Republic of the Gambia – kleinstes Land Afrikas

Entgegen allen Bedenken aufgrund früherer Probleme im Süden Senegals in der Casamance fühlen wir uns sicher und haben es uns hier wirklich gut gehen lassen. Kafountine bisher einer meiner Lieblingsplätze auf dieser Reise und sicherlich nicht das letzte Mal in meinem Leben besucht. Die einsamen Joggingausflüge am Morgen boten immer wieder schöne Aussichten. Hier meine liebste Stelle am Strand, zwei krüppelige Baobabs mit Postkartenpanorama.

Der Weg am Wasser entlang bietet auch immer Neues aus den Fluten. Erstaunlich wenig Müll, meist nur Überreste von den Fischern wie Netze oder Schwimmer. Ansonsten Muscheln, Mangrovensamen und einige tote Fische. Auf den Kameraden hier sollte man lieber nicht treten.

Keine Ahnung ob das entsorgter Beifang war der nicht überlebt hat auf jeden Fall gab es den stacheligen Kerl auch ne Nummer größer zu „bewundern“. Ansonsten viele kleinere Fische über die sich Möwen und Geier am Strand freuen.

Wir sind also wie beschrieben aus >7 Palmiers< abgereist und haben noch einen Stopp im Ort geplant, der botanische Garten von zwei Spaniern vor 5 Jahren auf die Beine gestellt. Echt ein Besuch wert, erst Recht wenn man wie ich sehr an heimischem Grün interessiert ist. Die ganze Anlage eingemauert und gut bewässert gleicht beim Eintritt schon einem schwülen warmen Gewächshaus.

Wir bekommen einen Führer und löchern ihn mit Fragen. Er zeigt uns Heilkräuter und nahrhafte Samen wie Moringa, erklärt Manjok und dessen Vermehrung und wir können Fruchtentstehung in jeder Phase ab der Blüte bei Papayas und Bananen beobachten.

Die ausgereiften Früchte dann irgendwann hier als Snack zu ergattern, es gibt sogar einen Shop mit Heilkräutern und Tinkturen. Es werden auch Schulklassen betreut und durch den Garten geführt, und damit sicherlich zur Gartenarbeit zuhause animiert.

Die ganze Anlage ist als Permakultur angelegt und hat dank einiger Baumstämme leichten Hochbeet-Charakter. Trotzdem werden viele Pflanzen dazugesetzt um Vielfalt aufzuzeigen.

Den Wasserverbrauch konnte mir niemand nennen, erstaunlich ist es aber schon, was in nur 4-5 Jahren an Biomasse entstehen kann, wenn die Bedingungen stimmen. Die ist schon gewaltig und trägt sogar ne Blüte.

Neben einigen Blumen haben die hier alles in der Region nutzbare angebaut. Mir geht es hauptsächlich darum und Pflanzen wie Kaffee oder Kacao hab ich nunmal noch nicht live gesehen. Es werden Pflanzen gezüchtet und kleine Baobabs zum Aussiedeln angesetzt. Sehr interessanter Rundgang und mal wieder großer Respekt vor der Natur.

Kafountine jardin botanic garden Senegal from ULTRA Fussel on Vimeo.

Wir verlassen den Ort und nehmen den Weg Richtung Grenze nun zu Dritt in Angriff. Edgar der spanische Grafiker und Musiker begleitet uns auf dem Weg nach Dakar, wo er bald den Flieger nehmen muss. Olli hat in seiner rollenden Zweiraumwohnung Platz für den Untermieter und auch meine Kombüse kann ein weiteres futterndes Maul noch vertragen.

Der Grenzübertritt vom Senegal nach Gambia bei Seleti-Jiboro dann relativ unkompliziert. Passkontrollen und Ausstempeln sowie Passavant abgeben im Senegal, dann auch schon bei brütender Hitze an der Abfertigung für Gambia. Die Jungs nehmen es etwas genauer und zur Ausstellung der neuen Zollkarte fürs Auto sind Führerschein und Versicherung von Nöten. Letztere schon ne Weile abgelaufen entdeckt zumindest keiner und die Nummer wird brav aufgenommen. Visa brauchen Europäer nicht… halt, Spanier schon, warum das? Edgar muss wirklich 70,-€ abdrücken und bekommt nen Visa in den Pass. Ich kann mir spontan nur die britische Macht dahinter und der währende Streit um Gibraltar vorstellen.

Zweite zeitraubende Angelegenheit war dann die Fahrzeugkontrolle. So richtig mit Besichtigung im Bus und jeden Schrank öffnen. Nach Waffen, Drogen und Anderem wurde gesucht, Olli musste sogar seine Medikamente erklären. Immerhin ist hier Englisch Amtssprache und erleichtert es bedingt. Halbe Stunde hat das locker in Anspruch genommen und war seit Marokko wieder mal ne Premiere. Gambia gilt als kleinstes Land Afrikas und war bisher ein ruhiges und günstiges Urlaubsparadies. Im letzten Jahr schon unser anvisiertes Ziel nicht weit von Marokko, doch der Vorfall mit dem abgewählten Präsidenten der nicht vom Thron steigen wollte und erst durch Militär überredet werden musste, machte es zu unsicher. Bin gespannt.

Unser Ziel heute nur noch ans Wasser. Wir passieren Brikama und nehmen direkt Kurs auf die Küste bei Sanyang. Dort hinterm Fischerdorf gibt es wohl einige Stellen zum frei Stehen. Der Weg durch Gambia dann optisch nix Neues. Taxis sind gelb und augenscheinlich mehr Urlauber als im Senegal unterwegs. Gleiches Angebot am Straßenrand und die Preise ähnlich. Wir mussten erneut auf andere Währung umrechnen, hier gelten Dalassi und sind 1:55 wert.

