Grenze zwischen zwei Guineas – ab nach Bissau

Der Start in Koumbia und die schon erwähnte Distanz von 80km weiterer Piste zur Grenze vor uns. Noch nie bin ich so unmotiviert in einen Tag hinterm Steuer gestartet. Immerhin hat die Piste nun Charakter und ist nicht mehr die „Schneise durch den Dschungel“ Zumutung. Fahrerisch und fürs Auge abwechslungsreicher und ganz ehrlich auch nicht mehr so ausgewaschen und holperig wie die große Piste mit dem Lastwagenverkehr.

Doch auch hier wird uns später ein Auflieger oder Sattelschlepper begegnen, unglaublich, wenn man sich solche Überführungen ansieht. Das ist dann Fernfahrer Abenteuer pur. Für unsere Busse ohne Probleme zu meistern.

Wir erreichen das Dörfchen Foulamory und damit auch den Grenzposten Guineas. Es gibt die üblichen Posten Gendarmerie, Police und Douane. Alle in kleinen Hütten im Dorf verstreut. Jeweils gut zu erkennen durch die Absperrung der Piste mit Flatterband. Die Moderne hat hier schon Einzug gehalten, LED-Straßenbeleuchtung die tagsüber durch Solar aufgeladen wird. Alles zusammen eine Sache von 15Minuten und sehr freundlichen Beamten. Vielleicht hätten wir hier einreisen sollen und unsere ersten Erfahrungen wären positiv ausgefallen.

Die Wachstube vom Zoll, wo dann unser Passavant ausgestempelt wird hat es architektonisch in sich, eine urige luftig kühle Hütte mit Strohdach. Ich darf vom Arbeitsplatz des Zöllners sogar ein Foto machen.

Danach sind es noch knapp 10 Kilometer bis zur geografischen Grenze, die hier durch den Fluß Corubal gezogen wird. Eine Brücke gibt es nicht, soweit waren wir schon, die Fähre ist dann das Geheimnis, welches sich endlich lüftet…

Die letzten Meter dort runter haben nochmal ordentlich Nerven gekostet. Oben gab es noch einen Militärposten… echt aber sehr improvisiert. Drei junge Uniformierte, die wieder mal ein Seil über die Straße gespannt haben und die letzte Instanz im Lande sind. 20.000,- pro Fahrzeug oder die Fähre ist unerreichbar. Der Chef des Floßes will auch nochmal je 100.000,- für die Überfahrt. Hier stehen vier-fünf Hütten und die Jungs leben abseits am Arsch der Welt um ihre Grenze zu sichern. Wir verstehen uns gut, handeln im Gesamtpaket noch was raus und zahlen viel weniger für die Fähre, da 20,-€ für eine Fahrt auch sicherlich nicht der normale Preis für den Kahn ist. Die Abfahrt ist steil und ich bin froh diese Steigung nicht hoch zu müssen. Olli jedoch bleibt an der Fähre mit seiner Anhängerkupplung stecken.

stecken

Wir probieren ne Weile hochbocken und Brettchen drunter legen, gibt aber keine Traktion und auch an der Kupplung hebeln bringt nicht viel. Ich fahre also meinen Bus zurück und ziehe gleichzeitig mit der Slackline meinen überlangen Begleiter auf das in der Summe zu kurze Boot.

Auf 15Meter Ladefläche bekommen wir nen mittellangen und nen langen Düdo plus zwei Anhänger mit knapp 3 Metern, rechnet mal nach… 🙂 Und wir hoffen dass die Seilzüge der Landungsbrücken das Gewicht des Anhängers halten. Ollis Moped hätte zwar mal ne Wäsche nötig aber hier nicht. Der rappelnde Motor wird angeschmissen und die Fähre am Seil über den Fluss gezogen. Das ganze Schauspiel der Beladung hat locker ne halbe Stunde gekostet und war natürlich Anziehungspunkt für alle Bewohner ringsum. Ein paar Meter weiter war Badetag für die Frauen und Kinder im Fluss. Heute also Erlebnisbad.

Am anderen Ufer, auf der Seite von Guinea-Bissau erwartet uns dann eine nicht minder steile Auffahrt. Ich habe schon bedenken, es gibt aber keine andere Möglichkeit. Erster Gang und Vollgas. Das Wüstenschiff atmet tief durch und schwarz aus, es geht gut vorwärts, doch die Steigungsrate jenseits der 15% welche dann kritisch sind. Es reicht nicht an Leistung und auf halbem Wege muss ich abbrechen. Der Anhänger mal wieder das Problem. Ich rolle zurück und stelle ihn umständlich beiseite. Muss Olli dann mit doppelter Leistung holen. Aber auch ohne die 500kg am Heck schafft der Bus es nicht. und bevor ich ein drittes Mal auf der Fähre Anlauf hole beschließen wir dass Olli nun vorbei fährt und mich sowie den Anhänger hochzieht.

