Les 7 Palmiers – Kafountine

Die Casamance hat noch ein weiteres highlight am Strand zu bieten. Kafountine etwas lässiger, sehr Raggea-lastig und eher für Aussteiger gedacht als Cap Skirring. Überall heißt es jetzt >Ehhhy Rasta< und so fanden wir auch zu Mista, einem Althippie, der ne Weile in Frankreich war und hier nun wieder zuhause ist. Der Platz direkt am Wasser ideal für eine Strandbar und das schon ewig seiner Familie gehörende, weitläufige Areal dahinter war früher schon mal Herberge, wird jetzt wieder aufgebaut.
Es sind zwei weitere Gäste anwesend, als wir mit den Bussen unseren schattigen Platz beziehen. Daniele ein italienischer Rasta der als DJ unterwegs ist und Edgar ein Spanier der neben Musik noch Grafik drauf hat. Beide sind hier schon mehrere Wochen und helfen dafür bei Gestaltung und anfallenden Aufgaben. Hier zum Beispiel das Logo der Bar die immer offen hat falls jemand vorbeischneit… egal zu welcher Uhrzeit, darauf legt Mista wert. Hier mal ne kleine Übersicht:

https://player.vimeo.com/video/260774091

Es fühlt sich an wie Familie, Mista (Chef) hat noch nen „Bruder“ Paul der für alles zuständig ist, die Köchin ist eine Cousine und auch sonst hängen immer noch andere Typen rum. Man konsumiert Gunjah, also wildes Mario-Anna und ist dementsprechend gelassen. Der Arbeitstag endet zum Mittagessen gegen 13-14Uhr. Gegessen wird zusammen und wie üblich aus einer Schüssel / Schale

Sorry Olli, unvorteilhaftes Bild aber ohne Alternative… rechts Mista, links Paul und die anderen haben hinter mir ne weitere Schüssel. Meist gibt es Thibou Djeune, also Reis mit Gemüse und Fisch.

Der glückliche Zufall Dembo den Druck-Künstler kennen gelernt zu haben, der uns hier her führte ist mal wieder nicht zu übertreffen, er auch eine echte Frohnatur und wir besuchen ihn im Atelier und in der Ausstellung. http://www.kafountinelinoprinting.com

Seine Werkstatt hat er mit einigen anderen heimischen Künstlern unter Leitung eines fast heimischen Briten, der sich um Vermarktung und Materialien kümmert. Gleichzeitig gibt es dort ein Gelände für reisende Künstler welches mit hübschen kleinen Hütten und wilder Natur ringsum gestaltet ist. Auch hier treffen wir natürlich Deutsche.

Man glaubt gar nicht wie viele Leute man so kennen lernt, wenn man hier im Ort rumläuft. Es leben einige Europäer hier und auch die Bar ist immer mal Treffpunkt für Nachbarn. So zum Beispiel Axel aus Kreuzberg, echt wahr, aus meiner Heimat und hier seit 15Jahren ansässig. Es gibt einiges zu erzählen, schlimmer wird es nur noch, als wir eingeladen werden auf die Party ins Kitokoto mitzukommen. Afrikanische Disko… muss man mal erlebt haben, ist ja sonst nicht meine Art.

Die Boxen kreischen viel zu laut, das muss hier so, hab ich öfter schon gehört. Auch fällt mittendrin irgendwann der Strom aus und selbst die Trommel und Gitarren-Gruppe kann ohne Licht nix anfangen. Es wird also ein Generator angeschleppt, bei dem irgendwann der Sprit alle ist… Afrika live. Ich hab mich frühzeitig über den Strand Richtung Heimat verdrückt. Dunkel, kann man sich nicht vorstellen, der Mond ist schon seit Tagen nicht mehr vor Mitternacht am Himmel zu sehen. Doch vorher gab es nen Snack vorm Eingang, sowas gibt es auch nur hier. Ein Tisch mit etlichen Töpfen und Schüsseln, ein Grill und ne Stunde zwischen Bestellung und Genuss. Gegrilltes Hähnchen mit hausgemachten Pommes im gigantischen Brot mit allerlei Sauce und natürlich gebratenen Zwiebeln. FastFood ist anders aber nicht leckerer. Es gibt sogar ne weitere Disko an der Hauptstraße, die hab ich mal am Tage abgelichtet.

