Das Reservat Bandia im Senegal

Der Grenzübertritt aus Gambia nach Senegal am Morgen war dann erneut unkompliziert wie erhofft. Ab 7Uhr wurden die Schranken geöffnet, was sich an vorbeifahrendem Verkehr an unserer „für die Nacht“ Tankstelle zeigte. Ganz gut etwas früher zu starten um der Hitze zur Mittagszeit zu entkommen, wird ne lange Tagesetappe heute. Wir checken also aus Gambia aus und müssen nur einmal wegen verlangtem Schmiergeld diskutieren.
Die Zöllner für Senegal stellen erneut ein Passavant für nur 2500CFA, also den offiziellen Preis aus und kümmern sich entgegen der Nachbarn bei der Einreise nicht um Kofferraum oder Camperinhalt. Dafür gibt es doppelte Eintragung in die berühmten großen Bücher, einmal bei der Polizei von einem Uniformierten und der schickt mich zu einer hübsch gekleideten Frau die wohl undercover agiert. Sie ist sowas wie der Staatsschutz und hat ihr Büro neben der Polizei, nimmt exakt die gleichen Daten nochmal auf…

Aber wir sind bald auf der Straße nach Kaolack und passieren einige Dörfer und Städtchen, der Asphalt immer noch recht gut gefahrbar. Keine Probleme mit Schlaglöchern, Geschwindigkeitsbarrikaden oder Pistenabschnitten, echt ne wichtige Verkehrsader hier unten. Kaolack dann auch ne große Stadt mit allen Nachteilen. Südlich von einem dreckigen Fluss begrenzt und Richtung Zentrum immer betriebsamer. Ich hab mal wieder schnell was zusammengestellt, einzelne Bilder würden das Gefühl nicht vermitteln.

Ansonsten stoppen wir für Geldwechsel (Schon wieder Westafrikansicher Franc) und Aufladung der Telefone. Es ist Mittag und wir stehen günstig im Schatten. Wir nutzen gleich die Gelegenheit für einen schnellen Restaurantbesuch mit günstiger einheimischer Küche um gut gestärkt die Stadt hinter uns zu lassen. Das letzte Bild dann meine Erinnerung an Kaolack, groß und heruntergekommen wie diese Moschee.

Die Hitze im Landesinneren ist nur mit Fahrtwind erträglich, die Sonne steht zum Glück eher im Rücken. Wir wollen es heute aber bis zur Küste schaffen und ´haben mangels Alternativen keinen Stop von Interesse geplant. Zweimal wird mir in der Karte ein gigantischer Baobab als Attraktion angezeigt… jedoch nicht mehr existent. Die Gegend aber sonst voll vom Wahrzeichen des Landes. Und schon sind wir am Küstenort Mbour, der laut Karte unspektakulär wirkt. Die Nähe zu Dakar jedoch macht aus dem Örtchen ein kunterbuntes geschäftiges Zentrum. Ich halte erstaunt und entgegen meiner Gewohnheiten an einem gigantischen französischen Supermarkt… mal gucken was e so gibt.

Paradiesisches Angebot nach monatelanger Sucherei auf den Märkten. Die Preise für Obst und Gemüse wie gewöhnlich ähnlich dem Angebot auf der Straße und damit ein guter Richtwert wenn man keine Ahnung hat. Dosenfutter und andere Importware jedoch mit gutem Aufschlag im Vergleich zur Heimat. So kommt für unsere dreiköpfige Gruppe ein überschaubarer Korb zusammen. Olli mit Wasser und Bier, Atlas mit Futter und unser Spanier fand sogar Gebäck vom Frischestand interessant. Ich war über den Fleischerbereich erstaunt und fand auch eine sehr saubere Fischabteilung vor, muss schon ein Schock für Einheimische sein hier einzukaufen, die Preise dazu inbegriffen.

Ansonsten konnte ich ein paar einheimische Produkte als Mitbringsel erstehen, und wir alle freuten uns riesig über Waffeleis aus der Tiefkühltruhe. Das erste wurde direkt an der Kasse verdrückt und der Nachschub kam auf den zweiten Bon. Mitarbeiter gibt es hier mehr als man sich träumen kann, ein Kassierer, ein Einpackhelfer, einer in jedem Gang am sortieren und überall Sicherheit und weitere Kollegen in Supermarktklamotten.

Man glaubt gar nicht wie wir uns über das Eis gefreut haben, überlegten noch etwas ob jemand irgendwo schonmal auf nem Supermarktparkplatz mit Kokospalmen zwischen den Lücken gestanden hat und nahmen unseren Weg wieder auf. Wir wollten mal beim nächsten Nationalpark gucken, das Reservat Bandia. Für heute schon geschlossen, doch man ließ uns auf das Gelände um dort zu übernachten. Vom Eingang an der Straße waren es zwei Kilometer zum Eingangsbereich in den Park und dort fanden wir großzügige Stellflächen.

