Senegals Süden – Die Casamance

Der letzte Tag in Guinea-Bissau startet für uns also kurz vor der Grenze. Senegal von Norden aus zu bereisen wird ja öfter als bürokratisch sehr problematisch beschrieben. Wir haben also ne Weile Zeit eingeplant. Die Abfertigung zur Ausreise dann die üblichen drei Stationen, Gendarmerie, Polizei und Zoll. Irgendjemand wollte dann auch mal wieder ne Gebühr fürs stempeln oder Straßenabsperrung öffnen, aber… ohne Ticket gibt’s kein „Schmier“geld.

Danach die gleiche Prozedur bei den Hütten welche die Grenze zum Senegal beschreiben. Nette freundliche Beamte die schnell und ohne faule Tricks Passport auch ohne Visa bearbeiten. Den brauchen Europäer hier nicht. Das Zolldokument gibt es auch sofort für 2500CFA und dafür auch ne Quittung. Fertig und kein Carnet de Passage nötig.
Die Landschaft bis Ziguinchor, hat sich nicht geändert. Dort treffen wir auf den namensgebenden Fluss dieser Region, die Casamance. Bildet ein Ufer entlang der Stadt und ist obwohl noch 70km weg vom Meer, echt gewaltig. Die Boote hier im Bild als Fähren genutzt ähneln denen am Meer, sind jedoch nicht ganz so schmal. Nebenan ein kleiner Markt.

Die Stadt schon recht groß und irgendwie lebendiger als zuletzt in den Guineas. Mehr Farben – Leben, richtige Zivilisation. Wir besuchen ne Bank und Tanken, holen Lebensmittel am Straßenrand und sind auch recht schnell durch. Wir wollen heute nach Cap Skirring und wissen nichts über die Straßen zur Küste. Doch es läuft ziemlich gut bis auf häufigere Geschwindigkeitshügel oder Slalomschikanen auf der Route. Pause ist mal angesagt, im Schatten natürlich man geht ja sonst ein.

Das Bäumchen hier mal wieder ne Nennung wert, eines der beliebtesten Zimmerpflanzen der Deutschen, ein Ficcus… in nicht mehr topfgerechter Lebensphase, toll. Solche großen ebenen Plätze sind selten, meist irgendwas in der Nähe, hier eine Kirche.

Die Umgebung wirkt da schon irgendwie fehl am Platz, und auch fehlen die wichtigsten Sachen, die Kirchen in Europa ausmachen und wenn überhaupt einen Besuch wert sind. Bunte Fenster zum Beispiel, hier gibt es gar keine. Aufwändige Schnitzereien und Bilder im Inneren, hier gibt es Bänke ohne Lehnen. Aber vor allem kein Gold und zur Schau gestellte Macht / Reichtum, wie bei den heimischen Besuchern zuhause nicht einmal ein richtiges Dach.

Wir erreichen den Urlaubsort Cap Skirring komplett auf guter Asphaltstraße und sind auch im Ort sehr überrascht. Bürgersteige und Cafes am Straßenrand. Bunte Souvenirgeschäfte und sogar halbe Altölfässer als Mülltonnen an jedem Strommasten. Wir sind an der Cote d’azur des Senegal und neben vielen französischen Winterbewohnern in ihren Residenzen gibt es einen , der durch nen Flughafen im Ort angesteuert werden kann. Pauschalurlaubsland Senegal… nicht jedermanns Geschmack. Vor allem war die Casamance vor kurzer Zeit mal wieder wegen Entführung und Tötung von Touristen in den Schlagzeilen, zur Zeit jedoch eher ruhig.

Es ist Wochenende und unser Bekannter aus Bissau, der als Diplomat der EU dort arbeitet und hier ein Wochenendbungalow hat, ist auch unterwegs und meint es ist ne sehenswerte Ecke. Wir finden aber so keinen richtig traumhaften Zugang zum Wasser wo die Busse direkt daneben stehen. Alles in Privatbesitz, einige davon sehr chice Appartementanlagen und ähnliche kleinere Hotelunterkünfte mit eigenem Strandabschnitt. Wir halten also nochmal im Ort und genießen die Vorzüge eines richtigen Restaurants mit Waschbecken für die Gäste und Sitzplätzen auf der Terrasse. Diese dann mit Blick auf das bunte Treiben der Promenade. Gegenüber eine Kirche mit „Vorstellung“, so voll, dass nochmal ein Drittel draußen vor geöffneter Tür steht und singt. Es passieren uns ne Menge Weiße in Einheimischen Fahrzeugen mit teilweise dunkelhäutigen und viel Jüngeren Beifahrern. Das gilt für beide Geschlechter und auch ältere Damen lassen sich gerne von durchtrainierten Burschen mit langen Haaren ausführen. Wenn sich Oma und Opa in Frankreich nicht mehr viel zu sagen haben gehen sie hier wohl beide ihren Interessen nach.

