Abenteuer Gambia – Banjul

Gambias Hauptstadt ist Banjul, liegt auf einer Landzunge am namensgebenden gigantischen Fluss Gambia und hat noch die Metropole Serekunda vorgelagert. Wir kommen von Süden die Küste entlang und staunen nicht schlecht über die touristischen Angebote. Hotels, Herbergen, Bars und Restaurants, Ausflugsangebote zu Safaris etc. … alles was man sich im Pauschalurlaub wünschen würde. Die Atlantikseite der Stadt also ein reines Amüsierviertel und dementsprechend auch die Strände auf Touristen ausgelegt. Wir sehen schon deutlich mehr „Weiße“ als in allen anderen Städten auf der Tour, eingeschlossen die Touristenorte in Marokko. Der Brite ist hier Stammgast und klischeehaft locker zu erkennen. Es gibt Pizzarestaurants und Fish&Chips. Es hält uns hier nix und nach Erledigungen wie Bank und Besorgungen passieren wir Schwemmland und erreichen nach etwas Industrie den Stadtkern von Banjul. Provinziell würde ich es beschreiben, eng, dreckig und ein einziger gigantischer Markt. Das einzig fotogene Stückchen ist dieses Tor und die nächsten zwei drei Regierungsgebäude.

Wir folgen der Hauptstraße mangels Möglichkeiten (enge Gassen) bis zum Hafen und sind auch da enttäuscht von den Anblicken. Irgendwo hier würde auch die Fähre nach Barra auf die andere Flußseite und damit kürzere Strecke nach Nordsenegal ablegen, wir entscheiden uns aber dagegen und geben dem Hinterland noch ne Chance. Ausserdem soll es hier chaotisch zugehen und die Überfahrt ist teuer. Das Hafengelände nach Süden verlassen ist eine staubige und holprige Angelegenheit. Der komplette Transport von eingeschifften Waren erfolgt über diesen Acker und hat dementsprechend Schäden an Material und Ladung zu verantworten, hier ist ein Zement BigBag aufgerissen und wird per Hand am Straßenrand zusammengekratzt und in Mehlsäcke versteut. Stau die Folge.

Bei dem ganzen Stop&Go hat der Kerl hinter mir entweder das Bremspedal oder meinen Anhänger übersehen… Ergebnis rumms und Klappe krumm. na Super. Schon interessant wenn dir der Brummi im Rückspiegel nen Schubs gibt.

Es wird eine Odyssee und ich fasse zusammen, der Fahrer vielleicht 17-18Jahre alt, lernt gerade fahren und hat natürlich keinen Führerschein, erst recht keine Versicherung. (Auf die man hier aber auch nicht zählen kann) Es werden zuerst Mechaniker herbeigerufen die den Schaden mit Hammer und Brechstange richten wollen. Das kann ich verhindern und fahre mit ihm zurück nach Banjul um dort in eine „richtige“ Werkstatt zu gehen. Immerhin stünde da ein Schweißgerät bereit, falls etwas bricht. Sagen wir mal so, ich mag meinen Hänger und lege lieber selbst Hand an… nach knapp einer Stunde kann ich immerhin die Klappe wieder nutzen und habe nen kaputtes Rücklicht, eingerissene Ecken und ne verbeulte Klappe, in Deutschland könnte man dafür locker 500,- Euro berechnen.

Hier habe ich drei Stunden Rennerei, bastel eine Stunde selber und habe am Schluss 500 Dalassi also 8,- in der Tasche. Ich bin einfach zu Gut für diese Welt. Der Fahrer war ein netter Kerl, wollte sogar mehr Kohle bei seinen Kumpels zusammen gekratzt (leihen) doch ich wollte ihn nicht ausnehmen. Der Chef hat mich interessiert und kam nach einigen Stunden dann auch mal zu „Besuch“. Ein Arschloch wie man sich den Geldsack so vorstellt. „Ist doch gar nix passiert“ und „sieht doch gut“ aus… nach der Reparatur. „Solch ein Rücklicht bekommt man hier leider nicht“ aber „ich kann doch die Preise in Europa nicht mit hier vergleichen“… also muss ich mir wohl ein neues Rücklicht zusammen wünschen… Wenn der Chef schonmal da ist sammelt sich schnell eine Traube Menschen und irgendwie hab ich Stimmungsmache im Gefühl… der Weiße will Geld (oder auch im Tausch Diesel) vom Arbeitgeber… mein schuldloser Schaden interessiert da nicht. Ich suche lieber das Weite und aus Erfahrung werde ich beim nächsten Mal aussteigen, ne Brechstange nehmen und die Karre des Verursachers kalt verformen, das gibt dann wenigstens Karma-Punkte fürs Gewissen.
Olli hat mit Edgar (dem spanischen Anhalter) während dessen im Schatten gewartet, wichtig ist nur das ich wieder die Moppeds vom Hänger bekomme. Wir wollen nur noch raus aus der Stadt und verlassen Serekunda auf der Ostseite, also am Fluss und passieren ein 20km langes Elendsviertel mit Blechbuden und Verkaufsständen aller Art. Wir müssen noch ne Stunde weiter um nach alt bekannter Technik von einer Piste abgehend einen Schlafplatz kurz vor der Dämmerung zu finden. „Parque forestale“ kündigt ein Schild an und führt uns zumindest in eine ruhige Sackgasse. Das Abendessen in völliger Dunkelheit mit interessanten Geräuschen im Wald um uns herum. Ich gehe später mit einer Taschenlampe mal spazieren und kann nur sagen, ein Erlebnis. Die Nächte immernoch und seit Wochen erstaunlich dunkel, hab schon ewig keinen Mond mehr gesehen, ist das so hier unten oder haben die Amis den abgeschossen?