Totale Stille bis auf die Affen in den Bäumen um uns herum, Atlas war nicht begeistert von den Nachbarn, bleibt heute lieber im Bus. Wer weiß was für Kriege der mit den Jungs anzetteln würde. Auskünfte etc. holen wir morgen früh ein, können uns dann immer noch gegen einen Besuch entscheiden. Es gibt ein simples Abendessen und eine ruhige Nacht, keiner der langarmigen ist mir aufs Dach gestiegen und hat randaliert.

Der Eintritt in den Park sind 12.000CFA also 20,-€ Nur das eigene Fahrzeug kostet auch nochmal 10.000 und man muss einen Führer für 7000 mieten. Außerdem wurde uns aufgrund der Größe der Busse davon abgeraten, alternativ stehen 4×4 PickUps als Buschtaxi zur Verfügung… 40.000CFA. Unser Spanier ist raus, ihm zu teuer, ist aber der einzige Park auf unserer Tour und immerhin Afrika live. Olli und ich wollen es machen und warten. Finden eine Gruppe der wir uns anschließen können und starten ins organisierte Abenteuer.

Erste Reihe französische Touristen, dahinter Amerikanische Eltern die ihren Sohn besuchen der an der Uni Dakar studiert, wir ganz hinten mit dem Führer der französisch und englisch mischen muss. Hinein geht es in eine seit Jahren ursprünglich gewachsene Landschaft mit Baobabs und Akazien, der Teich hier zumindest angelegt und für die Tiere bewässert.

Es gibt einige Kilometer Wege und man könnte sich frei überall hin bewegen ist an keine Runde gebunden, darf aber das KFZ nicht verlassen. Der Fahrstil afrikanisch, wenn auch weder Zeitdruck noch Verkehr herrscht, der Führer kommt aufgeregt gar nicht mit dem beschreiben und antworten hinterher. Wir machen zwei Stunden eine große Runde, das Areal ist groß, es gibt einige „Futterstellen“ und Bereiche wo sich die Tiere üblicherweise aufhalten. Alle können sich frei bewegen, deshalb gibt es aber auch keine Raubtiere, nur einige Schakale. Ansonsten haben sie Antilopen und andere Huftiere, Warzenschweine, Zebras, Giraffen, Büffel und Nashörner, Affen und Vögel ohne Ende. Alle vermehren sich fleißig und können von hier sogar in andere Parks verkauft werden. Keines der Tiere scheint Angst vor den Fahrzeugen oder Menschen zu haben, viele passieren wir im Abstand weniger Meter. Wenn man keine freie Sicht hat fährt das Buschtaxi auch echt voll durchs Gestrüpp zum Fotoobjekt der Begierde. Hier mal eine Auswahl.

Ziemlich groß die Antilope auf dem Bild zuvor, nur übertroffen durch die Giraffe, welche beim popeln erwischt wurde. Im nächsten Bild mit Vogelkumpel auf dem Kopf beim Insekten vertilgen.

Eine Gruppe Zebras mit ihren einzigartigen Mustern

Den Nashörnern wurde der Sicherheit wegen schon von Anfang an das Horn entfernt.

Die Warzenschweine haben ne eigentümliche Art ihrer Nahrung näher zu kommen… man kniet quasi und sucht dann den Grund ab, robbt sich so echt lustig Stück für Stück weiter. Außerdem sind die Allesfresser und wurden sogar beim Aas fressen beobachtet.

Andere Huftiere die ich alle nicht auseinander halten kann gab es teils in größeren Gruppen. Doch hier mal eine mit toller Pose für die Kamera.

Von den vielen Bunten Vögeln hab ich keine guten Bilder, dafür das Pärchen hier als Vertretung für seine Gattung.

Krokodile hab ich ja nun schon in freier Wildbahn in Mauretanien beobachten können, hier kurz neben der Restaurant im angelegten Teich die tiefenentspannte Verwandschaft. Rund gefüttert und fotoerfahren.

Aber am gefährlichsten im Park und auch statistisch in Freiheit sollen Büffel sein. Geballte Kraft und unberechenbar.

Das war dann unsere Runde, hat sich doch gelohnt. Wie gesagt sowas ist normalerweise nicht mein Ding, aber wir sind immerhin auf dem Rückweg aus Afrika raus. Safariparks kann man auch in Europa besuchen, doch allein die Natur ist dort schon nicht authentisch. Mal wieder ne Zusammenfassung in bewegten Bildern.

Reserve Bandia Senegal Nationalpark nahe Dakar from ULTRA Fussel on Vimeo.

Wir nehmen für heute ne kurze Etappe zum Meer auf uns, bevor es demnächst ins Getümmel von Dakar geht.

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