Hafen in Cap Skirring / Casamance

Cap Skirring wie im letzten blog erwähnt eine Hochburg für französische Rentner. Die Einheimischen verstehen die gleiche Sprache und die Sonne ist den ganzen Winter über angenehm, die Preise sind relativ niedrig und den europäischen Luxus hat man sich für etwas mehr Geld auch etabliert. Es gibt einen kleinen Flugplatz der zumindest ab Dakar angeflogen wird. Die strapaziöse individuelle Anreise wie bei uns entfällt und damit auch das Angebot eines Campingplatzes, kein Bedarf dafür. Wir ziehen um und suchen uns schon irgendwas.

Doch zuerst schauen wir mal zum Hafen direkt hinterm Flughafen am Wasser gelegen. Erstaunlich wenige Boote zur Zeit am Strand. Diese ortstypisch sehr bunt und aufwändig lackiert, fast schon künstlerisch bemalt. Schmal in der Erscheinung und mit Außenborder ausgestattet. Auch hier mal wieder Kühe am Strand zu beobachten.

Wir hören, dass die Rückkehr der Boote in knapp zwei Stunden erwartet wird und entscheiden hier in der Nähe abzuhängen und uns später nochmal umzuschauen. Frischen Fisch in Aussicht, es gibt einige Restaurants direkt hier unten am Strand. Die ankündigende Geräuschkulisse mit Landungen am Strand und Einparken dann auch rhythmisch und fast schon hektisch für afrikanische Verhältnisse.

Die Boote werden mit Vollgas auf den Wellen der Flut an den Strand gefahren, dort auf dem Sand gedreht und rückwärts mit Palmenstämmen eingeparkt. Alles Handarbeit und ab und an mal ein Rollgestell aus PKW-Achse im Einsatz. Nebenbei wird der Fang ausgeladen und die Netze zum flicken gebracht, jeder Gewerbebereich hat seine Ecke hier und jeder hilft dem Anderen.

Der Großteil des Fisches wird wohl schon an Bord sortiert, die großen Fische werden direkt über den Strand zu wartenden LKW gebracht und auf Eis gelegt. Hier haben auch die Chinesen ihre Hand im Spiel, gerade bei Haifischen. Einige Restaurants haben wohl auch Bestellungen abgegeben und bekommen gemischte Kisten mit Barrakuda und Lobster. Der Rest wird vor Ort auf dem Sand angeboten und sortiert. Meist Scholle hier Sole genannt und Lotte, der klassische Fisch für jeden Tag.

Der Strand auch hier mit kleiner sandiger Abbruchkante, die zeigt die höchste Flut an und die Boote die nicht gleich wieder raus fahren zum Netze auslegen müssen dahinter parken also leicht erhöht. Schwerstarbeit denn stabil gebaut sind die Holzkähne schon. Mit Schnitzereien verziert und augenscheinlich mit kiloweise Farbe abgedichtet.

Es sieht für Außenstehende ziemlich chaotisch aus, hat aber wie erwähnt alles seinen Platz und auch kleine Hütten zum Ausruhen und Pausieren sind angelegt. Es gibt Shops mit Angelzubehör die in gleicher Weise wie die chicen Strandbars weiter südlich gebaut wurden. Und auch der Abfall der nicht von den Möwen gefressen wird hat seinen Platz. Hier Schneckenschalen, wie man sie aus tropischen Gewässern kennt. Haufenweise am nördlichen Ende vom Hafen.

Gleichzeitig die geruchlich intensivste Ecke, denn hier wird der Trockenfisch ausgelegt. Wie schon in Guinea gesehen trocknet der dann natürlich mit Salz und Sonne auf hunderten Gestellen am Strand.

Gerade erst vom Boot geholt und auf dem Sand ausgebreitet machen sich schon Männer wie auch Frauen mit Axt und Messer an die Arbeit die Flossen und Schuppen sowie Innereien zu entfernen und den Fisch für die Tische vorzubereiten. Die Reste bleiben liegen oder werden ins Meer gespült. Wundert mich, dass die Haie nicht direkt vor dem Hafen lauern.

