Packliste Küche (Survival)

Mal wieder ein paar Worte neben den üblichen Reiseberichten aus aktuell Westafrika. Wir sind nun schon längere Zeit abseits der Zivilisation unterwegs. Entbehrungen gibt es automatisch und genügend. Aus Erfahrungen kann man lernen, hier also mal meine Liste mit unverzichtbaren Lebensmitteln unterwegs.

Definitiv die Wasserfilteranlage, Trinkwasser ist in Westafrika noch teurer als in Marokko und da schon doppelt so teuer wie in Spanien. Durch Einsatz von nicht immer glasklarem Brunnenwasser oder aus Bachläufen bleiben ne Menge Sedimente schon in der ersten Filterstufe hängen, davon also mehr Ersatz einpacken.

Diese Liste wird sich hauptsächlich mit Dingen des Alltags beschäftigen, für den Werkstattbereich hab ich ja oft genug schon Empfehlungen abgegeben. Weiter also in der Küche, denn nach Wasser kommt Nahrung. Ich kann gerne eine Reise über auf heimische Küche verzichten. Regional und saisonal schon immer im bevorzug, jedoch gibt es ab dem Süden Marokkos auf unserer Reise schon einige unerfüllte Wünsche nach mehr Vielfalt. In Mauretanien zum Beispiel ist die Ernährung hauptsächlich auf Fleisch und Brot ausgelegt. Ohne irgendwas dazu, also kann ne Flasche KetchUp oder ne Margarine nicht schaden, beides nicht zu bekommen und lange haltbar.
Ab Mali gab es wieder Obst wie Mangos und Papayas auch Bananen und ein paar recht trockene Zitrusfrüchte. Der Fruchtsalat am Morgen damit aber auch nicht auf Dauer der Bringer, ich mische gerne etwas Wasser und Chia Samen dazu um mehr „Sauce“ zu generieren.

Überhaupt gehören ein paar Tütchen Algenpulver und Heilerden ins Sortiment um den Mineralienhaushalt gesund zu halten. Diese kann man auch ins Müsli fügen und mit Sonnenblumenkernen und Leinsaat strecken. Letztgenannte Bestandteile hab ich seit Marokko nicht mehr im Angebot gesehen, dort jedoch günstig zu bekommen. Haferflocken sind aus Erfahrung ab Südeuropa schon nicht mehr billig. Müsli Fans sollten also wie ich einen Vorrat anlegen, meine 10Kilogramm (20Pakete) neigen sich auch langsam dem Ende. Dafür braucht man logischerweise Milch. Soya oder Hafermilch sucht man hier vergebens, vegetarisch/vegan ist hier unten eh nicht angesagt. Aber auch richtige Milch gibt es nicht mehr haltbar verpackt und der frischen Herkunft ist nicht immer zu trauen. Dafür hat sich Trockenmilchpulver als ideale Alternative erwiesen. Wir kommen der Survival-Ausstattung schon etwas näher. Aufzupeppen gerne auch mit Kakaopulver.

Haferflocken können auch ohne Milch eine leckere Zwischenmahlzeit als Haferschleim ergeben, richtig. Brei wie früher, Wasser erhitzen (muss nicht mal kochen) und die Flocken einweichen. Mit Zucker oder Marmelade oder etwas herzhafter mit Leinsaat, Kokos und Nüssen gesünder abschmecken. Hier erhältliche Erdnüsse oder Coco kann man so auch abwechslungsreicher verwenden als nur geröstet oder roh in sich zu stopfen. Immerhin besser als Kekse oder Chips und regional frisch ohne Import und Plastik.

Wenn der Hunger aber siegt muss was ordentliches her, trocken länger zu lagern und meist überall zu bekommen außerdem nahrhaft sind Bohnen und Reis meine Favoriten. Lose gekauft Bohnen und Reis vorm einweichen immer mehrmals waschen (und sortieren / Steinchen). Kilopreise variieren als Hauptnahrungsquelle hier nur leicht, Reis um 50ct, Bohnen das Doppelte. Für Bohnen egal welche Form oder Farbe, hat sich das vorkochen im Drucktopf als praktisch und zeitsparend erwiesen. Ohne ins Detail zu gehen weiche ich Bohnen immer schon am Vortag ein und koche die dann 30Minuten in frischem gefilterten Wasser. Dazu gibt es dann im zweiten Kochgang Tomatenmark (überall erhältlich) und mit ein paar Gewürzen hat man Westernfeeling, gerne auch aus der Pfanne. Als Tip kann ich Tomaten-Tütensuppe empfehlen. Trocken unendlich zu lagern, günstig im Einkauf und effektiv im Ergebnis. Ne Tasse Bohnen ergibt eingeweicht ne gute Schüssel, in einer Suppe gekocht und dazu ne Tasse Reis macht zwei richtige Kerle satt und kostet keinen Euro. Das Verhältnis Proteine zu Kohlehydrate ist auch akzeptabel, noch nen Schluck gutes Öl dazu, perfekt.
Es gibt weitere Tütensuppen und „Fix für“, die heute leider auch erst bei uns (hier noch nicht) mit relativ unschädlichen Inhaltsstoffen ausgestattet sind. Für Geschnetzeltes zum Beispiel gibt es Zeug was auch der unerfahrenste Koch mit Kleingeschnittenem Gemüse schmackhaft zubereiten kann, dazu Nudeln, fertig. Meine Köchin ist auf der Tour nicht da und Olli selbst unbegabt, kann sich über unser Futter aber nicht beschweren und hat diesen Tütensuppen-Trick nun in sein Repertoire aufgenommen.