Am Bungalow war heute noch keiner, er musste länger arbeiten und wir treffen ihn Morgen, haben uns eine ruhige Ecke in der Siedlung mit den Villen und Herbergen gesucht. Aber auch später gibt es bei ihm nebendran keinen Stellplatz, der Bungalow in einer Gemeinschaft von anderen Residenzen mit Eingangstor und Wachmannschaft. Richtung Strand jedoch eine schattige Ecke in gehweite zum Wasser und vorgelagerter Strandbar.

Das Etablissement echt aufwändig gestaltet, Bar und Hotel in einem am Abend mit Musik, ein Name hier unten. Doch auch davon lässt sich die Natur nicht in Schranken weisen. Zu nah am Wasser gebaut, oder wie hier behauptet wird seit 15Jahren nicht so hohe Gezeiten gehabt. Die Terrasse unterspült, jüngst sind Teile abgebrochen. Wenn das so weitergeht ist im kommenden Sommer nicht viel davon übrig. Hier könnte man es bei gekühlten Getränken aushalten, die Brieftasche muss das aber auch hergeben, also nicht meine Art von Urlaub. Ich spaziere lieber den Strand entlang und wundere mich über die Geschöpfe hier, Seekühe?

Ist mir beim Morgenspaziergang schon aufgefallen, Kühe am Strand. Echt entspannte Viecher, selbst Atlas oder mal ne Welle um die Hufe schreckt sie nicht auf. In der Sonne chillen, vielleicht eher den nassen kühleren Sand genießen?

und mal wieder in Bewegung zu erleben:

https://player.vimeo.com/video/259453938

Ich hab noch mehr davon auf Lager, echt kurios anzusehen. Dachten sich von mir sicherlich auch die Einheimischen als ich mit der GoPro um die Wiederkäuer spazierte.

Die Akteure vom letzten Bild hatten sich dann einen Platz mit Unterhaltungsprogramm ausgesucht. Frauen sammelten mal wieder Muschelbruch und schleppen den zum Strand zum trocknen. Kann keine schlechte Einnahmequelle sein, wenn hier im Touristenort sowas auch gemacht wird.

Für heute Abend ist einheimische Küche geplant. Unser Gastgeber kennt da ein abseits der Hauptstraße gelegenes Restaurant „mere nano“ Mein Wunsch war nicht die überteuerte Fischgrillplatte mit Pommes dazu, Pizza oder Hamburger die hier im Ort auch zu bekommen sind. Ich will Ortstypisch und das ist nun mal , das Nationalgericht im Senegal. Ähnelt Couscous in Marokko, hier mit Reis serviert. Dieser ist farbig rot und sehr gewürzt, obendrauf gekochte große Gemüsestücke und Fisch. Da wären halbe Karotten, Kohl, Manock und die komischen heimischen tomatenähnlichen grünen Bällchen. Fisch als Querschnitt mit Gräte und die Sauce auf Wunsch mit ordentlich Schärfe. Foto fehlt, der Hunger war schneller, dafür aber die Speisekarte, simpel gehalten.

Gigantische Portionen und dazu drei Bier, 5000CFA mit Trinkgeld, also keine 10,-€ Glücklich und satt. Unser Reiseführer will uns aber noch zum Dessert einladen. Um die Ecke ein Italiener, zumindest nach der Küche. Das gut besuchte moderne kleine Bistro bietet Spaghetti für den französischen Nachbartisch. Lautstark wird sich auch über Wein gefreut. Wir sind hier für flambierte Banane, dazu hausgemachter einheimischer Saft. Ich den roten Hibiskus, Olli den scharfen Ingwer. Geschmacksexplosion und ein lustiger Abend in Cap Skirring.

Wir sind mit dem 4×4 Hilux unseres Bekannten unterwegs, auch hier in den Nebenstraßen nötig, Sand überall. Wir werden auf Wunsch ohne Besuch im Nachtclub nach Hause chauffiert und stehen günstig und schattig neben einem heiligen Wald. Zumindest ne Art Naturschutzgebiet und Stromerparadies für Atlas. Kein Müll und keine Wege, nur niedere Trampelpfade von den überall anwesenden Wildschweinen (eher wie zahme Hausschweine)

Morgens an den Strand und dann wollten wir eigentlich weiter, nen optimaleren Platz suchen. Aber ganz ehrlich, wichtiger als Postkartenmotive sind bei aktuellen Temperaturen nun mal Schatten und den haben wir hier den ganzen Tag über. Olli wird nochmal zum Kaffee trinken am Strand abgeholt, das bedeutet hier mit dem Pickup bei ebbe auf der Wasserseite die einzelnen Möglichkeiten abfahren. Vor der Flut sollte man aber zurück sein. Gleiches gilt für die Fischer aus der ersten Reihe, egal ob erfolgreich oder gerade noch am kämpfen.

Schon sehr unterschiedlich von den Methoden der Einheimischen. Dazu widme ich mich mal ausführlicher im nächsten blog. Senegals Süden bisher viel angenehmer als erwartet.

2 Gedanken zu “Senegals Süden – Die Casamance

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