Mit Deko-Elvis vor der Tür und Afrika Logo auf dem Dach. Ich glaub wenn hier Party ist feiert die ganze Straße mit. Es gibt so viele Anekdoten von unserem Aufenthalt der immerhin 5 Nächte währte. Die „Nachbarin“ zum Beispiel, Freundin auf Zeit vom Spanier hat alle eingeladen ein Essen zu zelebrieren. Sie will irgendwann gerne ein Restaurant aufmachen und wir sind quasi die Tester.

Es gab Vorspeise, Hauptgang und Dessert, von allem mehr als genug und ein lustiger Abend. Der Bissapp (HibiskusSirup) einheimische Spezialität wurde kurzerhands mit dem leichten Bier zur Berliner Weiße gemischt, der gekühlte Weißwein aus Ollis Kombüse kam zum Fisch auch super an. Schauplatz dafür war ein richtiges zur Zeit ungenutztes Restaurant beim nächsten Nachbarn… sowas geht auch nur hier. Das Küchenteam nach der erfolgreichen Schlacht.

Ich mache ja sonst ungern Fotos von Menschen, beim nächsten jedoch gehört wieder ne interessante Geschichte dazu. Ich wollte mich ja auch nützlich machen und hab ohne Aufgabe auch schnell Langeweile. Neben Joggen am Morgen und zwei-dreimal täglich Baden und im Wasser rumturnen braucht man auch Abwechslung. Seit einigen Wochen war bei den Jungs im Gespräch einen Baum zu fällen. Hier hat niemand ne Säge, also wird das in Biber Technik Stück für Stück mit der Machete angegangen, echt wahr. Nun weiß ich aber endlich wofür ich seit 11.000 km meine Kettensäge mitschleppe.

Der gesunde Baum stört leider beim Bau der neuen Unterkünfte links und muss, so Leid es mir auch tut weichen. Der Stummel rechts wurde in tagelanger Arbeit nach oben beschriebener Technik klein gemacht, für meinen aus Ebenholz waren es effektiv drei Stunden Arbeit. Die Kette der Säge wurde bei dem Hartholz echt warm zwischendurch, und wir machten öfter Pause, lag auch am fehlenden Schatten der harte Arbeit verhindert. Um ins Detail zu gehen, es waren Zwillinge und beide unglücklich gewachsen, in die Richtung durften sie auf keinen Fall fallen. Also zusätzlich zum Keil noch ne Spannvorrichtung aus der Slackline improvisiert eingesetzt. Ergebnis: Beide sauber abgelegt und filetiert.

Als Belohnung gönnte ich mir ne Kokosnuss von der Palme nebenan, ohne sie zu fällen. Dank Leiter und Rechen auch so erreichbar. frisch, regional und saisonal… lecker.

Das Gelände verfügt über einen Brunnen und täglich werden damit die neu angepflanzten Palmen gewässert. So wachsen die besser, das freut leider auch die Kühe in der Nachbarschaft und irgendwie schaffen sie es immer nachts auf’s abgezäunte Gelände. Man munkelt die springen sogar drüber und als nächstes wird also der Zaun verstärkt.

Die zukünftigen Herbergen können nun auch ein Dach bekommen und ich glaub Mista würde sich über weitere Arbeitshelfer freuen, wer also gratis Urlaub machen möchte sollte sich mal melden. Es gibt noch viel zu tun, wie ich aber die Jungs so kennen gelernt hab dauert das alles noch ne Weile.