Am nächsten Morgen sieht alles unspektakulärer aus, die Affen die nachts geräuschvoll durch die Bäume gesprungen sind hab ich nicht gesehen, dafür nen Haufen Vögel und echt ursprüngliche Natur mit großen Bäumen und hängenden Lianen, komischen Kletterpflanzen und anderem Gestrüpp im Dickicht. Der Hauptweg eine Verbindung ins nächste Dorf der nicht mit den Bussen möglich ist. Davon abgehend verschlungene kleine Pfade die zur Palmöl Ernte genutzt werden und wieder mal ein Dschungelspaziergang.

Die geballte Natur am Morgen war auch wichtig, der Rest des Tages hieß dann Asphalt und weitere Überraschung. Wir hatten nur knapp zwei Stunden Fahrt bis zur größten Fährverbindung über den Fluss im Zentrum des Landes. Dazwischen nix was zum Verweilen taugt oder wir noch nicht gesehen haben. Immerhin die beste Straße seit Nordmarokko.

In der letzten größeren Stadt vor dem Fluss kehrten wir zum Mittag ein und wären alle bereit für nen Schläfchen nach dem Mahl. Die Pause sei uns bald gegönnt. Das Wetter ohne Brise der See im Inland wieder brütend, wird Zeit dass wir in den Norden kommen. Der Posten fürs Fährticket von einer netten lustigen Frau besetzt die uns immerhin 10.000CFA also 17,- für die Überfahrt abnimmt. PKW bezahlen 2500,- wir dann wohl das doppelte für den Bus und der Rest ist Touri Aufschlag? Naja, alternativ wären nur weitere 200km Hitze bis zum östlichen Ende des Landes möglich und dann den ganzen Fluss wieder auf der Nordseite gen Westen zu folgen.

Immerhin wird am Fluss bei Farafenni eine gigantische Brücke über den Gambia gebaut… dauert leider noch etwas. Wird nach der Fertigstellung auch nicht gratis sein und kostet dann zusätzlich einen Haufen Familien die Existenz. Der Bereich um den Fähranleger ist ein reines Restaurant und Verkaufseldorado.

Die Autoschlange vor uns eigentlich recht überschaubar, bunt gemischt im Drittel mit jeweils LKW, Kleinbussen und Privatfahrzeugen. Doch die Abfertigung afrikanisch unkoordiniert und anscheinend auch eine Fähre ausgefallen, die sonst im Wechsel unterwegs wären. Unsere Befürchtungen einen Kahn wie in Guinea vor zu finden hat sich zum Glück nicht ergeben, immerhin passen jeweils drei LKW, knapp 10PKW und ca. 4 Kleinbusse rauf. Gewichtsverteilung kann dabei optisch aber keine Rolle spielen. Das Mischungsverhältnis der Ladung wird auch grundlegend beibehalten, egal wer wann wo in der Schlange steht, Schmiergeld kann natürlich einen besseren Startplatz erkaufen, doch nicht mit uns.

In guter Gesellschaft müssen wir also ohne Schatten warten. Zuerst noch interessant und abenteuerlich… man bedenke es ist kurz nach Mittag und die Sonne direkt über uns. Im Auto 40grad Tendenz steigend… es geht an die Nerven. Jede einlaufende Fähre wird schaulustig beim Ent- und später Beladen beobachtet… unglaublich. Außerdem schwindet mit jedem Boot die Hoffnung, dass wir im nächsten Schwung dabei sind, unlogisch aber wahr. Die Hitze ist irgendwann nebensächlich, die Langeweile nagt zusätzlich. Atlas hat nen nasses Handtuch aufliegen und ich sitze halb nackt von allen Passanten beobachtet in der offenen Schiebetür, wenigstens Schatten! Es reicht nun… Ich pack die Ellenbogenschoner aus und drängel mich beim nächsten Schwung etwas mit dem Bus vor, mache den Weg von weiter hinten zu und stelle mich blöd. Immerhin gibt es hier einige die Anweisungen geben und ich schiebe die Schuld immer auf andere. Es klappt „Poleposition“ und bei der nächsten Runde irgendwie trotzdem gerade so letzter der auf den Kahn passt.

Wie beschrieben, LKW und PKW gemischt, spuren gibt es nicht, optische Presspassung. Die Lücke zwischen den Düdos zu klein für mich, also wird noch schnell der Geländewagen vorbei gewunken. Immerhin steht Olli schon drauf, die Auffahrt mal wieder grenzwertig steil und nur mit Schwung machbar, die dicke Anhängerkupplung mal wieder mit einer Schwarte mehr im Material, zumindest der Asphalt beim Anlieger ist gut aufgerissen. Meinen Platz finde ich trotzdem noch und auch der Hänger hängt nicht komplett im freien… Der untergehenden Sonne entgegen hat diese Odyssee nun ein Ende und wir überqueren endlich den Gambia. Dank Schiebetür an der Seite brauch ich nicht eingepfercht im Auto warten.

Die meisten anderen haben die Möglichkeit nicht und aber auch nichts von spektakulärer Aussicht verpasst.

Die andere Fähranlegestelle genauso chaotisch eher noch dreckiger. Schnell weiter und die holprige Piste zieht sich bis in den nächsten Ort. Zusätzlich zum durchgeschwitzt jetzt also noch gepudert, Danke. Wir sind fertig, holen noch schnell was fürs Abendessen und sind dank der Wartezeit nun zu spät dran um die Grenze zu passieren. Die ist nicht weit und hinter Farafenni gibt es kaum Pisten zur Schlafplatzsuche. Also mal idyllische Trucker-Romantik an verlassener Tankstelle.
Gute Naht Gambia, hast dich nicht mit Ruhm und Schönheit bekleckert.

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