den Strand gebracht. Mein Van steht unter den großen Bäumen im Hintergrund direkt neben dem Clubhaus mit Internetverbindung… und Blick aufs Meer.

Naja, der Strand hier nicht nur aufgrund der Arbeiten an den Booten dreckig. Die Stadt spült einfach alles rein, auch die Industrie weiter außerhalb leitet ungefiltert in die Bucht. Allgenwachstum und Plastik ohne Ende die Folge, da ist der Fischgeruch vom „kleinen“ Hafen 500m weiter noch das natürlichste. Immerhin aber der einzige Platz in Dakar wo man vor Anker liegen kann und von vielen Seglern besucht. Dakars richtiger Hafen knapp 3km entfernt einer der größten in Afrika und auch so ziemlich der westlichste Punkt des Kontinents und damit am nächsten dran an Südamerika. Brasilien liegt nur halb so weit entfernt wie mein Rückweg nach Deutschland sein wird. Die Nähe zu den Kapverdischen Inseln lässt hier im CVD einige Segler anlegen die so die Überfahrt auch in die Karibik angehen.

Der Anblick der Holzpirogen im Vordergrund und Ausblick aud die Segeljachten und Katamaranen im Hintergrund ist schon interessant. Viele Franzosen verbringen hier mehr als nur Urlaub. Einige Boote warten hier auf die Rückkehr der Besitzer dank Direktflugverbindung nach Europa. Strandurlaub kann man hier aber nicht machen.

Der linke Bereich im Bild sind auch nur von Sand überdeckte Algen. Immerhin werden die einmal monatlich in Gemeinschaftsarbeit aller Anrainer zusammengeharkt und getrocknet verbrannt. Unsere Nachbarn hätten sich vor einigen Jahren auch noch nicht den Zustand der Bucht ausmalen können, als sie hier ihre hübschen Villen hinsetzten. Aber zum Joggen am Morgen und Gassi mit dem Hund reicht es, ich habe andere Pläne und will mir ausführlich die Stadt ansehen, wir haben ne Woche geplant. Mopeds kommen natürlich zum Einsatz.

Die erste Rundfahrt der Küstenlinie folgend. Zumindest kann ich mich daran immer orientieren. Im Norden der Stadt ist dann die Statue der „Renaissance Africaine“ auf einem Hügel thronend überall erkennbar. Die ganzen Stufen da hoch haben mich schon sehr gereizt den Aufstieg mit dem Motorrad in Angriff zu nehmen, hatte mit der GasGas schon ähnlichen Spaß in der Stadt. Das Wahrzeichen jedoch ist gleichzeitig videoüberwachte Attraktion und kann auch Innen bestiegen werden. Ähnlich wie die Freiheitsstatue mit Ausblick. Aber was der Anblick oben vom Hügel zeigte hat abschreckend ausgereicht.
Nicht weit von hier gibt es ein Künstlerviertel am Wasser, allerlei Holzschnitzereien und bunte Klamotten werden dir angeboten, als Weißer hier durch ist Spießrutenlauf. Die Küstenlinie überall einigermaßen herausgeputzt. Es gibt auch einen Fitnessbereich, wo chinesische Sponsoren ne Menge Geräte hingesetzt haben, die aber dem Salz nicht lange standgehalten haben.

Immerhin sehe ich zum ersten Mal Jogger und Sportler, auf der Tour bisher ein Novum. Ebenso wohl mein TrialMotorrad für die anderen Verkehrsteilnehmer. So richtig sitzen kann man auf dem Ding nicht, eher komisch hocken oder stehend Gas geben. Ich war einige Male unterwegs und hatte öfter mal die GoPro auf dem Kopf. Mit einem Auto oder Bus würde ich mich sehr ungern auf den Straßen bewegen. Der Verkehr ist nicht gefährlicher als in Paris, Rom oder meinem Favouriten Napoli, jedoch hier in Dakar auf anderer Ebene chaotischer. seht selbst…

Mahnende Kommentare bitte einbehalten, ich hatte Spaß und fühlte mich in gesetzfreiem Raum. Wenn ich so die anderen Fahrer beobachte frage ich mich wie hier Fahrschule aussieht? gibt es technische Abnahmen der KFZ? Zumindest hab ich öfter mal Polizei an Kreuzungen und Kreisverkehren gesehen, gestört hat mein knatternder Zweitakter niemanden. Und mal wieder auch aufgrund Sand und unwegsamen Geländes die beste Wahl.