Die ganze Runde ist auch als Überblick per clip verfügbar. Hafen mit Ton live und ohne viel Aufwand zusammengestückelt.

https://player.vimeo.com/video/259478940

Wir beenden unseren Rundgang und wollen mal gucken was es bei einem der Restaurants mit hübsch dekoriert schattigem Plätzchen zu futtern gibt. Meine Beute von der Runde ein plattgefahrener trockner weißer Babyhai der für den Export wohl zu klein war und im Vergleich mal eine Muschelschale von den hier genannten Schnecken.

Diese Schnecke will ich dann auch auf dem Teller haben und der Koch marschiert los. Der reine Muskel ohne den ganzen Glibber ringsum ist immer noch gewaltig im Vergleich zur Hand. Ich bin gespannt.

Das Teil wird halbiert und ne knappe Stunde tot gekocht. Natürlich nicht in der Küche sondern vor der Tür auf Holzfeuer.

Drinnen wird die Schnecke dann später kleiner geschnitten und erneut frittiert, gibt dem ganzen eine knackige Note an den Rändern. Der Rest immer noch recht zäh und geschmacklich nicht herausragend aber auch nicht schlecht. Wie üblich hier unten leider mit zu viel Zwiebeln (dem immer Verfügbaren importierten Gemüse) und zu würziger Sauce serviert. Trotzdem ein Erlebnis und die Behausung meines Essens fährt nun dekorativ im Bus mit und gesellt sich zu den anderen Andenken aufs Armaturenbrett.

Irgendwie wieder ein unvergessliches Erlebnis, dieser Hafen eine erstaunlich simpel funktionierende Wirtschaft. Wir sitzen wieder am Steuer und sind unterwegs in die Sackgasse nach Norden. Diembering liegt dort und irgendwo auch hoffentlich mal freier Zugang zum Strand. Es gibt einige schöne Plätze am Wasser, teils einsam, teils in urige Herbergen eingefasst. Leider alles nur über sehr sandige Pisten zu erreichen und damit kein Weg für uns. Wir drehen also im Kreisverkehr um der eigentlich nur aus einem massiven ortstypischen Baum mit ausladenden Wurzeln besteht. Auf dem Weg hierher haben wir auch keine Alternative gefunden, werden aber auf dem Rückweg mal die Augen genauer offen halten.
Eine Einfahrt haben wir wohl übersehen, diese geht zwar nicht zum einige Hundert Meter entfernten Strand, das Wasser aber in Hörweite. Der Platz dahinter ideal und schattig, irgendwie aufgeräumt und wie dafür gemacht.

Ich hab mal kein Foto von den parkenden Bussen, nur die Aussicht aus meinem Fenster am Morgen, als die ansässige Wildschweinfamilie ihr Revier abgeht und auch über weiteren Nachwuchs nachdenkt. Das Schild zwischen den Bäumen weist auf ein EcoMuseum hin und erklärt damit auch die gepflegte Erscheinung.

Wir lernen später auch Kassumai kennen, dem das Gebiet gehört und der ab und an Touristen durch das Gewirr aus kleinen Pfaden führt. Er erlaubt uns zu bleiben und zieht sich um. Für die bald eintreffende französische Familie und die Führung nun im sehr urig afrikanischen Umhang mit Muschelketten behangen. Schein interessant zu sein, wir hören Gesang und Trommeln, auch die Exponate im Pavillon können es mit nem Museum aufnehmen.

Wer also mal in der Nähe ist schaut ruhig vorbei, ansonsten sind die verschlungenen Pfade auch teil der Ausstellung und selbst wer sich hier mal frei bewegt kann was entdecken.