Wir verbringen hier also schon einige Tage und es wird nie langweilig, das Fahrrad reicht zum erkunden und auch zu Fuß ist es nicht weit zur Hauptstraße und damit zum Markt. Zumindest FlipFlops sollten aber unter den Füßen sein, die Temperaturen erlauben kein Barfußgehen mehr, der Sand oder Staub echt heiß. Im Ort teste ich auch öfter mal essbares einheimisches. Hier im Senegal noch sehr beliebt >lait sucre<, also gezuckerte Milch wörtlich übersetzt. Eigentlich eher nen Yoghurt, der mit Cerialien aus Couscous oder nem anderen Getreide gereicht wird, ich mag die Vollkorn Version.

Echt zu süß aber nahrhaft, günstig und echt kalt. Je nachdem wie viel Geld man in der Tasche übrig hat, fällt die Portion aus. Für „to go“ gibt es das wie auch z.B. Wasser und Säfte in einer kleinen Plastiktüte, die man aussaugen kann. Ich hab’s dann lieber zuhause aus der Schüssel, die Portion ca 30ct.

Der Ort hat natürlich auch nen Hafen zu bieten. Variante wie in Cap Skirring, Boote am Strand, Hütten mit Fischverarbeitung direkt dahinter. Hier jedoch alles ne Nummer größer. Die Kähne teils in Dimensionen, die man nicht mehr so schnell an Land hievt. Sie werden direkt in der Brandung entladen und legen dann wieder ab zur nächsten Runde. Das sieht dann so aus, dass mit Kiste und Polsterring für den Kopf der Gang von Helfern in die Fluten den Booten entgegen unseren Schlangen beim Arbeitsamt gleichen. Wer was zum Strand bringen kann bekommt Lohn oder Anteil.

Die Helfer übersteigen zahlenmäßig die anfallende Arbeit. Wer also zu spät kommt und keine Ladung ergattern kann geht leer und nass wieder an den Strand und wartet auf die nächste Möglichkeit. Das alles wird von weiteren Hunderten Schaulustigen am Strand beobachtet, und der Fisch kann direkt aus den Boxen gekauft werden. Von Barrakuda bis Hai ist alles dabei. Rochen, riesige Schnecken, Schollen und auch einige bunte Fische.

Die weiteren Fischverarbeitungszweige sind dann in ausländischer Hand, wieder mal Chinesen. Es wird viel getrocknet und nach Zentral-Afrika verkauft, Konserven muss es aber auch geben, es gibt eine große Fabrik mit Asiaten in Anzügen und Schutzhelm. Nen Haufen LKW stehen auch vorm Hafen rum und funktionieren wohl nach dem selben Prinzip. Das Angebot übersteigt hier überall die Nachfrage.

Die Hauptstraße von Kafountine hat wie gesagt einige Restaurants in einheimischem Stil mit günstigen Preisen, dazwischen auch ein paar Souvenirgeschäfte. Sehr entspannt und authentischer als am Cap. Ich bringe ja aus jedem Land was mit, auch hier werde ich natürlich fündig. Neben einer Djembe, also dumpfen Trommel dann mal wieder uriges Nützliches.

Masken und Statuen sind halt nicht so meins, nur Platzverschwendung und irgendwann Plunder, aber hübsch gemacht meist aus Ebenholz und poliert.

Doch irgendwann muss alles mal enden, unsere Zeit hier neigt sich dem Abschied entgegen, es gibt ein Festessen. Gegrillten Fisch mit Pommes. Irgendwie im Ergebnis doch heimische Kost, auf den großen Platten zum Fingerfood gereicht. Auch die Verarbeitung zeitintensiv, die Mädels schneiden echt jedes Stäbchen einzeln, frittieren aber immerhin häufchenweise. Der Fisch vor der Tür auf offener Flamme und trotzdem perfekt.

Morgen reisen wir ab, unser Aufenthalt zu beidseitiger Zufriedenheit, ich kann noch ein paar nützliche Geschenke abgeben und bin mit meiner Arbeit wie das Baumfällen schuldenfrei. Ich wünsche Mista und seinem Team gutes Gelingen beim Aufbau einer Rasta-Herberge mit Strandbar. Danke und a bientot…

Ein Gedanke zu “Les 7 Palmiers – Kafountine

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