Die Baustelle hier nur eine von Vielen. Aktuelle Großprojekte sind der Bahnhof mit kompletter Gleisanlage quer durch die Stadt. Ebenfalls ist eine der größten Hauptstraßen im Zentrum mit einigen Kreisverkehre auch nur als Crossbahn zu benutzen. Dazu die etlichen Häuser und sogar Hochhäuser überall verteilt und der Anblick von grauem frischem Beton überwiegt in einigen Vierteln, Urbanisation…

Dass es hier mit der vorherrschenden landestypischen Bautechnik überhaupt haltbare Hochhäuser gibt ist für mich ein Rätsel. Am Platz der Unabhängigkeit einem der Knotenpunkte für Ausflüge mit dem Bus in die Stadt sieht man gleich mehrere…

Der Ausblick aus dem vierten Stock des AXA Gebäudes… (Bild zuvor) Hier muss man hin um beim Zoll sein passavant zu verlängern. Die zehn Tage Senegal sind auch irgendwann schon wieder vorbei. Der bürokratische Akt mit Pass und Fahrzeugschein kein Problem und kostenfrei, ich treffe andere Europäer die von Norden über Diama kamen und nach vielen Stunden diskutieren trotzdem 250,- zum passieren berappen mussten. Immerhin gab es 10Tage auf das erste (wie bei uns) nur in Diama oder erst recht Rosso lässt man sich auch das schon extra bezahlen. Wer das Passavant schon in Saint Louis verlängern mag muss auch dafür gut hinlegen… Dieser Zettel hier von einem Mittelsmann der auch dran verdient.

Der Rest der Stadt ist dann aber geprägt von solchen Straßenszenen. Viel fliegender Handel und zwei- bis dreistöckige schmucklose Behausungen. Bei den Mitarbeitern der oberen Stockwerke im Hochhaus des Mobilfunkanbieters stehen die Haare sicherlich von alleine gen Himmel. Elektrosmog gibt’s hier noch nicht.

Und zwischen all dem Troubel findet man auch sogar mal Ruheplätze wie kleine Parkanlagen. Meist umzäunt, also wird Streuners Mittagspause auf der Verkehrsinsel abgehalten.

Zum Mittag braucht jeder was in den Magen und kleine Küchen gibt es an vielen Ecken. Die gängigsten Gerichte (Thiebou Djeune, Maf oder Yassa) täglich wechselnd oder Sandwich zum frisch anrichten samt Ei und Kartoffeln sind üblich. Hier mal was besonderes, bei uns auch grad groß in Mode Foodtrucks…

Hinterm Vorhang sogar drei Gäste auf der Bank und mein Fotogesuch wurde akzeptiert.

Mein Futterparadies fand ich jedoch an der Markthalle Kermel die schon europäisch sauber anmutet. Frisches vielseitiges Angebot um endlich wieder Gemüse und Obst einzukaufen. Und vor der Tür eine lange Tafel unter Pavillons an der sich etliche Garküchen um die Gunst der Besucher buhlen. ich glaub ich hab dort viermal diniert und war immer zufrieden.

Das Angebot zwar dank Hafennähe mit vielen Importprodukten, doch wer fragt und sucht bekommt auch heimisches, vor allem saftige Melonen. Und auch wer Kunst oder Souvenirs mag sollte den Markt besuchen, draußen schließen sich Hütten an die viel entspannter zu besuchen sind und auch antike Masken hab ich dort gesehen… wer sowas braucht…

Inspiriert davon zumindest auch das Wahrzeichen der Westafrikansichen Währung dem CFA (noch immer an Franreich gebunden!) Hier auf dem Wappen der Westafrikansichen Zentralbank gleich um die Ecke zu bestaunen. Tolles Gebäude immerhin.

Gleich um die Ecke noch was sehenswertes, zumindest aktuell. In der Nationalgalerie findet grad eine Wanderausstellung statt die schon in Paris war. Afrikansiche Künstler zum Thema Freiheit. Gratis und klimatisiert, also auch für mich interessant, und der Kurator, lässig mit Schiebermütze war ein netter gesprächiger Kerl. Und auch einige Exponate waren sehenswert. meist schön bunt.

Zum Thema Sklaven gibt es im nächsten Bericht noch mehr zu erfahren. Dakar bietet im Vergleich zu allen vorher besuchten Hauptstädten das meiste für Kultur und Tourismus. Passt nicht alles in einen blog…

8 Gedanken zu “Dakar – Metropole die sich lohnt

  1. Frank Reimann schreibt:

    Moin
    ich lese seit längerer Zeit Deinen Tourblog gen Süden. Kaum zu Ende warte ich schon auf den nächsten Eintrag. Deinen Blog empfinde ich als ehrlich (authentisch), Du fährst immer wieder interessante Punkte an (z.B. die freilebenden Krokodile in Mauretanien), Dein Schreibstil gefällt mir und auch die Kombination VAN/Trailmoped hat mich zum Nachdenken angeregt.

    Für mich ist Dein Blog einer der besten Reiseblogs. Bei anderen (Weltreise-)Blogs habe ich immer den Eindruck, dass ein (positives) Abenteuer das nächste jagt, so ist das Leben aber nicht. Und Du lebst Dein Leben/Ideale sehr konsequent, Hochachtung.

    Dir/Euch alles Gute weiterhin.
    Viele Grüße Frank

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