Willkommen in Bissau… mit Anlaufschwierigkeiten. Ich ziehe ihn rauf aufs Boot, er mich runter. Wir checken kurz bei der Polizei ein, unkomplizierte nette Jungs die uns quasi schon in Aktion beobachtet haben. Es gibt nen Stempel und wir dürfen weiter, die anderen Posten sind im nächsten Dorf auch knapp 10km entfernt. Heute jedoch nicht mehr, wir suchen uns einen ruhigen Nachtplatz und haben doch wieder mehr Abenteuer zu verdauen als eigentlich angedacht.

Am nächsten Morgen dann merklich ein anderes Land, hier spricht man kein französisch, sondern portugiesisch, na super. Außerdem sind statt Mofas aus Indien alte Fahrräder angesagt.

Ein bekanntes hat es aber erneut, die Währung. Franc CFA wie in Mali und nun auch hier und im Senegal damit wieder von neuem Kopfrechnen mit 650:1. Die ersten Brocken BonDi(a) und Obrigado lernen wir an den Kontrollposten im ersten Dorf, Stempel der Gendarmerie und vom Zoll in unsere Guinea Passierscheine, den Rest sollen wir in der nächsten Stadt erledigen.
Den ersten Euro investiert Olli dann in eine Wäsche seines Mopeds, kann sich ja so niemand mit sehen lassen. Am Straßenrand öfter mal Angebote für Waschservice, nen Fass, ne Pumpe und der Rest ist Handarbeit.

Im ersten Ort, der sich sonst nicht von Städtchen im Nachbarland unterscheidet wechsel ich dann die letzten Guinea-Francs, die wir nicht mehr benötigen. Es gab mal gleich wieder Ärger beim Parken, als Weißer musst du dich besonders an Regeln halten, wenn auch die erahnt werden müssen. Da wo vor mir noch Taxis standen ist es nicht erlaubt und gleich will einer ne Verwarnung kassieren. Es klärt sich aber und eigentlich sollten wir wegen dem Passierschein nachfragen. Aber irgendwie fehlt mir die Lust und nen Posten erkenne ich nirgends. Wir fahren also weiter, verlassen Gabu und kommen nach Bafata. Es gibt nun endlich Straße, wenn auch mit den üblichen Schlaglöchern.

Bafata hätte Potential, mehrere Flüsse verbinden sich hier und hübsch grün ist es auch ringsum. Anscheinend war auch mal was los im Örtchen, Kolonialbauten zeugen von kürzlich vergangener Historie, die meisten Häuser unten am Fluss leer, Leben findet sich nur oben an der Hauptstraße mit Markt für den Durchgangsverkehr wie üblich, schade.

Es wird aber schon wieder Zeit für ein Nachtlager, wir wollen es heute noch nicht nach Bissau schaffen obwohl es mangels sehenswerter Ablenkungen nun zügig voran geht. Wir verlassen also irgendwo die Hauptroute und haben mal wieder Piste unterm Gummi.

Diese sogar nicht einmal auf der Karte verzeichnet und führt in verheißungsvolle grüne Gebiete umgeben vom Fluss aus Bafata kommend. Auch hier Verfall überall. Ein riesiges Areal mit Mauer drum herum, europäisch anmutender Landwirtschaftsbetrieb mit Überbleibseln wie Treckern unterm Scheunendach. Sogar ein alter Mähdrescher von NewHolland steht dort und vergammelt. Das angesprochene Potential muss also mal jemand ausgeschöpft haben, warum aber nun nicht mehr? Wir finden eine Stelle und sind natürlich wieder Schnell wie die Affen im Zoo zur Ansicht für die Bevölkerung aus den doch immer nahen Behausungen. Aus Erfahrung legt sich das aber. Am nächsten Morgen dann der übliche Gassirundgang. Hier endlich mal wieder Abwechslung zu den seit einiger Zeit vorherrschenden Cashew-Plantagen. Ein richtiger Urwald, Dschungel, was auch immer. viele Vögel und Getier am Boden.

und weil solch Bild mal wieder nicht richtig Wirkung zeigt, auch als clip:

https://player.vimeo.com/video/258316576

Hübsch anzusehen, aber nix um nen ganzen Tag hier zu bleiben. Außerdem fühlen wir uns schon wieder beobachtet, echt erstaunlich diese Gaffer, haben ihren Ursprung also auch in Afrika 🙂 Wir nehmen unseren Weg in die Hauptstadt wieder auf und sind schon gespannt, was uns in Bissau erwartet.

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