Aufgrund der eher mageren Gemüseangebote in Westafrika ergibt sich zwangsläufig einfachere Küche. Risotto mit Zwiebeln und Auberginen zum Beispiel. Brühwürfel sind dazu auch unverzichtbar in der Küche. (Findet man zumindest in Europa als Bio-Qualität ohne Geschmacksverstärker und dem neuen Unwort der Umschreibung „Hefeextrakt“). Davon hab ich auch nen Arsenal eingepackt und bin von Maggi, Knorr und Co unabhängig die die afrikanischen Märkte überschwemmen. (Beim Risotto rede ich von Kochkunst und ner halben Stunde rühren. Nachdem Zwiebeln und Reis angeröstet wurden kommt Gemüse dazu und schluckweise warme Brühe um in der großen Pfanne cremig gerührt zu werden) Erlebnisgastronomie gerne draußen am Lagerfeuer bei Sonnenuntergang… je nach Belieben.

Wer dazu unbedingt Fleisch braucht, dem Örtlichen von Fliegen befallenen Angeboten aber nicht vertraut und nicht dauerhaft kühlen will soll sich Dauerwürste staubdicht verpackt einstecken. Gewürfelte Salami macht jedes noch so einfache Gericht in der Wüste oder im Dschungel zum Gaumenschmaus.
Falls sich doch mal irgendwie Übelkeit einschleicht der sollte meiner Empfehlung nach mindestens 36Stunden fasten. Raus damit und Ende. verschiedene Tees und Ingwergetränke helfen. Kleine Darmreinigung im Anschluss, dafür sind Flohsamenschalen unverzichtbar. Ähnlich wie Chia sehr quellfähig und zusammen mit geschroteter Leinsaat in kleinen Mengen die Putzkolonne. Zwieback kann da einpacken, ist sperrig und wenn Not am Mann ist sowieso schon längst mal mit Marmelade aufgefuttert.

Brot ist auch überall erhältlich, wenn man das labbrige Weiße im ehemals französischen Sektor so bezeichnen kann. Doch was drauf? Margarine schon angesprochen, Honig auch selten geworden und Marmelade nur importiert. In Öl getunkt macht nicht lange glücklich also muss Abwechslung her, Zuckerrübensirup hat mir lange geholfen, kann man auch super in den Haferbrei rühren. Palmöl kommt zwar von hier unten, Sachen wie Schokocreme deren Hauptbestandteil das Fett aus den Palmen (und damit Grund für Abholzung und Brandrodung) gibt es nur teuer importiert. Da lob ich mir wieder Marokko mit dem Amlou, eine Mischung aus Honig und Nüssen mit Öl, lecker und viel zu wenig eingepackt gehabt. Begrenzter Stauraum…doof.
Platz ist bei Dachzeltnomaden oder Radreisenden noch eher ein Thema, vielleicht sind dann noch Sachen wie Kartoffelbreipulver, Quinoa und Grünkernschroth ein Thema. Ich glaube Couscous oder Hirsegries kann man sogar ohne kochen nur durch quellen zubereiten, das ist aber nicht mein Level der Überlebensküche und wieder mal erhebe ich keinen Anspruch auf vollständige Auflistung. Ihr könnt gerne die Kommentarfunktion nutzen um Ideen anzuheften. Pesto zum Beispiel ist Ollis Leibgericht, das unterfordert aber meinen Ehrgeiz und braucht zusätzlich Nudeln die auch nicht überall zu bekommen sind. Dann gilt auch purer Reis mit Soya-Sauce oder Ketchup… ok, kommt mit auf die Liste.

Etwas fehlt noch, wenn auch nicht häufig genutzt. Backpulver für Pfannkuchen und Hefe für Brot oder Pizza, Mehl ist immer irgendwie da. Und wenn mal kein Baguette zu bekommen ist eine schnelle und günstige Knabberei. Einpacken.

Hier abschließend nochmal meine Liste der unumstößlichen Lebensretter der Singleküche. Bin ich nur froh dass ich nen Schuhkarton voll Gewürzen dabei hab und Christie bei ihrem Besuch in Marokko damit was ordentliches zaubert, immerhin gibt’s da auch wieder Gemüse satt.

Liste:
Backpulver / Trockenhefe
Bio Suppenwürfel
Chiasamen
Flohsamenschalen
Haferflocken / Müsli
Leinsaat
Margarine / Halbfettbutter
Sojasauce / Ketchup / Pesto
Trockenmilchpulver
Tütensuppen/fix als Grundlagen (z.B. Tomatensuppe für Reis mit Bohnen (beides überall zu bekommen)

2 Gedanken zu “Packliste Küche (Survival)

  1. Cale schreibt:

    Wie immer sehr interessant, wenn auch aufgrund der Textblockform etwas unübersichtlich.
    Hier noch ein paar Anregungen:
    – Haferflocken / Müsli gehen auch super kalt nur mit Wasser, braucht weniger Tage Eingewöhnungszeit, dann liebt man es bald
    – Couscous und Hirsegries lassen sich tatsächlich kalt zubereiten, auch Bulgur (mein Favorit)
    – Pesto in großen Mengen vorher zubereiten und in Weckgläsern abfüllen. Nudeln braucht es dafür nicht, taugt als Brotaufstrich genauso wie zu Reisgerichten oder was auch immer
    – Als haltbarer Gemüseersatz kommen grüne Pulver (zb Weizengraspulver, Spirulina..) in Frage
    – Trockenfleisch selber herstellen (noch nie gemacht, aber ein Outdoor-Freund hat mir mal von berichtet, dass es ganz leicht sei)
    – Ersatz für Brotaufstrich: Olivenöl mit Knoblauch und Kräutern ansetzen

    Welches Rezept auch immer, vergesst nie die wichtigste Zutat: Liebe!
    Schmecken lassen! ❤️

    Gefällt mir

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