Wir finden ne Ecke zum Übernachten und der Strand dann am Morgen wieder Atlas‘ Revier.

Die freien Flächen nördlich der Boote (Hafen trau ich mich nicht zu sagen) befinden sich auf den Geländen von alten ungenutzten Herbergen. Optisch ebenfalls wie überall bisher locker seit 10-15 Jahre am Verfallen. Kleine einfachere Hütten mit Strandbars sind südlich entstanden und auch einen Beachclub mit Liegestühlen gibt es dort.

Doch irgendwie verstehe ich den Verfall immer noch nicht, sogar eine hochbeinig stolzierende Ruine einer Villa findet sich und zeugt von vergangenen goldenen Zeiten. Die Reste bleiben einfach in der Gegend stehen, verfallen und verschandeln den Gesamteindruck.

Wir brauchen Gemüse und nutzen die Abfahrt gleich zum Tapetenwechsel. Nur 15Kilometer weiter nördlich geht es mit einigen wenigen Vorräten wieder dem Wasser entgegen. Die Wege aus der Offline-Karte haben uns bisher immer geholfen, diesmal jedoch endet der gewünschte Pfad vor einem gigantischen Tor… dejavu. Doch dahinter keine Villa mit Privatstrand, sondern… ein riesiges verlassenes eingemauertes Areal. Ein Teil wird als Ackerfläche genutzt und Einheimische lassen uns ein, meinen das gehörte mal dem Präsidenten und hinten gibt es Zugänge zum Wasser.

Die Windkraftanlage deutscher Herkunft auf dem Bild außer Betrieb, die Piste gut fahrbar und nach 3-5 Kilometern auch mit annehmbaren Platz unter schattigen Bäumen. So einige Öffnungen befinden sich in der Mauer, teils abgebaute Tore, teils gemeißelte Löcher, dahinter dann Fischerhütten oder Strandbars. So auch bei unserem Zugang, wo sich eine Anzahl von 10 Booten am Abend sammelt.

Das Feuer soll den frisch erstandenen Fisch grillen. Lagerung und Transport auf den Märkten vertraue ich hier weniger, deshalb ideal bei direkter Abnahme am Boot. Wir sind schon ne Weile vor Ort als die bekannten Geräusche der kollektiven an Land Bringung der Boote hinter der Mauer meine Aufmerksamkeit erregt. Der Fang bestehend aus üblichen Fischen und einigen Schnecken wird aufgeteilt und ich suche was passendes für mein Grillgitter. Habe weder Ahnung über Namen und Geschmack sowie Grätenanteil, aber bin erfolgreich und zufrieden. Direkt am Strand noch geschuppt und ausgenommen mach ich mir für knapp 2,-€ nichtmal die Finger schmutzig.

Lecker war er und als Vorspeise gab es Bohnen für alle. Wer sich über die Betonumrandung am Bild zuvor wundert, ja wir haben kurzerhands und unwissend unsere Küche in eine Moschee verlagert. Ich hab diese von der Natur eingenommene Bauruine nicht als Gebetsstätte angesehen, wir wurden aber später von den heimwärts gehenden Fischern aufgeklärt und versprachen alles sauber zu hinterlassen. Open Air Allah-Tempel… und sicherlich nach Mekka ausgerichtet.

Der Platz war zweckdienlich und aufgrund der kurzen Anreise war auch Zeit für Aktivitäten. Die Mopeds bekamen Auslauf und wir machten ne Runde in den nächsten Ort für Besorgungen. Wir sind nun wirklich schon abgebrüht und haben uns an die Verhältnisse gewöhnt, doch irgendwie ist immer noch was krasseres zu finden. Der Markt in Tanji direkt zwischen Straße und Hafen hat geruchstechnisch neue untere Maßstäbe gesetzt. Der Mix zwischen altem Fisch und verfaultem Gemüse, Diesel und Motorenöl sowie Abwasser kann auf einem Bild mit den direkt angrenzenden Marktständen echt nur als ekelhaft beschrieben werden.

Die Lagerung der Fische in immerhin (und hoffentlich wenigstens) luftdichten Behältnissen aus Recyclinggegenständen kann eventuell positiv angemerkt werden. Deren Funktionsfähigkeit alleine aufgrund Strommangels aber ausgeschlossen, den optischen Rostzustand bewertend sind Kompressoren und Leitungen auch eher nicht mehr dicht und das giftige Innere (bei alter Produktion auch FCKW) des Kühlkreislaufes schon vor Dekaden in die Umwelt eingeflossen… seht selbst.

Nun kann man sich auch vorstellen, warum ich lieber direkt blutverschmiert und sandig vom Boot kaufe. Die Fischer an unserem Stellplatz hinter der Mauer waren sehr nett und die ganzen Familien waren anwesend. Die Kinder bekamen den kleinen Beifang und rösteten sich den Snack direkt auf offener Flamme, die Männer kümmerten sich um die Boote, Netze und die Logistik und die Frauen um die Verarbeitung vom Fang. Fehlen nur noch die alten Weiber die alles im Blick haben und den Tag genießen. Touristen verirren sich hier eher selten und französisch sprechen sie auch nicht, mir wird aber per Gesten und Handzeichen die Heirat mit den hübschen jungen Mädels angeboten, so schnell kann’s gehen. Komm nach Gambia, kaufe nen Fisch und bekomm die Tochter dazu.

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