Wir machen während dessen einen Ausflug mit den Mopeds und fahren erneut nach Diembering um dort die Piste unter die Räder zu nehmen. Auch mit dem Motorrad eine echte Herausforderung im Tiefsand zum Strand. Doch dann wirklich tolle abgelegene Ecken zum Verweilen. Wir nun aber mit Vollgas entlang am Wasser nach Süden Richtung Cap Skirring. Wir schauen gleichzeitig nach einer Alternative für heute Nacht, müssen aber passen. Die Fahrt durch den Ort dann wie üblich sehr geschäftig, hier hält sogar ein richtiger Bus.

Eigentlich alles wie gehabt, stabile Dachträger, bunt lackierte Außenhaut und Schmutzfänger am Heck, wahrscheinlich auch mehr Passagiere als Sitzplätze und Fahrtzeiten nur ne grobe Schätzung. Öffentlicher Nahverkehr im Senegal. Wir passieren die Stadt und nehmen Kurs auf unser Camp, welches auch für eine weitere Nacht taugt. Abfahrt am nächsten Morgen mit großem Bogen an die Küste weiter im Norden. Zwischenstopp in Ziguinchor der aber nicht erwähnenswert ist. Immerhin hab ich mal ne Ansichtskarte geschickt und hoffe dass die auch ankommt. Die einzige Post weit und breit, immerhin war jemand da und hat die Karte entgegen genommen.

Wir überqueren die Casamance und fahren hinein in eine gigantische grüne flache Wildniss hauptsächlich bestehend aus Mangroven und Schwemmland. Die Luft ist schwül, man kann behaupten stickig und heiß. Es fehlt die Briese vom Meer und der Wind der ab und an mal auftaucht hat was von Haarfön. Echt nicht angenehm, immerhin die Sonne im Rücken auf dem Weg nach Norden, Zeit wird es. Tempo trotzdem wie gehabt, locker lässige 50km/h. Denn ab und an gibt es Hügel auf der Straße, oder seit dem Senegal neue modernere Geschwindigkeitsbegrenzungen aus Autoreifen oder Baumstämmen, bei Nacht sicherlich mit noch mehr Überraschungseffekt.

Wir folgen der N5 und finden nix besonderes zur Ablenkung am Straßenrand. Die paar Ortschaften im üblichtn Stil und der Tag noch lang, wir ziehen heute also erneut bis zur Küste durch und haben keine Lust ohne Fahrtwind bei gefühlt nun 40grad auszuharren. So kommt es, dass wir auch Diouloulou kurz vor der Grenze zu Gambia hinter uns lassen und erneut nen Abstecher nach Westen machen. Kafountine sieht auf der Karte interessant aus und war auch bei Gesprächen erwähnt worden. Die hübsch parallele Straße zum Strand im Süden der Stadt dann nix für Touristen. Der Hafen ist hier und man riecht es auch schon von Weitem. Die ganze Anlage ein vielfaches größer als der ähnliche aufgebaute in Cap Skirring. Also umkehren und Alternativen suchen. Der Ort schon recht hübsch mit Restaurants und Souvenirgeschäften die neben Masken und Kunst aus Ebenholz auch Trommeln und alltägliches bieten.

Einige Weißen sieht man auf den Straße, es muss also was los sein hier, Kafountine hat Stil ist aber noch original und nicht annähernd so durchgestylt wie Cap. Es gibt ein paar Lodges am Strand, vielleciht finden wir da ne Ecke zum Bleiben. Wir nehmen die erste Abzweigung Richtung Norden und finden uns auf sandigen Pfaden wieder. Mit etwas Glück und netten Gesprächen bei einigen Läden landen wir auf Empfehlung von Dembo aus seinerr Kunstausstellungbei Mista und seinem Grundstück 7Palmiers. Um es vorweg zu nehmen, wir hatten mal wieder richtig gepokert und sind im Paradies mit Sternchen gelandet. Das volle Programm Urlaub und die Zeit verging ungemerkt im Fluge. Dieser Geschichte widme ich aber einen eigenständigen Beitrag.

2 Gedanken zu “Hafen in Cap Skirring / Casamance

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s